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Portugal

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für den Komponisten, siehe Marcos António Portugal.
República Portuguesa

Portugiesische Republik

Flagge Wappen
Amtssprache Portugiesisch
Hauptstadt Lissabon
Staatsform Parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva
Regierungschef Ministerpräsident José Sócrates
Fläche 92.345 km²
Einwohnerzahl 10.945.870 (Dezember 2006)
Bevölkerungsdichte 119 Einwohner pro km²
BIP (33.) $185,091 Mrd. (Schätzung 2005)
BIP/Einwohner (32.) $17.456
HDI Platz 28 (0,904)
Währung 1 Euro =100 Cent
Nationalhymne A Portuguesa
Zeitzone UTC
Kfz-Kennzeichen P
Internet-TLD .pt
Telefonvorwahl +351

Portugal (amtl. República Portuguesa) ist ein europäischer Staat im Westen der iberischen Halbinsel. Im Westen und Süden wird es vom Atlantischen Ozean, im Osten und Norden von Spanien begrenzt. Zum portugiesischen Staatsgebiet gehören die Inseln der Azoren und Madeira (mit Porto Santo). Westlich der Hauptstadt Lissabon liegt Cabo da Roca, der westlichste Punkt des europäischen Festlandes.

Der Name Portugal entstammt dem Namen der Siedlung Cale im Delta des Flusses Rio Douro. Cale könnte ein griechisches Wort sein (Kalles = schön) und sich auf die Schönheit der Natur im Norden des heutigen Portugal beziehen, das die Griechen in der Antike kolonisierten. Andere Historiker meinen, dass Cale phönizischen Ursprungs ist, da die Phönizier Portugal schon vor den Griechen besiedelten. Als das heutige Portugal zum Römischen Imperium gehörte, wurde Cale ein wichtiger Hafen, auf Lateinisch Portus Cale. Im Mittelalter wurde Portus Cale zu Portucale, später Portugale, wobei dieses Wort im 7. und 8. Jahrhundert nur die nördlichen Teile des Landes bezeichnete, also die Region zwischen den Flüssen Rio Douro und Rio Minho. Andererseits verkürzte sich der Name Portus Cale zu Porto, der zweitwichtigsten Stadt, die sich deshalb voller Stolz als Namensgeber des Landes bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Land und Einwohner

Geographie

Der Norden Portugals hat ein relativ kühles und feuchtes Klima und besteht aus zwei traditionellen Provinzen oder Landschaften: Der Minho im Nordwesten gehört zu den am dichtesten besiedelten Gegenden des Landes. Die größten Städte des Minho sind Braga und Viana do Castelo. Der Minho wird wegen seines Klimas und der vergleichsweise üppigen Vegetation als der grüne Garten Portugals bezeichnet. Auf den Hängen der zahlreichen Flusstäler wird vor allem Wein angepflanzt, der zum berühmten Vinho Verde weiterverarbeitet wird. Daneben gedeihen viele Gemüsesorten. Die natürliche Vegetation ist eine Mischung aus der Flora der gemäßigten Klimazone und der subtropischen Flora, je nach Höhenlage gibt es Eichen oder Kastanien bzw. Pinien und Olivenbäume.

Im Nordosten liegt Trás-os-Montes (Hinter den Bergen). Dies ist die dem Meer abgewandte Seite Nordportugals, die sehr gebirgig ist und deshalb sehr kalte Winter und sehr heiße Sommer hat. Die Vegetation ist bedeutend weniger üppig als im Minho und sie fällt umso spärlicher aus, je mehr man sich der Grenze zu Spanien nähert. Beiden Provinzen ist gemein, dass ihre Gebirgsmassive, wie z. B. Marão oder Peneda-Gerês von zahlreichen Flüssen, wie der Rio Minho (Grenzfluss zu Spanien) oder der Rio Douro, durchschnitten werden. Im Norden Portugals liegt der Nationalpark Peneda-Gerês, das bedeutendste Schutzgebiet des Landes. Dort existieren noch Restbestände naturbelassener Wälder, in denen sich insbesondere die immergrüne Steineiche findet. Bedeutende Städte des Nordens sind Porto, Vila Nova de Gaia, Matosinhos, Braga, Vila Real und Bragança.

Mittelportugal ist größtenteils hügelig bis gebirgig und hat mit der Serra da Estrela ein bedeutendes Gebirge mit Skigebiet. Der höchste Berg ist der Torre mit 1.993 m. Er ist die höchste Erhebung Kontinentalportugals. Die wichtigsten Landschaften sind die Beira, der Ribatejo (die Tejo-Ebene mit Beinamen Garten Lissabons), die Estremadura sowie die Mündung des Tejo in den Atlantik. Die gesamte Region ist sehr fruchtbar und hat ein für den Weinanbau optimales Klima, so dass die Tradition des Weinbaus hier bis zu den Römern zurückreicht. Daneben werden Getreide, Reis, Sonnenblumen und Gemüse angebaut. Die Region wird durch den Tejo zweigeteilt. Überschwemmungen, die früher den Ribatejo regelmäßig heimsuchten, kommen seit dem Bau zahlreicher Staudämme nicht mehr vor. Die wichtigsten Städte Mittelportugals sind Lissabon, Aveiro, Sintra, Coimbra, Viseu, Leiria, Castelo Branco sowie Santarém.

Der Süden Portugals setzt sich aus den drei Landschaften Terras do Sado, Alentejo und Algarve zusammen. Die Oberfläche der gesamten Region ist eben bis hügelig und hat ein trockenes und heißes Klima. Der Alentejo, die frühere Kornkammer Portugals, ist heute nur dünn besiedelt und von Abwanderung gekennzeichnet, weitläufige Getreidefelder mit Olivenhainen und Korkeichen dominieren die Landschaft. Zum Getreide kommen Weinanbau und in zunehmenden Maße auch Sonnenblumen als Hauptprodukte. Die Wiesen sind im Frühling mit Blumen übersät, die als Weiden für Schafe dienen. Zum wirtschaftlichen Niedergang tragen nicht zuletzt auch immer länger werdende Trockenperioden bei, denen man mit dem Bau von Staudämmen zu begegnen versucht. Nicht einheimisch, aber immer häufiger anzutreffen, sind Pflanzungen von Eukalyptus, die allerdings wegen der hohen Brandgefahr, die von diesen Bäumen ausgeht, nicht unumstritten sind. Die südlichen Küstenregionen sind dazu häufig von Kiefernwäldern bewachsen. Daneben finden sich zahlreiche Palmenarten, von denen aber nur die Zwergpalme einheimisch ist.

Die Algarve markiert die gesamte Südküste des Landes und ist mit ihren hübschen Städten, den Steilküsten und Sandstränden zu einem beliebten Feriendomizil geworden, was die üblichen negativen Begleiterscheinungen des Massentourismus mit sich gebracht hat. Die größten Städte Südportugals sind Portalegre, Évora, Beja sowie Faro und Lagos. Der wichtigste Fluss ist der Rio Guadiana, der zweimal auf längeren Strecken auch die Grenze zu Spanien markiert. An die große sommerliche Hitze angepasst sind zahlreiche sukkulente Pflanzen.

Zu Portugal gehören weiterhin die beiden Inselgruppen Madeira (Holzinsel) und Azoren (Habichtsinsel) im Atlantik. Sie sind, bis auf die Azoreninsel Santa Maria, vulkanischen Ursprungs. Die Inselgruppe Madeira hat aufgrund ihrer Lage vor der afrikanischen Küste eine teils tropische, teils subtropische Vegetation. Der höchste Berg Portugals befindet sich auf den Azoren (Ponta do Pico, 2.351 m).

Die wichtigsten Flüsse Portugals sind der Tejo, welcher in Spanien unter dem Namen Tajo entspringt, der Douro (spanisch Duero) und der Mondego, wobei letzterer der längste Fluss ist, der nur durch Portugal fließt.

