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Transzendentalphilosophie

Die vom Philosophen Immanuel Kant entwickelte Transzendentalphilosophie befasst sich mit den Grundlagen und Begrenzungen der Erkenntnis, die im menschlichen „Subjekt“ vor aller Erfahrung liegen. Sie ist ein „System aller Verstandesbegriffe und Grundsätze, aber nur insofern sie auf Gegenstände gehen, welche den Sinnen gegeben und also durch Erfahrung belegt werden können“.[1]

Kant fragt nicht nach den Objekten der Erkenntnis, sondern nach der dem Subjekt innewohnenden Befähigung, dem Erkenntnisvermögen, seinen Möglichkeiten und Grenzen. Transzendental (bei Kant: „vor aller Erfahrung liegend“) nennt er „die Untersuchung der Möglichkeit einer jeden Erfahrung“ – eine Untersuchung, die sich auf das Erkenntnisvermögen bezieht.[2] Der Begriff „transzendent“ hat dagegen den Sinninhalt des Überschreitens aller möglichen Erfahrung.

Die in der Transzendentalphilosophie von Immanuel Kant eingeführten Ausdrücke bezeichnen die „übergreifende“ (transzendierende), d. h. reflexive (rückbezogene) Bewegung weg von der unmittelbar gegenstandsgerichteten Betrachtung zur Analyse der Beziehungen des Subjekts auf die Gegenstände. Transzendentalphilosophie stellt also ein Beziehungsdenken dar. Es ist der Start für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der theoretischen Reflexion. Diese Neuausrichtung an das Transzendentale wurde von Kant auch als kopernikanische Wende bezeichnet, da sie den Blick weg vom Objekt hin zum Subjekt lenkt, so wie Kopernikus erkannte, dass sich nicht die Sonne um die Erde, sondern die Erde um die Sonne dreht. Kant steht damit in der Tradition Descartes und dessen Hinwendung zum Selbstbewusstsein. Er begründete somit die Philosophie als Selbstentfaltung der methodischen Reflexion.

Das Hauptwerk der kantischen Transzendentalphilosophie ist die "Kritik der reinen Vernunft".

Inhaltsverzeichnis

Kritik der reinen Vernunft

Das grundsätzlich aller Erkenntnis vorangehende Vermögen ist die Vernunft. Die Transzendentalphilosophie enthält als ein „System aller Prinzipien der reinen Vernunft“ nur rein apriorische Begriffe und Grundsätze.[3] Die Metaphysik, die gleich einer Wissenschaft die Quellen und Grenzen der reinen Vernunft ergründet, heißt Kritik der reinen Vernunft.

Alle Erkenntnis steht somit unter subjektiven Bedingungen und erfasst nicht das „Ding an sich“, genauer gesagt „das Ding an sich selbst betrachtet", wie Kant dasjenige nennt, was übrig bleibt, wenn von allen apriorischen Erkenntnisbedingungen abgesehen wird. Gegenstand (objektiver) Erkenntnis ist lediglich die sinnlich wahrnehmbare Welt der Erscheinungen (Phänomene). Die Verstandesbegriffe geben der Wahrnehmung die formale Struktur und ermöglichen damit erst deren Erkennbarkeit, indem sie das eigentliche Erkenntnisobjekt erschaffen. Bestimmungen wie Notwendigkeit und Allgemeinheit[4] entspringen den Kategorien des Verstandes, nicht der Wahrnehmung. Die Verknüpfung der Gedankenbestimmungen ist das Urteil. Diese synthetische Leistung wird vom Selbstbewusstsein erbracht.

„Ich bin mir selbst ein Gegenstand der Anschauung und des Denkens“ ist ein synthetischer Satz a priori und der Grundsatz der Transzendentalphilosophie.[5]

Mit der erkenntniskritischen Methode, in der das Subjekt sich reflexiv zum Objekt der eigenen Betrachtung macht, wird Kant zum Ideengeber des deutschen Idealismus.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Vorrede der Kritik der reinen Vernunft
  2. KrV, Elementarlehre, II. T., II. Abt., II. Buch, 1. Hauptstück, Von den Paralogismen der reinen Vernunft (2. Aufl. S. 402)
  3. KrV, Einleitung VII
  4. KrV Einl. I 1.Aufl. und II 2. Aufl.
  5. Kant: Vorlesungen über Metaphysik

Literatur