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Sklavenhandel

Sklavenhandel bezeichnet allgemein den Handel mit Sklaven; insbesondere ist damit oft die Versklavung der Schwarzafrikaner und ihr Transport über den Atlantik nach Nordamerika und in die Karibik gemeint. Siehe dazu Atlantischer Sklavenhandel. Zu anderen örtlichen Schwerpunkten des Sklavenhandels siehe Ostafrikanischer Sklavenhandel und Mediterraner Sklavenhandel. Ideologische Grundlage war die Hamitentheorie, die die „Überlegenheit“ der Weißen gegenüber den Schwarzen und anderen Menschen nichteuropäischen Aussehens „wissenschaftlich“ zu beweisen versuchte.

Inhaltsverzeichnis

Altertum

Für das Altertum und die Antike gibt es keine ernstzunehmenden Statistiken wie zum neuzeitlichen interkontinentalen Sklavenhandel. Vieles beruht auf Überlegungen, die man aus relativ wenigen literarischen, epigraphischen und archäologischen Quellen rekonstruierte. Es ist nicht genau zu eruieren, inwieweit Sklavenhandel neben der Aufzucht von im Haushalt geborenen Sklaven von Bedeutung war. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass das Ausmaß des Sklavenhandels zu verschiedenen Zeiten von unterschiedlicher Bedeutung war.

Es gab verschiedene Möglichkeiten, in die Sklaverei zu kommen. Diese waren Schuldknechtschaft, juristisch erzwungene Sklaverei, Geburt in die Sklaverei, Menschenraub oder Versklavung im Zuge kriegerischer Handlungen. Letzteres war zunächst offenbar kein wichtiges Element bei der Sklavenbeschaffung, da laut altorientalischen Quellen die Bevölkerung eroberter Städte oft ausgelöscht wurde. Die Bevölkerung eroberter Städte stattdessen zu versklaven, war somit zunächst ein humaner Schritt.

Die wichtigste Beschaffungsquelle war zunächst der Menschenraub, insbesondere die Piraterie. Schon bei Homer wird von derartigen Kaperfahrten berichtet. Die Massenversklavung ist ein relativ spätes Phänomen und setzte erst mit der Schaffung von großen Sklavenmärkten ein, die im Zuge der Entstehung eines Marktes für Sklaven in der Zeit um 600 v. Chr. begann. Laut Theopompos waren es die Griechen auf Chios, die den ersten Sklavenmarkt eröffneten. Im Laufe des Peloponnesischen Krieges wurde die Bevölkerung ganzer Städte -vor allem die Frauen und Kinder, aber auch häufig Männer- in die Sklaverei verkauft. Es ist festgestellt worden, dass es im Altertum immer weitaus mehr weibliche Sklavinnen als männliche gab. Auch während der römisches Expansion kam es zur Massenversklavung der Bevölkerung ganzer Städte (etwas 209 v. Chr. in Tarent, 167 v. Chr. in Epeiros). Kriegsgefangene wurden in der Regel noch auf dem Schlachtfeld verkauft. Sklavenhändler gehörten zum Troß eines römischen Heeres.

Bereits das alte Ägypten „importierte“ schwarze Sklaven aus dem heutigen Sudan (Nubien). Die Griechen beschafften sich ihre Sklaven vor allem aus Thrakien und Kleinasien (hier vor allem aus Phrygien und Karien), die Römer später vor allem aus Griechenland, vom Balkan und aus Gallien. Im Allgemeinen war es üblich, dass versklavte Mitbürger sowohl bei den Römern als auch schon zuvor bei den Griechen vermieden werden sollten. So verkaufte man beispielsweise in Athen in die Schuldknechtschaft geratene Bürger in andere Städte. Das Zwölftafelgesetz schrieb den Römern den Verkauf solcher Personen in ein Gebiet jenseits des Tibers vor. Zentren des antiken Sklavenhandels waren Delos und Ephesos.

Der Sklavenhandel an sich war genau geregelt. Bei Platon sind Regeln überliefert, wann ein Sklavenkauf rückgängig gemacht werden konnte. Römische Sklavenhändler mussten Krankheiten und etwaige Verfehlungen eines zum Verkauf stehenden Sklaven angeben. Im Allgemeinen verlief ein Handel für einen Sklaven unwürdig, da er den potentiellen Käufern nackt präsentiert wurde. Aus Ägypten sind Kaufverträge überliefert. Ob die Preise für Sklaven hoch oder niedrig waren, ist in der Forschung umstritten. Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist es heute schwer festzulegen, was ein Mensch wert ist. Zum anderen variierten die Preise für Sklaven je nach Region, Zeit und Qualifikation recht stark. Für manche Zeiten und Orte hat die Forschung anhand verschiedener Quellen versucht, die Marktpreise zu rekonstruieren, was jedoch immer mit sehr großen Ungenauigkeiten verbunden ist.