Siehe auch: Liste der Städte in Portugal

Tierwelt

Die Tierwelt Portugals unterscheidet sich nur unwesentlich von der Spaniens. Vereinzelt leben hier noch Wölfe; der nur auf der iberischen Halbinsel verbreitete Pardelluchs ist dagegen in Portugal nahezu ausgestorben, nur noch selten werden Einzeltiere angetroffen, die vermutlich über die Grenze mit Spanien eingewandert sind. Ansonsten finden sich Wildkatzen, Füchse, Wildschweine, Hirsche, wilde Ziegen sowie Wildkaninchen. Da Portugal auf der Zugvogelroute nach Afrika liegt, lassen sich zahlreiche Vögel beobachten, darunter insbesondere im Süden auch Flamingos; Steinadler leben und jagen in den Küstengebieten. Im Landesinneren kommen auch verschiedene Schlangen und Skorpione vor.

Bevölkerung

Hauptartikel: Bevölkerung von Portugal

Portugal ist, jedenfalls bezogen auf die alteingesessene Bevölkerung, in sprachlicher, ethnischer und religiöser Hinsicht ein sehr homogenes Land. Die portugiesische Sprache wird im ganzen Land gesprochen, und nur in den Dörfern von Miranda do Douro wird ein dem Asturischen zugeordneter Dialekt (Mirandes) gesprochen, der als Minderheitensprache anerkannt wird. Die große Mehrheit der Portugiesen bekennt sich zum römisch-katholischen Glauben.

Für lange Zeit war Portugal ein Auswanderungsland; wichtige Zentren der portugiesischen Kultur gibt es vor allem in Frankreich, wo allein 600.000 Portugiesen leben, aber auch in vielen anderen Staaten. Andererseits war Portugal schon während der Unabhängigkeitskriege seiner Kolonien Zielland für Einwanderer aus den kolonisierten Regionen. Seit dem Beitritt Portugals zur Europäischen Union und dem damit verbundenen politischen und wirtschaftlichen Wandel ist Portugal verstärkt zu einem Einwanderungsland geworden, wobei die Herkunftsländer der Zuwanderer vor allem in Afrika (Angola, Kap Verde), Südamerika (Brasilien) sowie Osteuropa (Russland, Ukraine, Moldawien) liegen.

Ende 2003 lebten etwa 250.000 ausländische Staatsangehörige in Portugal. Diese stammen zu mehr als der Hälfte aus anderen portugiesischsprachigen Ländern, sind meist katholischen Glaubens und haben auch einen ähnlichen kulturellen Hintergrund. Etwa ein Viertel der Ausländer, die in Portugal leben, sind Europäer - teils sind sie Dauerurlauber, die in Portugal ihre Pension verbringen. Ein gewichtiger Anteil sind auch Rückkehrer, also Portugiesen, die aus Portugal ausgewandert waren und mit fremder Staatsbürgerschaft zurückgekehrt sind. Somit kennt Portugal das Phänomen, Zuwanderer mit komplett unterschiedlicher Sprache und Kultur integrieren zu müssen, wie beispielsweise Deutschland, nicht. Auf zehn Portugiesen kommt statistisch gesehen ein Bürger nicht-portugiesischer Herkunft (viele davon mittlerweile mit portugiesischem Pass).

Die ausländische Bevölkerung lebt zu mehr als der Hälfte in Lissabon, davon abgesehen konzentriert sie sich auf die Stadtgebiete an der Küste. Im Hinterland liegt der Anteil bei unter 0,5 %.

Die dichteste Besiedelung weist ein Küstenstreifen von der spanischen Grenze im Norden bis in die Gegend um Lissabon auf. Während in diesem Streifen 70 % der Bevölkerung leben, sind das Hinterland und der Süden Portugals sehr dünn besiedelt. Mehr als 10 % der Bevölkerung entfällt auf zwei Städte (Lissabon und Porto), während mehr als die Hälfte in Orten unter 2.000 Einwohnern lebt. Der Trend geht in Portugal in Richtung Verstädterung.

Innerhalb Portugals gibt es starke Migrationsbewegungen, wobei die Wanderungsbewegungen aus den Regionen des Hinterlandes in Richtung der Zentren von Industrie (Lissabon, Porto) und Tourismus (Algarve, Madeira und Azoren) gehen.

Religion

Etwa 97 % der Portugiesen sind römisch-katholischen Glaubens, wobei in Portugal jedoch Glaubensfreiheit herrscht. Wichtigstes Pilgerziel ist der Wallfahrtsort Fátima. Hier soll die Jungfrau Maria 1917 drei Hirtenkindern erschienen sein.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Portugals

Frühgeschichte bis Antike

Die Vor- und Frühgeschichte des Gebietes entspricht weitgehend der Entwicklung in den anderen Regionen der iberischen Halbinsel. Ab ca. 2000 v. Chr. wandern die Iberer, wahrscheinlich aus Nordafrika kommend, auf der Halbinsel ein. Ab 1200 v. Chr. gründen die Phönizier Seefahrerkolonien an den Küsten. Ab ca. 600 v. Chr. wandern Kelten ein, die sich mit den Iberern vermischen. Zu den so entstandenen Keltiberern gehört auch der Stamm der Lusitaner, der den Römern als besonders wehrhaft galt und im Lateinischen namensgebend für das Land werden sollte.

Ab 450 v. Chr. wird das Gebiet von Karthago erobert und im Ergebnis des Zweiten Punischen Krieges an Rom abgetreten. Von den Römern wird der Südwesten der Halbinsel seit Beginn der Kaiserzeit unter dem Namen Lusitania als eigenständige Provinz verwaltet, die neben dem Großteil des heutigen Portugal auch Gebiete im Westen des heutigen Spanien umfasst (speziell die Extremadura, die Provinz Salamanca und das Gebiet um Talavera de la Reina), wo auch der Schwerpunkt der römischen Besiedlung lag. Die römische Herrschaft endet in der Völkerwanderungszeit; Sueben (ab 409) und vor allem Westgoten (ab 416) gründen ihre Reiche auf dem Gebiet des späteren Portugal.

Maurische Herrschaft bis Kolonialmacht Portugal

Im Jahre 711 erobern die Mauren das Land, Lusitanien gehört nun zu Al-Andalus und wird Teil des Emirats von Córdoba, später des Kalifats von Córdoba und schließlich der Taifa-Königreiche, in die das Land zerfällt. Der Großteil Lusitaniens wird im 11. Jahrhundert von der Dynastie der Aftasiden beherrscht, die in Badajoz residieren. Der Süden gehört dagegen zur Herrschaft der Abbadiden von Sevilla.

Währenddessen beginnt vom Königreich Asturien ausgehend im 9. Jahrhundert langsam die christliche Reconquista von Territorien des späteren Portugals, die aber erst im 12. Jahrhundert das ehemalige Lusitanien erreicht. Die Mauren werden bis 1492 sukzessive zurückgedrängt und schließlich völlig vertrieben.

Als Keimzelle des späteren Portugal entsteht im 9. Jahrhundert mit der Presúria von Portucale durch Vímara Peres in der Gegend um Porto die "erste" Grafschaft Portucale („Condado Portucalense“). Mit der Übergabe von Portucale durch Alfons VI. (Kastilien) von Kastilien an seines Schwiegersohn Heinrich von Burgund wird 1096 oder 1097 die "zweite" Grafschaft Portucale („Condado Portucalense“) begründet, die von Anfang mehr oder minder erfolgreich danach strebt, die Oberhoheit der Könige von León und Kastilien abzuschütteln. Heinrich von Burgund wird so zum Stammvater der ersten portugiesischen Königsdynastie.

