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Relativer Produktivitätsvorteil

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Der relative Produktivitätsvorteil ist ein Begriff mit Bezug auf den Export einer Volkswirtschaft. Er bezeichnet diejenigen Güter , bei denen das Land über eine relativ hohe Produktivität verfügen bzw. bei denen ein relativen Produktivitätsvorteil besteht. Beschrieben wird dieser Sachverhalt expliziet im Ricardo-Modell.

Inhaltsverzeichnis

Alternative Definition

Grundprognose des Ricardo-Modells - dass Länder am ehesten diejenigen Güter exportieren, bei denen sie über eine relativ hohe Produktivität verfügen.[1]

Erläuterung der Produktivität

Der Begriff der Produktivität kann beschrieben werden als eine Kennzahl für die Leistungsfähigkeit in einer Volkswirtschaft. Genauer definiert er das Verhältnis zwischen Output (Ausbringungsmenge) und Input (Einsatzmenge).

Anwendungsbeispiel

Im Folgenden wird der relative Produktivitätsvorteil an einem abstrakten Beispiel von Nord- und Südland erklärt.

Betrachten wir als erstes 2 Länder, einmal das Nordland und einmal das Südland. Beide Länder befinden sich auf unterschiedlichen Kontinenten. Diese Länder sind seit Jahren souveräne Volkswirtschaften die sich jeweils auf die Produktion bzw. auf die Herstellung eines einzelnen Gutes spezialisiert haben.

Die Annahmen für Nordland:

Die Menschen aus dem Nordland produzieren schon seit Generationen Eisprodukte und leben in einem kalten Klima. Es besteht eine erhebliche Nachfrage nach Sand.

Die Annahmen bei Südland:

Im Südland herrschen permanent tropische Temperaturen und es gibt große Sandreserven. Dies führt in Verbindung mit einem Mehr an Know-How zu Vorteilen im Bezug auf Sandförderung und Sandverarbeitung. Es besteht ein Bedarf an Eis.

Veranschaulichen wir uns den Sachverhalt noch einmal an einem konkreten Zahlenbeispiel:

Zahlenbeispiel

Nordland

Eiswürfelproduzent 1000kg Eis pro Jahr
Eiswürfelproduzent 100kg Sand pro Jahr

Wie man anhand der Zahlen erkennen kann ist der Nordländer bei der Eisherstellung um das Zehnfache produktiver als bei der Sandförderung.

Südland

Sandförderer 1000kg Sand pro Jahr
Sandförderer 100kg Eis pro Jahr

Und bei den Südländern ist es genau umgekehrt, sie schaffen es das Zehnfache an Sand zu fördern als Eis herzustellen.

Das Beispiel zeigt folgendes auf:

Die Nordländer haben einen Vorteil bei der Produktion von Eis und die Südländer bei der Förderung von Sand. Wenn davon ausgegangen wird, dass beide Länder Freihandel praktizieren, kommen die relativen Produktionsvorteile zur Geltung. Die Nordländer beziehen den Sand aus Südland und die Südländer beziehen das Eis von Handelspartner Nordland.

unter Freihandelsbedingungen ändert sich das Beispiel wie folgt:

Eis Sand
Nordland +1000kg -100kg
Südland -100kg +1000kg
Summe +900kg +900kg

Die Nordländer haben Ihre jährliche Sandförderung von 100kg aufgegeben und produzieren 1000kg Eis mehr und die Südländer haben Ihre jährliche Produktion von 100kg Eis aufgegeben und fördern jetzt 1000kg Sand mehr. Durch diese Umorganisation der Produktion haben beide Länder einen Vorteil und die gesamte Weltwirtschaft vergrößert sich. Weiterhin vergrößert sich der Lebensstandard aller Beteiligten.


Wie man an diesem einfachen Zahlenbeispiel sehen kann führt internationaler Handel im Modell zu einer Steigerung der weltweiten Produktionsmenge. Die Nordländer können ohne größeren Arbeits- und Kostenaufwand Eis produzieren und für die Südländer gilt das gleiche für die Sandförderung. Ökonomische Probleme gibt es dann, wenn sich beide Länder an der Produktion bzw. Förderung des Rohstoffes des jeweils anderen Landes versuchen.

Quellen

Literatur

Krugman, Paul R. und Maurice Obstfeld, Maurice, Internationale Wirtschaft: Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7. Aufl., München: Pearson, 2006

Horst Siebert: Außenwirtschaft, 8. Auflage, Lucius & Lucius, Stuttgart 2006

Dr. Udo Broll, Einführung in die reale und monetäre Außenwirtschaft, R. Oldenbourg Verlag München Wien, 1995

Dr. Helmut Wagner,Einführung in die Weltwirtschaftspolitik, R. Oldenbourg Verlag München Wien, 1995

Gabler Wirtschaftslexikon, 16. Auflage, Wiesbaden, 2005

Einzelnachweise

  1. P. Krugman, M. Obstfeld; Internationale Wirtschaft, 7. Auflage, München u.a., 2006, S. 80