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Biosoziologie

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Die Biosoziologie ist derjenige Teilbereich der allgemeinen Soziologie, der sich mit der sozialen Formung – der „Institutionalisierung“ – der sozial reflexiv formbaren Mitbringsel des Menschen aus dem Tier-Mensch-Übergangsfeld empirisch und theoretisch befasst.

Inhaltsverzeichnis

Biosoziologie und Soziobiologie

Der Unterschied der Biosoziologie zur Soziobiologie ist umstritten und die Debatte nicht selten mit wechselseitigen Ideologie-Vorwürfen belastet.
Der anfänglich von Edward O. Wilson geprägte Begriff der Soziobiologie vermutete bei sozialem Verhalten auch beim Menschen einen starken biologischen Einfluss. Diese Vermutung stieß zumal in den Geistes- und Sozialwissenschaften auf großen Widerstand. Erst der von Richard Dawkins eingeführte Begriff des Mems und einer damit verbundenen eigenständigen kulturellen Evolution schuf eine gemeinsame Diskussionsbasis. Ähnlich wie Dawkins geht die Biosoziologie nicht von rein biologischen Vorteilen von sozialem Verhalten aus, sondern nimmt ebenfalls eine unabhängige Entwicklung der Kultur vom Genotyp des Menschen an.
Die Sozialwissenschaften besitzen jedoch im Vergleich zur Biologie ein unterschiedliches Begriffssystem. Demnach soll in der Biosoziologie nicht etwa ein soziales Verhalten (der Begriff ist abhängig von metaphysischen – entweder moralischen/ethischen oder monistisch-physiologischen – Vorstellungen), sondern das soziale Handeln biologisch fixiert werden. Zentral hierbei ist der Begriff der Institution, welcher hier vor Allem soziale Regeln und damit verbundene Durchsetzungsmechanismen meint.

Instinkt-Bauprinzipien

Bereits Arnold Gehlen (vgl. dort) hat philosophisch-anthropologisch den Satz aufgestellt, dass der „Mensch“ (mit Friedrich Nietzsche) „das nicht festgestellte Tier“ sei, nämlich ein Tier ohne Instinkte, die ihn in festen Reaktionsbahnen halten könnten. Deswegen fehle ihm als einem Mängelwesen die (bei Tieren instinktförmig mitgegebene) Sicherheit des Verhaltens. Er habe aber, und das sei seine menschliche Besonderheit, an Stelle der Instinkte die „Institutionen“ entwickeln können. Institutionen gäben ihm ebenfalls Sicherheit, aber nicht für alle Menschen einförmig, sondern – je nach der sozialen Ausprägung der Institutionen – von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich. Insofern genüge eine biologische Instinktlehre für ihn nicht.
Vertiefend hat Dieter Claessens (s. dort) angenommen, dass der Mensch diesseits des Tier-Mensch-Übergangsfeldes seine Instinkte keinesfalls restlos verloren habe, sondern dass noch „Instinktstümpfe“, d. h. Instinkt-Bauprinzipien, erhalten seien. Durch die besondere menschliche Gabe, nicht instinktgepeitscht z. B. fliehen oder angreifen zu müssen, sondern sein eignes Tun innehaltend (es nach eigenem Urteil verzögernd) ins Auge zu fassen (es, wie in einem Spiegel‘ zu reflektieren), könne er gewisse Wahlen treffen. Aus denen entstehen erste Institutionen (z. B. „das Erzählen“), die sich dann aber biologisch-anthropologisch ihrerseits verfestigen könnten, so dass Instituiertes wieder instinktähnlich funktioniere und vmtl. nicht mehr rückgängig gemacht werden könne (Gleichnis des point of no return).

Reichweite der neuen Eigenschaften

Claessens vermutet (1980, in „Das Konkrete und das Abstrakte“), dass diese sekundär vom Frühmenschen erworbene Handlungssicherheit nur so weit reiche, wie die Herausforderungen eines Jäger- und Sammlerlebens. Der überwältigenden Menge von Abstraktionen, die sich seither, d. h. seit der Erfindung von Ackerbau und Viehzucht, heraus gebildet hätten, stünde der Mensch weitaus handlungsunsicherer gegenüber.

Deutungen des „Handelns

Was ‚wirklich‘ aus dem „Innehalten“ (aus der momentanen Befreiung von Verhaltenszwängen) hervor gegangen sein mag, ist (z. B.) philosophisch vielfach untersucht bzw. postuliert worden. Ob hier eine – immer als ‚typisch menschlich‘ anzusehende – Genese des „Willens“ oder der „Reflexion“ oder des „Gewissens“ oder der „Wesensschau“ oder gar der (bzw. einer) „Seele“ vorliege, ist strittig. In der Soziologie des sozialen Handelns wird axiomatisch oft von der Reflexion ausgegangen (vgl. z. B. die Theorie der rationalen Entscheidung (rational choice theory) oder die Frankfurter Schule), selten vom „Willen“ (vgl. z. B. Ferdinand Tönnies) oder von der Genese der Moral (vgl. z. B. Zygmunt Bauman).

Literatur