Unter Heinrichs Sohn und Nachfolger Alfons I. erlangt das Land 1143 seine Unabhängigkeit, Alfons nimmt den Königstitel an. Die Burgunder herrschen bis 1383 in Portugal, 1211 wird das erste Ständeparlament (Cortes) einberufen, 1250 ist die Reconquista in Portugal mit der Eroberung der Algarve abgeschlossen, 1256 wird die Hauptstadt nach Lissabon verlegt.

1383 stirbt das Haus Burgund in Portugal aus, ein nichtehelicher Abkömmling, Johann von Avis ruft sich zum König aus, kann kastilische Ansprüche auf den portugiesischen Thron in der Schlacht von Aljubarrota (1385) abwehren und gründet die zweite portugiesische Dynastie, das Haus Avis. Die Avis-Könige (besonders unter Emanuel I. - er herrschte von 1495 bis 1521) führten das Land zu höchster Blüte, Portugal steigt zur führenden Handels- und Seemacht auf, erwirbt Kolonien in Brasilien, Afrika, Arabien, Indien und China, das Land ist Weltmacht und reichste Nation Europas (siehe auch Heinrich der Seefahrer; * 1394; † 1460). Auch kulturell kommt es zu einer Blütezeit (Luís de Camões).

1580 stirbt das Haus Avis aus, Portugal fällt aus dynastischen Gründen an die spanischen Habsburger. Bis 1640 herrschen die Spanier, Portugal verliert seine Unabhängigkeit, sinkt zur spanischen Provinz herab, verliert Teile seines Kolonialreiches. 1640 führt der Herzog von Braganza eine Adelsrevolte gegen die spanische Herrschaft an und ruft sich als Johann IV. zum König aus. Er gründet die vorletzte portugiesische Dynastie, das Haus Braganza. Außen- und wirtschaftspolitisch gerät das Land in immer größere Abhängigkeit von England (Methuenvertrag, 1703). 1755 vernichtet ein Erdbeben große Teile der Hauptstadt Lissabon, der Marquês de Pombal baut die Stadt wieder auf und formt das Land mit zum Teil drastischen Methoden zu einem aufgeklärt absolutistischen Staat um. 1807 besetzen napoleonische Truppen das Land, die königliche Familie flieht nach Brasilien. Nachdem die Franzosen mit britischer Hilfe vertrieben wurden, kommt es zur liberalen Revolution, das Land erhält zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Verfassung (1821). Der sich anschließende Kampf zwischen Anhängern des Absolutismus und Befürwortern einer konstitutionellen Monarchie wird erst durch den Sieg der letzteren im Miguelistenkrieg entschieden. Am 7. September 1822 erlangt Brasilien unter Kaiser Pedro I. seine Unabhängigkeit.

Endphase der Monarchie bis Estado Novo

Die Zeit nach Ende des Miguelistenkrieges wird von der Auseinandersetzung zwischen Rechts- und Linksliberalen (Cartisten und Setembristen) geprägt. 1853 stirbt mit Königin Maria II. das Haus Braganza in direkter Linie aus, über die Ehe der Königin mit Ferdinand II. von Sachsen-Coburg und Gotha übernimmt der portugiesische Zweig dieses deutschen Adelshauses den Thron (bis 1910). Die Endphase der Monarchie ist durch eine allgemeine Schwäche des Landes, wirtschaftliche Probleme (Staatsbankrott 1891) und zunehmende republikanische Aufstände geprägt. 1908 werden der König Karl I. und der Thronfolger bei einem Attentat getötet, 1910 wird die Republik ausgerufen.

Im März 1916 tritt das Land auf Seiten der Entente in den Ersten Weltkrieg ein. Portugal mobilisiert bis zu 100.000 Soldaten, von denen ca. 7.000 bis zum Ende des Krieges fallen. Die sog. erste Republik (bis 1926) ist durch anarchisch chaotische Zustände gezeichnet, monarchistische und kommunistische Aufstände, Putschversuche (u. a. des Sidónio Pais, 1917), schwache, häufig wechselnde Regierungen ohne parlamentarische Mehrheit und eine allgemeine politische Instabilität kennzeichnen die Situation.

1926 putscht das Militär und beendet die erste Republik. Unter den Militärs steigt ein Zivilist, António de Oliveira Salazar, ab 1928 Finanzminister, ab 1932 Ministerpräsident, zu höchster Macht auf. Er gründet ab 1933 den „Estado Novo“, den neuen Staat, ein autoritäres Gebilde mit faschistischen Tendenzen, komplett mit Einheitspartei (Nationale Union), Staatsjugend und Geheimpolizei (PIDE). Die katholisch-autoritäre und antidemokratische Ideologie des Diktators verfolgt das Projekt eines „Ständestaates“. Außenpolitisch baut Salazar auf die Bindung an Großbritannien, sympathisiert im spanischen Bürgerkrieg mit den nationalspanischen Kräften und taktiert geschickt zwischen den Blöcken. Im Zweiten Weltkrieg bleibt das Land neutral, beliefert beide Seiten mit dem wichtigen Rohstoff Wolfram und wird zum Tummelplatz von Geheimagenten aller Kriegsparteien. Salazar, der von Anfang an mit einem alliierten Sieg rechnete und entscheidend auf Franco im Sinne einer spanischen Neutralität eingewirkt hatte, erlaubt den Alliierten schließlich aber im Herbst 1943 die Einrichtung von Militärbasen auf den Azoren. Nach Ende des Krieges tritt Portugal rasch der NATO bei. Ab 1960 beginnt der Kolonialkrieg, der besonders in Afrika (Angola, Mosambik, Guinea-Bissau) mit großer Härte geführt wird. 1968 muss Salazar wegen gesundheitlicher Probleme zurücktreten, sein Nachfolger, Marcello Caetano, kann sich nicht zu grundlegenden Reformen entschließen. Durch den Kolonialkrieg ist Portugal außenpolitisch zunehmend isoliert, die Kosten des Krieges führen zu steigender Staatsverschuldung und Inflation. Führende Militärs erkennen, dass der Kolonialkrieg militärisch für Portugal nicht zu gewinnen ist; wegen der Unfähigkeit der Regierung, eine politische Lösung des Problems zu finden, putschen sie schließlich 1974. Eine allgemeine Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Diktatur, durch die einsetzende Wirtschaftskrise (hervorgerufen durch die erste Ölkrise 1973) noch verstärkt, führt dazu, dass sich die Bevölkerung massenhaft mit den putschenden Offizieren solidiarisiert, es kommt zu einer allgemeinen Volkserhebung, der Nelkenrevolution, die den Estado Novo beendet. Die neuen Machthaber entlassen die portugiesischen Kolonien, bis auf Macau, in die Unabhängigkeit (1974/1975).

Nelkenrevolution bis EU-Beitritt

Die erste Phase nach der Revolution ist geprägt von der Auseinandersetzung zwischen einer eher konservativen Strömung (General Spínola) und einem sozialistischen Flügel (Hauptmann Otelo), innerhalb des MFA (Movimento das Forças Armadas - Bewegung der Streitkräfte), der Vereinigung der putschenden Offizieren. Zunächst sah es so aus, als wenn die sozialistische Strömung obsiegen würde, es kam zu Verstaatlichungen und Landreform, die neue Verfassung von 1976 definiert den Übergang zum Sozialismus als Staatsziel.

Als sich bei den ersten Präsidentschaftswahlen nach der neuen Verfassung 1976 der gemäßigtere General Eanes überraschend deutlich gegen Hauptmann Otelo durchsetzen kann, sind die Weichen für eine Rückkehr des Landes zu einer parlamentarischen Demokratie westeuropäischen Zuschnitts gestellt. Eanes und der Vorsitzende der Sozialistischen Partei Mário Soares (Regierungschef von 1976 bis 1978 und 1983 bis 1985, Staatspräsident von 1986 bis 1996) führen das Land schließlich in die Europäische Gemeinschaft (Beitritt 1986).

