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Totes Meer

Totes Meer
Geographische Lage: Israel, Westjordanland, Jordanien
Zuflüsse: Jordan
Abflüsse: abflusslos
Städte am Ufer: En Gedi, Sedom, Al-Mazra
Daten
Koordinaten 31° 29′ 27″ N, 35° 28′ 47″ OKoordinaten: 31° 29′ 27″ N, 35° 28′ 47″ O
DEC
Höhe über Meeresspiegel 420 m unter dem Meeresspiegel
Fläche 600 km2dep1
Maximale Tiefe 374 m; Seeboden 794 m unter Meerdep1
Besonderheiten * tiefstgelegener See der Erde
  • dritttiefste Kryptodepression
  • tiefste Landstelle der Erde
  • extrem salzhaltig
  • weitgehend bakterielles Leben
  • lokaler Luftdruck an Wasseroberfläche ca. 1.060 hPa (Vgl. Luftdruck auf Meereshöhe =1.013,25 hPa )
  • Sauerstoffgehalt um ca. 5 % erhöht gegenüber Meereshöhe (Literaturwerte 3–10 %)

Das Tote Meer (hebr. ים המלח Jam haMelach bzw. „Salzmeer“; arabisch بحر الميّتBahr al-Mayyit oder بحر لوطBahr Lūt, „Meer des Todes“ oder „Meer des Lot“) ist ein See, der vom Jordan gespeist wird. Er grenzt an Israel, das unter israelischer Verwaltung stehende Westjordanland und an Jordanien.

Der Name geht vermutlich auf Hieronymus aus dem 4. Jahrhundert zurück. Zuvor wurde der See „Salzmeer“ oder „Asphaltsee“ genannt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Tote Meer bildet einen abflusslosen und rund 600 km2 großen Salzsee, der als Endsee in einer Depression liegt. Diese ist Teil des Jordangrabens, der die nördliche Fortsetzung des Großen Afrikanischen Grabenbruchs darstellt. Seine Wasseroberfläche wird häufig mit Werten um 396 m unter dem mittleren Meeresspiegel angegeben; tatsächlich liegt der Wasserspiegel bei einer fortschreitenden Austrocknung bereits seit einigen Jahren unter −400 m. Neueste israelische Angaben (2007) nennen bereits −420 m als Seespiegelhöhe. Die Küste des Sees bildet damit den tiefsten frei zugänglichen Punkt der Erdoberfläche; das Tote Meer ist der am tiefsten liegende See der Erde, aber nicht der tiefste. Der Grund des Sees liegt bei −794 m; damit handelt es sich hier um die dritttiefste Kryptodepression der Erde.

Salzgehalt

Salzverkrustete Steine am Toten Meer

Der Salzgehalt des Toten Meeres beträgt bis zu 33 %, im Durchschnitt rund 28 % (zum Vergleich: der Salzgehalt des Mittelmeeres liegt bei ca. 3 %). Nur der Assalsee in Ostafrika mit knapp 35 % und der Kara-Bogas-Gol in Turkmenistan mit bis zu 34 % sind noch salzhaltiger.

Die Mineralzusammensetzung des Salzes des Toten Meeres unterscheidet sich deutlich von der Salzzusammensetzung von Meerwasser. Es enthält ungefähr 50,8 % Magnesiumchlorid, 14,4 % Calciumchlorid, 30,4 % Natriumchlorid und 4,4 % Kaliumchlorid, bezogen auf die wasserfreien Salze. Der Rest entfällt auf zahlreiche Spurenelemente. Es enthält wenig Sulfat, jedoch relativ viel Bromid.

Das Tote Meer hat keinen Abfluss. Durch das trockene Wüstenklima verdunstet das Wasser, wobei Mineralien, Salze und anderes zurückbleiben und sich im Toten Meer anreichern. Durch den Zufluss von Wasser aus dem Jordan und den Entzug von Wasser durch die Verdunstung pegelt sich die Höhe des Wasserspiegels ein.

Die Zusammensetzung der Salze im Toten Meer ist hygroskopisch, d. h., dass eine der Speisungsquellen gewissermaßen die Luftfeuchtigkeit ist. Dies hat zur Folge, dass bei moderaten Temperaturen Wasser aus dem Toten Meer nie ganz verdunstet und sich auch keine Salzkrusten oder -kristalle bilden.

