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Therapeutisches Fenster

Therapeutisches Fenster, gelegentlich auch therapeutische Breite genannt, ist ein Begriff aus der Pharmakologie.

Ein idealer Wirkstoff hat ein sehr breites therapeutisches Fenster, das heißt er ist bereits in sehr geringen Dosen wirksam und bleibt auch bei hohen Dosen ohne Nebenwirkungen wirksam und für den Patienten gut verträglich.

Die klinische Phase II zur Prüfung eines Arzneimittels dient in den meisten Fällen der Dosisfindung und der Ermittlung des therapeutischen Fensters.

Die Behandlung mit Wirkstoffen, die nur ein sehr enges therapeutisches Fenster haben, ist außerordentlich schwierig und aufwändig. Solche Medikamente müssen per Monitoring gegebenenfalls ständig überwacht und der Patient auf den Wirkstoff eingestellt werden.

Der menschliche Stoffwechsel ist von Person zu Person recht unterschiedlich und außerordentlich Komplex. Neben genetischen Faktoren, die eine erhebliche Rolle spielen können (siehe Pharmakogenetik und Pharmakogenomik), spielt beispielsweise die Nahrungsmittelaufnahme vor der Verabreichung eines Medikamentes, eine große Rolle. Kranke Menschen haben zudem häufig einen deutlich anderen Stoffwechsel als Gesunde. Frauen haben naturgemäß einen anderen Stoffwechsel als Männer.[1] Hinzu kommt, dass sich viele Wirkstoffe gegenseitig beeinflussen. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Johanniskraut, dessen Einnahme die Wirksamkeit von Kontrazeptiva aufheben kann.

Beispiele für Wirkstoffe mit einem sehr engem therapeutischen Fenster: Colchicin, viele Zytostatika

Beispiele für Wirkstoffe mit einem sehr breiten therapeutischen Fenster: Melatonin, Berberin, Acetylsalicylsäure

Einzelnachweise

  1. Der Standard, Ausgabe vom 29. Mai 2007, "Frauen brauchen eine niedrigere Dosis"