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Naturkatastrophe

Eine Naturkatastrophe ist eine natürlich entstandene Veränderung der Erdoberfläche oder der Atmosphäre, die auf Lebewesen und deren Umgebung verheerende Auswirkungen hat. Ein spektakuläres Naturereignis (beispielsweise ein Gletscherabbruch auf Grönland) genügt also nicht; im engeren Sinne kann ein Naturereignis nur dann zur Katastrophe werden, wenn es sich auf Menschen auswirkt: Es gibt keine Naturkatastrophen, nur Kulturkatastrophen (Lars Clausen/Wieland Jäger). Wenn hingegen Menschen die Verursacher der Katastrophe in der Natur sind, spricht man von einer Umweltkatastrophe. Der Zeitraum, in dem die Veränderungen stattfinden, reicht von Sekunden bis zu Jahrzehnten.

Die Betrachtung und Analyse von Naturkatastrophen ist immer abhängig von verschiedenen Komponenten. Die wichtigsten Gründe sind:

Maßnahmen zur Abwehr von Naturkatastrophen werden im Rahmen des Katastrophenschutzes ergriffen.

Inhaltsverzeichnis

Einteilung verschiedener Naturkatastrophen

Die Klassifikation erfolgt nach nicht von Menschen herrührenden (nicht anthropogenen) Ursachen. Viele dieser Ursachen lassen sich allerdings auch auf Menschen zurückführen (beispielsweise Eindeichungen). Kriege, Bürgerkriege und bewaffnete Konflikte werden nicht zu den Naturkatastrophen gezählt.

Endogene/tektonische Ursachen

Gravitatorische Ursachen, Massenbewegungen

Klimatische Ursachen

Sonstige Ursachen

Katastrophenstatistiken

Größere Versicherungskonzerne führen in der Regel geographisch organisierte Risikostatistiken, die ihnen als Berechnungsgrundlage für Versicherungsprämien dienen. Die EM-DAT OFDA/CRED International Disasters Database der Weltgesundheitsorganisation dokumentiert seit 1888 die weltweiten Katastrophen. Demnach ereigneten sich zwischen 1900, 2000 und 2003 insgesamt 9195 größere Katastrophen mit jeweils mindestens 10 Toten. Davon hatten Wetterkatastrophen mit 57 % den höchsten Anteil, keine 20 % waren geologischen Ursprungs (Vulkanausbrüche, Erdbeben), wie auch die in die geologische Kategorie gezählten Tsunamis; der Rest waren biologische Katastrophen (Seuchen und Plagen).

Die Zahl der Todesopfer durch Naturkatastrophen beläuft sich pro Jahr auf durchschnittlich 80.000.

Die Weltbank hat 2005 in ihrem Report Natural Disaster Hotspots: A Global Risk Analysis Karten publiziert, die die Verteilung der Risiken auf Weltkarten zeigen. Etliche davon sind zu sehen auf den Seiten der Columbia University: [1].