Sklavenhandel war in der Antike ein nicht zu unterschätzender, aber auch nicht überzubewertender Wirtschaftsfaktor. Vor allem die Landwirtschaft, das Handwerk und das Prostitutionsgewerbe waren auf stetigen Nachschub an Menschenmaterial angewiesen.

Handel mit europäischen Sklaven

Der Handel mit europäischen Sklaven nahm während der Christianisierung im frühen und hohen Mittelalter besonderen Aufschwung, da die Franken oftmals Menschen, die nicht bereit waren den christlichen Glauben anzunehmen, in die Sklaverei verkauften. Mit zunehmender Christianisierung der sächsischen Gebieten verschoben sich die Hauptherkunftsregionen von Sklaven in östlichere und nördlichere Gebiete. Um 960 beschrieb der Sklavenhändler Ibrahim Ibn al Jaqub al Israili at-Turtuschi die Herkunfts- und Handelsorte der Sklaven in Europa.

Mit den Kreuzzügen hörte der Sklavenhandel auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands auf. Auch die Funde von Silbermünzenhorten mit Münzen aus dem orientalischen Raum enden in dieser Zeit.

Dennoch blieb der Sklavenhandel in Richtung Westeuropa bis weit ins 15. Jahrhundert hinein an der Tagesordnung. Daran beteiligt waren vor allem Kaufleute aus den italienischen Stadtstaaten, insbesondere Genua und Venedig, die über ihre Handelsniederlassungen im östlichen Mittelmeer (Thessaloniki, Chios, Famagusta auf Zypern, Candia auf Kreta) und im Schwarzen Meer (insbesondere Caffa, aber auch Trapezunt und andere) Sklaven vor allem tatarischen und slawischen Ursprungs nach Südwesteuropa und Ägypten transportierten (daher kommt wohl auch die Bezeichnung „Sklave“). Auch vom Balkan kamen viele sogenannte „fante“ nach Italien, deren Status dem eines Sklaven wohl sehr ähnlich war. Auch katalanische Händler, insbesondere die Katalanische Kompanie waren an diesem Handel von Ost nach West beteiligt.

Handel mit afrikanischen Sklaven seit dem Altertum

Innerafrikanischer Sklavenhandel

Hauptartikel: Innerafrikanischer Sklavenhandel

Der innerafrikanische Sklavenhandel, in dessen Rahmen Afrikaner Afrikaner versklavten, ist noch wenig erforscht. Man geht von einer Opferzahl von 10-15 Millionen aus. Versklavt werden konnte man infolge von Verschuldung oder indem man in Kriegsgefangenschaft eines anderen Stammes geriet.

Orientalischer Sklavenhandel

Durch die Sahara (Transsaharahandel), teilweise dann weiter über das Mittelmeer, später auch über den Indischen Ozean (Ostafrikanischer Sklavenhandel) gelangten Sklaven aus Afrika in die arabisch-islamische Welt. Die davon betroffenen Frauen wurden oft in den Harems und die Männer als Eunuchen oder Arbeitssklaven eingesetzt. Die Zahl der Opfer dieses Handels wird auf 6-17 Millionen geschätzt. Diese Route des Sklavenhandels lag weitgehend in den Händen orientalischer (überwiegend muslimischer), aber auch katalanischer Kaufleute. Während erstere im Mittelalter vor allem den großen Bedarf an Sklaven für das ägyptische Heer zu decken versuchten, sorgten die Katalanen für Nachschub an Arbeitskräften auf den größeren, von Europäern bewirtschafteten Inseln des westlichen Mittelmeeres (im wesentlichen Sizilien und Balearen).

Portugiesischer Sklavenhandel

Im frühen 15. Jahrhundert suchte der portugiesische Prinz Heinrich der Seefahrer einen Seeweg nach Indien, um vom Gewürzhandel zu profitieren. Die Expeditionen zur Erforschung der westafrikanischen Küste waren teuer und wurden zunächst vor allem durch die Versklavung von Afrikanern finanziert. In Lagos entstand ein bedeutender Markt für schwarze Sklaven. Ein Fünftel des Verkaufserlöses gehörte Prinz Heinrich.

Als Großmeister des Christusordens hatte Heinrich der Seefahrer gute Kontakte zu Papst Nikulaus V.. Mit den Bullen Dum Diversas (1452) und Romanus Pontifex (1455) wurde es erlaubt, Heiden zu versklaven und ihren Besitz zu nehmen. Somit hatten die christlichen Portugiesen eine moralische Rechtfertigung für ihre Geschäfte[1].

