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YouTube

YouTube
URL de.youtube.com
Slogan Broadcast Yourself
Alexa Rank 3 (am 16. März 2008)[1]
Kommerziell? Ja
Beschreibung Videoportal
Sprachen 12 Sprachversionen (darunter Deutsch)
Eigentümer Google Inc.
Urheber Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim
Erschienen 15. Februar 2005

YouTube [ˈjuːtuːb oder ˈjuːtjuːb] ist ein am 15. Februar 2005 von den drei ehemaligen PayPal-Mitarbeitern Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim gegründetes Videoportal mit Sitz in San Bruno, Kalifornien, auf dem die Benutzer kostenlos Video-Clips ansehen und hochladen können. Am 9. Oktober 2006 gab Google die Übernahme von YouTube bekannt.

Auf der Internetpräsenz befinden sich Film- und Fernsehausschnitte, Musikvideos sowie selbstgedrehte Filme. Sogenannte „Video-Feeds“ können in Blogs gepostet, oder auch einfach auf Webseiten über eine Programmierschnittstelle (API) eingebunden werden. Eine aktuelle Studie (März 2008) des Marktforschungsinstituts Hitwise ordnet YouTube 73% aller Besuche von US-Videoportal-Seiten zu.[2] Das eigene Videoangebot der Muttergesellschaft Google kommt in dieser Zeit auf 8,4 Prozent.

Inhaltsverzeichnis

Name

Der Begriffsteil „Tube“ (eigentlich: Röhre) bezeichnet umgangssprachlich einen Fernseher, abgeleitet von der darin traditionell verwendeten „cathode ray tube“ (dt. Kathodenstrahlröhre). Der Name im Ganzen (wörtlich: DuRöhre) lässt sich auf Deutsch mit „Du sendest“ wiedergeben.

Verkauf

Das offizielle YouTube-Logo vor der Übernahme durch Google

Am 9. Oktober 2006 wurde YouTube vom Suchmaschinenbetreiber Google für umgerechnet 1,31 Milliarden Euro (in Aktien) gekauft. Die Marke YouTube soll bestehen bleiben; der Betrieb mit 67 Mitarbeitern – darunter die Gründer Chad Hurley und Steve Chen – wird die Geschäfte vorerst unabhängig weiterführen.[3]

Technik

YouTube verwendet als Webserver eine modifizierte Version von Lighttpd mit verbesserter Lastverteilung[4]. Zum Speichern der publizierten Videofilme kommt das Flash-Video-Format (Dateinamenserweiterung .flv) zum Einsatz. Später hat das Unternehmen allerdings angefangen, seine Videos auch in das H.264-Format zu konvertieren, welches auch Apple nutzt, um auf dem iPhone YouTube-Videos abspielen zu können.[5]

Videos ansehen und archivieren

Die Videos lassen sich online als Stream im Webbrowser betrachten. Hierfür ist die Installation des für alle gängigen Browser kostenlos verfügbaren Adobe-Flash-Plugins erforderlich.

Das dauerhafte Speichern der Videos hatte YouTube weder vorgesehen noch implementiert. Jedoch können zum lokalen Speichern client-basierte Lösungen wie Bookmarklets[6] und Greasemonkey-Skripte[6] oder server-basierte Dienste[7] verwendet werden. Auch einfaches Sichern der Videos durch das Kopieren temporärer Dateien ist möglich.

Beispiele für Flash-Video-kompatible Media Player unter Windows sind der Media Player Classic (mit FFDShow Filter[8]), der VLC media player, der MPlayer und der für ausschließlich .flv-Dateien ausgelegte FLV Player[9]. Durch Installation von speziellen Codecs ist die Wiedergabe auch mit den weit verbreiteten Programmen Windows Media Player und Winamp möglich.

Videos publizieren

Videos können zu YouTube in verschiedenen Formaten (wie beispielsweise AVI, MPEG, WMV oder Quicktime) hochgeladen werden. Die Clips dürfen im Regelfall eine Größe von 100 MB (oder 1 GB über den YouTube-Uploader [10]) und 10 Minuten nicht überschreiten und werden vor der Weiterverbreitung von YouTube in das Flash-Video-Format konvertiert.

Mit einem Director-Account war es möglich, längere Videos zu publizieren, diese Regelung wurde allerdings aufgehoben. Nur noch Alt-Director-Accounts können längere Videos hochladen. Empfohlen wird eine Videoauflösung von 480 x 360 Pixeln oder höher[11]. Die Videos werden bei der Konvertierung in das Flash-Video-Format (320x240 Pixel) und das H.264-Format (352x244 Pixel) überführt. Die Skalierung eliminiert eventuelle Qualitätsverluste, die durch eine verlustbehaftete Formatkonvertierung entstehen können.

Nutzung

Die Popularität von YouTube lässt sich aus der großen Gemeinschaft erklären, die Video-Dateien hochladen, bewerten und kommentieren kann.

YouTube ist seit seiner Gründung rasant zum führenden Videoportal im Internet aufgestiegen. Derzeit (März 2008) geht man von einem Marktanteil in den USA von etwa 73 Prozent aus.

Nach dem Erfolg von YouTube versuchen in Deutschland die privaten Fernsehsender, auf den Zug aufzuspringen. Im August 2006 bekannte sich RTL als Initiator der Video-Community Clipfish, nur wenige Wochen später beteiligte sich ProSiebenSat.1 Media mit 30 Prozent am Konkurrenten MyVideo. Dennoch ist YouTube auch in Deutschland weiterhin Marktführer.

Sprachen und lokale Partner

Das Interface von YouTube ist in zwölf verschiedenen Sprachversionen verfügbar: Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Japanisch, Koreanisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch und Spanisch.

YouTube arbeitet mit nationalen Partnern zusammen, die Material für das Portal bereitstellen. Wer z. B. die deutsche Version von YouTube ansteuert (de.youtube.com), dem wird auf der Startseite in der Kategorie „Promotete Videos“ Filmmaterial von Partnern wie dem Sender ZDF, dem Fußballverein FC Bayern München oder der Zeitung Financial Times Deutschland angeboten.

Statistik

Täglich werden etwa 65.000 neue Videos hochgeladen und 100 Millionen Clips angesehen (Stand: Oktober 2006). Von Nutzern beanstandete oder als anstößig gemeldete Videos werden von YouTube-Mitarbeitern überprüft und gegebenenfalls gelöscht.

Datenverkehr

Nach Berechnungen[12] des US-Unternehmens Ellacoya Networks ist YouTube verantwortlich für 10 Prozent des gesamten Internet-Datenverkehrs und 20 Prozent des HTTP-Aufkommens.[13]

Finanzierung

Im November 2005 erhielt YouTube 3,5 Millionen US-Dollar vom Silicon-Valley-Risikokapitalgeber Sequoia Capital, der auch Google bei der Anfangsfinanzierung geholfen hatte. Im April 2006 bekam die junge Firma weitere 8 Millionen US-Dollar von Sequoia.

Die Bewertung von YouTube stieg von 600 Millionen US-Dollar im Frühjahr 2006 auf 1,5 Milliarden US-Dollar im Herbst des Jahres. Laut einem Bericht der Zeitung New York Post waren Gesellschaften wie Viacom, Disney, AOL, eBay und Rupert Murdochs News Corp. – die Muttergesellschaft der New York Post – an einem Kauf von YouTube interessiert. Murdochs Medienimperium hat im Jahre 2005 durch den Kauf des Portals MySpace für 580 Millionen US-Dollar einen neuen Internet-Kaufrausch eingeläutet.

Nach anfänglicher Zurückhaltung begann YouTube im August 2007 mit Werbeeinblendungen bei Videos ausgewählter Partner. Videos, die von Privatpersonen hochgeladen wurden, sollen vorerst nicht mit Werbung gekoppelt werden.[14]

Das Partnerprogramm ist mittlerweile neben den USA auch in Kanada, Großbritannien, Japan, Australien oder Irland verfügbar. Die Voraussetzungen für eine Teilnahme am Partnerprogramm sind das regelmäßige Hochladen von Original Videos über deren Rechte man komplett verfügt. Außerdem müssen die Videos laut YouTube von Tausenden Benutzern geschaut werden. [15]

Am 26. Juni 2008 gab Google Germany bekannt, dass das Partnerprogramm nun auch in Frankreich und Deutschland verfügbar ist.[16]

Kritik

Video-Qualität

Wie auch beim vergleichbaren Portal Google Video wird die meist geringe Qualität der Filme von Kritikern bemängelt, die unter anderem durch die maximale Dateigröße (1 GB[17]) hervorgerufen wird; bei einigen Videos stimmen auch Film- und Tonspur nicht überein.

Videos mit fragwürdigem Inhalt

Obwohl es laut den Nutzungsbedingungen[18] von YouTube nicht erlaubt ist, Videos mit rassistischem und/oder hetzerischem Inhalt hochzuladen, werden diese Videos, nachdem sie von Zuschauern als unangebracht deklariert wurden, bisweilen nicht gelöscht, sondern lediglich nur noch für registrierte Nutzer zugänglich gemacht. Wenn überhaupt, denn dies gilt zum Beispiel für Aufzeichnungen von Reden und Ansprachen Adolf Hitlers nicht: Trotz dieses sogenannten flaggen werden diese Inhalte weder gesondert behandelt, noch, was das deutsche Recht und auch die Nutzungsbedingungen von YouTube fordern, gelöscht.

Da bei einer Registrierung keine Altersverifizierung durchgeführt wird, stößt YouTube vor allem bei Jugendschützern und deutschen Medien auf Kritik.[19][20]

Ein Beitrag von Report Mainz im August 2007 berichtete, dass bei YouTube diverse rassistische und volksverhetzende Videoclips verfügbar seien, die trotz mehrerer Hinweise seitens des Reporterteams und der Jugendmedienschutz-Einrichtung jugendschutz.net nicht gelöscht wurden. Daraufhin kündigte der Zentralrat der Juden strafrechtliches Vorgehen gegen YouTube an.[21]

Urheberrechtsverletzungen

Ein weiterer Kritikpunkt liegt darin, dass die Nutzer beim Hochladen von Videos vielfach das Urheberrecht verletzen. Viele schätzen YouTube jedoch genau aus dem Grund, da sie so an urheberrechtlich geschütztes Material kommen, ohne dafür bezahlen zu müssen. Nach der geltenden amerikanischen Rechtsprechung muss YouTube urheberrechtlich geschützte Inhalte erst nach einer Abmahnung durch die Rechteinhaber löschen (Opt-Out-Verfahren).

Am 14. Juli 2006 verklagte US-Journalist Robert Tur YouTube auf 150.000 US-Dollar, weil ein von ihm aufgezeichnetes Video ohne seine Zustimmung veröffentlicht wurde.[22] Im Dezember 2006 forderte ein Konsortium der japanischen Unterhaltungsindustrie das Videoportal auf, durch japanisches Copyright geschütztes Bild- und Filmmaterial von der Seite zu entfernen.[23] Im März 2007 kündigte der US-amerikanische Medienkonzern Viacom eine Schadensersatzklage gegen Google wegen Urheberrechtsverletzungen auf YouTube an. Es gehe dabei um eine Schadenersatzsumme von einer Milliarde US-Dollar. Zuvor hatte Viacom, zu dem Fernsehsender wie MTV oder Comedy Central gehören, gefordert, dass mehr als 100.000 Videos von den YouTube-Seiten entfernt werden.[24]

Lizenzübertragung an YouTube

In den Geschäftsbedingungen[18] behält sich YouTube vor, hochgeladene Inhalte (Videos) weiterzuverkaufen oder zu lizenzieren, ohne den Autor vorher fragen zu müssen.

Authentizität der Inhalte

Ebenso wie andere Online-Dienste mit Social-Networking-Charakter wird YouTube zunehmend als Plattform für Guerilla-Marketing genutzt. Die Authentizität von Inhalten ist häufig nur schwierig zu beurteilen.

Besondere Aufmerksamkeit erregten in der Vergangenheit unter anderem ein politisches Video, das sich kritisch mit dem ehemaligen US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Al Gore und seinem Engagement für eine Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen beschäftigte, sowie die tagebuchartigen Veröffentlichungen einer Videobloggerin mit Pseudonym lonelygirl15, welche den vermeintlichen Alltag eines vorgeblich streng religiös erzogenen 16-jährigen US-Teenagers namens „Bree“ zum Inhalt hatten.

In beiden Fällen wurden Videos gezielt von Medienagenturen produziert, jedoch mit dem Anschein verbreitet, von Privatpersonen hergestellt und veröffentlicht worden zu sein. Kritische Stimmen, die bereits frühzeitig die Glaubhaftigkeit und den Ursprung der Videos in Frage stellten, hatten zunächst keinen negativen Einfluss auf die große Aufmerksamkeit und Beliebtheit, die die Veröffentlichungen jeweils erlangten.

Im Falle des Al-Gore-Videos konnten Beziehungen der produzierenden Werbeagentur zum Mineralölkonzern Exxon und zum Automobilhersteller General Motors aufgezeigt werden.[25] Im Falle lonelygirl15 handelte es sich nach Auskunft der Produzenten um ein Experiment im Geschichtenerzählen („an experiment in storytelling“).[26] Die Rolle der „Bree“ wurde von der neuseeländischen Schauspielerin Jessica Lee Rose gespielt.

Auch ein im deutschsprachigen Raum bekanntes Video eines Beifahrers, der WM-Karten auf der Autobahn verliert, war gestellt. Solche Videos werden im Netzjargon als Fake oder auch Hoax bezeichnet.

Auszeichnungen

2007 wurden die Gründer Steve Chen und Chad Hurley von der International Academy of Digital Arts and Sciences bei der 11. Verleihung des Webby Awards als Personen des Jahres mit einem Preis ausgezeichnet.[27]

Quellen

  1. Alexa Rangliste 16. März 2008
  2. heise.de YouTube boomt weiter, 15. April 2008
  3. Pressemitteilung von Google zur Übernahme von YouTube
  4. Lighttpd powers 5 Alexa Top 250 sites
  5. iPhone und YouTube
  6. a b 1024k.de, Video-Bookmarklets Video-Bookmarklets und Greasemonkey-Skripte (englisch)
  7. FlashLoad.net, keepvid.com und Javimoya.com (englisch)
  8. FFDShow, sourceforge.net
  9. FLV-Player, download.com
  10. YouTube Hilfe über YouTube-Uploader: http://www.google.com/support/youtube/bin/answer.py?hl=de&answer=79982
  11. YouTube Hilfe über Qualitätempfehlungen: http://help.youtube.com/support/youtube/bin/answer.py?answer=91450&topic=10526
  12. Ellacoya Data Shows Web Traffic Overtakes Peer-to-Peer (P2P) as Largest Percentage of Bandwidth on the Network (PDF), ellacoya.com, 18. Juni 2007
  13. YouTube beansprucht ein Zehntel der Web-Bandbreite, zdnet.de, 21. Juni 2007
  14. Werbung soll YouTube profitabel machen
  15. http://www.google.com/support/youtube/bin/answer.py?hl=de&answer=82839
  16. http://www.lifepr.de/pressemeldungen/google-germany-gmbh/boxid-51790.html
  17. GoogleWatchBlog: YouTube Uploader: Videos bis zu 1 GB gleichzeitig hochladen
  18. a b Nutzungsbedingungen von YouTube
  19. jugendschutz.net: Nazi-Musikvideos auf einer der beliebtesten Internetseiten
  20. Spiegel.de: YouTube zeigt Nazi-Videos
  21. Spiegel Online: Zentralrat derJuden droht YouTube mit Anzeige
  22. heise.de Newsticker Meldung
  23. Presserklärung der JASRAC vom 4. Dezember 2006
  24. Die Welt: Milliarden-Klage gegen YouTube, 13. März 2007
  25. Slick lobbying is behind penguin spoof of Al Gore (Times Online, 2006-08-05)
  26. „Lonelygirl15: Just Another Web Scam“ (TheFirstPost.co.uk, 2006-09-19)
  27. Heise.de: David Bowie bekommt „Internet-Oscar“, 1. Mai 2007