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Manfred von Ardenne

Manfred Baron von Ardenne (* 20. Januar 1907 in Hamburg; † 26. Mai 1997 in Dresden-Weißer Hirsch) war ein deutscher Naturwissenschaftler. Er war als Forscher vor allem in der angewandten Physik tätig und hielt am Ende rund 600 Erfindungen und Patente in der Funk- und Fernsehtechnik, Elektronenmikroskopie, Nuklear-, Plasma- und Medizintechnik.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Manfred von Ardenne entstammte einer adligen Familie, aus deren Reihen das deutsche Kaiserreich seine staatstragende Elite rekrutierte. Er kam 1907 in Hamburg als Sohn des Regierungsrates Baron Egmont von Ardenne und dessen Frau Adela zur Welt. Seine Großmutter Elisabeth von Plotho war das authentische Vorbild für Theodor Fontanes Romanfigur Effi Briest. 1938 heiratete er Bettina Bergengruen. Als der Vater 1913 ins Kriegsministerium versetzt wurde, zog die Familie nach Berlin und nahm ihren Wohnsitz in dem von Adeligen und Offizieren geprägten Villenvorort Lichterfelde. Bis zum Zusammenbruch des Kaiserreichs erhielten die Kinder der Familie eine standesgemäße private Erziehung und besuchten keine öffentliche Schule. Manfred wurde zu Hause von Privatlehrern individuell unterrichtet, wobei sein Interesse für die Naturwissenschaften - insbesondere für die neuesten Erkenntnisse der Elektrophysik - außerordentlich unterstützt und gefördert wurde. Sein Wissensvorsprung wurde im Kreis jugendlicher Altersgenossen offensichtlich, als er für drei Schuljahre ab 1919 ein Realgymnasium in Berlin besuchte. Bei einem Schulwettbewerb reichte er die Modelle eines Fotoapparats und einer elektrischen Alarmanlage ein und belegte damit den ersten Platz. Außerdem hatte er sich mit Problemen der aufkommenden Rundfunktechnik befasst und dabei die Idee zur Nutzung spezieller Elektronenstrahlröhren zur Patentreife entwickelt.

Nachdem Manfred von Ardenne im Alter von 16 Jahren sein erstes Patent für ein „Verfahren zur Erzielung einer Tonselektion, insbesondere für die Zwecke der drahtlosen Telegraphie“ erhalten hatte, verließ er 1923 vorzeitig das Gymnasium und widmete sich der Weiterentwicklung der Radiotechnik. Siegmund Loewe, der Gründer der Loewe-Opta Werke, der Ardennes technische Begabung erkannte, wurde sein Mentor und förderte ihn.

Mit Honorar für seine Veröffentlichungen und Geldern aus dem Patentverkauf verbesserte Manfred von Ardenne 1925 den Breitbandverstärker (widerstandsgekoppelter Verstärker) erheblich, der u.a. die Entwicklung des Fernsehens und Radars entscheidend voranbrachte. Ein Patent auf diese Verbesserung wurde ihm wegen Vorveröffentlichung jedoch aberkannt. Im gleichen Jahr schrieb er sich dank Hilfe aus dem Familienkreis und ohne das Abitur erreicht zu haben, an der Universität in Berlin ein und begann Physik, Chemie und Mathematik zu studieren. Er brach das Studium jedoch nach vier Semestern wieder ab und wandte sich als Autodidakt wieder ganz seinen privaten Forschungen auf dem Gebiet der angewandten Physik zu.

1928 wurde Manfred von Ardenne volljährig und gründete ein Forschungslaboratorium für Elektronenphysik in Berlin-Lichterfelde, das er bis 1945 leitete. Von 1928 bis 1945 war Manfred von Ardenne u.a. an der Entwicklung des Fernsehens mit Leuchtfleck-Zeilenabtastung und zeilenweiser Wiedergabe mit einer Braun'schen Röhre, an der Erfindung des Rasterelektronenmikroskops sowie an der Radarentwicklung und atomaren Arbeiten beteiligt.

Die weltweit erste vollelektronische Fernsehübertragung mit Kathodenstrahlröhre gelang Manfred von Ardenne Weihnachten 1930. Zur Funkausstellung in Berlin führte er 1931 das erste vollelektronische Fernsehen vor, mit dem er es bis auf das Titelblatt der New York Times schaffte. Mitte des 20. Jahrhunderts gingen eine Vielzahl bedeutender Erfindungen auf den Gebieten der Funk- und Fernsehtechnik und der Elektronenmikroskopie auf die Arbeit seines privaten Forschungsinstitutes zurück.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Institut von Manfred von Ardenne und dem Reichspostministerium unter Wilhelm Ohnesorge ist noch nicht in allen Einzelheiten aufgearbeitet. Hier sei besonders auf die Entwicklung eines elektromagnetischen Massentrenners (eine Art präparatives Massenspektrometer) für Uran hingewiesen, dessen Prototyp wahrscheinlich 1943 auf einem Luftwaffenstützpunkt in Bad Saarow aufgebaut wurde. [1] Auch die Entwicklung eines Lithium-Trenners im Jahre 1945 wurde noch nicht umfassend erforscht. [2] Sie könnte allerdings auf die bislang noch kontrovers diskutierte Entwicklung einer thermonuklearen Bombe im Dritten Reich hinweisen, für die Lithium-6 ein Grundstoff ist.