Zunächst hatte Senegal große Bedeutung für den Sklavenhandel. Später nahmen die Portugiesen an der Goldküste intensive Handelsbeziehungen mit den dortigen Reichen auf. In Elmina entstand ein wichtiger Handelsplatz, an dem von afrikanischen Händlern unter anderem auch Sklaven verkauft wurden.

Atlantischer Sklavenhandel

Anfangs verpflichteten die spanischen und portugiesischen Kolonialherren in Amerika die indianische Urbevölkerung zur Zwangsarbeit in ihren Plantagen und Bergwerken. Viele Indianer hielten jedoch der harten Arbeit sowie von den Europäern eingeschleppten Infektionskrankheiten nicht stand, sodass man (u. a. auch auf Anregung von Bartolomé de las Casas, der dadurch die Indianer schützen wollte und diese Entscheidung später bereute) auf die Idee kam, schwarzafrikanische Sklaven einzuführen. Diese galten als widerstandsfähiger.

Der atlantische Sklavenhandel war ein so genannter Dreieckshandel. Die europäischen Sklavenhändler tauschten an der afrikanischen Küste europäische Manufakturenwaren (Werkzeuge, Waffen und Textilien) gegen Sklaven und transportierten diese nach Amerika, wo sie auf Zuckerrohr-, Baumwoll-, Kaffee-, Kakao- und Tabakplantagen und in Bergwerken arbeiten mussten. Die Händler kauften dann die Erzeugnisse dieser Plantagen und Minen und verkauften sie in Europa mit Profit weiter.
Ein Sklave, den man in Afrika für Tauschartikel im Wert von fünf Gulden erwerben konnte, brachte in Amerika das Zehnfache in Zucker, der in Europa wiederum für ein Vielfaches verkauft werden konnte.

Zuweilen gingen die Europäer selbst auf Sklavenjagd; die meisten Sklaven wurden aber von lokalen Herrschern und Händlern an der afrikanischen Küste gekauft. Da Krieg die wichtigste Quelle für Gefangene war, die sich als Sklaven an die Europäer verkaufen ließen, führte der Sklavenhandel auch zu mehr Konflikten in Afrika. Teilweise wurden Kriege gezielt geschürt, um mehr Sklaven zu bekommen.

Nach der Überfahrt mit eigens umgerüsteten Sklavenschiffen kamen jene Sklaven, welche diese „Middle Passage“ überlebt hatten, in die Plantagen in Amerika, vor allem Westindien. Die holländische Insel Curaçao vor der Küste von Venezuela wurde zum bedeutendsten Sklavenmarkt der Welt. Ausgehend von den statistischen Untersuchungen, die der amerikanische Historiker Philip Curtin in den 1960er Jahren durchführte, schätzt die Fachwissenschaft, dass zwischen 1500 und 1850 etwa 12 Millionen Menschen im Rahmen des Atlantischen Sklavenhandels nach Amerika deportiert wurden, davon 4 Millionen nach Brasilien. Dies besagt nichts über die Zahl derjenigen Sklaven, die auf den innerafrikanischen Transporten und bei der Wartezeit in den Sklavenforts an der Westküste umkamen. Auch die ungefähre Zahl der Menschen, die auf dem Transport über den Atlantik umkamen, lässt sich im Augenblick noch nicht angeben, doch an verschiedenen Universitäten, vor allem in den Niederlanden und in den USA, laufen diesbezügliche Forschungsprojekte.

Nach der industriellen Revolution und dem Verbot des Sklavenhandels 1807 wurde der Atlantische Sklavenhandel uninteressant und schließlich ganz aufgegeben. Als letzter beteiligter Staat schaffte Brasilien 1888 die Sklaverei ab.

Ein erheblicher Anteil der heutigen Bevölkerung von Brasilien, Haitis und anderer Inseln der Karibik, aber auch der USA sind afrikanischer Abstammung.

Preis der Sklaven

Die Preise für Sklaven waren äußerst niedrig. Am Senegal-Fluss bekamen die Portugiesen 1446 für ein altes Pferd 25 bis 30 Sklaven, 1460 am Gambia-Fluss 12 Sklaven für ein Pferd und am Kongo-Fluss 22 Sklaven für einen Hund.

Die versklavten Afrikaner wurden nach Stück berechnet. Ein „Stück“ war zwischen 30 und 35 Jahre alt, 5 Fuß 11 Zoll groß (das sind ca. 180 cm) und ohne körperlichen Defekt. Für einen Heranwachsenden gab es Preisnachlass.

Die Spanier handelten mit den Portugiesen einen Vertrag über die Lieferung von 10.000 Tonnen Sklaven aus. Drei Sklaven bedeuteten in diesem Fall soviel wie eine Tonne.

