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Jan Delay

Jan Delay (* 25. August 1976 in Hamburg; bürgerlich Jan Phillip Eißfeldt) ist ein deutscher Hip-Hop-, Reggae- und Funk-Musiker.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Jan Delay besuchte von 1986 bis 1993 das Helene-Lange-Gymnasium in Hamburg und machte dort auch sein Abitur.

Jan Delay ist ein Drittel der Beginner (ehemals Absolute Beginner) und bildet mit Tropf die Formation La Boom. Ein weiterer Name des Hamburgers, den er u.a. auf diversen Untergrund-Veröffentlichungen benutzte (der Eimsbush-Style Liga), ist Boba Ffett[1] (angelehnt an Boba Fett, einen Charakter aus Krieg der Sterne). Als Eizi Eiz oder Eißfeldt tritt er als Teil der Beginner auf, während er das Pseudonym Jan Delay hauptsächlich als Solo-Künstler und in den Genres Reggae und Funk verwendet. Jan Delay (wörtl. Jan Verzögerung) ist einerseits ein Wortspiel mit dem Namen eines in den 1990ern kurzzeitig erfolgreichen Musikacts, Young Deenay, und auf der anderen Seite ein Spiel mit dem Namen eines tragenden Effekts in der Reggae/Dancehallmusik, nämlich dem Delay (mit dem Nachhall das wichtigste Stilelement im Reggae und vor allem im Dub).

Das markanteste Merkmal von Jan Delay ist seine etwas monotone, nasale Stimme. Sein Aussehen versteckt er gerne hinter Sonnenbrillen und anderen Vermummungen. Außerdem ist er für seine Vorliebe für Nike Air Max-Schuhe bekannt. In seinen Texten steckt viel Komik, bisweilen sind sie gesellschaftskritisch.

Zur Vergangenheit gehört das Label Eimsbush, das er zusammen mit einigen Musiker-Kollegen gründete. Zwischen 1997 und 2003 wollte Eimsbush jungen, guten Hip-Hop-Künstlern eine Plattform für ihre Musik geben. 2003 musste das Independent-Label jedoch Insolvenz anmelden.

Sein Soloalbum Searching For The Jan Soul Rebels, welches er zusammen mit der Sam Ragga Band aufnahm, wurde von den Kritikern hoch gelobt, er mischte darin gekonnt und mitunter innovativ verschiedene Musikstile. Der Titel spielt auf das Debütalbum Searching For The Young Soul Rebels der Dexys Midnight Runners an. Produziert wurde dieses Album in enger Zusammenarbeit mit dem bekannten Produzenten Matthias Arfmann, der unter anderem auch das erste Album des bekannten Reggae-Künstlers Patrice sowie die ersten beiden Alben der Beginner mitproduzierte. Das Lied Söhne Stammheims musste aus rechtlichen Gründen entschärft werden und ist nur noch in einer ironischen Form erschienen, mit der er aber aufgrund des linksradikalen und die Rote Armee Fraktion verklärenden Textes trotzdem die Kritik vieler Medien auf sich zog.

Im größten deutschen Hip-Hop-Magazin Juice bekam Jan Delays Debütalbum die seltene Bestwertung 6 (von 6) Kronen.

Am 4. August 2006 ist sein zweites Soloalbum mit dem Titel Mercedes Dance erschienen, das in Zusammenarbeit mit seiner neuen Band Disko No.1, und mit Mathias Arfmann & Tropf als Co-Produzenten entstanden ist. Dieses steht im starken Kontrast zu seinem Debütalbum, im Intro sagt Jan Delay bereits: „Reggae ist tot, jetzt ist Funk dran“. Die Platte wird von Jazztönen mit starken Funk-Elementen bestimmt. Sie erreichte in der ersten Woche Platz eins der deutschen Charts. Die Texte sind zum Teil nicht mehr so sozial-/politkkritisch wie seine früheren Werke, was er im Intro ebenfalls anspricht. Es wurde auch ein Livealbum und eine DVD von Mercedes Dance veröffentlicht. Zuvor wurde die Single Klar veröffentlicht.

Weitere Projekte

Es ist ein weiteres Projekt mit seiner Funkband "Disko Nr. 1" in Planung, die Rap-Gruppe Beginner sei jedoch immer noch aktiv, bestätigte er in einem Interview auf www.deluxe-zoom.de. Er erklärte, dass ein Projekt mit den Beginnern das gute Verhältnis und das Teamwork zwischen ihm und der Funkband zerstören würde, und er deshalb zunächst an einer neue Funk-Platte als Jan Delay + Disko Nr.1 arbeite.

Mit dem Song Feuer nahm Jan Delay am 9. Februar 2007 für das Bundesland Hamburg am 3. Bundesvision Song Contest teil und erreichte den zweiten Platz.

