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Mediendidaktik

Die Mediendidaktik ist ein Teilgebiet der Medienpädagogik und bezeichnet alle pädagogischen Beschäftigungen mit Medien. Sie beschäftigt sich mit der Funktion und Bedeutung von Medien in Lehr- und Lernprozessen, wie das Lehren und Lernen durch den Medieneinsatz besser und effizienter gestaltet werden kann und welche Voraussetzungen, Implikationen und Konsequenzen dies hat. Die Mediendidaktik greift damit im Prinzip ähnliche Fragen auf, wie die allgemeine Didaktik. Es soll geklärt werden, wie man durch die Benutzung von technischen Medien Lehr- und Lernprozesse innerhalb und außerhalb von geplanten Bildungskontexten (also etwa auch in der Freizeit) verbessern kann und wie diese Mittel methodisch einsetzbar sind.

Der Begriff Mediendidaktik setzt sich aus den Worten Medien und Didaktik zusammen und leitet sich aus dem lateinischen Wort medius (Mitte oder vermitteln) ab sowie aus dem griechischen Wort „Didaktos“ , welches lehrbar, gelernt oder unterrichtet bedeutet.

Inhaltsverzeichnis

Definitionen

Der Begriff der Mediendidaktik wird von verschiedenen Autoren gemeinhin ähnlich definiert.

Nach Hoffmann ist die Mediendidaktik „ die geplante, gezielte und reflektierte Verwendung von nicht-personalen Medien (= materiellen Zeichenträgern) zu pädagogischen Zielen und Zwecken.“

Tulodziecki beschreibt den Begriff als "den Bereich der Didaktik, in dem alle Überlegungen zusammengefasst sind, bei denen es im wesentlichen um die Frage geht, wie Medien bzw. Medienangebote oder Medienbeiträge zur Erreichung pädagogisch gerechtfertigter Ziele gestaltet und verwendet werden können oder sollen" (Tulodziecki 1997, S.45).

Geschichte

Der Einsatz von Medien als Hilfsmittel und zur Veranschaulichung kann schon bei Comenius festgestellt werden. Ihm ging es vor allem um die sinnhafte und anschauliche Erfassung der Dinge“(Hüther 2005).

Im 17 Jh. Entstanden Lehrmittelkabinete und Naturaliensammlungen, um primäre Erfahrungen mit den Gegenständen zu sammeln. Wo dies nicht möglich war wurden Gegenstände durch bildliche Darstellungen veranschaulicht.

Als Auslöser für die Entwicklung der Mediendidaktik in Deutschland gilt das didaktische Modell von Heimann.

In den 20er Jahren galt das Konzept: Medien als Unterrichtsreihe. Für kurze Zeit ersetzten die Medien die Informationsweitergabe des Lehrers. Dem Lehrer blieben die Aufgabe zur Nachbereitung sowie die Integration des Stoffes in Lehrgängen.

In den 60er Jahren sprach man von Medien getragenen Unterrichtarrangements. Dabei übernahmen die Medien über eine längere Zeitspanne die traditionelle Einweisungsrolle des Lehrers. Dies lag vor allem daran, dass durch den Krieg ein starker Lehrermangel vorherrschte. Grundsätzlich lässt sich in dieser Zeit die Entwicklung zweier Richtungen in der Mediendidaktik unterscheiden: Das auf dem kybernetischen Modell beruhende Konzept ist technologisch orientiert und konzentriert sich auf ein instrumentelles Lernen, beispielsweise in Sprachlaboren. Das zweite Konzept gründet auf dem Modell des Behaviorismus und nutzt als Lernanreize positive und negative Verstärkungen unter Verwendung neuer Technologien (Kron/Sofos 2003, S. 40/54). Ende der 60er Jahre wurde der Versuch unternommen eine Medientaxonomie zu erstellen, um den Lehrenden und Lernenden die Medienentscheidung zu vereinfachen.

In den 70er Jahren gab es die so genannte Handlungs- und Teilnehmerbezogene Mediendidaktik, die eine Gegenbewegung darstellt. Die Medien wurden den Schülern als Kommunikationsmittel zugewiesen. Dadurch kam es zur Ermöglichung von Öffentlichkeit, Darstellung von Erfahrungen und Bedürfnissen, zum Ausschluss komplizierter Medien, zur Anregung zur Kommunikation (Pinnwände, Collagen, Dokumentation) und Nutzung offener multimedialer Lernumgebungen. Ende der 70er Jahre kam es zum fortschreitenden Desinteresse an der Mediendidaktik.

