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Tranby-Croft-Skandal

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Der Tranby-Croft-Skandal (Tranby Croft Scandal), auch bekannt als Königlicher Bakkarat Skandal (engl. Royal Baccarat Scandal) war ein gesellschaftlicher Skandal im Vereinigten Königreich im Jahr 1891.

Der Skandal ist nach Tranby Croft, dem Landsitz des Schiffbauers Sir Arthur Wilson, benannt, der der Schauplatz der Ereignisse war, die zu dem Skandal führten. Zentralfigur des Skandals war Sir William Gordon Cumming, ein Freund des Prinzen von Wales - des britischen Kronprinzen - dem späteren Eduard VII., dem vorgeworfen wurde, bei einem Bakkarat-Spiel in Tranby Croft betrogen zu haben.

Die Tatsache, dass Eduard bei den besagten Ereignissen zugegen gewesen war und selbst lange Nächte beim Glücksspiel in Tranby Croft verbracht hatte, machte die Angelegenheit zu einer öffentlichen Affäre von nationaler Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis

Hergang des Skandals

Das Bakkarat-Spiel von Tranby Croft

Am 8. September 1890 nahmen Prinz Eduard und Sir William Gordon-Cumming, 4. Baronet, of Altyre, ein Offizier der königlichen Armee, an einer Wochenendgesellschaft in Tranby Croft, dem Anwesen des Schiffbauers Sir Arthur Wilson teil. Im Laufe des Abends setzten sich mehrere Gäste zusammen, um einige Partien Bakkarat, eines der Lieblingsspiele des Prinzen zu spielen, das allerdings zu dieser Zeit in Großbritannien illegal war.

Während des Abends beobachteten verschiedene Spieler wie Sir William anscheinend betrog, indem er die Einsätze, die er auf dem Tisch platziert hatte, je nachdem wie es gerade um sein Spielglück bestellt war, heimlich zu erhöhen oder zu verringern versuchte. Am nächsten Abend, als man sich erneut zu einer Partie zusammensetzte, konnten die betreffenden Personen - die sich insgeheim über ihre Verdächtigungen ausgetauscht hatten - ein ähnliches Verhalten seitens von Sir William beobachten. Insgesamt gewann Sir William an den beiden Abenden eine Summe in Höhe von £ 228.

Am Vormittag des 10. September berieten sich acht der Gäste - George Loms, Lycett Green und seine Ehefrau, Berkeley Levett, Arthur Wilson Jr. und Gattin, George Coventry, der 9. Earl of Coventry, sowie Lord Somerset - wie sie auf Sir Williams Handeln reagieren sollten. Sie kamen schließlich überein, den Prinzen über die Vorkommnisse der vergangenen Abende zu informieren und Sir William zur Rede zu stellen. Dieser bestritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, erklärte sich aber schließlich bereit im Austausch für die Zusage der anderen Personen die Sache diskret zu behandeln, eine Erklärung zu unterschreiben, in der er zusagte, zukünftig nicht mehr Karten zu spielen.

Der "Tranby Croft"-Prozess

Auf unbekanntem Wege drang das Wissen um Sir Williams Fehlverhalten jedoch in die elitäre Öffentlichkeit der britischen "besseren Gesellschaft". Dort galt Sir William alsbald als Geächteter und wurde von seinen Standesgenossen gemieden. Heute wird angenommen, dass die klatschselige Lady Daisy Brook, eine Geliebte Eduards, das Wissen um das brisante Bakkarat-Spiel und seine Konsequenzen weiterverraten hatte.

Sir William ging schließlich dazu über, seinen Ruf offensiv zu verteidigen, indem er seine ursprünglichen Beschuldiger seinerseits gerichtlich verklagte. Der Prozess "Gordon-Cumming gegen Wilson und andere" machte den Bakkarat-Vorfall zu einer öffentlichen Affäre. William wurde von Sir Edward Clark vertreten, die Angeklagten von Sir Charles Russel. Den Vorsitz im Prozess, der am 1. Juni 1891 begann, hatte der Lord Chief Justice John Coleridge, 1. Baron Coleridge.

Die Prozesstaktik von Sir William - der sich auf die Dienstvorschriften der britischen Armee berief, der Eduard als Offizier angehörte, und die verlangt hätten, dass dieser eine Meldung hätte machen müssen, wenn er etwas Vorschriftswidriges von einem Mitoffizier bemerkt hätte - zwang den Prinzen schließlich dazu, als Zeuge zugunsten seines Freundes vor Gericht zu erscheinen und dabei auch seine eigene (des Prinzen) Teilnahme an der Glücksspielrunde einzuräumen.

Obwohl Eduard vor Gericht im ganzen eine gute Figur machte, konnte er die Vorwürfe gegen Sir William und insbesondere dessen unterzeichnetes Geständnis nicht entkräften. Der Prozess ging am 9. Juni schließlich zugunsten der Beklagten aus, die vom Gericht nach nur zehn Minuten Beratungszeit freigesprochen wurden.

Folgen

Sir William wurde infolge des Skandals aus der britischen Armee entlassen und von der britischen High Society als sozial Geächteter weithin gemieden. Er zog sich daher weitgehend auf seinen Landsitz in Schottland zurück. Einen Tag nach Beendigung des Prozesses ehelichte er seine amerikanische Verlobte Florence Garner, die ihm den gesamten öffentlichen Streit hindurch die Treue gehalten hatte.

Der Tranby-Croft-Skandal, wie die gesamte Affäre nun in der Presse genannt wurde, lieferte den Kritikern des Kronprinzen, die seinen ausschweifenden Lebensstil bereits seit Jahrzehnten kritisierten, neue Munition und befestigte die Reputation von "Bertie" als einem genusssüchtigen Lebemann und Nichtsnutz. Laut einer Tageszeitung wurde Eduard sogar von einem - anonym gebliebenen - Standesgenossen als "Verschwender und Hurenbock" verunglimpft.

Eduard selbst empfand die während und nach dem Prozess gegen Sir William von verschiedenen Zeitungen in belehrendem Ton formulierte Kritik wegen seiner Rolle in der Angelegenheit - die Times gab etwa der Hoffnung Ausdruck, Eduard würde eine Erklärung unterzeichnen zukünftig an keinen Glücksspielen mehr teilzunehmen (Weinlaub, Queen Victoria, S. 444f.) - als ungerecht. So beklagte er sich beleidigt über "the most bitter and unjust attacks", die in der Presse gegen ihn lanciert worden seien, und gab sich verschmollt über Schmähungen durch die "low church and especially the nonconformists" (Priestley, Edwardians, S. 25). Die Angelegenheit zeigte jedoch insofern Wirkung auf Eduard, als dieser nach der Beendigung des Skandals sein Verhalten änderte: Er spielte zwar weiterhin Glücksspiele, tat dies jedoch hinfort auf eine diskretere Weise als bisher. Das Bakkarat-Spielen gab er sogar gänzlich auf. Außerdem trennte er sich von der indiskreten Daisy Brook.

Im Ausland fand die Angelegenheit ein zurückhaltendes Echo, jedoch teilte der deutsche Kaiser Wilhelm II. seinem Onkel moralisch entrüstet mit, dass es sich für diesen als Thronerben nicht schicke, mit Untertanen zu spielen, zumal er doppelt so alt sei wie diese (Tingsten, Königin Victoria, S. 48 ff.).

Literatur

Sekundärliteratur

Dramatisierung