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Imipramin

Strukturformel
Allgemeines
Freiname Imipramin
Andere Namen

10,11-Dihydro-N,N-dimethyl-5H-dibenz- [b,f]azepin-5-propanamin (IUPAC)

Summenformel C19H24N2
CAS-Nummer 50-49-7
PubChem 3696
ATC-Code

N06AA02

DrugBank APRD00672
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Trizyklisches Antidepressivum

Fertigpräparate

Tofranil® (CH), Pryleugan® (D)

Verschreibungspflichtig: Ja
Eigenschaften
Molare Masse 280,40 g·mol−1
Schmelzpunkt

174,5 °C [1]

pKs-Wert

9,4 [1]

Löslichkeit

Wasser: 18,2 mg·l−1 (24 °C) [1]

Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung [2]

Xn
Gesundheits-
schädlich
R- und S-Sätze R: 22-36/37/38
S: 26-36
Bitte beachten Sie die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
LD50
WGK 3 (stark wassergefährdend) [2]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Imipramin zählt chemisch zur Klasse der Dibenzazepine und ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Imipramin war der erste moderne Arzneistoff zur Behandlung von Depressionen überhaupt und wurde zum Prototypen einer ganzen Klasse von Psychopharmaka. Entwickler und Hersteller war der Schweizer Konzern Geigy; die Markteinführung erfolgte 1958.

Als Antidepressivum war es eine Zufallsentdeckung: Es sollte als Neuroleptikum bei Schizophreniekranken eingesetzt werden. Bei der klinischen Erprobung stellte man fest, dass es für diesen Zweck untauglich war, jedoch gegen depressive Symptome gut wirkte. Imipramin ist strukturell ein Analogon des Promazins (verbrückt mit –CH2–CH2– statt –S–).

Indikationen

Imipramin ist für die Therapie aller Formen von depressiven Erkrankungen zugelassen, bei Pavor nocturnu und Enuresis nocturna, außerdem zur adjuvanten Therapie chronischer Schmerzen.

Eine Anwendung bei Angstzuständen und Phobien ist gängig, geschieht allerdings ohne entsprechende Zulassung und damit Off-Label. Ebenso die Anwendung bei einer Retrograden Ejakulation.

Wirkung

Imipramin hemmt im ZNS die Rückaufnahme von Monoaminen aus dem synaptischen Spalt in die präsynaptischen Vesikel und bewirkt so einen Konzentrationsanstieg der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin im Plasma. Der bei Depressionen beobachtbare relative Mangel dieser Botenstoffe wird nun durch die erhöhte Verfügbarkeit ausgeglichen. Die so verbesserte neuronale Übertragung führt letztlich zu einer Milderung depressiver Symptome.

Imipramin greift in weitere Übertragungsprozesse im Gehirn ein und wirkt z. B. anticholinerg (als Antagonist bestimmter Acetylcholin-Wirkungen) und antihistaminisch. Es entstehen so die charakteristischen Nebenwirkungen der trizyklischen Antidepressiva.

Die aktivierenden und dämpfenden Teilwirkungen halten sich in etwa die Waage. Stimmungsaufhellende Stoffe mit einer ähnlich antriebsneutralen Wirkung werden auch als Antidepressiva vom Imipramin-Typ bezeichnet – mitunter selbst solche, die nicht zu den Trizyklika gehören.

Die sedierende Wirkkomponente vermindert sich meistens im Laufe der Anwendungsdauer; der stimmungsaufhellende Effekt tritt ebenfalls erst nach einer Einnahmedauer von ca. 2–3 Wochen ein.

Darreichungsformen, Dosierung

Imipramin existiert als Generikum und als Originalpräparat Tofranil® in Form von Tabletten oder Dragees zur oralen Einnahme. Die mittlere tägliche Dosis beträgt 50–150 mg, maximal 300 mg.

Schwangerschaft und Stillzeit

Es gibt klare Hinweise für Risiken des menschlichen Foetus, aber der therapeutische Nutzen für die Mutter kann überwiegen. Neugeborene, deren Mütter bis zur Geburt Imipramin eingenommen hatten, zeigten in den ersten Stunden oder Tagen Symptome wie Atemstörungen, Lethargie, Koliken, Reizbarkeit, Hypotonie, Hypertonie, Zittern oder Krämpfe. Zur Vermeidung dieser Symptome sollte Imipramin – soweit vertretbar – mindestens 7 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin abgesetzt werden. Imipramin und sein Metabolit Desmethylimipramin treten in kleinen Mengen in die Muttermilch über. Da über die klinische Relevanz für den Säugling nichts bekannt ist, sollte abgestillt oder das Medikament abgesetzt werden.[3]

Reaktionsbereitschaft

Es können verschwommenes Sehen, Schläfrigkeit oder andere zentralnervöse Symptome auftreten. In diesem Fall sollten die Patienten kein Motorfahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Tätigkeiten verrichten, die ihre volle Aufmerksamkeit erfordern.[4]

Unerwünschte Wirkungen

Imipramin hat vorwiegend vegetative Nebenwirkungen:

Weiterhin können auftreten:

Psychische Störwirkungen sind Müdigkeit, aber auch aggressives Verhalten und Verwirrtheit (selten: pharmakogenes Delir). Imipramin kann bei Bipolaren Erkrankungen ein Umschlagen einer depressiven in eine manische Phase bewirken.

Genotoxisches Potential

Im Tierversuch führte Imipramin zu Erbgutschäden. Möglicherweise erhöht die Einnahme von Imipramin das Brustkrebsrisiko.[5][6]

Einzelnachweise

  1. a b c d e Imipramin bei ChemIDplus
  2. a b Sicherheitsdatenblatt für Imipramine hydrochloride – Sigma-Aldrich 14.01.2008
  3. Fachinformation des Arzneimittel-Kompendium der Schweiz: Tofranil; Stand: Juni 1996
  4. Fachinformation des Arzneimittel-Kompendium der Schweiz: Tofranil; Stand: Juni 1996
  5. http://www.cihr-irsc.gc.ca/e/documents/anti_breast_release.pdf Heavy exposure to some tricyclic antidepressants associated with elevated risk of breast cancer
  6. British Journal of Cancer, Volume 86, S. 92–97, Ausgabe vom 7. Januar, 2002
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