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Sacco di Roma

Der Sacco di Roma (ital.), die Plünderung Roms ab dem 6. Mai 1527 durch deutsche Landsknechte und spanische Söldner, steht für die neuartigen kriegerischen Gewaltformen nach Einrichtung von Söldnerheeren, die nur schwer durch ihre militärische Führung kontrolliert werden konnten. Anlass für die Plünderungen war ein Stillstand im Krieg zwischen Karl V., dem König von Spanien und deutschen Kaiser, und Franz I. von Frankreich.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Das von Karl V. regierte Spanien und das von Franz I. regierte Frankreich kämpften seit 1519 um die Vorherrschaft in Oberitalien. Papst Clemens VII. versuchte seinerseits, den Konflikt für die Stärkung des Kirchenstaates auszunutzen. Nach der vernichtenden Niederlage französischer Truppen in der Schlacht von Bicocca (April 1522) forderte Clemens VII. das Herzogtum Mailand für sich, sobald es wieder in französischer Hand sei. Mit der Einwilligung Franz’ I. trat Clemens VII. aus der Allianz Karls V. aus und klagte diesen daraufhin an, einen „ungerechtfertigten Krieg gegen einen christlichen Mitbruder“ zu führen, dessen einziger Zweck es sei, das Reich Karls V. zu vergrößern. Diese öffentliche Anklage erschwerte Karl V. das Agieren gegen Frankreich sehr.

Im August 1524 belagerten Truppen Karls V. erfolglos Marseille. Bei ihrem Rückzug wurden sie durch französische Truppen angegriffen und u.a. bis nach Pavia zurückgedrängt. Dort kam es zur Schlacht, bei der Franz I. gefangengenommen und die französischen Truppen vernichtend geschlagen wurden. Während seiner Gefangenschaft in Madrid unterzeichnete Franz I. den Friedensvertrag von Madrid, in dem er alle Ansprüche auf die Fürstentümer Oberitaliens fallen ließ. Karl V. appellierte an Franz' „gloire“ – seine ritterliche Ehre – sich an den Vertrag zu halten und entließ ihn – gegen den Ratschlag seiner Berater – aus der Gefangenschaft.

Kaum wieder frei, verkündete Franz I., dass der Vertrag von Madrid ungültig sei, da er ihn nur unter größter Angst um sein eigenes Leben unterzeichnet habe. Papst Clemens VII. erteilte ihm daraufhin öffentlich die Absolution, so dass der Friede von Madrid als nichtig anerkannt wurde. Da Karl V. aus Sicht vieler anderer Herrscher zu mächtig wurde, formierten sich diese 1526 in der profranzösischen „Heiligen Liga von Cognac“. Ihr gehörten neben Papst Clemens VII. und Franz I. noch der Herzog von Mailand Francesco II. Sforza, die Republik Venedig und einige kleinere oberitalienische Herrscher an.

Die wegen des ungültig gewordenen Vertrages von Madrid nicht erlangten Herzogtümer Oberitaliens, deren Reichtum zur Finanzierung der Söldnerarmee nötig gewesen wäre, der Wechsel des englischen Königs Heinrich VIII. von Karls Allianz zur Heiligen Liga von Cognac, der religiöse Konflikt innerhalb Deutschlands zwischen Lutheranern und Katholiken (siehe Reichstag zu Worms) sowie der jahrelange, indirekte Kampf der deutschen Landsknechte unter Karl V. gegen einen Papst, den sie niemals direkt attackieren durften, sorgte für großen Unmut bei den Truppen Karls V. in Norditalien. Sie waren seit der Schlacht von Pavia nicht mehr regelmäßig bezahlt worden, hatten keinerlei Verstärkung erhalten und mussten sich selbst versorgen.

Die brisante Lage entlud sich in einem Söldneraufstand, bei dem der Anführer der deutschen Landsknechte, Georg von Frundsberg, beim Versuch, seine Truppe zu beschwichtigen, einen Schlaganfall erlitt. Die nun von Charles III., Herzog von Bourbon angeführten, aber in keiner Weise gezügelten Truppen marschierten zuerst auf Florenz, um sich dort für ihre Anstrengungen zu entlohnen und zu versorgen. Eine Armee der Liga von Cognac war jedoch in Florenz stationiert und hielt die Stadt gegen die Angreifer, die daraufhin zu deren Belagerung übergingen. In den umliegenden Ländereien gab es jedoch zu Beginn des Jahres 1527 nicht genügend Nahrungsmittel, so dass sich die Situation der Belagerer immer weiter verschlechterte. Am 16. März 1527 verweigerten die Söldner ihren Truppenführern jeglichen Gehorsam und beschlossen, sich direkt an Papst Clemens VII. zu rächen, den sie für ihre Lage verantwortlich machten. Sie ließen das schwere Belagerungsgerät vor den Toren von Florenz zurück und marschierten auf Rom.