Vom EU-Beitritt bis heute

Eine Straße in Lissabons Altstadt.

1979 gewann zum ersten Mal seit der Nelkenrevolution wieder eine politische Gruppierung, die rechts von der Mitte stand, die Parlamentswahlen (Regierungen Francisco de Sá Carneiro und Francisco Pinto Balsemão). Die Regierung konnte sich mit der sozialistischen Opposition auf eine Verfassungsänderung einigen, durch die sozialistische Überreste, die nach der Nelkenrevolution in die Verfassung geschrieben wurden, entfernt werden. Die 1982 in Kraft getretene Verfassungsänderung eliminierte unter anderem den bis dahin bedeutenden Revolutionsrat und schuf ein Verfassungsgericht nach dem Vorbild anderer demokratischer Staaten. 1985 wird Aníbal Cavaco Silva Ministerpräsident, seiner konservativen Partido Social Democrata (PSD) gelingt bei den Wahlen 1987 ein Erdrutschsieg, bei dem eine Partei zum ersten Mal eine absolute Mehrheit erringen kann. Cavaco Silva bleibt bis 1995 Ministerpräsident, wobei er eine neoliberale Wirtschaftspolitik führt und die Verstaatlichungen aus der Zeit der Nelkenrevolution zurücknimmt. Von 1995 bis 2002 stellen die Sozialisten mit António Guterres wieder die Regierung.

Bei den Parlamentswahlen vom 17. März 2002 kommt es zu einem neuerlichen Rechtsrutsch. Bei einer Wahlbeteiligung von 62,3 % erreicht die konservative PSD unter José Manuel Durão Barroso eine relative Stimmenmehrheit von 40,1 %, gefolgt von der sozialistischen Partido Socialista und der rechtskonservativen Volkspartei Partido Popular (PP) mit 37,9 bzw. 8,8 %. Mit letzterer bildet Barroso eine Koalitionsregierung, wobei der populistische Vorsitzende der PP, Paulo Portas, das Amt des Verteidigungsministers übernimmt und auch die Bereiche Justiz sowie Arbeit und Soziales an die PP gehen. Die Sozialisten stellen allerdings ununterbrochen den Präsidenten des Landes, da Nachfolger von Soares 1996 der Sozialist Jorge Sampaio wird.

Im Jahr 2004 wird Barroso vom Europäischen Rat zum Nachfolger von Romano Prodi als Präsident der Kommission der Europäischen Union nominiert. Sein Nachfolger als Ministerpräsident wird Pedro Santana Lopes, der aber nur kurze Zeit regieren kann, da der Präsident bereits im November das Parlament vorzeitig auflöst und für Februar 2005 Neuwahlen ausschreibt, bei der die Partido Socialista zum ersten Mal in der Geschichte eine absolute Mehrheit erringt. Ihr Spitzenkandidat José Sócrates ist seit 12. März 2005 neuer Ministerpräsident.

Am 22. Januar 2006 wählten ca. 8,8 Millionen Portugiesen einen neuen Präsidenten. Der bisherige Präsident, der Sozialist Jorge Sampaio, durfte sich nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl stellen. Gegen 5 Kandidaten der Linken setzt sich bereits im ersten Wahlgang der Mitte-Rechts-Kandidat und frühere Regierungschef Aníbal Cavaco Silva (PSD) mit einer absoluten Mehrheit von 50,6 % bei einer Wahlbeteiligung von 62,6 % durch. Er wird von einem Bündnis aus PSD und PP-CDS unterstützt. Der als Architekt des portugiesischen Wirtschaftsaufschwungs in den Jahren 1985 bis 1995 geltende 66-jährige Wirtschaftsprofessor wird damit der erste bürgerliche Präsident in Portugal seit der Nelkenrevolution von 1974. Er wird am 9. März 2006 für 5 Jahre in sein Amt eingeführt.

Mit 20,7 % erreichte der gegen den Willen seiner Parteiführung angetretene 69-jährige Vize-Präsident der Nationalversammlung, Manuel Alegre (PS) den zweiten Platz und lag damit noch vor dem „offiziellen“ Kandidaten der Sozialistischen Partei (PS), dem früheren sozialistischen Staatschef Mário Soares mit 14,34%.

Die weiteren Plätze belegen mit 8,6 % der Generalsekretär der Kommunistischen Partei (PCP) Jerónimo de Sousa, gefolgt von Francisco Louçã, Bloco de Esquerda, mit 5,3 % sowie dem von PCTP/MRPP unterstützten linken Splitterkandidaten García Pereira mit 0,4 %.

Politik

Politisches System

Seit der Nelkenrevolution des Jahres 1974 hat Portugal sich zu einer stabilen parlamentarischen Republik entwickelt. Die vier wichtigsten Organe der Politik in Portugal sind der Präsident, der Premierminister und sein Ministerrat, das Parlament sowie die Justiz.

Der Präsident, der alle fünf Jahre direkt in allgemeinen Wahlen bestimmt wird, ist auch Oberkommandierender der Streitkräfte. Er ernennt einen Premierminister und den Ministerrat, wobei er sich am Ergebnis der Parlamentswahlen zu orientieren hat. Der Staatsrat ist ein Gremium, das den Präsidenten berät, und besteht aus dem Staatspräsidenten und allen seinen Vorgängern, dem Premierminister, dem Präsidenten des Verfassungsgerichtes, dem Bürgerbeauftragten, den regionalen Präsidenten (Madeira und Azoren) sowie fünf vom Staatspräsidenten und fünf vom Parlament ausgewählten Personen.

Die Regierung wird vom Premierminister angeführt, der sich einen Ministerrat zusammenstellt. Jede neue Regierung muss dem Parlament ein Programm vorlegen, über welches debattiert wird. Sofern es nicht abgelehnt wird, bedeutet dies, dass die Regierung vom Parlament akzeptiert ist.

Das Parlament wird als Assembleia da República (Versammlung der Republik) bezeichnet und besteht aus einer Kammer mit bis zu 230 Abgeordneten. Die Abgeordneten werden für vier Jahre gewählt, wobei das Verhältniswahlrecht zur Anwendung kommt. Der Präsident hat das Recht, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen.

Das Oberste Gericht ist die höchste Instanz der portugiesischen Justiz, wobei es spezielle Oberste Gerichte für militärische, verwaltungsrechtliche und steuerrechtliche Fragen gibt. Das Verfassungsgericht Portugals hat neun Mitglieder und überwacht die verfassungsgemäße Auslegung des Rechts.

Es gibt zwei große Parteien, die sozialdemokratisch orientierte Sozialistische Partei (PS) und die bürgerlich-konservativ orientierte Sozialdemokratische Partei (PSD). Daneben gibt es auf der rechten Seite noch die rechtspopulistische Volkspartei (CDS/PP) und auf der linken Seite die traditionsreiche Partido Comunista Português (PCP) und der vor wenigen Jahren als Sammelbecken der intellektuellen Linken gegründete Linksblock (Bloco de Esquerda, BE). Diese fünf Parteien sind zurzeit alle im Parlament vertreten. Die Grünen (Partido Ecologista “os Verdes”, PEV) treten in Portugal immer in Listenunion mit den Kommunisten an und bekommen darüber normalerweise ein Parlamentsmandat.

Siehe auch: Liste der politischen Parteien Portugals

Internationale Beziehungen

Portugal ist Mitglied der Europäischen Union und hat im zweiten Halbjahr 2007 den Ratsvorsitz inne. Das Land hatte den Vorsitz bereits im ersten Halbjahr 2000. In dieser Zeit verfolgte Portugal vor allem das Ziel, den Dialog mit Afrika zu forcieren und Impulse zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu geben.

