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Berliner Kindl

Berliner Kindl
Gründung: 1872
Sitz: Berlin (Deutschland)
Firmentyp: Brauerei
Website: www.berliner-kindl.de

Berliner Kindl war eine 1872 als „Vereinsbrauerei Berliner Gastwirte zu Berlin AG“ im Berliner Stadtteil Neukölln gegründete Brauerei. Sie wurde 1910 in „Berliner Kindl Brauerei – Aktiengesellschaft“ umbenannt und ist heutzutage eine bekannte Biermarke der Oetker-Gruppe.

Seit 1907 symbolisiert der „Goldjunge im Krug“ das Berliner Kindl.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gründerjahre

Am 1. Februar 1872 gründeten die Gastwirte Peter Joseph Linke, Philipp Jaeger, Ernst Baumbach, Franz Specht und Fritz Schmiedel, der Kaufmann Heinrich Mestern, der Bankdirektor Otto Swoboda und Dr. Bernhad Heßlein an der Hermannstraße 214, Ecke Rollbergstraße in Rixdorf die Vereinsbrauerei Berliner Gastwirte zu Berlin AG. Ihr Ziel war es, untergäriges Bier zu brauen, obwohl daran schon Georg Leonhard Hopf und Kaufmann Fanta gescheitert waren.

Mit ihrem Grundkapital von einer Million Thaler (preußisch Kurant) erwarben sie Grundstücke in der Berliner Straße/Jägerstraße, auf denen sie neben den für den Braubetrieb notwendigen auch Gebäude für Nebengeschäfte errichteten. Trotz unvollendeter Bauarbeiten wurde die Brauerei am 1. März des folgenden Jahres eröffnet. Der erste Bierausstoß erfolgte am 17. März.

Nach der Umbenennung in Vereinsbrauerei Rixdorf gelang es 1889/90, die angestrebte Produktion von einhunderttausend Hektolitern Bier zu erreichen. Anfang der 90er Jahre begann man ein Spezialbier nach Bayrisch-Münchener Art mit dem Namen Berliner Kindl zu brauen. Dieses erfreute sich schon bald großer Beliebtheit und führte zur Überschreitung der Zweihunderttausend-Hektoliter-Marke. Der Name des Bieres nahm Bezug auf die im 19. Jahrhundert unter dem Namen Münchner Kindl populär gewordene Wappenfigur Münchens, eventuell auch auf die nach dieser benannte Münchner-Kindl-Brauerei.

Um das Markensymbol zeitgemäßer zu gestalten, wurde 1907 ein Wettbewerb gestartet, in dem der Entwurf von Georg Räder gewann. Seither ist der „Goldjunge im Krug“ das Markenzeichen der Brauerei.

1909 entschloss man sich, sich auf die Produktion des 13%igen Berliner Kindl zu konzentrieren. Am 17. Dezember 1910 beschloss die Generalversammlung der Vereinsbrauerei Rixdorf, ihren Namen in „Berliner Kindl Brauerei – Aktiengesellschaft“ zu ändern. Die frisch umbenannte Brauerei begann nun, etwa 20 kleinere Brauereien aufzukaufen. Dieser Trend sollte sich später vor allem in den Goldenen Zwanzigern ausprägen.

1. Weltkrieg und seine Folgen

Im Ersten Weltkrieg verschlechterte sich die Situation des Betriebs. Die Kontingentierung des Malzverbrauches und der Mangel an Arbeitskräften, Roh- und Brennstoffen führten zu Einschränkungen in der Produktion.

Durch den Verkauf zweier Brauereien konnte 1920 eine betriebswirtschaftliche Stabilisierung erreicht werden. Die Abteilung II in Potsdam nahm erneut ihren Betrieb auf und ermöglichte eine Jahresproduktion von 1,1 Millionen Hektoliter Berliner Kindl.

Von nun an ging es aufwärts. Trotz – oder gerade wegen – der Weltwirtschaftskrise schrieb die Brauerei schwarze Zahlen und konnte ihren Betrieb erweitern. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich mit dem erhöhten Alkoholkonsum Arbeitsloser begründen.

Die Nationalsozialisten vergaben an den Betrieb das Siegel Nationalsozialistischer Musterbetrieb. Spätere Absatzschwierigkeiten mussten mit einem arbeitsfreien Mittwoch ausgeglichen werden.

Zerstörung durch den 2. Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg traf die Brauerei noch härter. Die Hälfte des Fuhrparks und viele Mitarbeiter wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Allerdings konnten die Berliner Verkehrsbetriebe aushelfen und mit Straßenbahnen die Auslieferung des Bieres übernehmen. Als Folge der Rationalisierungen musste 1941 der Stammwürzegehalt auf 8% gesenkt werden.