Papst Clemens VII. versuchte vergebens, im letzten Moment den Herzog von Bourbon mit großen Summen Geld zu bestechen, um das bevorstehende Unglück abzuwenden. Doch weder nahm Charles de Bourbon diese Bestechung an, noch hätte sie etwas genützt, da das Söldnerheer keinem Führer mehr gehorchte. Am 4. Mai 1527 erreichten die Landsknechte die Ländereien um die Stadt Rom, und am frühen Morgen des 6. Mai 1527 setzte das Heer zur Erstürmung der Stadt an. Die wenigen in Rom befindlichen Truppen konnten dem Ansturm nichts entgegensetzen, und so waren die Landsknechte noch am Vormittag in der Stadt. Der Herzog von Bourbon wurde beim Ansturm auf die Stadt beim Erklimmen einer Sturmleiter durch den Schuss aus einer Hakenbüchse getötet, die abgefeuert zu haben sich der Künstler Benvenuto Cellini rühmte.

Die Geschehnisse des Sacco di Roma

Rom, eine der reichsten Städte der Renaissance, war auf den Angriff des 24.000 Mann starken Heeres mit deutschen Landsknechten, spanischen Söldnern und papstfeindlichen italienischen Condottieri nicht vorbereitet. Die Stadt wurde von zwei Seiten gestürmt: Während die deutschen Söldner von Trastevere aus einfielen, zogen die spanischen und italienischen Söldner vom Vatikan aus durch die Stadt. Die Aufständischen raubten, vergewaltigten, folterten und töteten wahllos. Man geht heute von mehr als 30.000 Opfern aus. Dies entspricht über der Hälfte der damaligen Bevölkerung Roms. Zeitgenössische Historiker schrieben dazu später, „daß man beim Gehen auf den Straßen vor lauter Leichen das Pflaster nicht mehr sah“.

Es wurden Kirchen, Paläste und Krankenhäuser geplündert und in Brand gesetzt. Edelleute und Kleriker wurden gezwungen, enorme Lösegeldsummen zu zahlen, um sich freizukaufen. Über 90% der Kunstschätze in Rom, darunter die Goldschmiedearbeiten der Kirchen, wurden während der Plünderungen geraubt. Der Wert der Beute wird auf rund 10 Millionen Dukaten geschätzt.

Die Schweizergarde hatte sich auf dem Petersplatz zusammengezogen, um den Papst zu schützen. Etwa drei Viertel der Schweizergarde (147 der insgesamt 189 Mann) fielen bei der Verteidigung. Noch heute gedenkt die Schweizergarde am 6. Mai der Toten beim Sacco di Roma mit der Vereidigungszeremonie neuer Rekruten in Rom.

Papst Clemens VII. war in der Zwischenzeit vom Petersdom aus durch den Passetto di Borgo mit 42 Schweizern in die Engelsburg geflohen, wo sie von den Angreifern belagert wurden. Die Belagerer der Engelsburg unter der Führung des kaiserlichen Feldhauptmanns Sebastian Schertlin von Burtenbach sollen dem in der Engelsburg festsitzenden Papst immer wieder „Es lebe Papst Luther!“ zugerufen haben.

Folgen

Nach einer mehrwöchigen Belagerung der Engelsburg kapitulierte Papst Clemens VII. am 7. Juni 1527. Er musste die Festungen Ostia, Civitavecchia und Civita Castellana übergeben, auf die Städte Modena, Parma und Piacenza verzichten und 400.000 Dukaten sowie Lösegeld für die Befreiung der Gefangenen zahlen. Am 6. Dezember wurde die belagerte Engelsburg freigegeben, und Clemens VII. zog nach Orvieto.

Karl V. geriet wegen des Sacco di Roma in heftige Kritik der Mitglieder der Liga von Cognac. Ihm wurde vorgeworfen, die Plünderungen angeordnet oder zumindest toleriert zu haben. Er selbst dementierte dies öffentlich. So schrieb er später in seinen Memorias: „... die Hauptverantwortung lag nicht bei ihm, sondern bei denjenigen, die ihn dazu gezwungen hatten, sich zu verteidigen und eine so große Armee einzusetzen, die, wie sich herausstellte, schwer in Zaum zu halten war.“

Die Plünderung Roms kam Karl V. trotzdem sehr gelegen. Die Heilige Liga von Cognac war nun ohne die Unterstützung des Papstes, der zudem als Gefangener Karls V. dessen Bedingungen akzeptieren musste. Karl V. strebte immer noch nach der Krönung zum Kaiser, die ihm nur der Papst erteilen konnte. Dieses Ziel war nun für Karl V. greifbar nahe.

Zwischen 1528 und 1529 behauptete sich Karl V. weiter gegen die Liga von Cognac. Am 29. Juni 1529 ging er mit Clemens VII. den Frieden von Barcelona ein. Der Papst erhielt viele Provinzen für den Kirchenstaat. Im Rahmen dieses Friedensvertrags wurde die Schweizergarde aufgelöst. (Sie wurde 1548 durch Paul III. wiederhergestellt.) Am 5. August 1529 wurde der sog. Damenfriede ausgehandelt, der den Kampf zwischen Karl V. und Franz I. beendete.

Von Karl V. politisch besiegt und mit dem Frieden von Barcelona wieder in sein Amt eingesetzt, durch Schenkungen und Verträge wohlwollend gestimmt und durch die neue äußere Gefahr durch die Türken bedrängt, krönte Clemens VII. Karl V. zu dessen 30. Geburtstag am 24. Februar 1530 in Bologna zum Kaiser. Damit wurde Karl V. zum Herrscher über ein „Reich, in dem die Sonne niemals untergeht“ – eine Anspielung auf die neuen Kolonien in Amerika.

Quellen

Literatur

Sekundärliteratur

Belletristik