Portugal war Gründungsmitglied der NATO und beteiligt sich mit Truppen an der Friedenssicherung auf dem Balkan. Zusammen mit Spanien ist Portugal an den Ibero-Amerikanischen Gipfeltreffen beteiligt, deren Ziel der Dialog v. a. mit den Ländern Lateinamerikas ist. Federführend war das Land auch an der Gründung der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP) beteiligt, mit dem Ziel, die Zusammenarbeit dieser Länder zu vertiefen. Ferner ist das Land Mitglied in der Lateinischen Union, die den Erhalt und die Vielfältigkeit der romanischen Sprachen fördert.

Portugal unterstützte Osttimor, eine frühere Kolonie, in seinem Unabhängigkeitskampf finanziell und militärisch und kooperiert jetzt in diesem jungen Staat mit asiatischen Ländern, den Vereinigten Staaten sowie der UNO.

Portugal hat einen Territorialstreit mit Spanien um Olivenza (bzw. Olivença), welches zu Spanien gehört, jedoch von Portugal beansprucht wird. Olivença ist seit 1801 unter spanischer Verwaltung: Spanien erklärte sich auf dem Wiener Kongress von 1815 bereit, das Gebiet an Portugal zurückzugeben. Dies ist bis heute nicht geschehen, und Portugal verlangt regelmäßig, dass die Rückgabe vollzogen wird.

Bildungssystem

Bis zur Nelkenrevolution 1974 wurde Bildung sträflich vernachlässigt und auch nach der Revolution ging der Aufbau des Bildungssystems nur langsam voran. Dies macht sich bis heute bemerkbar: Im Jahr 2000 verfügten beispielsweise nur etwa ein Zehntel der Dreißigjährigen über einen Hochschulabschluss. Damit hatte Portugal unter den EU-Mitgliedern vor der Osterweiterung den mit großem Abstand niedrigsten Wert. Darüber hinaus hat Portugal heute eine Analphabetenquote von etwa 6,7 % (5 % bei Männern, 9 % bei Frauen).

Das Schulsystem besteht aus einer vierjährigen Grundschule und einer fünfjährigen Oberschule. Es besteht eine gesetzlich festgelegte neunjährige Schulpflicht für alle Kinder ab dem sechsten Lebensjahr. Der Pflichtschulunterricht ist an staatlichen Schulen kostenlos und für den Unterricht an einer der vergleichsweise zahlreichen privaten Institutionen können bedürftige Familien Unterstützung erhalten.

Wer nach der Oberschule noch die dreijährige Escola Secundária absolviert, bekommt die Universitätsreife und kann zwischen mehreren Möglichkeiten des Hochschulstudiums wählen: Hochschulbildung wird in Portugal von staatlichen und privaten Universitäten (universidades) sowie staatlichen und privaten Fachhochschulen (escolas politécnicas) angeboten. Zur Förderung der abgelegeneren Gebiete wurden auch in vielen mittleren Städten Hochschulen eingerichtet; der Wechsel von einer zur anderen Institution ist relativ leicht. In jedem Fall ist eine Aufnahmeprüfung zu absolvieren und es sind Studiengebühren zu entrichten, die bei den privaten Schulen höher sind als bei den staatlichen, und auch je nach Fachrichtung variieren; auf staatlichen Einrichtungen bis zu 850 € jährlich. Trotzdem ist etwa ein Drittel der Studenten bei einer privaten Institution eingeschrieben. Zusätzlich zu den Einschreibegebühren sind propinas zu bezahlen, das sind Gebühren für die Vergabe von Zeugnissen und Diplomen. Etwa 20 % der Studenten kommen in den Genuss einer einkommensabhängigen staatlichen Stützung.

Administrative Gliederung

Hauptartikel: Administrative Gliederung Portugals

Das relativ kleine Portugal hat eine sehr komplexe Verwaltungsgliederung. Es gibt fünf Regionen, 18 Distrikte und die zwei autonomen Regionen der Azoren und Madeira, daneben existieren 28 sogenannte statistische Unterregionen. Eine Ebene darunter folgen etwa 300 Kreise und 4.200 Gemeinden. Diese Gliederung ist eher ineffizient und teuer, weshalb eine Reform in Arbeit ist, die die Distrikte abschaffen und Kompetenzen dezentralisieren soll.

Militär

Die Portugiesischen Streitkräfte (portugiesisch: Forças Armadas Portuguesas) unterstehen dem Verteidigungsministerium und bestehen aus den Teilstreitkräften

Der Präsident ist Oberkommandierender der Streitkräfte. Die bis 2003 herrschende allgemeine Wehrpflicht ist ausgesetzt.

Infrastruktur

Die drei wichtigsten Flughäfen Portugals, Porto, Lissabon und Faro, werden von mehreren Fluggesellschaften bedient, wobei die portugiesischen Linien TAP Portugal, SATA Air Açores und Portugália die meisten Verbindungen anbieten. Es gibt auch Inlandsflüge auf dem Festland. Diese sind aber aufgrund der geringen Größe des Landes nicht sonderlich attraktiv und relativ teuer. Geplant ist eine Erweiterung bzw. ein Neubau des Lissaboner Flughafens. Bis Ende 2007 soll eine Entscheidung zwischen einem Neubau in Ota (nördlich der Hauptstadt) oder einem Erweiterungsflughafen unter Einbeziehung des Bestehenden in Alcochete bzw. in Montijo auf der gegenüberliegenden Tejo-Seite getroffen werden (sog. Portela + 1 Lösung).

Die Atlantikinseln Portugals, Madeira und die Azoren, werden von der TAP Portugal angeflogen. Auf den Azoren Angra do Heroísmo auf Terceira, Horta auf Faial und Ponta Delgada auf São Miguel. Auf Madeira Funchal und Porto Santo. Portugália fliegt nur Funchal an.

Das Straßennetz ist nicht zuletzt dank EU-Mitteln aus den diversen Förderungsfonds gut ausgebaut; seit den 1980er Jahren hat sich viel bewegt. Die wichtigsten Routen werden von gebührenpflichtigen Autoestradas oder gebührenfreien Itinerários Principais (IP) bzw. Itinerários Complementares (IC) abgedeckt. In abgelegeneren Gebieten kann man noch häufig auf Straßen mit Kopfsteinpflaster stoßen. Der Straßenverkehr Portugals zählt zu den unsichersten in Europa. Im Jahr 2005 starben 123 Menschen pro 1 Million Einwohner (zum Vergleich 65 pro 1 Mio. in Deutschland).

Das Eisenbahnnetz Portugals ist nicht besonders dicht, auf den Hauptverkehrsrouten sind die Verbindungen aber effizient und schnell. Die Fahrkarten sind relativ günstig. In die Nebenbahnen wurde in den letzten Jahrzehnten nichts mehr investiert und viele sind mittlerweile stillgelegt. Internationale Züge verbinden Portugal mit mehreren Städten in Spanien, daneben gibt es eine Verbindung nach Irún an der spanisch-französischen Grenze mit direktem TGV-Anschluss nach Paris. Betrieben wird der Personenverkehr von Comboios de Portugal. Geplant ist eine Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Lissabon, Porto und Madrid.

Dagegen gibt es ein sehr dichtes Busnetz, welches zu ebenfalls günstigen Preisen fast jede Ortschaft bedient. Internationale Busse verbinden Mitteleuropa mit Portugal.

Wirtschaft

Allgemeines

Seit dem Beitritt Portugals zur EG im Jahre 1986 hat sich Portugal mehr und mehr zu einer diversifizierten, vor allem auf Dienstleistungen ausgerichteten Ökonomie entwickelt. Dienstleistungen sind mittlerweile für etwa zwei Drittel des BIP verantwortlich. Wie auch in anderen Staaten Europas wurden in den letzten Jahren weit reichende Privatisierungen durchgeführt und die Staatsausgaben reduziert. Im Jahre 1998 hat sich Portugal für den Beitritt zur Europäischen Währungsunion qualifiziert und führte wie auch elf andere Staaten am 1. Januar 2002 den Euro als Zahlungsmittel ein.