In den 80er Jahren erlebte die praktische Mediendidaktik dann einen Aufschwung, der auf die Multimedialität neuer Medien zurückzuführen ist.

Anfang der 90er Jahre wurden die Medien für eigenständige Konstruktionen von Wissen als Werkzeug eingesetzt und galten nicht länger nur als Mittel zur Steuerung von Lernprozessen. Dies liegt an der im Konstruktivismus begründeten Konzentration auf die Teilnehmer, welche sich in einem Lernprozess Wissen eigenständig erarbeiten sollen. Dieses Konzept findet sich als Konstruktivistische Mediendidaktik wieder (Kron/Sofos 2003, S.41/54).

In der älteren Mediendidaktik ging es bei Medienentscheidungen häufig um Fragen, wann und unter welchen Rahmenbedingungen ein Tafelbild angemessen ist, wann Overheadfolien, Lehrfilme, Dias oder Modelle eingesetzt werden sollten.

Sie bezog sich hauptsächlich auf die Institution Schule. Durch die wachsende Verbreitung digitaler Medien in allen Bereichen der Gesellschaft stehen inzwischen auch andere Zielgruppen und Einsatzbereiche im Mittelpunkt. Zum einen handelt es sich dabei um die betriebliche Bildungsarbeit, die Weiterbildung sowie das nicht- institutionalisierte, informelle Lernen in der Arbeit und Freizeit.

Aktuelle Entwicklung

Im Jahr 2000 rief das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Projekt „Neue Medien in der Bildung“[1] ins Leben.

Ziel dieses Projektes ist „eine dauerhafte und breite Integration der Neuen Medien als Lehr-, Lern-, Arbeits- und Kommunikationsmittel in Aus- und Weiterbildung sowie die qualitative Verbesserung der Bildungsangebote durch Medienunterstützung.“

Durch das Programm sollen die Bildungssektoren Schule, berufliche Bildung und Hochschullehre gefördert werden.

Im schulischen Sektor wird Wert auf die Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte im Bereich der IuK-Technologien (IKT) gelegt. Des Weiteren soll durch digitale Medien die Qualität von Lehren und Lernen verbessert werden. Dies wird unter anderem durch die flächendeckende Bereitstellung von Computern mit Internetzugang gewährleistet. Durch Kooperationen mit der Wirtschaft soll dieses Projekt finanziert und unterstützt werden.

In der beruflichen Bildung dient das Programm der Beseitigung von Defiziten im Bereich der Bildungssoftware, der Schulung von Ausbilder/innen sowie der Übersichtlichkeit von digitalen Lernangeboten.

In der Hochschullehre wird besonderen Wert auf die Möglichkeit eines betreuten Selbststudiums und neuer Fernstudienangeboten gelegt. Ebenso wie in der Schule soll durch die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien die Qualität der Lehre verbessert werden.

Aufgaben und Ziele

Zu den Aufgaben und Zielen der Mediendidaktik gehört unter anderem die Vermittlung von Fertigkeiten, um ein fachliches Lehrziel durch die Einsetzung von Medien zu erreichen und konkrete Unterrichtszusammenhänge mittels neuer Technologien darzustellen. Der Umgang mit Medien soll den Unterricht effektiver und das Lernen effizienter gestalten (Ziel-Mittel-Relation). Dabei dienen diese als kommunikationsförderndes Mittel welches zu einer schülerorientierteren Funktion führen soll. Die Mediendidaktik hat es sich zur Aufgabe gemacht aktivere Auseinandersetzungen der Schüler/innen mit ihrer Lernumgebung zu fördern.

Zu dem soll der frühzeitige Umgang mit neuen Medien die Schüler/innen motivieren sich immer über den neusten Stand der Technik zu informieren, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Der richtige Umgang mit neuen Medien ist für jeden Berufszweig von großer Bedeutung, sei es um Präsentationen vor zu bereiten oder um am Computer Tabellen zu erstellen oder allein schon um die Bewerbung zu schreiben. Dabei ist als Voraussetzung der verantwortungsvolle Umgang mit Medien wichtig, Informationsquellen müssen kritisch ausgewertet werden können. Die Entwicklung von Medienkompetenz muss daher ebenso ein Anliegen der Mediendidaktik sein (Kron/Sofos 2003, S. 38/57)