Hingewiesen werden soll noch auf die kurzzeitige Zusammenarbeit von Ardenne mit Fritz G. Houtermans im Jahre 1941. Während dieser Zeit schrieb Houtermans Zur Frage der Auslösung von Kern-Kettenreaktionen (August 1941). Die Forschungsarbeit gibt explizit die Gewinnung von Plutonium an und seine Vorteile als Kernspaltstoff gegenüber U-235. In einem späteren Schreiben weist von Ardenne 1987 nochmals auf die Arbeit von Houtermans hin und fügt auch die Namen an, an die die Forschungsarbeit 1941 verteilt worden ist. Als Motiv gibt er an, dass sich niemand aus dem Kreis der deutschen Kernphysiker nach dem Krieg an diesen Forschungsbericht erinnern wollte.

Von 1945 bis 1954 arbeitete von Ardenne, gemeinsam mit anderen deutschen Technikern und Wissenschaftlern zwangsverpflichtet [3], an der Entwicklung der sowjetischen Atombombe mit. [4] Mit dem in Berlin gegründeten Forschungslaboratorium für Elektronenphysik zog er nach Sochumi in Abchasien, Georgien um, wo der NKWD am 27. Juli 1945 ein Physikalisch-Mathematisches Institut eröffnet hatte. [5] Dort entwickelte er einen magnetischen Isotopentrenner und eine Duoplasmatron-Ionen-Quelle. 1953 erhielt er für seine Mitarbeit an der Bombe den Stalinpreis.

Nach seiner Rückkehr aus der Sowjetunion unterhielt Ardenne in der DDR ein nach ihm benanntes Forschungsinstitut auf dem Weißen Hirsch in Dresden, wo er auch in einem Haus, das die Regierung der DDR zuvor enteignet und ihm dann überlassen hatte, lebte. Es entwickelte sich zum größten privaten Forschungsinstitut des gesamten Ostblocks - mit rund 500 Mitarbeitern. Stellvertretender Direktor des Institutes war seit 1965 Prof. Siegfried Schiller.

Hauptartikel: Forschungsinstitut Manfred von Ardenne

Außerdem war von Ardenne Professor für elektronische Sonderprobleme der Kerntechnik an der Technischen Universität Dresden. Er wurde zweimal mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. Insgesamt besaß er ca. 600 Patente.

Auf dem Gebiet der Medizin entwickelte von Ardenne zwei unterschiedliche, teilweise kombinierte Therapien. Die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie wurde und wird auch dazu eingesetzt, Energiestatus und Vitalität zu verbessern. Die Differenz zwischen arteriellem und venösem Sauerstoffpartialdruck nimmt im Laufe des Lebens ab, und zunehmend ab dem fünften Lebensjahrzehnt. Die SMT ist in der Lage, die Situation wieder zu verbessern. Das entspricht einer Verschiebung um ca. fünfzehn Jahren. Aktuell wird Sauerstoffmangel auch als Ursache für die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit diskutiert. [6] Die sogenannte systemische Krebs-Mehrschritt-Therapie zur Krebsbehandlung, bei der der Krebs und die Metastasen durch Hyperthermie (Überwärmung) ggf. in Kombination mit einer Chemotherapie in mehreren Behandlungsstufen bekämpft werden sollte. Von Ardenne ist der Erste der die Hyperthermie zur Krebsbekämpfung einsetzte. Da dieses Verfahren sehr anstrengend ist setzte er zur Unterstützung der Patienten während der Behandlung Sauerstoff ein.

Von Ardenne war unter anderem Mitglied der Internationalen Astronautischen Akademie in Paris und Volkskammerabgeordneter. Bei der Volkskammersitzung am 13. November 1989 entwickelte er eine originelle Theorie für eine Sozialistische Marktwirtschaft, die er aus der Systemtheorie begründete und die mit der Aufforderung zur Dezentralisierung der Wirtschaft begann.

Von Ardenne war Autor der Physik-Monographie Tabellen zur angewandten Physik, erschienen im Deutschen Verlag der Wissenschaften (1964), des Werkes Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie und vieler anderer Bücher und Publikationen. Er war außerdem seit 26. September 1989 Ehrenbürger der Stadt Dresden.

Literatur

Quellen

  1. Rainer Karlsch: Hitlers Bombe. DVA, München 2005, ISBN 3-421-05809-1
  2. Manfred von Ardenne: Ein glückliches Leben für Technik und Forschung. Verlag der Nation, Berlin 1982, S.389 (6. Aufl.)
  3. Autobiografie
  4. Wir haben die russische Atombombe beschleunigt: Interview mit Manfred von Ardenne. In: Michael Schaaf: Heisenberg, Hitler und die Bombe. Gespräche mit Zeitzeugen. GNT-Verlag, Berlin 2001
  5. The Messenger, Tbilisi: Polonium 210 comes from Abkhazia - Georgian Greens
  6. Weihong Song, University of British Columbia, Proceedings of the National Academy of Sciences, 2006


Personendaten
Ardenne, Manfred Baron von
deutscher Naturwissenschaftler
20. Januar 1907
Hamburg
26. Mai 1997
Dresden-Weißer Hirsch