Sklavenökonomie

Die Bedeutung der Sklaven für die Wirtschaft Portugals in den Jahren 1533 bis 1537 beschrieb der Flame Cleynaerts anschaulich:

Alles ist voll von Sklaven, alle Arbeit und Geschäfte verrichten Schwarze und gefangene Mauren, mit denen Portugal derartig vollgepfropft ist, daß, wie ich glaube, in Lissabon sich mehr Sklaven und Sklavinnen dieser Art befinden als freie Portugiesen. Kaum dürftest du ein Haus finden, das sich nicht wenigstens eine kleine Sklavin hält. Die Wohlhabenden besitzen mehrere beiderlei Geschlechts, die alles, aber auch alles tun und sich nur durch ihre Gestalt von Haustieren unterscheiden.

Die ersten Großabnehmer für Sklaven waren die Spanier in den Kolonien und ihre Lieferanten die Portugiesen. Bald waren Geschäftsleute vieler europäischer Länder beteiligt. Im 17. Jahrhundert wurden die Portugiesen von den Holländern übertroffen, die eine Zeit lang Teile Brasiliens in ihrem Besitz hatten. Im 18. Jahrhundert übernahmen die Engländer die Führung im Sklavenhandel.

Der erste englische Sklavenhändler war John Hawkins. Er lud auf seiner ersten Reise 1562/63 300 Sklaven auf sein Schiff namens „Jesus“. Der Transport war so erfolgreich, dass er 1564/65 eine zweite Fahrt unternahm. Sein Schiff war mit 400 Menschen vollgestopft. Die Anteilseigner des Unternehmens, unter ihnen die englische Königin, waren sehr zufrieden, denn er konnte eine Dividende von 60 Prozent ausschütten. Die dritte Fahrt 1567/68 war ein reiner Raubzug. Er ließ die Strohhütten einer Siedlung mit Brandpfeilen anzünden und schürte Stammesfehden. Bei der dritten Fahrt belud er sein Schiff mit 470 Sklaven.

Auch der berühmte französische Aufklärer und Religionskritiker Voltaire zog persönlichen Gewinn aus dem afrikanischen Sklavenhandel der französischen Hafenstadt Nantes. Er versuchte dieses Geschäft mit dem Satz zu rechtfertigen: Es besteht ein ebenso großer biologischer Unterschied zwischen dem Weißen und dem Neger wie zwischen dem Schwarzen und dem Affen.[2]


Abschaffung des Sklavenhandels

Die im 18. Jahrhundert in Europa aufkommenden abolitionistischen Bewegungen konzentrierten ihre Kräfte zunächst auf die Abschaffung des Sklavenhandels und nicht der Sklaverei als Ganzem. Dahinter stand der Gedanke, ein Verbot des Handels wäre erstens politisch leichter durchzusetzen als ein Verbot der gesamten Institution Sklaverei, und zweitens würde ohne beständigen Nachschub der Sklavenhaltung irgendwann von alleine das Material ausgehen.

1807 verbot Großbritannien den Sklavenhandel und bekämpfte von da an auch aktiv den Sklavenhandel anderer europäischer Staaten. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurden Sklaverei und Sklavenhandel geächtet. Nach und nach wurden erst der Sklavenhandel und dann auch die Sklaverei von allen beteiligten Ländern verboten, sodass der Atlantische Sklavenhandel zum Erliegen kam. Mit dem Quintupelvertrag wurden am 20. Dezember 1841 in London ein wechselseitiges Anhalt- und Durchsuchungsrecht, gegenüber den unter den Flaggen der kontrahierenden Staaten fahrenden Schiffe, zum Zweck der Unterdrückung des Sklavenhandels und eine Beschlagnahme von Sklavenschiffen, in einem bestimmten Meeresgebiet um Afrika herum, festgelegt.

Im Zuge der Kolonisierung Afrikas drängten die europäischen Kolonialherren dort auch den orientalischen und innerafrikanischen Sklavenhandel allmählich zurück. Beide Händel existierten jedoch noch lange im Verborgenen weiter; in Saudi-Arabien wurde die Sklaverei erst 1968 offiziell abgeschafft.

Die heutige Sklaverei in Sudan sowie der Kinderhandel in Westafrika, wo laut Unicef 200.000 Kinder in Sklaverei leben, zeigen, dass Sklaverei auch heute noch existiert.

Literatur

Filme

Quellen

  1. Ronald Daus: Die Erfindung des Kolonialismus. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1983, ISBN 3-87294-202-6 (Gemeinsam herausgegeben mit der GEPA).
  2. Peter Scholl-Latour: Afrikanische Totenklage ISBN 3-442-15219-4 S. 206