Heim

Radiohead

Radiohead

Gründung 1986
Genre Postrock, Avantgarde, Art-Rock, Post-Punk, Electronica, Post-Pop, Alternative Rock, Britpop
Website http://www.radiohead.com/
Gründungsmitglieder
Gesang, Gitarre, Piano, Rhodes Thom Yorke
Keyboard, Gitarre Jonny Greenwood
Gitarre Ed O'Brien
Bass Colin Greenwood
Schlagzeug Phil Selway

Radiohead ist eine englische Rockband, die in den späten 1980ern in Oxford gegründet wurde und ursprünglich den Namen On A Friday trug. Der Name Radiohead stammt aus einem Lied der Talking Heads auf deren Album True Stories (1986).

Inhaltsverzeichnis

Mitglieder

Die Band besteht aus Thom Yorke (Gesang, Rhythmusgitarre und Piano), Ed O'Brien (Gitarre und Backgroundvocals), Jonny Greenwood (Gitarre, Keyboard, Ondes Martenot uvw.), Colin Greenwood (E-Bass) und Phil Selway (Schlagzeug). Produzent Nigel Godrich arbeitet mit der Band seit der Aufnahme von The Bends und hatte deutlichen Einfluss auf deren Klang, weshalb er bisweilen als sechstes Bandmitglied bezeichnet wird.

Bandgeschichte

Erster internationaler Erfolg von Radiohead war die Single Creep, die sich über einen längeren Zeitraum in den Charts vieler Länder hielt. Später wandte sich die Gruppe von diesem Lied ab und weigerte sich, es zu spielen, weil sie fürchtete, der Inhalt würde als Selbsthass missverstanden und von den Fans überbewertet werden. Inzwischen jedoch wird das Lied auf jeder Tour hin und wieder gespielt, was zu enthusiastischen Reaktionen der Fans führt.

Ihr erstes Album Pablo Honey (1993) mutete noch recht traditionell an, mit Einflüssen der 1960er Jahre, aber auch Einflüssen von Bands wie den Pixies oder Nirvana. Doch schon mit ihrem nächsten, The Bends (1995), fanden sie zum für sie typischen, rockigen Ausdruck und reiften in lyrischer wie musikalischer Hinsicht. Das Album wurde weithin gelobt.

Erwähnenswert ist die EP My Iron Lung (1994), die zwischen den beiden Alben veröffentlicht wurde und den Übergangszustand zwischen der poppigen Schlichtheit von Pablo Honey und der Härte und Tiefe von The Bends erkennen lässt.

Nach zwei Jahren, in denen die Band fast ausschließlich auf Tour war und dort neues Songmaterial wie Airbag, Paranoid Android und unter anderem auch Subterranean homesick alien testete, veröffentlichte Radiohead das Album OK Computer (1997), das vor allem in Umfragen noch größere Zustimmung fand als The Bends. In OK Computer nahm die Band musikalische Risiken auf sich, die unüblich für die Welt des Britpop waren, indem sie mit Raumklang und Rauschen experimentierte. So ist zum Beispiel „Fitter Happier“ ein Song fast ohne Instrumentalbegleitung und mit einer computergenerierten Stimme.

Verunsichert durch den anhaltenden Erfolg und nach einer gewaltigen Welttournee am Rande der völligen Erschöpfung, verbrachte die Band die zweite Hälfte des Jahres 1998 und das gesamte Jahr 1999 in ziemlicher Stille und trat nur selten auf. Im Jahr 2000 kehrten sie mit der Platte Kid A zurück, einem gedämpfteren, elektronischen Album, das lyrische und musikalische Aufhänger ihrer früheren Werke durch einen minimalistischeren Stil ersetzte, sowie einem Arrangement vergleichbar einer Mischung aus Pink Floyd und Aphex Twin. Die Band experimentierte wieder, nannte als Einflüsse Alice Coltrane und Paul Lansky sowie Warp Records. Kid A erschien ohne Medienrummel, die Band gab sehr wenige Interviews, es wurden Musikvideos produziert, die nur im Internet veröffentlicht wurden (z. B. Motion picture soundtrack), und so genannte 'Blips’, sehr kurze Musikclips, liefen auf den Musiksendern. Trotzdem erreichte das Album Nummer-1-Status in den US-Charts, möglicherweise auch, weil das Album vor der Veröffentlichung auf Napster erhältlich war [1].

Ed O'Brien am Rock Oz'Arénes in Avenches - August 2006

Das Album Amnesiac wurde in der Mitte des folgenden Jahres veröffentlicht und bestand aus weiterem Material derselben Aufnahmesessions wie Kid A. Die Alben sind einander ähnlich und enthalten zwei verschiedene Versionen des Liedes Morning Bell. Um die Beziehung der beiden Platten zu beschreiben, vergleicht die Band Kid A mit dem Betrachten eines Feuers aus großer Entfernung, wohingegen man sich bei Amnesiac im Inneren des Feuers befinde. Auch erwähnte Thom Yorke den folgenden Vergleich: Kid A ist zu vergleichen mit einer Nachricht auf einem Anrufbeantworter, wohingegen Amnesiac die Antwort, der Rückruf ist.

2003 veröffentlichte die Band ihr sechstes Album Hail to the Thief, das sich weniger auf elektronische Experimente stützt als seine beiden Vorgänger, sich aber gleichfalls vom gitarrengetriebenen Rock der Anfangszeit absetzt. Der Titel sorgte für Aufsehen, da er als Anspielung auf den Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2000 zu interpretieren war. Hail to the Thief war zur Verärgerung der Band schon einige Monate vorher in einer roh gemixten Version im Internet verfügbar. Radiohead zeigten sich in Interviews jedoch auch verärgert darüber, dass EMI Records die CD-Ausgabe des Albums gegen den Willen der Band mit einem Kopierschutz ausgestattet hatte. Mit der Veröffentlichung von Hail to the Thief war Radioheads Vertrag mit EMI Records ausgelaufen, woraufhin die fünf Musiker wenig Interesse daran zeigten, diesen zu verlängern. Auch mit anderen Plattenfirmen wurde bisher (Stand Oktober 2007) noch kein Nachfolgevertrag abgeschlossen.

Als erstes Bandmitglied veröffentlichte Jonny Greenwood 2003 ein Soloalbum: Bodysong, den Soundtrack zur gleichnamigen Dokumentation von Simon Pummel. Der Film zeigt die Entwicklung und wichtigsten Lebensstationen des Menschen von der Geburt bis zu seinem Tod. Die Musik ist sehr jazzig und experimentell. Greenwood setzte für das Album auch mehrere Ondes Martenot ein, ein Instrument aus der Anfangszeit der elektronischen Instrumente. Auch ist sein Bruder Colin auf dem Album zu hören. 2006 veröffentlichte Thom Yorke mit dem Album The Eraser eine Soloplatte mit elektronisch untermalten Popsongs. Als erster Song wurde der Titel „Harrowdown Hill“ als Single ausgekoppelt.

In der Verfilmung von Harry Potter und der Feuerkelch traten 2005 Phil Selway und Jonny Greenwood gemeinsam mit Jarvis Cocker, dem Frontmann von Pulp, als Zauberer-Rockband Weird Sisters beim Weihnachtsball auf.

Der Song „Paranoid Android“ wurde 2006 nach Zustimmung der Band zum Ending-Theme der japanischen SciFi-Anime-Serie „Ergo Proxy“ von Geneon Entertainment, die sich vor allem mit der psychologischen Entwicklung der Hauptcharaktere befasst.

Nach einer Welttournee 2006 arbeiteten Radiohead an der Fertigstellung ihres neuen Albums In Rainbows. Da Radiohead nach dem Auslaufen des 6-Alben-Vertrags bei EMI keinen neuen Plattenvertrag abgeschlossen haben, war das am 10. Oktober 2007 erschienene Album bis Dezember 2007 als Download (MP3 mit 160 KBit) oder Discbox nur im Selbstvertrieb über die Internetseite erhältlich.[2][3] Dabei bestimmte der Kunde den Preis für den Download selbst. Laut Onlinedienst ComScore haben sich 62 Prozent aller Nutzer dazu entschieden, gar nichts zu bezahlen. Die Discbox enthält das Album mit dessen zehn Liedern als CD und zwei 12-Zoll-Vinyl, eine Bonus-CD mit acht unveröffentlichten Liedern, die Downloadmöglichkeit, die Liedertexte der Haupt-CD, Fotografien und Artwork. Laut der Website wird sie am 3. Dezember 2007 oder davor versendet werden. Die Discbox wird zum Festpreis von 40 britischen Pfund (≈57 €) angeboten. Zudem dient die Downloadmöglichkeit laut Radiohead-Manager Bryce Edge der Werbung für die zusätzlich im Januar 2008 erscheinende CD-Version des Albums in Zusammenarbeit mit XL Recordings.[4][5][6] Trotz vorübergehender kostenlosen Verfügbarkeit erreichte die CD-Version des Albums im Januar 2008 mit 122.000 verkauften Exemplaren den ersten Platz der US-Musikcharts. [7]