Die Neuverschuldung Portugals übersteigt momentan die im Maastricht-Vertrag festgelegten 3 %, wobei das Land damit nicht allein dasteht.

Das Wirtschaftswachstum hat mit etwa 3,3 % jährlich zwar in der Vergangenheit jenes des EU-Durchschnitts in der Regel übertroffen, trotzdem ist Portugal nach wie vor das ärmste Altmitglied der EU: Das Pro-Kopf-BIP (in Kaufkraftparitäten) liegt bei etwa 78 % des Durchschnitts der EU-Länder vor der Osterweiterung, wobei es im Jahr 1985 noch etwa bei 50 % lag. Im Vergleich mit dem BIP der erweiterten EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Portugal einen Index von 72.9 (EU-25:100) (2003). [1] Als Hindernis für stärkeres Wachstum von Produktivität und Beschäftigung werden vor allem strukturelle Probleme gesehen, wie z. B. das nach wie vor schlechte Bildungssystem und die hohe Analphabetismusrate, die teils schlechte Infrastruktur, und die ineffiziente Verwaltung. Aus diesem Grund gerät Portugal immer mehr in einen Wettbewerb mit Niedriglohnländern aus Mittel- und Osteuropa, Asien und Nordafrika und ist für ausländische Direktinvestitionen nicht sonderlich attraktiv; die Durchschnittslöhne sind in Portugal sehr niedrig bei sehr langen Arbeitszeiten. Ausländische Investitionen kommen vor allem aus Großbritannien und Spanien; die größte Investition aller Zeiten war die Errichtung von Auto-Europa, einer Autofabrik.

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit lag 2006 mit 7,1 % knapp unter EU-Durchschnitt (7,5 %). Zu berücksichtigen ist, dass es einen großen informellen Sektor in Portugals Wirtschaft gibt, welcher einen gewissen Anteil der Arbeitslosen beschäftigt, der sonst in die Arbeitslosenstatistik fallen würden.

Außenhandel

Der Außenhandel wird zu etwa 80 % mit den EU-Partnern abgewickelt; exportiert werden vor allem Bekleidung und Schuhe, Maschinen, Chemieprodukte, Kork sowie Zellstoff und Papier. Importiert werden Maschinen, Fahrzeuge, Öl und Ölprodukte sowie Landwirtschaftsprodukte. Dabei hat Portugal ein sehr großes Handelsbilanzdefizit und auch ein Zahlungsbilanzdefizit, welches durch hohe Einnahmen aus dem Tourismus nicht so hoch wie das Handelsbilanzdefizit ist.

Bodenschätze

Portugal besitzt Rohstoffvorkommen in Form von Kohle, Kupfer, Zinn, Gold, Eisenerze wie Pyrit und Chalcopyrit, Tonminerale wie Kaolinit sowie Wolframit und Uraninit. Es gehört zu den weltführenden Nationen in der Wolframproduktion. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt Portugal als wichtiger europäischer Lieferant für Uran. Der Uranabbau wurde jedoch zu Beginn des 21. Jahrhunderts wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt. Während des Zweiten Weltkrieges versorgte sich Deutschland mit portugiesischem Wolfram für die Waffenproduktion, während die Atombombe von Hiroshima portugiesisches Uran enthielt.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft Portugals ist eine der ineffizientesten in Europa; der Anteil der Landwirtschaft am BIP liegt bei etwa 5 %, jedoch sind mehr als 15 % der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft beschäftigt. Dies führte dazu, dass viele Betriebe aufgaben und mittlerweile fast die Hälfte der Nahrungsmittel importiert werden. Die Korkeichenplantagen im Alentejo und der Anbau von Mandeln befinden sich ebenfalls in einer tiefen Krise. Andererseits werden große Flächen mit schnell wachsendem Eukalyptus aufgeforstet und so der Zellstoffindustrie – einem wichtigen Wirtschaftsfaktor Portugals – Rohstoffe geliefert. Dies ist aus umweltpolitischen Gründen sehr bedenklich, weil Eukalyptus den Boden auslaugt, den ursprünglichen Wald und damit die Tierwelt verdrängt und selbst sehr leicht brennt, was zu den häufigen katastrophalen Waldbränden im Sommer führt.

Ähnlich wie die Landwirtschaft kämpft auch die Fischerei mit Produktivitätsproblemen; die portugiesische Fischereiflotte ist gegenüber der spanischen weit im Hintertreffen. Der meiste Fisch wird importiert.

Tourismus

Für etwa acht Prozent des BIP, mit steigender Tendenz, ist der Tourismus verantwortlich, wobei die meisten Besucher aus Spanien und Großbritannien kommen. Die Algarve ist dabei unangefochten das Zentrum. Auf der Atlantikinsel Madeira begann der Tourismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts; die Insel war eines der bevorzugten Ziele wohlhabender britischer Reisender. Sie stiegen vor allem im Hotel Reid’s Palace ab, das der Schotte William Reid 1891 hatte bauen lassen.

Kenndaten

Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Staatsausgaben

Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für

Kultur

Literatur

Portugal wird manchmal auch als Land der Poeten bezeichnet. In der portugiesischen Literatur hatte die Poesie immer einen stärkeren Einfluss als die Prosa. Im Mittelalter, als die portugiesische Nation entstand, war im Nordwesten der iberischen Halbinsel die Poesie sehr verbreitet und brachte exzellente epische wie lyrische Werke hervor. Während die bekanntesten klassischen Poeten Luís de Camões und Fernando Pessoa sind, so gibt es eine Reihe weiterer, weniger bekannter Künstler, die auf die moderne portugiesische Literatur jedenfalls auch bedeutenden Einfluss haben.

Die Prosa entwickelte sich später als die Poesie und prägte sich erst im 14. Jahrhundert in der Form von Chroniken oder der Beschreibung des Lebens von Heiligen heraus. Hier ist Fernão Lopes der berühmteste Vertreter; er verfasste eine Chronik der Regentschaften von drei Königen seiner Zeit. Für ihn waren Genauigkeit der Darstellung sowie eine lebhafte Schilderung am wichtigsten. International ist die portugiesische moderne Literatur am bekanntesten, besonders mit den Werken von José Maria Eça de Queiroz und dem Nobelpreisträger für Literatur 1998, José Saramago.

Portugiesische Küche

siehe auch: Portugiesische Küche

Die portugiesische Küche ist mannigfaltig, weil die Portugiesen viele Dinge in ihre Kochtraditionen aufnahmen, die sie auf ihren Entdeckungsfahrten kennenlernten. In jeder Region Portugals gibt es eigene Spezialitäten, mit verschiedenen Fleisch- und Fischsorten oder Meeresfrüchten.

Eine wichtige Rolle in der Portugiesischen Küche spielt der Bacalhau - man kann dies mit der Tradition einer Seefahrernation begründen, ohne das Phänomen dieser Liebe ganz zu verstehen. Die Portugiesen sind nicht nur der weltgrößte Konsument (pro Jahr und Person werden durchschnittlich 7 Kilo ungewässerten und 15 Kilo gewässerten Bacalhau verzehrt), sie kennen auch die originellsten Zubereitungsarten. Er wird roh gegessen, mariniert, gegrillt, gekocht, man verarbeitet ihn in Suppen, Salaten, Vorspeisen (Pastel de Bacalhau), Hauptgerichten und sogar Desserts. So wird gesagt, dass es in Portugal für jeden Tag des Jahres ein Bacalhaurezept (365) gibt - Experten sprechen sogar von mehr als 1001 Rezepte, die von deftiger Hausmannskost bis zu erlesener Haute Cuisine reichen.

Sardinhas Assadas, gegrillte Sardinen sind in ganz Portugal ein wichtiges, traditionelles Essen. Am 13. Juni, dem Feiertag von Antonius von Lissabon des Schutzpatron der Stadt, sind die gegrillten Sardinen ein wichtiger Teil der Feiern. Caldo verde ist eine Grünkohl-Kartoffelsuppe aus einem speziellen portugiesischen Kohl (Couve-galega), die typischerweise mit Broa (Maisbrot) und Chouriço serviert wird. Rissóis de Camarão, kleine fritierte Pasteten mit einer Krabben- oder Muschelnfüllung, sind eine Spezialität der Estremadura, die in ganz Portugal sehr beliebt ist. Pastel de Belém oder Pastel de Nata ist eine Spezialität aus Lissabon (Belém), eine Blätterteigtörtchen mit einer Sahne- und Eierfüllung. Inzwischen fanden die Pasteis de Belém über Macao, das bis 1999 portugiesische Kolonie war, auch eine weitere Verbreitung in China. Weitere Portugiesische Süßspeisen sind Arroz doce (Milchreis), Pudim flam (Karamelpudding) und Mousse au Chocolate. Durchweg sind Desserts in Portugal durch den maurischen Einfluss sehr süß.

Zu den Spezialitäten zählen ferner Caldeirada (eine Fischsuppe), Sopa alentejana (eine Suppe mit Brot, Ei, Koriander, Knoblauch und Olivenöl). Suppe hat in der Portugiesische Küche im allgemeinen einen etwas "höheren" Stellenwert und wird unter anderem auch in Schnellrestaurants angeboten.

Für seinen Wein ist Portugal bekannt, seit der Römerzeit wird Portugal mit dem Gott des Weines und der Feste, Bacchus/Dionysos, assoziiert. Auch heute gehören einige von Portugals Weinen zu den besten der Welt. Zwei Weinspezialitäten sind der spritzig-moussierende Vinho Verde und der Portwein.

Musik

Die wichtigste Musikform Portugals ist der Fado, der sehr melancholisch sein kann und deshalb teilweise für das Klischee der melancholischen Portugiesen (gegenüber den temperamentvollen Spaniern) verantwortlich ist. Diese Musik geht eng einher mit saudade (etwa: Sehnsucht), und ist wahrscheinlich durch die Vermischung der Lieder von portugiesischen Seefahrern mit den Rhythmen afrikanischer Sklaven entstanden. Hierbei unterscheidet man zwei Stilformen, nämlich den Fado von Lissabon und jenen von Coimbra. Amália Rodrigues war die bedeutendste Fado-Künstlerin, nach ihrem Tod sind mehrere neue Künstler aus ihrem Schatten getreten und bringen neue Formen des Fado hervor, die teilweise nur noch die saudade mit dem ursprünglichen Fado gemein haben. In den früheren Kolonien Portugals hat sich der Fado ebenfalls verbreitet und sich zur kapverdischen Morna einer Cesária Évora und zum brasilianischen Choro weiterentwickelt. Die heute im deutschsprachigen Raum bekannteste, vom Fado beeinflusste, Gruppe ist Madredeus mit der Sängerin Teresa Salgueiro.

Aus der Zeit des faschistischen Estado Novo unter Salazar stammt eine Liedermachertradition. Bekannteste Vertreter dieser Protestbewegung sind José Afonso (häufig Zeca genannt) und Sérgio Godinho. Von José Afonso stammt die Interpretation des Liedes Grândola, Vila Morena, welches in der Nacht der Nelkenrevolution und darüber hinaus eine große politische Symbolwirkung entfaltete.

Im Popmusik-Genre hat sich in Portugal der Hip Hop Tuga entwickelt, der eine an Portugal adaptierte Version des Hip-Hop ist und unter den Jugendlichen sehr populär ist.

Jede Region Portugals besitzt ihren eigenen Folklorestil (Ranchos Folclóricos). Die portugiesische Musik- und Tanztradition hat sich in Brasilien mit den Traditionen der Sklaven aus dem heutigen Angola zur Samba gemischt und ist auch in Portugal sehr populär. Vor allem unter angolanischen Einwanderern ist auch der Kuduro sehr beliebt. Hierbei handelt es sich um eine Musikrichtung welche unter anderem Einflüsse des Sungura sowie des Afro Zouk beinhaltet. Der Rhythmus ist schnell und hart. Die beliebte und verbreitete Kizomba ist eine Mischform aus dem angolanischen Semba und Zouk. Es handelt sich in der Regel um romantische Lieder mit entsprechend langsamen Rhythmen. Besonders populär sind diese beiden Musikrichtungen (jedoch die Kizomba im Besonderen) bei der jungen Generation der afrikanischen Einwanderer. In den vergangenen Jahren wurde diese Musikrichtung jedoch auch unter portugiesischen Jugendlichen immer beliebter und wird in vielen portugiesischen Diskotheken gespielt.

Beispiele der portugiesischen Musik (Fado):

Volksfeste

Im Juni finden in ganz Portugal Feste zu Ehren der drei Volksheiligen (Santos Populares) statt. Diese drei Heiligen sind Antonius, Johannes und Petrus. Gefeiert wird mit Wein, água-pé (Most), traditionellem Brot mit Sardinen, Straßenumzügen und -tänzen, Hochzeiten, Feuer und Feuerwerk sowie viel guter Laune.

Santo António wird in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni gefeiert, vor allem in Lissabon (wo dieser Heilige geboren wurde und lebte), wo eine Art Straßenkarneval (Marchas Populares) stattfindet. Es finden auch Hochzeiten, die Casamentos de Santo António, statt. Der populärste Heilige ist São João (hl. Johannes), für den am Johannistag vor allem in Porto und Braga gefeiert wird, wobei es Sardinen und Caldo Verde (eine traditionelle Suppe). Zu Ehren von São Pedro wird am 28. und 29. Juni gefeiert, besonders in Póvoa de Varzim und Barcelos, wobei diese Feste dem Meer gewidmet sind und man verwendet dabei viel Feuer (fogeiras) und wiederum findet eine Art Straßenkarneval statt.

Sport

Fußball ist der bekannteste, beliebteste und am meisten ausgeübte Sport in Portugal. Der portugiesische Fußball hat Weltklassespieler wie Eusébio, Nené, Paulo Sousa, Rui Costa, Cristiano Ronaldo, Vítor Baía, Deco, Fernando Meira oder Luís Figo hervorgebracht. Im Jahr 2004 wurde die Fußball-Europameisterschaft in Portugal ausgetragen, bei der die portugiesische Nationalmannschaft nach Griechenland Vize-Europameister wurde. Bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz schied die portugiesische Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Deutschland aus dem Turnier aus.

Ein internationaler Titel im Fußball gelang den Portugiesen allerdings noch nie. In der wahrscheinlich letzten WM von Luis Figo wollte der Altstar aus der goldenen Generation Portugals nun endlich den ersten Titel in der A-Nationalmannschaft schaffen. Nachdem man bereits die Niederlande und England geschlagen hatte, scheiterte Portugal am 5. Juli 2006 doch noch mit einem 0:1 gegen Frankreich im Halbfinale. Am 8. Juli verlor Portugal auch das kleine Finale um den dritten Platz gegen Deutschland. Das Erreichen des dritten Platzes bei der WM 1966 bleibt daher der bisher größte Erfolg in der portugiesischen Fußballgeschichte.

Neben Fußball sind noch Futsal und Strandfußball beliebt, wobei Portugal auch dort Erfolge zu verzeichnen hat. Außerdem sind portugiesische Sportler international im Marathonlauf, Beachvolleyball und Rollhockey erfolgreich.

Es gibt in Portugal noch eine traditionelle Sportart mit dem Namen Jogo do pau.