Im Juni 1944 zerstörten Fliegerangriffe die in der Nähe des Flughafen Tempelhof gelegenen Brauereigebäude stark. Kriegsgefangene wurden zur Beseitigung der Trümmer und zum Abtransport des Bieres eingesetzt. So konnte schon im Juli der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Nachkriegszeit

Auch die Nachkriegsjahre verliefen für die Kindl Brauerei unerfreulich. Da Deutschland Reparationszahlungen an die Sowjetunion leisten musste, baute man weite Teile der Brauwerke ab und errichtete aus ihnen in Moskau eine neue Brauerei.

Nur durch Tauschgeschäfte konnten die Anlagen wieder notdürftig errichtet werden. Diese zusammengeschusterte Anlage konnte schließlich 1947 ihren Betrieb wieder aufnehmen. Hierbei sei angemerkt, dass die ersten zwei Hektoliter am Tage der Wiedereröffnung von der Berliner Bürgerbräu Brauerei stammten.

Auf Grund der Berliner Teilung vernachlässigte man die Werke in Weißensee und Potsdam. Stattdessen baute man die Abteilung I in Neukölln wieder auf.

1955 nahm der Betrieb Kredite bei deutschen Banken auf und erhielt amerikanische Aufbauhilfe. Dies und der Aufkauf der Schöneberger Schlossbrauerei (Bärenbier) im vorangegangenen Jahr sorgten für einen weiteren Aufschwung des Unternehmens. So erreichte man 1972 – pünktlich zum 100. Jubiläum – die ehemalige Rekordmarke von einer Million Hektoliter Kindl-Bier.

Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde die Potsdamer Braustätte (der alten Abteilung II) wieder integriert.

Neuzeit

Am 31. Dezember 2002 wurde die Brauerei in Potsdam geschlossen. Weiterhin beschloss die Konzernmutter Oetker 2005, Abteilung I in Neukölln zu schließen und in die bereits 2004 gekaufte Schultheiss-Brauerei der Brau & Brunnen in Hohenschönhausen zu verlegen.[1]

Die Unternehmensstruktur sieht demnach folgendermaßen aus:

                Oetker-Gruppe
                 /      \\\\
 Radeberger Gruppe
   ///     \
        Berliner Kindl

Auf dem inzwischen verkauften Gelände soll bis zum Herbst 2008 ein großes Einkaufszentrum entstehen, in dem auch kulturelle Veranstaltungen durchgeführt werden sollen. So fand im ehemaligen Bierlager im Juni 2007 eine Theateraufführung des Wallenstein statt.[2] Da Nord-Neukölln zu den ärmsten Gegenden Berlins zählt, scheint die Refinanzierung des Projekts fragwürdig. Die Werbellinstraße 50 mit dem Sudhaus der Kindl-Brauerei von 1926 bis 1930 steht unter Denkmalschutz[3] und soll in jedem Fall erhalten bleiben.

Biersorten

Folgende Biersorten stellt oder stellte die Kindl Brauerei her:

Den größten Anteil des Konzernumsatzes macht das Berliner Kindl Pils aus.

Das helle untergärige Vollbier Berliner Kindl Jubiläums Pilsener wird von vielen Bierkennern als gutes Bier und bestes Erzeugnis des Kindl-Reihe geschätzt. Laut Hersteller besitzt das „Jubi“ genannte Bier ein „extra feines Hopfenaroma“.

Zudem gibt es die Bockbiere Berliner Kindl Bock Dunkel und Berliner Kindl Bock Hell, das Exportbier Berliner Kindl Export und das Radler Berliner Kindl Radler.

Die Biere Berliner Kindl Habels Maibock und Berliner Kindl Johanniter wurden inzwischen eingestellt.

Die Berliner Weiße Berliner Kindl Weisse wird nicht mehr in traditioneller Flaschengärung produziert, sondern nur mit Flaschennachgärung. Fertig mit Sirup gemischte Varianten sind Berliner Kindl Weisse mit Schuss Himbeere, Berliner Kindl Weisse mit Schuss Waldmeister, Berliner Kindl Weisse Tropical und Berliner Kindl Weisse mit Schuss Schwarze Johannisbeere.

Das Bärenpils ist ein preisgünstiger Abkömmling des Kindl-Pilses. Bärenpils, Märkischer Landmann Schwarzbier und Potsdamer Rex Pils heben sich zwar optisch von der Kindl-Reihe ab, sind jedoch der selben Brauerei zuzurechnen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Claudia Keller und Lars von Törne: „Zapfenstreich in Neukölln“. In: tagesspiegel.de, 2. Februar 2005. Stand: 24. Februar 2008.
  2. Gabi Zylla: „Brandauer bringt Hochkultur in alte Neuköllner Brauerei“. In: Berliner Morgenpost, 30. März 2007. (Digitalisat).
  3. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste