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Heeresflugabwehrtruppe

Die Heeresflugabwehrtruppe ist eine Truppengattung im deutschen Heer. Die Heeresflugabwehrtruppe ist die Gesamtheit aller vorrangig für die landgebundene Abwehr feindlicher Flugkörper im Nah- und Nächstbereich befähigten Kräfte im deutschen Heer. Die Truppengattung zählt zu den Kampfunterstützungstruppen.

Daneben gibt es weitere Kräfte der Flugabwehr, die in der Bundeswehr und anderen Streitkräften auch Teil einer anderer Teilstreitkräfte (insbesondere Luftstreitkräfte) oder organischer Teil anderer Truppengattungen sein können. Historisch waren ähnliche Kräfte auch Teil der Artillerie. Im deutschsprachigen Raum werden Truppengattungen, die teils über ähnliche Fähigkeiten verfügen, als Fliegerabwehr (Österreichs Bundesheer) oder als Fliegerabwehrtruppen (Schweizer Armee) bezeichnet. Die Nationale Volksarmee der DDR bezeichnete die vergleichbare Waffengattung als Truppenluftabwehr (TLA).

Inhaltsverzeichnis

Auftrag

Aufgabe der Heersflugabwehr ist es, die Kampftruppen bei ihren Operationen gegen feindliche Kräfte auf dem Gefechtsfeld – zumeist mittelbar – zu unterstützen und vor feindlicher Waffenwirkung zu bewahren. Neben Heerestruppen schützt die Truppe hochmobil Räume, Infrastruktur und Truppen anderer (Teil-)streitkräfte oder militärischer Organisationsbereiche. Bekämpft werden feindliche Flugziele im Nah- und Nächstbereich. Die Bekämpfung weiter entfernter Ziele ist vorrangig Aufgabe der Luftwaffe. Zu den Flugzielen gehören Flugzeuge, auch Drohnen, und feindliche Raketen. Ausdrücklich ausgenommen ist die Bekämpfung von Tactical Ballistic Missiles. Im Notfall sind die Flugabwehrkanoneneinheiten in der Lage, mit ihrer Flak auch feindliche Bodentruppen zu bekämpfen.

Die Heeresflugabwehrtruppe ist grundsätzlich in die integrierte Luftverteidigung eingebunden, stellt die Unterstützungszellen Flugabwehr und Luftraumordnung und ist an der Feststellung der Gesamtluftlage beteiligt. Die Heeresflugabwehrtruppe koordiniert die Luftraumnutzung durch die Landstreitkräfte und vertritt die Interessen des Heeres gegenüber anderen Luftraumnutzern. Dabei berücksichtigt es die Weisungen des zuständigen Luftverteidigungskommandeurs.

Die Aufgaben der Flugabwehrkanoneneinheiten und der leichten Flugabwehrraketen unterscheiden sich dabei leicht:

Im Rahmen der Transformation der Bundeswehr nimmt die Bekämpfung durch asymmetrisch kämpfende Gegner an Bedeutung zu. Die Heeresflugabwehrtruppe ist daher beauftragt, ihrer Fähigkeit zur Abwehr von ungelenkten Raketen, Artillerie- und Mörsergeschossen zu steigern.

Organisation

Die Truppengattung stellt in der Heeresstruktur Neues Heer zukünftig einen Teil der Eingreifkräfte und Stabilisierungskräfte. Die Fähigkeiten der Verbände sind dem Auftrag des übergeordneten Verbandes angepasst. So wird die Gliederung des Flugabwehrlehrregimentes 6 den Anforderungen der Division Eingreifkräfte in besonderem Maße gerecht. Eine Neuerung stellt die 8. Kompanie des Jägerregimentes 1 dar, welche aus zwei Flugabwehrzügen, die mit Fliegerfäusten ausgerüstet sind, sowie einem ABC-Abwehrzug besteht. Das Heer verfügt zukünftig über folgende aktive Heeresflugabwehrkräfte:

Zentrale Ausbildungsstätte und verantwortlich für die Weiterentwicklung der Truppengattung ist das „Ausbildungszentrum Heeresflugabwehrtruppe“ in Rendsburg (bisher Heeresflugabwehrschule) in Rendsburg und Todendorf. Der Kommandeur des Ausbildungszentrums ist zugleich General der Heeresflugabwehr.

Ausrüstung

Die Panzerflugabwehrkanonenbatterie ist mit dem Flugabwehrkanonenpanzer Gepard 1 A2 ausgestattet. Die Batterie kann durch Flugabwehrraketenwaffenträger Ozelot verstärkt werden. Zur Ausstattung der Panzerflugabwehrkanonengruppen gehören auch Fliegerfäuste. Das Hauptwaffensystem ist der leichten Flugabwehrraketenbatterien ist der Ozelot, im Bedarfsfall verstärkt durch den Gepard. Die Flugabwehraufklärungsbatterie verwendet als Aufklärungssystem vor allem Radarsensoren Luftraumüberwachungsradar, Nahbereichsradar sowie die Flugabwehraufklärungsschnittstellen Tiefflugbereich (FAST). Zur Ausstattung der Sicherungstrupps der Flugabwehraufklärungsbatterien gehören ebenfalls Fliegerfäuste „Stinger“.

Das Waffensystem Roland wurde 2005 außer Dienst gestellt.

Aufklärungs- und Gefechtsführungssystem

Das Heeresflugabwehr-Aufklärungs- und Gefechtsführungssystem (HFlaAFüSys) ist das Führungs- und Waffeneinsatzsystem der Heeresflugabwehrtruppe. Es unterstützt und beschleunigt die Informationsgewinnung, -übertragung und -verarbeitung, aktualisiert und vervollständigt das Luftlagebild. Es steigert damit die Wirksamkeit der Flugabwehrwaffen und erhöht die Sicherheit eigener Luftraumnutzer. Aufgaben im Einzelnen:

Uniform und Taktisches Zeichen

Die Waffenfarbe ebenso wie die Barettfarbe der Heeresflugabwehrtruppe ist korallenrot. Das Barettabzeichen der Heeresflugabwehrtruppe stellt die beiden Hauptwaffen der Heeresflugabwehr dar. Die beiden gekreuzten Rohre stehen für die Zwillingsgeschütze, wie sie auf den Waffensystemem M42 Duster und dem aktuellen Gepard eingesetzt werden. Die Rakete stilisiert Flugabwehrraketen wie sie zum Beispiel bei den Waffensystemen Hawk und Roland in der Bundeswehr eingesetzt wurden.

Das taktische Zeichen der Heeresflugabwehrtruppe sowie aller Flugabwehrtruppen der NATO zeigt in seiner Grundform einen nach unten geöffneten Halbbogen. Ergänzt wird dieses Zeichen bei Flugabwehrraketeneinheiten gegebenenfalls durch einen nach oben zeigenden Pfeil mit einem zweiten Winkel (zweite Pfeilspitze), der sich über dem Halbbogen befindet, oder bei Flugabwehrkanoneneinheiten um einen Punkt, der das Rohr der Flak stilisiert. Der Halbbogen ist der sogenannte „Fla-Himmel“, der den Himmel symbolisiert und im internen Abzeichen vieler Verbände dieser Truppengattung zu finden ist.

Beschreibung einzelner Verbände

Ausbildungszentrum Heeresflugabwehrtruppe

Hauptartikel:Ausbildungszentrum Heeresflugabwehrtruppe

Das aus der Heeresflugabwehrschule hervorgegangene Ausbildungszentrum Heeresflugabwehrtruppe in Munster (noch Rendsburg) ist dem Ausbildungszentrum Munster unterstellt, dem auch das Ausbildungszentrum Panzertruppen und das Ausbildungszentrum Heeresaufklärungstruppe zugeordnet ist. Am Ausbildungszentrum werden alle Offiziere, Feldwebel und Unteroffiziere der Truppengattung ausgebildet. Die praktische Schießausbildung mit dem Gepard 1 A2, dem leichten Flugabwehrsystem, den Fliegerfäusten und den Fliegerabwehrwaffen wird auf dem Flugabwehrschießplatz Todendorf durchgeführt. Der Flugabwehrschießplatz Todendorf bietet dem Ausbildungsstützpunkt Flugabwehr/Fliegerabwehr auf sechs Schießbahnen mit jeweils bis zu 14 Stellungen, die unmittelbar an der Küstenlinie liegen, die Voraussetzungen für Flug- und Fliegerabwehrschießen. Auf dem benachbarten Truppenübungsplatz Putlos findet, aufbauend auf dem Schulschießen auf Flugziele, das Erdzielschießen und das Gefechtsschießen auf Flug- und Erdziele im Rahmen von taktischen Lagen statt.

Flugabwehrlehrregiment 6

Hauptartikel:Flugabwehrlehrregiment 6

Das Flugabwehrlehrregiment 6 in Lütjenburg ist der 1. Panzerdivision (Bundeswehr) unterstellt.

Panzerflugabwehrkanonenbataillon 12

Das Panzerflugabwehrkanonenbataillon 12 in Hardheim ist der Heerestruppenbrigade (Division Luftbewegliche Operationen) unterstellt.

Auftrag

Das Heeresflugabwehrbataillon führt den Kampf gegen feindliche Luftkriegsmittel im niedrigen und mittleren Flughöhenbereich. Im Rahmen der Kampfunterstützung schützt es Truppen, deren Einrichtungen sowie Anlagen (Objekte) gegen Aufklärung und Angriffe aus der Luft.

Gliederung

Luftlandeflugabwehrraketenbatterie 100

Die Luftlandeflugabwehrraketenbatterie 100 in Seedorf ist der Division Spezielle Operationen als Divisionstruppe unterstellt.

Auftrag

Die Luftlandeflugabwehrraketenbatterie 100 schützt Truppen, vor allem Infanterie und luftbewegliche Kräfte und deren Einrichtungen sowie Anlagen gegen Angriffe und Aufklärung aus der Luft. Sie kann auch ohne Bindung an Truppen oder Objekte eingesetzt werden.

Gliederung

Leichte Flugabwehrraketenbatterie 300

Die Leichte Flugabwehrraketenbatterie 300 (Hardheim) ist der Heerestruppenbrigade der Division Luftbewegliche Operationen unterstellt.

Auftrag

Die leichte Flugabwehrraketenbatterie 300 schützt sowohl Landstreitkräfte (insbesondere leichte Kräfte und bei Luftlandungen) als auch Objekte anderer Streitkräftekomponenten sowie zivile Anlagen und Einrichtungen. Sie bekämpft Ziele des gesamten Bedrohungsspektrums im niedrigen und mittleren Flughöhenbereich. Die leichte Flugabwehrraketenbatterie 300 wird bedrohungs- und lageabhängig in die integrierte Luftverteidigung eingebunden und ist zum Einsatz im Rahmen der NATO und multinationaler Koalitionen befähigt.

Gliederung

Leichte Flugabwehrraketenlehrbatterie 610

Die Leichte Flugabwehrraketenlehrbatterie 610 in Todendorf ist als Divisionstruppe der 1. Panzerdivision unterstellt.

Auftrag

Die leichte Flugabwehrraketenlehrbatterie 610 schützt sowohl Landstreitkräfte (insbesondere leichte Kräfte und bei Luftlandungen) als auch Objekte anderer Streitkräftekomponenten sowie zivile Anlagen und Einrichtungen im Rahmen des gesamten Aufgabenspektrum des Heeres.

Gliederung

Leichte Flugabwehrraketenbatterie (8./JgRgt 1)

Die Leichte Flugabwehrraketenbatterie (leFlaRakBttr) in Schwarzenborn ist die 8. Batterie des Jägerregiments 1 der Luftbeweglichen Brigade.

Auftrag

Die Leichte Flugabwehrraketenbatterie wird auf den luftgestützten Einsatz ausgerichtet. Es führt die Operationen der Bodenkräfte im Rahmen eines oder mehrerer gemischter Luftkampfverbände der Luftbeweglichen Brigade 1. Die Leichte Flugabwehrraketenbatterie des Jägerregiments 1 operiert nach den Einsatzgrundsätzen der Jägertruppe. Sie ist vollbeweglich und lufttransportfähig.

Nichtaktive Truppenteile

Nichtaktive Truppenteile bestehen personell noch bis 31. Dezember 2008 weiter, sie wurden nicht zeitgleich mit aktiven Truppenteilen aufgelöst oder umstrukturiert. Im Heer wird es auch künftig teilaktive und nichtaktive Truppenteile geben, die grundsätzlich ohne Großgerät ausgeplant werden, dies wird aber in der Heeresflugabwehrtruppe nicht der Fall sein. Folgende Verbände bestehen (noch):

Aufgelöste Verbände

Die Heeresflugabwehrschule

Hauptartikel:Heeresflugabwehrschule

Die Heeresflugabwehrschule in Rendsburg bildete in Lehrgängen Soldaten der Heeresflugabwehrtruppe an ihren Flugabwehrwaffen und im Flugabwehreinsatz sowie Soldaten aller Organisationsbereiche in der Fliegerabwehr aus. Nach über 50 Jahre, wurde die Heeresflugabwehrschule am 28. November 2007 außer Dienst gestellt und zum Ausbildungszentrum Heeresflugabwehrtruppe umgegliedert.

Flugabwehrbrigade 100

Hauptartikel:Flugabwehrbrigade 100

Die Flugabwehrbrigade 100 war im Heer der Zukunft (2002–2007) eine von sechs Kampfunterstützungs- bzw. Logistikbrigaden des Heerestruppenkommandos und führte alle Einsatzkräfte der Flugabwehrtruppe des Heeres.

Verbände in der Heeresstruktur 4

In der Heeresstruktur IV (1980–1994) wies das Heer folgende Heeresflugabwehrverbände auf:

Die Regimenter 1 bis 12 unterstanden den zwölf Divisionen des Heeres entsprechend ihrer Nummer (Ausnahme „Flugabwehrregiment 9“, das nicht aufgestellt wurde, da für die 1. Luftlandedivision kein entsprechendes Regiment vorgesehen war). Die Flugabwehrregimenter mit Fluagbwehrkanonenpanzer Gepard waren folgendermaßen gegliedert:

Siehe auch

Weblinks