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Eric Pohlmann

Eric Pohlmann, eigentlich Erich Pohlmann (* 18. Juli 1913 in Wien; † 25. Juli 1979 in Bad Reichenhall), war ein österreichisch-britischer Theater-, Film- und Fernsehschauspieler.

Leben und Werk

Pohlmann war ein klassisch ausgebildeter Charakterschauspieler der alten Schule. Er studierte bei Max Reinhardt in seiner Heimatstadt Wien und hatte erste Engagements u.a. am Raimundtheater. Nebenbei jobbte er als Entertainer in einer Bar.

1939 folgte er seiner Verlobten und späteren Ehefrau, der jüdischen Schauspielerin Lieselotte Goettinger, in die Emigration nach London. In England fasste er rasch Fuß und machte auf BBC Deutschland Propaganda gegen die Nazis. Um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, nahmen die Pohlmanns vorübergehend eine Stellung im Haushalt des damaligen Herzogs von Bedford an: sie als Köchin, er als Butler.

Nach Kriegsende begann der Schauspieler eine Karriere an Londonder Bühnen, die er bis in die 1960er Jahre hinein ausbauen konnte. U.a. war er als Peachum in Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und Kurt Weill zu sehen. Seit Ende der 1940er Jahre war Pohlmann zunehmend präsent in britischen und US-amerikanischen Film- und Fernsehproduktionen, zunächst in kleinen Komparsenrollen, später zunehmend in ausgebauten Nebenrollen in Abenteuer- und Kriminalfilmen, gelegentlich auch in Komödien. Seine große, massige Erscheinung mit leicht südosteuropäischem Einschlag prädestinierte ihn dabei für Rollen als intelligenter Meisterverbrecher und Spion, aber auch als Offizier oder Kriminalbeamter, Hotelsbesitzer, Konsul, Geschäftsmann oder gar Präsident und König. Sehr häufig spielte er Italiener, Griechen und Orientalen; Deutsche spielte er trotz seiner Herkunft eher selten.

Einen seiner frühesten Filmauftritte hatte Pohlmann in Carol Reeds Filmklassiker Der dritte Mann (The Third Man): als Kellner im Smolka´s. Bis zu seinem Tod spielte er mal mehr, mal weniger bedeutende Nebenrollen in britischen Filmen, aber auch in Hollywood-A-Filmen, vor allem von MGM, neben bekannten Stars: In Mogambo (1953; Regie: John Ford) gibt er neben Clark Gable , Ava Gardner und Grace Kelly den zwielichtigen Leon Boltchak; 1963 in dem Monumentalfilm 55 Tage in Peking (Regie: Nicholas Ray) den deutschen Baron von Meck neben u.a. Charlton Heston und David Niven.

Zweimal besetzte ihn Richard Thorpe neben Hauptdarsteller Robert Taylor in einer britischen Produktion: 1955 als Gluckmeister in Liebe, Tod und Teufel (The Adventures of Quentin Durwand) und 1959 als Cap. Rohner in Das Haus der sieben Falken (The House of the Seven Hawks). 1971 ist er in Die Steppenreiter (The Horsemen; Regie: John Frankenheimer) neben den Stars Omar Sharif und Jack Palance ein Händler aus Kandahar. 1975 agiert er in Der rosarote Panther kehrt zurück (The Return of the Pink Panther; Regie: Blake Edwards) an der Seite von Peter Sellers und Christopher Plummer namenlos als Der dicke Mann.

Sein komödiantisches Talent zeigte der Schauspieler 1955 neben Sexbombe Jane Russell: In So lebt man in Paris (Gentlemen Marry Brunettes; Regie: Richard Sale) gibt er den Mr Ballard; in Expresso Bongo (1960; Regie: Val Guest), einem Schlagerfilm mit Cliff Richard, agiert er als Leon.

James Bond-Fans ist die Stimme Eric Pohlmanns vertraut: Sowohl in Liebesgrüße aus Moskau (From Russia with Love, 1963) als auch in Feuerball (Fireball, 1965) spricht er im englischen Original den geheimnisvollen Ernst Stavro Blofeld von der Verbrecherorganisation SPECTRE.

