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Reinhold Huhn

Reinhold Huhn (* 8. März 1943 in Adorf/Vogtl.; † 18. Juni 1962 in Ost-Berlin) war Soldat der Grenztruppen der DDR, als er in der Zimmerstraße 56 in Berlin durch den Fluchthelfer Rudolf Müller erschossen wurde. Bevor er seinen Wehrdienst leistete, war er Rinderzüchter.

Nach ihm wurde die Berliner Reinhold-Huhn-Oberschule (POS) benannt, sowie in Berlin, Hoyerswerda, Magdeburg und Hildburghausen die Reinhold-Huhn-Straße. Ein ihm gewidmetes Denkmal stand bis Mitte der 90er Jahre in der Berliner Schützenstraße (die bis zur Wende Reinhold-Huhn-Straße hieß)/Jerusalemer Straße und eine Gedenktafel in der Nikolai-Bersarin-Kaserne in Berlin-Lichtenberg.

Rudolf Müller wollte über einen Fluchttunnel seine Familie von Ost- nach Westberlin bringen. Als auf DDR-Gebiet der Unteroffizier Huhn die Ausweise der Familie sehen wollte, schoss Müller zweimal auf den DDR-Grenzsoldaten, wobei der zweite Schuss Huhns Tod verursachte. Müller hatte nach seinem Todesschuss behauptet, Huhn wäre nicht von ihm, sondern von DDR-Kollegen Huhns versehentlich erschossen worden, dem damals von den DDR-Strafverfolgungsbehörden widersprochen wurde. Dennoch wurde er in der Bundesrepublik nicht bestraft und die Massenmedien in der Bundesrepublik veröffentlichten zunächst nur seine Version des Tatverlaufs.

Erst 1996 wurde Müller verhaftet und 1999 wegen Totschlags vom Landgericht Berlin zu einer einjährigen Freiheitsstrafe auf zweijährige Bewährung verurteilt. Im darauf folgenden Revisionsverfahren beim Bundesgerichtshof (5. Strafsenat in Leipzig) wurde obergerichtlich festgestellt, dass die Voraussetzungen eines Mordes aus Heimtücke vorliegen. An der Strafhöhe änderte sich aufgrund einer mehrfach gebotenen Strafrahmenverschiebung nichts. Hintergrund war, dass sich Müller in einer – freilich wegen hinzunehmender Gefahr rechtlich nicht entschuldigenden – Notstandslage befunden habe, da er zur Abwendung einer ihm und seiner Familie drohenden Gefährdung der Freiheit gehandelt habe. Eine Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht hatte keinen Erfolg.

Mit dem Urteil wurde erstmalig ein Fluchthelfer, der nach DDR-Recht eine Straftat beging, von westdeutschen Gerichten verurteilt.

Am 6. August 2001 strahlte der Fernsehsender MDR den Dokumentarfilm Der Todesstreifen – Tödliche Schüsse über diese Ereignisse aus, der die Nachforschungen der DDR-Polizei und DDR-Gerichte bestätigte.

Bis heute ist noch ungeklärt, woher der Täter die Pistole beschafft hatte und inwieweit die Geheimdienste und der Axel-Springer-Verlag involviert waren, mit dessen Wissen und Unterstützung der benutzte Fluchttunnel auf dem Gelände des Verlages gegraben wurde. Der Fluchttunnel wurde überdies von Polizeibeamten aus West-Berlin abgesichert. Nach der Flucht wurde Müller vom Chefredakteur der Bild-Zeitung zu einem Empfang in die Berliner Springer-Zentrale eingeladen. Der Bundesnachrichtendienst entlastete damals Müller durch einen mit gefälschtem Namen versehenen angeblichen Zeugen, der Müllers Version wiederholte, Müller sei unbewaffnet gewesen und Huhn von Volkspolizisten erschossen worden. Müllers Tatwaffe war zuvor vom westdeutschen Staatsschutz übernommen worden.

Literatur

Personendaten
Huhn, Reinhold
Soldat der Grenztruppen der DDR
8. März 1943
Adorf/Vogtl.
18. Juni 1962
Ost-Berlin