Im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm sagte Delay angeblich in einem Interview mit dem Tagesspiegel (Tagesspiegel vom 05. Mai 2007) auf die Frage nach Gewalt: „Sonst wäre es doch langweilig. Ich hab’ Bock auf Action, ich will, dass es Stress gibt. Da bin ich auch eher Hooligan.“ In weiteren Äußerungen zu diesem Thema (Interview mit Spiegel [2]) sprach Delay unter anderem davon, dass sowohl Bundeskanzlerin Merkel als auch US-Präsident Bush „beides Lakaien“ wären. Daher müsse „man da mit der Faust reinhauen“. Im selben Interview gab er dennoch - allerdings höchstwahrscheinlich scherzhaft - an, in Sachen G8 „gar keine Ahnung“ zu haben. Ähnlich äußerte sich Delay auch in einem Interview des Online-Magazines Zünder, Titel: Brennende Autos helfen[3]. (Die Zeit/Zuender, Ausgabe 15/2007). In der Musikshow TRL auf MTV vom 8. Juni 2007 dementierte er, so etwas gesagt zu haben. Er habe lediglich gesagt, dass er es gut finde, wenn Menschen auf die Straße gehen und demonstrieren. Er wolle nochmal mit dem Interviewer reden.

Am 7. Juli 2007 trat er in Hamburg bei Al Gores Klimaschutz-Konzert Live Earth auf. Er machte dort besonders von sich reden, indem er – offenbar als einziger der Künstler – den Hamburger Bürgermeister Ole von Beust und den CDU-Senat auf der Bühne offen für seine Unterstützung des Kohlekraftwerks Moorburg [4] kritisierte. Laut Pressebericht sagte er vor applaudierendem Publikum: „Sie lassen sich hier als Veranstalter feiern und geben zeitgleich ein großes Kohlekraftwerk in Auftrag. Dieses Kraftwerk wird den CO2-Ausstoß für Hamburg um 40 Prozent hochtreiben. Dieser Widerspruch ist so hart, als hätte Bob Geldof während seiner Live Aid-Konzerte mal 1000 äthiopische Sklaven im Keller gehabt.“. Außerdem forderte er das Publikum auf, anstelle Klimaschutz-SMS auf die Großleinwand zu schreiben, sich lieber direkt an den CDU-Bürgermeister zu wenden: „Schreibt Ole von Beust. Sagt ihm, dass ihr keinen Bock auf dieses Kraftwerk habt!“ [5]. Die Kritik am geplanten Kohlekraftwerk erhielt Jan Delay auch bei seinem Konzert im Hamburger Stadtpark vor heimischen Publikum am 25. August 2007 aufrecht. Dort wurden Unterschriften gegen das Kraftwerk gesammelt und Jan Delay bezeichnete Ole von Beust während des Konzerts mehrfach als "Kohle von Beust".

Pseudonyme

Jan Delay ist dafür bekannt, dass er unter häufig wechselnden Pseudonymen auftritt. So heißt es in seinem Lied Wer Bist'n Du: „[…] ich hab über 20 verschiedene Namen auf meinem Briefkopf […]“. Meist sind diese Pseudonyme Wortspiele, die sich an die Namen anderer Künstler anlehnen:

Diskografie

Siehe auch Diskografie der Beginner für weitere Veröffentlichungen Jan Delays.

Alben

Jahr Titel Chart-Positionen
DE AT CH
2001 Searching for the Jan Soul Rebels 12 21 69
2006 Mercedes-Dance 1 3 2
2007 Searching… – The Dubs
2007 Mercedes-Dance Live (DVD) (mit Disko No. 1) 59

Singles

Jahr Titel Chartpositionen Album
DE AT CH
1999 Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann (featuring Dennis Dubplate)
2
2
5
2001 Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt
80
64
Searching for the Jan Soul Rebels
Vergiftet
2006 Klar
20
12
15
Mercedes Dance
Für immer und dich
45
51
77
2007 Feuer
35
54
77
Im Arsch (featuring Udo Lindenberg)
55
-
-
Türlich, Türlich / Word up
31
50
-
Mercedes Dance Live
2008 Ganz anders (Udo Lindenberg feat. Jan Delay)
28
-
-

Gastbeiträge (Auswahl)

Kollaborationen

Als La Boom mit Tropf:

Sam Ragga Band feat. Jan Delay:

Moonbootica

Auszeichnungen

Sonstiges

Er sprach die deutsche Synchronstimme von Japeth der Ziege in dem Film Die Rotkäppchen-Verschwörung und sang auch das Lied dazu

Einzelnachweise

  1. DW-World.de: Porträt der Woche: Jan Delay
  2. G-8-PROTEST ALS POP-EVENT
  3. Zünder-Gespräch mit Christian Bangel: Brennende Autos helfen
  4. Kohlekraftwerk in Moorburg verhindern!
  5. Hamburger Morgenpost - www.mopo.de - Nachrichten Hamburg Politik
Personendaten
Eißfeldt, Jan Phillip
Eizi Eiz, Jan Delay
deutscher Rapper
25. August 1976
Hamburg