1958 hatte er eine Rolle in der britischen Mystery-Krimiserie Inspector March of Scotland Yard (kein deutscher Verleihtitel) übernommen: Als Inspector Goron unterstützte er Hauptdarsteller Boris Karloff in mehreren Folgen.

In den 1960er Jahre und 1970er Jahren war Pohlmann beruflich auch wieder in seiner alten Heimat aktiv und übernahm zahlreiche prägnante Charakterrollen in deutschen und österreichischen Film- und Fernsehproduktionen. Er gestaltete nicht nur Gastrollen in populären Krimiserien wie Der Kommissar und Derrick, sondern übernahm auch Aufgaben in anspruchsvollen Fernsehspielen vornehmlich für ORF und den Bayerischen Rundfunk, nicht selten unter der Regie von Franz Josef Wild. Dazu gehören n.a. Der Strafverteidiger (1961) mit u.a. Barbara Rütting und Carl-Heinz Schroth, Der kleine Lord (1962) mit u.a. Albrecht Schoenhals und Michael Ande sowie Die Affaire Dreyfus (1968) mit u.a. Karl-Michael Vogler und Bernhard Wicki.

1961/62 hatte Pohlmann auch in einem deutschen Edgar Wallace-Krimi mitgespielt: In Das Rätsel der roten Orchidee (Regie: Helmuth Ashley) stirbt er durch Mörderhand; Filmpartner sind u.a. Marisa Mell, Christopher Lee und Klaus Kinski.

Seinen größten Erfolg im deutschsprachigen Raum hatte der Charakterschauspieler 1970 mit einem sogenannten TV-„Straßenfeger“: Die Frau in Weiß, ein als Drei-Teiler angelegter Kriminalfilm in historischen Kostümen nach einer literarischen Vorlage von Wilkie Collins, galt seinerzeit als eine der erfolgreichsten Fernsehproduktionen des Jahres und lockte zeitweise rund 9 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. Unter der Regie von Wilhelm Semmelroth (Drehbuch: Herbert Asmodi) spielte Pohlmann als Conte Fosco eine Hauptrolle neben u.a. Heidelinde Weis, Christoph Bantzer, Pinkas Braun und Helmut Käutner. Die Mini-Serie gilt bei Fans des Genres bis heute als Kult.

Auch während seiner aktiven Zeit in Deutschland und Österreich nahm Pohlmann neben seiner internationalen Filmarbeit weiterhin Aufgaben im britischen Fernsehen wahr, u.a. als Gaststar in den Krimiserien Jason King und Paul Temple; die Serien waren auch im deutschen Fernsehen zu sehen.

1978/79 kam es zu einer Zusammenarbeit des Schauspielers mit Maximilian Schell: In dem deutsch-österreichischen Kinofilm Geschichten aus dem Wienerwald nach Ödön von Horváth (Regie und Produktion: M. Schell) übernahm Pohlmann eine größere Rolle neben u.a. Birgit Doll und André Heller. Der Film wurde 1979 auf dem London Film Festival gezeigt. Eine letzte Zusammenarbeit zwischen Schell und Pohlmann wurde durch den Tod des Schauspielers abgebrochen: Während der Proben zu Jedermann in Salzburg, wo Pohlmann wie auch schon im Jahr zuvor den dicken Vetter von Jedermann Maximilian Schell spielen sollte, erlitt der Schauspieler einen Herzinfarkt und starb kurz darauf in einer Klinik im nahe gelegenen Bad Reichenhall.

Eric Pohlmann war zweimal verheiratet (das erste Mal verwitwet) und hatte aus erster Ehe mit seiner Kollegin Lieselotte Goettinger zwei Söhne.

Personendaten
Pohlmann, Eric
Pohlmann, Erich
österreichisch-britischer Theater-, Film- und Fernsehschauspieler
18. Juli 1913
Wien
25. Juli 1979
Bad Reichenhall