Voraussetzungen für effektive Mediennutzung/Lehrerrolle

Um mit Hilfe von Medien lehren zu können, muss sich der Lehrer das Wissen über Medien zunächst aneignen. Dies verlangt die Umverteilung von Ausbildungs- und Erziehungsaufgaben, erfordert eine sorgfältige Analyse und Kritik und fordert die Distanzierung von der traditionellen Lehrerrolle. Der Lehrer hat die Aufgabe, den Unterricht zu planen, geeignete Medienangebote auszuwählen und Lernprozesse indirekt zu steuern (Situationen arrangieren, Materialien zusammenstellen usw.)Der Lehrende übernimmt die Rolle eines Hilfestellers im selbstagierenden Aneignungsprozess. Da manche Medien „nur“ mit Unterhaltung in Verbindung gebracht werden (wie z. B. das Fernsehen), muss diese Einstellung zu Medien überdacht werden. Dabei gilt es verstärkt, erzieherische Funktionen wahrzunehmen und sich auch auf leistungsschwache Schüler zu konzentrieren.

Das Medium sollte vom Lehrer nicht als Selbstläufer oder Programmfüller dienen. So sollte beispielsweise nicht jede Stunde darin bestehen, einen Film über das zu behandelnde Thema zu zeigen der die komplette Stunde ausfüllt, da dies die passiver Konsumhaltung der Schüler fördern würde. Der Medieneinsatz sollte immer in einem didaktischen Kontext der Vor- und Nacharbeit stehen, um eine effektive Mediennutzung zu erreichen. Zu dem sollten die Rezeptionsgewohnheiten (Medienerfahrungen) der Schüler und ihre Interessen Berücksichtigung in der Stundenplanung finden. Der Lehrer muss die Ambition haben, immer auf dem neuesten Stand der Medientechnologie zu bleiben und sich gegebenenfalls mit neuen Medien intensiv auseinandersetzen.

Empirische Forschungsansätze der Mediendidaktik

Die empirischen Forschungsansätze sind bei der Beantwortung der Frage, welche Konzepte zur Verwendung von Medien in Lehr-Lernprozessen sich unterscheiden lassen und welche Überlegungen damit verbunden sind, von Bedeutung. Hierbei wird zwischen Untersuchungen zu allgemeinen Medieneffekten und zu speziellen Medienmerkmalen von interaktionsorientierten Studien und Evaluationen unterschieden. Außerdem sind diese Forschungsansätze mit verschiedenen theoretischen Annahmen und Ansätzen zur Mediengestaltung verbunden, nämlich die medientaxonomischen Ansätze (Differenzierung der Medien bezüglich ihrer Eigenschaften und Eignungen für unterschiedliche Lehraufgaben) und die lerntheoretischen Ansätze (Bezüge zu unterschiedlichen Grundorientierungen) Insgesamt unterscheidet man dann letztendlich zwischen fünf Konzepten der Medienverwendung: Lehrmittelkonzept, Arbeitsmittelkonzept, Bausteinkonzept, Systemkonzept, Lernumgebungskonzept. (vgl. Tulodziecki, 1997)

Vor & Nachteile computergestützter Medien

Die Vorzüge von digitalen Medien bestehen im raschen Zugriff auf eine umfangreiche Materialauswahl in verschiedenen medialen Formen. Außerdem erfolgt eine schnelle Rückmeldung auf die Lernaktivitäten der Schüler und Schülerinnen (z. B. bei Computerprogrammen), deren Eigenverantwortlichkeit und -aktivität gestärkt werden können bzw. sollen. Medien dienen der Motivation, da man sich die Computerbegeisterung der Kinder zu Nutze machen kann. Des Weiteren unterstützen sie einen schülerzentrierten, individualisierten, sowie handlungsorientierten Selbstlernprozess. In der Regel stellt der Umgang mit Medien eine offene Lernumgebung dar. Durch Eigeninitiative soll es bei den Schülern zu selbstbestimmtem Lernen führen, wodurch es auch zur Entlastung des Lehrers kommt. Ein weiterer Vorteil besteht bei digitalen Medien in der selbstständigen Informationsbeschaffung (Interaktion mit ihrer Lernumgebung), sowie der Möglichkeit, Problemanalysen durchzuführen und Lösungen eigenständig zu erarbeiten. Dabei ist stets zu bedenken, dass diese Vorzüge "Potenziale" von digitalen Medien sind, die erst durch eine gezielte mediendidaktische Gestaltung und Nutzung zum Tragen kommen. Wie man diese Potenziale von Medien (ihren "Mehrwert") einlöst, ist Gegenstand der sogenannten "gestaltungsorientierten Mediendidaktik", die von Kerres begründet wurde. Sie zeigt auf, welche Analyseschritte notwendig sind, damit sich der "Mehrwert" einer mediengestützten Lernumgebung einstellt und der zusätzliche Aufwand, der damit in der Regel verbunden ist, auch tatsächlich Nutzen entfaltet.

