Heim

Napoleon oder Die hundert Tage

Napoleon oder Die hundert Tage ist ein Drama in fünf Aufzügen von Christian Dietrich Grabbe. Der Erstdruck erschien 1831 in Frankfurt am Main. Das Stück wurde 64 Jahre später am selben Ort uraufgeführt.[1]

Napoleon bekommt von Blücher, Gneisenau und Wellington sein Waterloo.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

In Paris unter den Arkaden des Palais Royal: Vitry und Chassecoeur, zwei abgedankte Gardisten Napoleons, lassen ihren Kaiser nicht von einem Bänkelsänger einen „jämmerlichen korsischen Edelmann“ schimpfen und schwelgen in der Erinnerung glorreicher Feldzüge durch halb Europa. Doch die Zeiten sind schlecht für diese beiden Altgedienten. Denn der Pariser Pöbel hängt das Mäntelchen nach dem Winde – hofiert den König. In das bunte Gewimmel unter den Arkaden mischen sich zwei adelige Emigranten und schwärmen von der „guten alten Zeit“, damals vor 1789. Inzwischen wird 1815 geschrieben.

In Paris im Königlichen Zimmer in den Tuilerien: Bei Hofe ist man sich der Macht sicher. Aber auf Elba steht Napoleon am Strand und wirft begehrliche Blicke in Richtung Frankreich. Bescheidenheit gehört noch immer nicht zu des Kaisers Chararaktereigenschaften: „Mit mir ging die Sonne unter.“

Szenenwechsel. Der König erhält von seinem Bruder, einem sorglosen Jagdliebhaber, die Schreckensbotschaft: „Ja, eben hör ich, Bonaparte ist gelandet bei Toulon.“ Schlag folgt auf Schlag. Napoleon ist vor Lyon, so wird gemeldet. Am 17. März marschiert der Korse in Auxerre ein. Kaum einer will noch etwas vom König wissen. Als der Kaiser in Fontainebleau eingetroffen ist, setzt sich der „zynische Radikale“[2] Jouve an die Spitze des Parisers Mobs, meuchelt einen königstreuen Schneidermeister, und das Volk folgt seinem Ausruf: „Hoch der Kaiser!“ Der König hat längst die Flucht in Richtung Lille ergriffen, und der Wiener Kongress ist auseinander gelaufen.

Zeit hat Napoleon keine. Die Preußen lagern bei Ligny. Eilig stellt der Kaiser alte Minister wieder ein und formiert seine Grande Armée. Nur einmal im Drama lässt Grabbe den Herrscher über die Franzosen menschlich agieren: im Dialog mit seiner Stieftochter Hortense.

Auf dem Schlachtfeld dann wähnen die Franzosen sich zunächst als die Sieger über die Preußen. Aber „die Preußen fechten besser wie bei Jena.“[3] Das Blatt wendet sich.

Szenenwechsel. Ein Hotel in Brüssel. Der Herzog von Wellington feiert unbekümmert und erhält Kunde von den Vorgängen. „Alarm! Alarm!“ ruft der englische Militär. „Alle Truppen vorgeschoben nach Waterloo!“[4] Damit ist Napoleons Schicksal besiegelt. Zwar entschlüpft Wellington dann unterwegs im Felde sein berühmter Satz: „Ich fürchte, wenn Blücher nicht bald kommt …“,[5] doch als einer seiner Offiziere ihn während des stockenden Vormarsches zum Zurückweichen auffordert, zeigt er Charakter. Wellington hält stand.

Szenenwechsel. Die Franzosen erkennen, „das ganze Gehölz von Frichemont ist voll von Preußen“ und die Briten rücken auch noch vor. Napoleon schiebt Grouchy die Schuld in die Schuhe: „Daß das Schicksal des großen Frankreich von der Dummheit, Nachlässigkeit oder Schlechtheit eines einzigen Elenden abhängen kann!“ Der Kaiser steigt vom Pferde, zieht blank und ruft: „Garden aller Waffengattungen mir nach!“ Dann überlegt es sich der Kaiser doch anders. Napoleon lässt seine zurückweichende, untergehende Garde im Stich. Der Korse resümiert: „Verräterei, Zufall und Mißgeschick machen das tapferste Heer furchtsamer als ein Kind – Es ist aus – Wir haben seit Elba etwa hundert Tage groß geträumt.“[6] Die Garde wird von der „alliierten Reiterei zusammengehauen“, stirbt aber mit einem forschen Spruch auf den Lippen: „Sterbt … würdig, es geht nicht anders. – Also, Kameraden, die Schnurrbärte hübsch zurechtgedreht – bald sind wir im Himmel.“[7]

Persönlichkeiten

Auswahl aus den ca. 170 Sprechrollen[8]

Franzosen
Preußen
Engländer

Form

Selbstzeugnisse

Grabbe zu seinem Stück

Rezeption

Literatur

Quelle
Faksimile-Ausgabe
Sekundärliteratur

Einzelnachweise

  1. Quelle, S. 413
  2. Löb, S. 64
  3. Quelle, S. 233, 2. Z.v.o.
  4. Quelle, S. 241, 17. Z.v.o.
  5. Quelle, S. 257, 7. Z.v.o.
  6. Quelle, S. 272, 12. Z.v.o.
  7. Quelle, S. 273
  8. Löb, S. 63
  9. Quelle, S. 215
  10. Quelle, S. 272, 6. Z.v.u.
  11. Quelle, S. 231, 19. Z.v.o.
  12. Quelle, S. 250
  13. Quelle, S. 246, 2. Z.v.o.
  14. Quelle, S. 261, 18. Z.v.o.
  15. Löb, S. 69, 17. Z.v.o.
  16. Löb, S. 63
  17. Quelle, Anmerkungen, S. 425 18. Z.v.o.
  18. Löb, S. 63
  19. Cowen, S. 153, 6. Z.v.o.
  20. Löb, S. 65, 7. Z.v.o.
  21. Cowen, S. 159
  22. Cowen, S. 163, 13. Z.v.o.
  23. Löb, S. 63
  24. Lothar Ehrlich zitiert in Löb, S. 67, 9. Z.v.o.
  25. Löb, S. 69, 18. Z.v.o.
  26. Wiemer, S. 36
  27. Wiemer, S. 27 unten
  28. Wiemer, S. 28 unten
  29. Wiemer, S. 35 Mitte
  30. Cowen, S. 157
  31. Cowen, S. 157 unten
  32. Cowen, S. 159
  33. Aufführung Stadttheater Trier: Besprechung Pia Röver
  34. Rinsum, S. 83, 15. Z.v.u.