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Korps

Dieser Artikel befasst sich mit den Korps als militärischen Verbänden. Ein Artikel zu studentischen Verbindungen findet sich unter dem Stichwort Corps.

Ein Korps (franz. corps, „Körper(schaft)“; von lat. corpus, „Körper“) ist ein militärischer Großverband des Heeres aus mehreren Divisionen beziehungsweise Brigaden und zusätzlichen Korpstruppen.

Der Truppenverband besteht in der Regel aus mehreren Waffengattungen. Korpsstärken betragen heute ca. 40.000 bis 80.000 Mann. Heutzutage sind Korps teilweise aber nur operative Planungs- und Führungsstäbe, die nur im Bedarfsfall etwa 2–3 Divisionen führen. Ein Korps wird geführt von einem Kommandierenden General, im Normalfall im Rang eines Generalleutnants, in der Schweiz Korpskommandant. Der übergeordnete Großverband eines Korps ist die Armee, der untergeordnete Großverband die Division.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bundesrepublik Deutschland

In der Bundeswehr gab es zunächst drei deutsche und ein binationales Korps (LANDJUT), nach der Deutschen Wiedervereinigung zunächst vier Korps und das binationale Korps LANDJUT. Im Verteidigungsfall unterstanden die Korps der NATO-Mitgliedsstaaten den integrierten Stäben der NATO, in Europa dem SHAPE, und waren einer Armee zugeordnet.

Mit der Umgestaltung der Bundeswehr nach der Wiedervereinigung und durch die Transformation wurden die deutschen nationalen Korps als Führungsebene abgeschafft, deren Stäbe zu anderen Aufgaben verwandt oder in multinationale Korps umgewandelt. Die Korps sind heute die Hauptträger der Multinationalität im Heer und leisten einen Beitrag zur Bündnisintegration. Ihre ständig präsenten Stäbe und Führungsunterstützungkräfte sind mehrheitlich befähigt, Hauptquartiere für Missionen der NATO und/oder EU zu stellen. Ihre Divisionen sind nur im Bedarfsfall unterstellt. Die NATO-Korps sind weiter SHAPE unterstellt. Die Korps mit Beteiligung der Bundeswehr sind/waren:

Bezeichnung Auflösung verwandt für
I. (GE) Korps 1995 1. Deutsch-Niederländisches Korps
II. Korps / II. (GE/US) Korps 2005 Kommando Operative Führung Eingreifkräfte
III. (GE) Korps 1994 Heeresführungskommando
IV. (GE) Korps 2001 Einsatzführungskommando der Bundeswehr
HQ LANDJUT 1999 Multinationales Korps Nord-Ost
Eurokorps bestehend mit ständigem dt. Anteil
Multinationales Korps Nord-Ost bestehend mit ständigem dt. Anteil
Allied Command Europe Rapid Reaction Corps bestehend mit dt. Anteil (im Bedarfsfall)
1. Deutsch-Niederländisches Korps bestehend mit ständigem dt. Anteil
V. (US/GE) Korps bestehend, nur noch US-Anteil

Die deutsche Beteiligung schwankt dabei je nach Organistationstypus des Korps. Einige dieser Korps sind multinationale Korps unter der Führung einer lead nation, sind mit Ausnahme weniger Verbindungsoffiziere rein national geführt und greifen nur im Bedarfsfall auf Divisionen anderer Nationen zurück. Beispiele waren z. B. das V. (US/GE) Korps oder das II. (GE/US) Korps (erstgenannte Nation ist lead nation). Andere Korps, beispielsweise, LANDJUT oder das 1. Deutsch-Niederländische Korps, sind bzw. waren dagegen wirklich paritätisch geführt. Die deutschen Anteile in der multinationale Korps unterstehen truppendienstlich dem Heeresführungskommando.

Vor 1945

Ursprünglich konnte der Begriff Korps eine beliebig große Formation von speziellen Einheiten bezeichnen. Die moderne Einteilung in Armeekorps hat ihren Ursprung bei Napoléon Bonaparte. Es gab Infanteriekorps aus mehreren Infanteriedivisionen sowie einer Kavallerie- und einer Artilleriereserve und Kavalleriekorps aus mehreren Kavalleriedivisionen.