Wird der kritische Umgang mit den digitalen Medien nicht ausführlich behandelt, können diese oft einen gegenteiligen Effekt zur Folge haben. So werden beispielsweise Forenbeiträge nicht auf ihre Inhalte kontrolliert und müssen nicht immer den Tatsachen entsprechen. Gerade durch die ungeheure Informationsmenge, die das Internet bietet, ist die Fähigkeit wichtig, relevante Inhalte herauszufiltern und kritisch im dargebotenen Kontext einordnen zu können. Zu dem funktionieren digitale Medien nicht immer Zuverlässig falls beispielsweise Beamer und Laptop nicht kompatibel sind, oder verschiedene Versionen von Programmen existieren. Oder aber es liegt ein Hardware Fehler vor. Daher ist es unabdingbar wichtige Vorträge nicht ausschließlich mit dem Einsatz neuer Medien vorzubereiten, um im Notfall einen Ausweichplan zur Hand zu haben.

Kritik

Lernprozesse lassen sich nicht beliebig herstellen oder durch ausgefeilte Technologien optimieren, wie ein Produkt. Selbst durch die beste Technik kann Bildung nicht erzeugt, sondern nur ermöglicht werden. Letztendlich bedeutet sie Selbstbildung, da das (Mit-)Tun des Lernenden die Voraussetzung für eine bestimmte Richtung und Intensität des Lernprozesses ist. In den 90er Jahren kam es zu einer Diskussion über den Konstruktivismus. Diese hat das Lernen gegenüber dem Lehren erneut hervorgehoben und gesagt, dass das Lehren ein Angebot für Lernende ist. „…was diese aus einem solchen Angebot machen, ist nicht determiniert und nur in Grenzen vorhersagbar…“ (Siebert, 1999).

Eines der größten Probleme sind wohl die Rahmenbedingungen für den Einsatz von Medien, da nicht jede Schule über genügend Computer verfügt. Oftmals widerstrebt es auch der älteren Generation von Lehrern, neue Medien in den Unterricht zu integrieren. Dadurch besteht die Gefahr, dass die Medien überhandnehmen und sich somit die Dominanz der Lehrperson verringert. Auch wenn der Medieneinsatz im Unterricht interessanter als konventionelle Methoden zu sein scheint, heißt das nicht, dass dadurch auch gleichzeitig zwangsläufig schneller und effektiver gelehrt werden kann. Das Lernen lässt sich weder beliebig beschleunigen noch rationalisieren. Die Mediennutzung ist außerdem oftmals mit einem hohen Zeitaufwand verbunden, besonders wenn es darum geht, Schülern bestimmte Techniken nahe zu bringen. Ein nicht zu unterschätzender Nachteil besteht ebenfalls darin, dass durch den Einsatz von Medien leistungsschwächere Schüler überfordert werden können. Fehler in medialer Repräsentation sind schwerer zu erkennen als in realen Zusammenhängen. Zudem erschwert eine falsche Einstellung zu Medien das Lernen. Bloße Information bezüglich des großen Informationsangebotes (Internet) bedeutet noch lange nicht, dass man sich auch Wissen angeeignet hat. Sogar wenn man sich dabei mitunter viel Wissen aneignet, stellt sich noch die Frage, ob dieses Wissen für den Einzelnen überhaupt brauchbar oder lediglich eine Ansammlung von unnützen Informationen ist.

Des Weiteren besteht die Gefahr der Ablenkung aufgrund umfangreicher Nutzungsmöglichkeiten. Schwierigkeiten könnten auch in der gemeinsamen Planung eines Programms, Vernachlässigung sozialer Bedürfnisse sowie mangelnden Einbeziehung der letztlich für den Unterricht verantwortlichen Lehrpersonen entstehen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. BBF - Neue Medien in der Bildung