Liste historischer Katastrophen

Datum Katastrophe Auswirkungen
22. Jh. v. Chr. Weltweite, möglicherweise das gesamte Jahrhundert andauernde, katastrophale Dürre Untergang des Alten Reiches in Ägypten und des Akkadischen Reiches in Mesopotamien.
17./16. Jh. v. Chr. Gewaltiger Vulkanausbruch auf der Insel Thera (Santorin), Griechenland, siehe Minoische Eruption kurzfristig: Ursache der Klimaveränderung der 1620er v. Chr. (umstritten)
langfristig: Auslöser für den Untergang der Minoischen Kultur (umstritten)
464 v. Chr. Schweres Erdbeben in Messenien. Sparta wird schwer zerstört, etwa 20.000 Tote
425 v. Chr. Durch ein Erdbeben vor Griechenland wird Euböa zu einer Insel.  
373 v. Chr. Erdbeben im Golf von Korinth. Die Küstenstadt Helike wird durch eine Flutwelle komplett zerstört  
17 Ephesus, Kleinasien, wird durch ein Erdbeben vollkommen zerstört.  
24. August 79 Ausbruch des Vesuv Zerstörung der Städte Pompeji und Herculaneum, 2.000 Tote
20. Mai 526 Erdbeben in der heutigen Türkei Zerstörung der Stadt Antiochia, heute Antakya (südliche Türkei), 250.000 Tote.
17. Februar 1164 Sturmflut an der Nordsee (Julianenflut) Beginn der Entstehung des Jadebusens, etwa 20.000 Tote
16. Januar 1219 Erste Marcellusflut. Sturmflut an der Nordsee etwa 36.000 Tote
15. Januar 1362 Zweite Marcellusflut ("Grote Mandränke"). Untergang des Ortes Rungholt zusammen mit sieben anderen Kirchspielen in der Edomsharde (Uthlande). Entstehung der ersten Halligen. Mindestens 7.600 Tote. (Gesamte Nordseeküste: laut den Chroniken 100.000 Tote.)
1556 Das Erdbeben in Shaanxi zerstört große Teile dieser Region Chinas etwa 830.000 Tote
1693 ein Erdbeben erschüttert die Insel Sizilien, Italien etwa 60.000 Tote
31. Dezember 1703 Erdbeben bei Tokio Zerstörung von Odawara, Tokio und anderer Städte, etwa 150.000 Tote
1. November 1755 Erdbeben von Lissabon, Stärke 8,5 bis 9, mit folgendem Tsunami im Atlantik Zerstörung Lissabons und weiterer Städte entlang der Algarveküste, in Nordafrika und der Karibik, 30 000 bis 100 000 Tote
10. April 1815 Ausbruch des Tambora über 100.000 Tote, das Jahr ohne Sommer verursachte zusätzlich weltweit Ernteausfälle und Hungersnot
27. August 1883 Ausbruch des Krakatau sprengte zwei Drittel der Insel mit Flutwelle, 20.000 Tote
1887 Überschwemmung des Gelben Flusses etwa 900.000 Tote
1896 Seebeben mit Flutwelle vor der Saraiko-Küste, Japan zerstörte Fischerdörfer, viele Tote
8. September 1900 Der Galveston-Hurrikan zerstört die texanische Stadt Galveston. etwa 8.000 Tote
8. Mai 1902 Ausbruch des Mont Pelé etwa 28.000 Tote
16. Dezember 1902 Ein Erdbeben der Stärke 6,4 in Turkestan etwa 4.500 Tote
18. April 1906 Erdbeben in San Francisco etwa 700 Tote, 250.000 obdachlos.
28. Dezember 1908 Erdbeben in Messina bis Kalabrien, Italien etwa 83.000 Tote
16. Dezember 1920 Ein Erdbeben der Stärke 8,6 erschüttert die Provinz Gansu in China rund 200.000 Tote
1. September 1923 Das Kanto-Erdbeben, das Tokyo und Yokohama zerstörte, ist nach der am stärksten betroffenen Kantō-Ebene benannt, hatte sein Epizentrum aber in der Sagami-Bucht. Zerstörung von Tokio u. Yokohama, 143.000 - 150.000 Tote.
August 1931 Überschwemmungen des Jangtse in China circa 1,4 Millionen Tote
5. Oktober 1948 Erdbeben der Stärke 7,3 in Aschgabat, Turkmenistan rund 110.000 Tote
7. September 1955 Überschwemmungen in Indien etwa 45 Millionen Menschen obdachlos
29. Februar 1960 Erdbeben der Stärke an 5,7 an der Atlantikküste in Marokko etwa 12.000 Tote
16. Februar 1962 Sturmflut Hamburg etwa. 300 Tote
Von 1965 bis 1967 Eine dreijährige Dürreperiode verheerte Indien rund 1,5 Millionen Menschen starben
15. August 1968 Erdbeben auf Celebes etwa 68.200 Tote
November 1970 Wirbelstürme und Flutwellen in Ostpakistan und Westbengalen etwa 300.000 bis 500.000 Tote
August 1975 Brand in der Lüneburger Heide bisher größter Waldbrand in der Bundesrepublik Deutschland
4. Februar 1976 Erdbeben der Stärke 7,5 in Guatemala rund 22.770 Tote
27./28. Juli 1976 Erdbeben der Stärke 7,8 in Tangshan, 150 km südlich von Peking, China etwa 650.000 bis 800.000 Tote, offiziell: 242.000 Tote
16. September 1978 Erdbeben der Stärke 7,7 im Iran rund 25.000 Tote
November 1980 Erdbeben der Stärke 7,2 im Süden von Italien etwa 3100 Tote
19. September 1985 Erdbeben der Stärke 8,1 in Mexiko-Stadt etwa 6.000 Tote (offizielle Zahlen)
7. Dezember 1988 Erdbeben der Stärke 7,0 im Nordwesten Armeniens etwa 25.000 Tote
20. Juni 1990 Erdbeben der Stärke 7,7 im Iran 40.000 bis 50.000 Tote
April 1991 Zyklon in Bangladesch etwa 139.000 Tote
30. September 1993 Erdbeben der Stärke 6,2 im Südwesten Indiens bis zu 30.000 Tote
17. Januar 1995 Erdbeben von Kōbe, Japan mehr als 6.000 Tote, über 400.000 Verletzte, Rekordsachschäden bis 100 Milliarden Dollar
17. August 1999 Erdbeben der Stärke 7,4 in der Türkei bei Izmit 17.840 Tote
26. Januar 2001 Erdbeben der Stärke 7,9 in Gujarat, Indien Tote offiziell: 17.110, Schätzungen: mehr als 50.000
Juli/August 2003 Hitzewelle/Brände in Europa etwa 20.000 Tote
26. Dezember 2003 Erdbeben der Stärke 6,6 in Bam, Iran etwa 43.000 Tote
26. Dezember 2004 Erdbeben im Indischen Ozean vor der Insel Sumatra der Stärke 9,1 (9,3) mit verheerenden Auswirkungen durch Tsunamis selbst noch in Nordostafrika über 232.000 Tote (Schätzung)
28. August 2005 Der Hurrikan Katrina wütet in den Küstenregionen des Golfes von Mexiko. Dammbrüche in New Orleans überfluten ca. 80 % der Stadt. Schätzungsweise über 1.800 Tote
8. Oktober 2005 Erdbeben in Indien und Pakistan. Schätzungsweise über 86.000 Tote
27. Mai 2006 Erdbeben vor der Küste der indonesischen Insel Java. Schätzungsweise über 6.200 Tote
3. Mai 2008 Zyklon Nargis in Myanmar Tote offiziell: 80.000[1], Schätzungen: bis 128.000 Tote[2]
12. Mai 2008 Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan mit der Stärke 7,9 in der Provinz Sichuan, China Mindestens 41.000 Tote

Siehe auch