Man fasste dann in Deutschland die größte schon im Frieden vorhandene Gefechtseinheit eines Heeres zu Armeekorps zusammen, im Krieg bildeten dann mehrere Armeekorps eine Armee. In den Kriegen 1866 (Deutscher Krieg) und 1870/71 (Deutsch-Französischer Krieg) wurden die Vorteile gerade bei der Sicherheit und Schnelligkeit der Aufstellung so deutlich, dass bald alle europäischen Staaten Armeekorps aufstellten.

In der Friedensgliederung bestand ein deutsches Armeekorps meist aus zwei Divisionen und den Spezialwaffen (Jäger, Fußartillerie, Pioniere, Verkehrstruppen, Meldereiter, Train). Es stand unter der Führung eines Kommandierenden Generals im Rang eines General der Infanterie oder der Kavallerie, seltener eines Generalleutnants. Es war die höchste militärische Befehlsstelle des deutschen Heeres im Frieden, abgesehen von Armeeinspekteuren, denen aber keine Befehlsbefugnis zustand. Diese durften lediglich Besichtigungen durchführen. Im Kriegsfall waren sie dann als Armee-Oberkommandierende vorgesehen. Jedes Armeekorps hatte einen eigenen Korpsbezirk, in dem es für die Rekrutierung, Mobilmachung und Militärverwaltung verantwortlich war.
Neben den Armeekorps gab es zumindest im deutschen Kaiserreich noch das königlich preußische Gardekorps, das keinen eigenen Rekrutierungsbezirk hatte, sondern seinen besonders ausgesuchten Personalersatz aus allen Teilen Preußens und den Reichslanden (Elsass-Lothringen) erhielt. Das gleiche galt für die kaiserliche Marine. Die noch in den Anfängen befindliche Luftwaffe bestand nur aus Freiwilligen.

Zum Generalkommando gehörten der Generalstab, die Adjutantur, die Militärintendantur, ein Sanitätsamt, ein Oberkriegsgericht, ein evangelischer und ein katholischer Militäroberpfarrer sowie ein nebenamtlicher (Ober-)Rabbiner, der Korpsstabsveterinär und ein Bekleidungsamt.

Ein mobiles Armeekorps war wesentlich anders zusammengesetzt: es bestand aus allen Truppengattungen und war mit Verwaltungs- und Sanitätsbehörden, Verkehrstruppen, Feldpost, Feldbäckerei, Train etc. derartig ausgerüstet, dass es jederzeit zu einer selbständigen Tätigkeit befähigt war. Es gliederte sich typischerweise in zwei (in einigen Staaten drei) Infanteriedivisionen. Die zugeteilte Kavallerie betrug meist eine Brigade zu zwei Regimentern. In einigen Ländern war die Kavallerie dauerhaft gleichmäßig auf die Infanteriedivisionen verteilt, siehe Divisionskavallerie. Mehr als eine Kavalleriebrigade dauernd im Kriege dem Armeekorps zuzuteilen, war nur in der russischen Armee üblich. Ebenso war die Artillerie fast stets nur zum Teil den Armeekorps zugeteilt, siehe Divisionsartillerie. Meist stand sie zur Verfügung des Korpskommandos oder war eben als Reserveartillerie verfügbar. In Deutschland fehlte eine Korpsartillerie, der General bildete sie gegebenenfalls.

In der Kriegsgliederung bestand ein deutsches Armeekorps typischerweise aus

Zusammen waren dies etwa 40.000 Mann, 12.000 Pferde, 144 Geschütze und 2.000 Fahrzeuge, einschließlich der Artillerie. Ein mobiles Armeekorps hatte in gewöhnlicher Marschordnung eine Länge von etwa 30 km, mit allen Trains und Kolonnen 50 km, mit Gliederabständen sogar 60 km. In Österreich und Italien betrug die Stärke eines mobilen Armeekorps 28.000 Mann, in Frankreich 50.000 Mann, in Russland bei zwei Divisionen 36.000 Mann, bei drei Divisionen 52.000 Mann.

Verweise

Siehe auch

Weblinks

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