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Vernichtungslager Sobibor

Sobibór war ein deutsches Vernichtungslager im südöstlichen Polen nahe der Stadt Włodawa und dem heutigen Dreiländereck Polen - Weißrussland - Ukraine. Zwischen Mai 1942 bis Oktober 1943 wurden dort etwa 250.000 Menschen ermordet. Das Lager entstand im Rahmen der sogenannten Aktion Reinhardt, einer Tarnbezeichnung für die systematische Ermordung aller Juden und als Zigeuner bezeichneter Menschen Polens, nach dem Vernichtungslager Belzec und vor dem Vernichtungslager Treblinka. Der damalige Name lautete SS-Sonderkommando Sobibor. Neben Juden aus ganz Europa befanden sich auch Sinti, Roma sowie nichtjüdische Polen unter den Opfern.

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Warschau
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Sobibor
Karte des heutigen Polens

Inhaltsverzeichnis

Planung und Errichtung durch NS-Euthanasie-Personal

Kommandant Franz Stangl und der Inspekteur aller oben genannten Vernichtungslager Christian Wirth, leiteten und bauten das Vernichtungslager mit ihren Erfahrungen in der Aktion T4 aus. Die Menschen wurden in Sobibór in Gaskammern ermordet, Ende 1942 Anfang 1943 erreichte das Lager eine Kapazität von etwa 1.300 Opfern pro Vergasung.

Geführt wurden die Lagerwachen von etwa 30 SS-Angehörigen, davon je 15 Mann vor Ort im Schichtwechsel jeweils für 14 Tage. Wächter waren ungefähr 100 Trawniki, sogenannte Hilfswillige ukrainischer Herkunft.

Aus den Transporten wählte die SS insgesamt etwa 600 bis 1.000 Menschen jüdischer Herkunft als Arbeitssklaven aus, die die Lagerarbeiten erledigen mussten. Wer nach der Ankunft nicht Arbeitshäftling wurde, wurde in der Regel am selben Tag vergast. Die SS legte auch fest, welche Häftlinge als so genannte Kapos ihre Mithäftlinge überwachen mussten.

Sammelwohnung, Umschlagplatz, Durchgangslager, Ghetto

Nur die SS wusste, dass mit Durchgang(slager) in Sobibór ein Weg, ein Durchgang, auch Schlauch genannt, links und rechts ein Zaun, 200 m lang, gemeint ist, an dessen Ende die Vergasungsräume und das Krematorium des Lagers III standen, wo Josef Vallaster, neben anderen, Aufseher war. Den Juden wurde vorgespiegelt, dass es ein vorübergehendes Durchgangslager sei, wo es irgendwann noch mal woanders hin weiter geht. Ein SS-Mann zog sich einen weißen Medizinermantel über, tat so wie ein Arzt, hielt einen kurzen Vortrag über Hygiene, auch "Begrüßungsrede" genannt, und dass es jetzt in die Waschräume gehe. Hinter dem Zaun wurden eine Herde Hausgänse aufgescheucht, was die Schreie der geprügelten Juden übertönte. Echte Durchgangslager nannte die SS Sammelwohnung in den Städten des Deutschen Reiches und Umschlagplatz in Warschau. Auch beispielhaft als Umschlagplatz der Aspangbahnhof in Wien, wo bei geringer Zuschauung der übrigen Bevölkerung, der Bahnhof wurde fast nur dafür genutzt, zwischen Oktober 1939 und Oktober 1942 insgesamt 47 Transporte mit etwa 50.000 jüdischen Bürgern zunächst in Ghettos, wie Ghetto Izbica, später in die Konzentrations- und Vernichtungslager abgingen.

Beschreibung des Vernichtungslagers

Der Grundriss des Lagers spiegelt die typische Systematik des industrialisierten Mordes im Zweiten Weltkrieg wider. Die Menschen wurden gleich nach ihrer Ankunft unter dem Vorwand, sie sollten duschen, durch den „Schlauch“ - einen etwa zweihundert Meter langen von Elektrozäunen begrenzten und mit Zweigen getarnten Gang - in die Gaskammern geführt. Daraufhin leiteten die Täter die kohlenmonoxydhaltigen Abgase eines Benzinmotors[1] in die Kammern. Die Opfer wurden zunächst in unmittelbar anschließenden Massengräbern im Wald verscharrt, ab Sommer 1942 verbrannt.


Die Revolte der Arbeitshäftlinge am 14. Oktober 1943

Ab Juli 1943 sollte das Lager in ein Konzentrationslager umgewandelt werden. Nach einer Revolte und einer Massenflucht am 14. Oktober 1943 wurde es endgültig geschlossen. Bei jenem Ereignis lehnten sich mehrheitlich sowjetische Kriegsgefangene jüdischer Herkunft aus Weißrussland unter Führung des Rotarmisten Alexander Petscherski (Rufname Sascha) und des Zivilgefangenen Leon Feldhendler auf. Sie töteten zehn SS-Angehörige, einer davon war Josef Vallaster, und zwei Trawniki-Wachmänner. Viele Gefangene starben im Kugelhagel der Wachleute, oder im Minenfeld außerhalb der Stacheldrahtumzäunung. 300 Gefangene konnten zunächst fliehen.

Nach der Revolte

Danach wurde mit Soldaten und Flugzeugen im Umland nach den Geflüchteten gesucht, viele gefunden und erschossen. Nur 47 erlebten das Kriegsende, weil sie Unterstützung in der Zivilbevölkerung oder bei den Partisanen fanden. Die SS ermordete danach die zurückgebliebenen Lagergefangenen, die nicht fliehen konnten. Die getöteten SS-Angehörigen wurden eingesargt, und in Chełm im Soldatenfriedhof mit militärischen Ehren begraben[2]. Nachdem das Lager endgültig geschlossen war, ließ die SS die Spuren ihres Verbrechens entfernen. Danach blieben ein unverdächtig aussehender Bauernhof und ein aufgeforsteter Jungwald auf dem ehemaligen Gelände des Vernichtungslagers zurück.

Nachkriegszeit

Eine Gedenkstätte wurde errichtet. 2006 wurde eine Gedenkallee gepflanzt. Die Gedenkallee folgt dem ehemaligen Weg, den die Gefangenen der Deutschen von der Rampe der Eisenbahn bis zu den Gaskammern gehen mussten.[3]

Literatur

historische Darstellung
Aufstand
Opferdokumente und -berichte
Täterberichte und -dokumnete
Gedenken

Filme

Verweise

Weblinks

Fußnoten

  1. Erinnerungen von Erich Fuchs in: NS-Venichtungslager im Spiegel deutscher Stafprozesse, Adalbert Rückerl München 1977 Seite 166
  2. Onlineauftritt Museum Wlodawa, Polen: Bericht (poln.) über die Beisetzung der getöteten 10 SS-Angehörigen und 2 Wachmänner; mit Foto von der militärischen Beerdigungszeremonie
  3. Onlineauftritt Naturfreundejugend Bericht zu Pfanzungsarbeiten einer Gedenkallee, dem nachgestellten Todespfad von der Rampe bis zur Gaskammer, 2006

Koordinaten: 51° 26′ 49″ N, 23° 35′ 38″ O