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Runenstein

Runensteine sind oft hohe, zumeist auch aufrechtstehende Steine oder Stelen, die mit Runeninschriften versehen sind. Errichtet wurden diese Steine von Wikingern primär zur Erinnerung an Verstorbene oder Gefallene, aber auch als Denkmäler eigener Leistungen.

Inhaltsverzeichnis

Aussehen

Die in Runensteine eingemeißelten Inschriften und Muster waren mittels Farbe (rot, schwarz, weiß) hervorgehoben, die heute verblichen ist oder nachgemalt wurde. Es gibt sowohl Runensteine mit Bildern oder Symbolen als auch Bild- und Maskensteine mit Runen. Als Maskensteine bezeichnete Bildsteine kennt man aus Dänemark (Århus, Sjellebro), hier sind Bilder in Findlinge eingeritzt, die nur teilweise zusätzlich eine Runeninschrift tragen.

Mitunter sind Runensteine auch verziert (Schlange, Drache). Ganz wenige zeigen Motive aus der germanischen Mythologie. Der aufwendigste unter den verzierten norwegischen Runensteinen stammt aus Dynna. Er ist aus rotem Sandstein voller Bildmotive im Ringerike-Stil und trägt eine Inschrift. Der Runenstein mit der längsten bekannten Inschrift Dänemarks ist der Bugstein der Schiffssetzung von Glavendrup. In Schweden trägt der Runenstein von Rök die längste Inschrift überhaupt.

Verbreitung

Deutschlands vier, im Umkreis von Haithabu gefundene Runensteine, sind im Museum von Schloss Gottorf in Schleswig zu sehen; einzig der in der Nähe von Busdorf gefundene Skarthestein steht im örtlichen Wikingermuseum. Ein fünfter Runenstein wurde 1971 bei Rathjensdorf gefunden, jedoch erst 2008 bekannt. Seine Echtheit wird zur Zeit (Januar 2008) vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein untersucht.[1]

Zwischen 5000 und 6000 Runensteine sind in Skandinavien gefunden worden, davon über 3000 im heutigen Schweden. Einiges spricht dafür das Runensteine zuerst im Bohuslän oder im 0stfold aufkamen. Die Gegend hat nicht nur eine uralte Felsritzungstradition, auch einer der wenigen mit einem Bildsymbol geschmückten eisenzeitlichen Bautasteine steht auf dem Grabfeld von Grebbestad. In Tune wurde ein Stein gefunden wurde, der zu den ältesten gehören, die man entdeckt hat. Sie sind in Norwegen und Schweden seit dem 4. Jahrhundert, in England seit dem 7. Jahrhundert und in Dänemark (37 in der Literatur als bedeutend angesehene) seit dem 9. Jahrhundert zu finden. Vereinzelte Steine finden sich auch im Baltikum und in Russland, auf Grönland und auf den britischen Inseln außerhalb Englands. Bekannte Runensteine in Schweden sind der Runenstein von Ramsundberg und der Runenstein von Rök. In den USA gefundene Runensteine Runenstein von Kensington, Minnesota sind Fälschungen.

Gattungen und Bedeutung

Runensteine erscheinen in zwei Grundtypen

Sie bieten - ähnlich den römischen Grabstelen - einen Einblick in das Selbstverständnis, die Werte und Leistungen einzelner Personen, die aufgrund ihres Standes die Möglichkeit hatten, eine zumindest lokale Rolle in der überlieferten Geschichte zu spielen. Der älteste Runenstein, der noch an seinem ursprünglichen Platz steht, ist der Einangsteinen in Norwegen.

Man kann verschiedene Arten von Runensteinen unterscheiden:

Ein interessantes Beispiel eines Selbstdarstellungssteines steht bei Stockholm. Dort schreibt ein schwedischer Wikinger von sich: "in ulfr hafir onklati * Þru kialtakat Þit uas fursta Þis tursti * Þa ---Þurktil * Þa kalt knutr" Übersetzt: Ulf hat in England dreimal Tributgeld erhalten. Das erste war mit Toste (Skagul Toste einem Wikinger aus der Provinz West Götaland), das zweite mit Thorkel (Torkel der Hohe, ein dänischer Jarl, der 1011 englischen Tribut erhielt) und das dritte mit Knut dem Großen.

Runensteine

Runensteine von Jelling

Eine einzigartige Gruppe von Runensteinen mit hohem Bildanteil auf Findlingen sind die Steine von Jelling. Die Runensteine (von Jelling) für den dänischen König Gorm (den Alten), mit dem die Liste der Könige beginnt, da er als Reichseiniger gilt, wurden vermutlich von dessen Sohn Harald Blauzahn in Auftrag gegeben. Sie stehen an der Kirche von Jelling (Dänemark) zwischen den beiden noch heidnischen Grabhügeln Gorms und seiner Frau Thyra. Gorm selbst ließ einen kleinen Runenstein setzen, auf dem steht: König Gorm erstellte diese Erinnerung für Thyra seine Frau, die Zierde Dänmarks. Der Stein, auf dem Harald Blauzahn die Christianisierung Dänemarks als sein Werk darstellt, zeigt auf zwei Seiten Motive und auf der Vorderseite Runenzeichen.

Bildsteine auf Gotland

Die wahrscheinlich farbigen Darstellungen (schwarz-weiß-rot) Gotländische Bildsteine sind eine Besonderheit aus der Wikingerzeit, der primär auf der schwedischen Insel Gotland und nur vereinzelt an den benachbarten Küsten und auf Öland anzutreffen ist. Sie zeigen menschliche Gestalten (Götter), mehrere Tierarten, magische Symbole, Wirbelräder, Ruder- und Segelschiffe, Spiralen, mythologische Szenen und Runenbänder und sind auch ein Abbild der Religionsgeschichte. Am Ende erscheinen Steine mit dem christlichen Kreuz.

Andere Bildsteine

In Europa gibt es noch eine zweite Gruppe von Bildsteinen, deren Bildanteil Symbole zeigt, sich aber auch aus dem Bereich der symbolhaften Darstellungen, wie sie etwa irische Kreuz- oder Pillarsteine zeigen, heraushebt, das sind die Piktensteine in Schottland.

Siehe auch

Literatur

Karsten Kjer Michaelsen: Danmarks Oldtid 2002 ISBN 87-567-6458-8

 Commons: Runenstein – Bilder, Videos und Audiodateien
 Commons: Bildsteine auf Gotland – Bilder, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Meldung der Kieler Nachrichten vom 29. Januar 2008