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Riesenmausmakis

Riesenmausmakis
Systematik
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini)
Familie: Katzenmakis (Cheirogaleidae)
Gattung: Riesenmausmakis
Wissenschaftlicher Name
Mirza
Gray, 1870

Die Riesenmausmakis (Mirza) sind eine Primatengattung aus der Familie der Katzenmakis (Cheirogaleidae). Sie umfasst momentan zwei Arten, die beide im westlichen Madagaskar leben: den Nördlichen oder Kleinen Riesenmausmaki (Mirza zaza, Kappeler und Roos 2005) und den Südlichen oder Großen Riesenmausmaki (Mirza coquereli, Grandidier 1867). Dass es sich beim Nördlichen Riesenmausmaki um eine eigene Art handelt, wurde erst im Jahr 2005 von Forschern des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) und der Georg-August-Universität Göttingen erkannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das Fell dieser Tiere ist an der Oberseite rötlich-grau gefärbt, die Unterseite ist heller, meist gelblich-grau. Der Kopf ist rund, mit relativ großen Ohren und Augen. Der Schwanz ist länger als der Körper und buschig. Wie der Name andeutet, ähneln diese Tiere den Mausmakis, werden aber deutlich größer. Sie erreichen eine Kopfrumpflänge von 23 bis 25 Zentimeter, eine Schwanzlänge von rund 28 Zentimetern und ein Gewicht von 280 bis 340 Gramm. Mirza coquereli ist etwas größer und schwerer als Mirza zaza, dafür besitzt Mirza zaza jedoch ein relativ größeres Hodenvolumen.

Lebensraum und Lebensweise

Riesenmausmakis leben in tiefergelegenen Trockenwäldern an der Westküste Madagaskars, meist in der Nähe von Flüssen. Sie sind nachtaktiv, den Tag verbringen sie in selbstgebauten Nestern aus Blättern und Zweigen. Mirza coquereli verbringt den Tag alleine oder höchstens mit dem Nachwuchs. Für Mirza zaza sind dagegen auch gemischte Schlafgruppen beobachtet worden, was zeigt, dass sich die soziale Organisation dieser beiden Arten fundamental unterscheiden. Die Nester von Mirza coquereli haben einen Durchmesser von bis zu 50 cm und werden meist auf Bäumen der Gattung Securinega hoch im Kronendach angelegt. In der Nacht begibt sich Mirza coquereli auf Nahrungssuche, wobei sie sich meist in Höhen von 5 bis 10 m aufhalten. Mirza coquereli etablieren Streifgebiete von ca. 4 Hektar, die sich mit denen von mehreren Nachbarn überlappen. Männliche Tiere erweitern ihre Streifgebiete während der Fortpflanzungsperiode bis um das dreifache. Männchen und Weibchen von Mirza coquereli leben einzelgängerisch und verteidigen ihr Streifgebiet (vor allem die Männchen) vehement gegenüber Geschlechtsgenossen. Die Grenzen des Streifgebiets werden vermutlich mit Urin und Duftdrüsensekret markiert. Eine Reihe von Lauten sind für die Tiere bekannt, die zum jetzigen Zeitpunkt jedoch keiner genauen Funktion zugeordnet werden können.

Ernährung

Riesenmausmakis sind Allesfresser, die Früchte, Blüten, Knospen, Baumsäfte und Insekten zu sich nehmen. Ihre Ernährung ist zum Teil jahreszeitenabhängig: in feuchten Perioden verzehren sie vorrangig Früchte; Für Mirza coquereli ist bekannt, dass sie sogar die sympatrisch vorkommenden Mausmakis gelegentlich fressen. In der Trockenzeit werden oft auch Insektenexudate (Ausscheidungen von Pflanzenläusen) als Energiequelle genutzt.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung beider Arten ist nicht einheitlich. Die Tragzeit beträgt rund 90 Tage, meist kommen Zwillinge zur Welt (seltener Einzelgeburten). Nach vier bis fünf Monaten werden die Jungtiere entwöhnt, mit knapp zwei Jahren werden sie geschlechtsreif. Weibchen von Mirza zaza sind das ganze Jahr über fruchtbar, wobei sich diese Information auf eine Studie an in Gefangenschaft lebenden Tieren bezieht. Für Mirza coquereli ist dagegen bekannt, dass Weibchen stark synchronisierte Fortpflanzungszyklen haben und sich die Fruchtbarkeit von Weibchen einer Population im Kirindy- Wald auf ein paar Wochen im November beschränkt; von einzelnen Tieren sogar auf nur ein paar Tage, vielleicht nur eine Nacht. Inwieweit die ganzjährige Fruchtbarkeit von in Gefangenschaft lebenden weiblichen Individuen, der erst im Jahr 2005 beschriebenen Art Mirza zaza Gültigkeit hat, ist daher zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen und muss erst durch eine ausführliche Studie an frei lebenden Individuen bestätigt werden.

Bedrohung

Die Abholzung der Regenwälder gilt als die Hauptbedrohung der Riesenmausmakis. Schätzungen aus den 1990er-Jahren beziffern die Populationsgröße auf 10.000 bis 100.000 Tiere, die IUCN listet sie als gefährdet (vulnerable) – diese Quellen sahen aber beide Arten noch als eine gemeinsame Art an.

Systematik

Manche ältere Systematiken ordnen die Riesenmausmakis noch in die Gattung der Mausmakis (Microcebus) ein, dies wird jedoch meist als veraltet angesehen.

Literatur