Stil

Während Radiohead zu Beginn ihrer Karriere oft als Britpop-Band eingeordnet wurden, ist ihr Einfluss auf den zeitgenössischen Britpop spürbar, besonders bei Bands wie Coldplay, Muse oder Travis. Spätestens seit dem Album The Bends sind Radiohead jedoch vollkommen aus diesem Genre verschwunden. Radiohead werden nicht selten als Postrock oder Post-Punk-Band beschrieben, nicht zuletzt weil sich fast jede Band des Post-Punk-Revival (unter anderen Interpol und Bloc Party) auf Radiohead als Inspiration bezieht. Der Stil der Band Radiohead selbst jedoch lässt sich nur schwerlich einordnen, da vor allem der ständige Wandel in der musikalischen Ausrichtung der Band bislang Popularität und Anerkennung vieler Musikkritiker bescherte. Die elektronischen Experimente der Alben Kid A und Amnesiac haben sie ins Umfeld des Labels Warp Records gebracht und dazu beigetragen, den Begriff Postrock zu etablieren.

Im Laufe der Zeit hat Thom Yorke (auf den CDs als 'Tchocky’, 'Dr Tchock’, 'The White Chocolate Farm’ usw. erwähnt) zusammen mit Stanley Donwood ein eigenwilliges Artwork entwickelt. Die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Studienkameraden begann mit The Bends. Das Artwork entwickelte sich immer weiter und besitzt seit OK Computer einen sehr hohen Stellenwert für die Band. In Kid A und Amnesiac besteht es hauptsächlich aus düsteren Landschaften.

Für Hail to the Thief entwickelten Yorke und Donwood ein Design, das einem farbenfrohen Stadtplan ähnelt, der mit verschiedenen „medialen“ Begriffen versehen wurde. Diese entnahm Yorke den Nachrichten, da sie in ihm bestimmte Gefühle auslösten und seiner Meinung nach darum auch gezielt von Sendern, Firmen und Politikern eingesetzt wurden. In einem Interview verweist er auf das Neusprech (Newspeak), eine in George Orwells Roman 1984 vorkommende Sprache.

Videoclips

Auch in Radioheads Videoclips drückt sich ihr unverwechselbarer Stil aus:

Über den Sinn oder die Aussage dieses Videos lässt sich nur spekulieren. Angesichts der sehr absurden Handlung ist am naheliegendsten, eine Verbindung zu Drogen anzunehmen, was jedoch im Fall von Radiohead nicht das wahrscheinlichste ist. Auch ein Blick auf den Text des Liedes erklärt nicht viel. Wenn man jedoch die Zeilen „kicking squeeling gucci little piggy“ oder „the yuppies networking, the panic, the vomit, the panic, the vomit“ betrachtet, scheint auch ein globalisierungs- oder kapitalismuskritischer Ansatz denkbar, für den Thom Yorke steht. Der Bezug zum Clip bleibt jedoch fraglich.

Die Video-Sammlung unter dem Titel „7 Television Commercials“ erschien 2003 und enthält die Clips „Paranoid Android“, „Street Spirit“, „No Surprises“, „Just“, „High and Dry“, „Karma Police“ und „Fake Plastic Trees“.

Diskografie

Alben

EPs

Singles

Videos und DVDs

Musikalische Arbeiten außerhalb der Band

Sonstiges

Referenzen

  1. Menta, Richard (MP3 Newswire): Did Napster Take Radiohead's New Album to Number 1?, 28. Oktober 2000
  2. Pressemeldung über das Erscheinen des neuen Albums
  3. Internetseite der Band, auf der man das Album bestellen kann
  4. Intro: Neuer Plattenvertrag für Radiohead, 2. November 2007
  5. heise online: Fans bestimmen Preis des neuen Radiohead-Albums selbst, 1. Oktober 2007
  6. heise online: Zwei Drittel der Radiohead-Fans zahlen für das neue Album, 11. Oktober 2007
  7. Stern: Radiohead sind real ein Verkaufshit
 Commons: Radiohead – Bilder, Videos und Audiodateien