Entgegen seinem Namen ist das Tote Meer biologisch nicht tot, jedoch beschränkt sich das Leben weitgehend auf verschiedene Mikroorganismen, insbesondere auf anaerobe, Salpeter, Schwefel und Cellulose abbauende Bakterien. Auch manche Pflanzen mit großer Salztoleranz, die Halophyten, können in dieser extremen Umwelt überleben.

Tourismus

Schwimmen im Toten Meer

Touristisch interessante Orte am Toten Meer sowie der näheren Umgebung sind En Bokek, Neve Zohar, die Oase En Gedi sowie Massada, Jericho und die Höhlen von Qumran. Auf der jordanischen Ostseite des Toten Meeres befinden sich auf der Lisan-Halbinsel die Orte Numeira und Bab Edh Dhra (bekannter als Dhra). Es gibt Annahmen, dass sie die Städte Sodom und Gomorrha waren, die nach biblischer Überlieferung zerstört wurden. Dhra ist einer der archäologisch ältesten Orte mit Belegen für den frühen Ackerbau (hier 9.500 v. Chr.) Mehr als 20.000 bronzezeitliche Schachtgräber werden hier vermutet, erst wenige sind ausgegraben.

Bedeutend für die Region ist auch der Badetourismus. Aufgrund des hohen Salzgehaltes, der fast das Zehnfache dessen anderer Meere beträgt, und der damit verbundenen hohen Massendichte trägt das Wasser den menschlichen Körper außergewöhnlich gut. Das Salz verursacht jedoch schon an kleinsten Hautverletzungen brennenden Schmerz; am Ufer sind die Salzverkrustungen oft scharfkantig. Sehr unangenehm – wenn auch nicht gesundheitsschädlich – ist das Meerwasser in den Augen. Lebensgefährlich hingegen ist es, wenn auch nur eine kleine Menge des Wassers in die Lunge gerät.

Gleichzeitig besitzen die Mineralien des Toten Meeres eine heilende Wirkung bei Hautkrankheiten, sodass in manchen Fällen von Neurodermitis und Schuppenflechte ein Kuraufenthalt bzw. Klimaheilbehandlungen auch von deutschen Krankenkassen bezahlt werden. Die Mineralien werden auch in Kosmetika verarbeitet. Die speziellen Bedingungen am Toten Meer erstrecken sich zudem auf einen höheren Luftdruck (+ ca. 50 hPa), einen höheren Sauerstoffgehalt (um ca. 5% mehr). Auch die Ultraviolettstrahlung ist verringert, jedoch nur so gering, dass sich dies nicht gesundheitlich auswirkt.

Wasserspiegel

Es wird gemutmaßt, dass der Pegel um 2000 v. Chr. mit −250 m am höchsten stand. In den 1930er-Jahren strömten jährlich ca. 1300 Mio. m3 Wasser ins Tote Meer, heute sind es noch etwa 350 Mio. m3.

Durch die ständige Wasserentnahme aus dem Jordan zur Versorgung Israels und Jordaniens mit Trinkwasser ist das Tote Meer von schleichender Austrocknung bedroht. 2007 beträgt der Pegel −420 m, er sinkt seit den 1980er-Jahren jährlich um etwa einen Meter, da die Zuflussmenge bei gleich bleibender Verdunstung abnimmt. In den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ist die Oberfläche des Sees um rund ein Drittel geschrumpft. Bis zum Jahre 2020 wird ein Rückgang des Wasserstandes auf −430 m prognostiziert.

Pläne zur Rettung des Toten Meeres sehen vor, einen 300 km langen und fünf Milliarden US-Dollar teuren Kanal vom Roten Meer zu graben. Das durch den Tote-Meer-Kanal zugeführte Wasser könnte den Wasserspiegel stabil halten, und gleichzeitig könnte das Gefälle zur Energieerzeugung genutzt werden. Wissenschaftliche Studien warnen allerdings vor den Risiken eines solchen Vorhabens: Gefahr bestehe zum einen für die Korallenriffe im Golf von Aqaba, von wo das für das Tote Meer gedachte Wasser entnommen werden soll. Zum anderen könne die Vermischung des kalziumhaltigen Wassers des Toten Meeres mit dem sulfatreichen Wasser aus dem offenen Meer zu großflächiger Calciumsulfat-Ausfällung (Gipsbildung) im Toten Meer führen.

Siehe auch

Filme

Quellennachweise


 Commons: Totes Meer – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Totes Meer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik