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Ambrosianischer Ritus

Der Ambrosianische Ritus ist ein liturgischer Ritus der Lateinischen Kirche und wird im größten Teil der Kirchenprovinz Mailand, in einigen angrenzenden Gebieten und in ungefähr fünfzig Pfarren des Bistums Lugano (Schweiz) noch heute neben dem Römischen Ritus verwendet. Im Zuge der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils wurden die zugehörigen liturgischen Bücher unter der Autorität des Mailänder Erzbischofs erneuert. Die Liturgie wird heute in Latein oder in italienischer Sprache gefeiert.

Der Ambrosianische Ritus wird auf den Heiligen Ambrosius zurückgeführt, mit dem er aber erst im 8. Jahrhundert in Verbindung gebracht wurde. Man nimmt an, dass die meisten Texte von Ambrosius stammen. Insbesondere in der Zeit der Karolinger wurde der Ritus seinem römischen Pendant angepasst, wobei er jedoch zahlreiche Eigenarten behaupten konnte, selbst nach dem Konzil von Trient, als Karl Borromäus sie förderte. Seine Eigenprägung zeigt sich unter anderem in der Euchologie (zahlreiche Präfationen), im Gesang (Ambrosianischer Gesang), in den Leseordnungen sowie im Textgut und rituellen Besonderheiten, die Mailand unter orientalischem Einfluss oder durch seine Austauschbeziehungen mit Gallien übernommen hat. In Deutschland hat das Studium der historischen ambrosianischen Liturgie ein Zentrum in der Benediktinerabtei Maria Laach gefunden.

Inhaltsverzeichnis

Unterschiede zum römischen Ritus

Kirchenpolitische Relevanz

Die große kirchenpolitische Bedeutung des Ambrosianische Ritus’ wird oft übersehen. Besonders im Hochmittelalter legitimierte er die selbstbewusste Abgrenzung gegenüber den römischen Versuchen, das Erzbistum Mailand unter die päpstliche Vorherrschaft zu zwingen. Aus der Ambrosiustradition wird in den Quellen des Früh- und Hochmittelalters zumeist eine Sonderrolle wiederholt auch Gleichwertigkeit des Mailänder Erzbistums gegenüber Rom abgeleitet. Für die religiöse Grundierung des mitunter hochfahrenden Mailänder Lokalpatriotismus ist er bis in die heutige Zeit von Bedeutung, auch wenn hier in den letzten Jahrzehnten ein Bedeutungsverlust festzustellen ist.

Liturgische Bücher

Literatur