Bibliothekswesen

Portugal verfügt über eine lange historische Bibliothekstradition, ausgehend von mittelalterlichen und klösterlichen Sammlungen. So entwickelten sich bis heute vielfältige Bibliothekstypen, wie wissenschaftliche Bibliotheken, Universitätsbibliotheken, öffentliche Bibliotheken, Bibliotheken der zentralen Verwaltung und Spezialbibliotheken. Die genaue Anzahl von Bibliotheken und der Gesamtbestand an Medien ist nicht bekannt. (Die LIB2-Studie von 1986 ermittelte 556 portugiesische Bibliotheken.)

Systematische und methodische Arbeiten zur Förderung des öffentlichen Bibliothekswesens und der Bibliothekswissenschaft begannen am Ende des 19. Jahrhunderts.

In der Zeit des Estado Novo (1928-1974) war die Bedeutung der Bibliotheken und die Bibliotheksarbeit selbst durch Zensur und Restriktionen stark eingeschränkt. Dadurch gibt es bis heute Defizite in der Entwicklung des Bildungs– und Bibliothekssystems.

Nach der Nelkenrevolution 1974 kam es zur Demokratisierung im Bildungs- und Kulturbereich. Ein Ergebnis der jahrzehntelangen Diktatur war eine mangelnde Volksbildung und das Problem des Analphabetismus, die auch eine systematische Erwachsenenbildung und Leseförderung nötig machte. Die ebenso besorgniserregende Situation der öffentlichen Bibliotheken hatte zahlreiche Initiativen und Neuregelungen innerhalb des Bibliothekswesens zur Folge, z. B. 1983 das „Manifest des öffentlichen Lesens“. 1986 wurde dies durch eine Gesetzgebung zur Schaffung und Koordinierung eines Netzes des öffentlichen Lesens untermauert. Gleichzeitig kam es zur in Portugal erst relativ spät beginnenden Automatisierung der Bibliotheksarbeit und dem Einsatz moderner Informationstechnik.

Hierbei hatten die Universitätsbibliotheken und die Nationalbibliothek „Biblioteca Nacional de Lisboa“ eine Vorreiterrolle. Letztere war die erste öffentliche Bibliothek, die 1796 als Königlich-öffentliche Hofbibliothek gegründet wurde. Sie betreibt z. B. die nationale bibliographische Datenbank PORBASE. Diese enthält über 1 Million Titeleinträge, 800.000 Verfassereinträge von ca. 134 Bibliotheken und Dokumentationszentren und die Portugiesische Nationalbibliographie. Die Nationalbibliothek und vermutlich auch fast alle anderen Bibliotheken arbeiten mit dem Bibliothekssystem CDS/ISIS und dem Datenaustauschformat UNIMARC.

Eine Archivar- und Bibliothekar-Ausbildung ist über ein Studium an den staatlichen Universitäten Coimbra, Lissabon und Porto möglich. Einige zum Teil staatliche Institutionen übernehmen Koordinierungsaufgaben und unterstützen die Förderung des portugiesischen Buches und die Kooperation und Unterstützung von Bibliotheken.

Durch umfangreiche innovative Arbeiten der letzten Jahre hat das portugiesische Bibliothekswesen weitgehend den Anschluss an europäische und internationale Standards geschafft. Noch existierende Defizite sollen in Zukunft, durch weitere Förderung des Lesens und der Bibliotheken und durch internationale Zusammenarbeit, weiter abgebaut werden.

Medien

Es gibt vier Hauptfernsehkanäle, die im ganzen Land per Antenne empfangen werden können, und zwar RTP1 und RTP2, die vom staatlichen portugiesischen Rundfunk Rádio e Televisão de Portugal (RTP) betrieben werden, sowie die privaten Kanäle SIC (Sonae Group) und TVI (Media Capital, davon 32 % RTL-Group). Das Programm wird bei allen diesen Sendern außer RTP2 von brasilianischen und portugiesischen Telenovelas und Action-Serien dominiert; die Nachrichten sind in hohem Maße auf Portugal ausgerichtet. Fremdsprachige Spielfilme werden fast nie synchronisiert, sondern mit Untertiteln gezeigt. Der Auslandssender RTP-Internacional kann auch in Mitteleuropa empfangen werden und zeigt das Beste von allen vier Programmen. Daneben gibt es noch eine Vielzahl von Kabelkanälen, die jedoch nur in den urbanen Zentren empfangen werden können.

In Portugal gibt es etwa 150 Radiostationen, wobei die Sender der RTP und der katholische Sender Rádio Renascença landesweit zu empfangen sind. Die RTP ist über Kurzwelle auch in Mitteleuropa zu hören, allerdings nur auf Portugiesisch.

Unter den zahlreichen Zeitungen, die in Portugal gedruckt werden, findet momentan ein Konsolidierungsprozess statt, bei welchem wohl viele der kleinen Blätter auf der Strecke bleiben werden. Die bedeutendsten Zeitungen sind der konservativ-liberale Diário de Notícias, der linksliberale Público (beide aus Lissabon) und das Jornal de Notícias aus Porto, die alle täglich erscheinen, sowie die Wochenzeitung Expresso und das politische Wochenmagazin Visão. Sehr große Auflagen haben Sportzeitungen, die täglich erscheinen und sich fast ausschließlich mit Fußball beschäftigen – die bedeutendsten sind O Jogo, A Bola und Record. Im Bereich der Klatschpresse sind die wöchentlich erscheinenden Magazine Maria und Nova Gente die auflagenstärksten Publikationen.

Feiertage

Datum Bezeichnung Portugiesischer Name Anmerkung
1. Januar Neujahrstag Ano Novo  
- Karneval Carnaval (kein offizieller, aber de facto Feiertag), Dienstag 40 Tage vor Ostern
- Karfreitag Sexta-Feira Santa Freitag vor Ostern
- Ostern Páscoa Ostersonntag
25. April Tag der Freiheit Dia da Liberdade Nelkenrevolution 1974
1. Mai Tag der Arbeit Dia do trabalhador  
10. Juni Portugal-Tag Dia de Portugal Tod von Camões im Jahre 1580
- Fronleichnam Corpo de Deus Donnerstag, 40 Tage nach Ostern
15. August Mariä Himmelfahrt Assunção  
5. Oktober Errichtung der Republik Implantação da República im Jahre 1910
1. November Allerheiligen Todos os santos  
1. Dezember Wiederherstellung der Unabhängigkeit Restauração da Independência im Jahr 1640
8. Dezember Unbefleckte Empfängnis Imaculada Conceição Schutzheilige von Portugal
25. Dezember Weihnachten Natal  

Anmerkung: Jeder Kreis hat einen eigenen religiösen Feiertag, oft für den Heiligen Antonius am 13. Juni, den Heiligen Johannes am 24. Juni oder den Heiligen Petrus am 29. Juni. Wenn der Kreis so einen Feiertag nicht hat, dann ist der Karneval ein gesetzlicher Feiertag. Der Karneval wird faktisch wie ein normaler Feiertag behandelt, insbesondere Staatsbedienstete haben an diesem Tag normalerweise frei. Der erfolglose Versuch, im Jahre 1995 diese Regelung abzuschaffen, kostete den damaligen Ministerpräsidenten Cavaco Silva viel Popularität. Daneben wird der 24. Juni als Feiertag diskutiert (Unabhängigkeit Portugals im Jahre 1128).

Weitere Themen

Literatur

Neben den zahlreichen Reiseführern bietet sich folgendes an:

 Portal: Portugal – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Portugal
 Wikimedia-Atlas: Portugal – geografische und historische Karten
 Wikibooks: Portugal – Lern- und Lehrmaterialien
 Wiktionary: Portugal – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Commons: Portugal – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Portugiesische Sprichwörter – Zitate
 Wikisource: Handels- und Schiffahrts-Vertrag zwischen Deutschland und Portugal. Vom 2. März 1872. – Quellentexte

Quellen

  1. Regional GDP per inhabitant in the EU 25 in: Eurostat News Release. Luxemburg 63.2006.

Koordinaten: 37°-42° N, 6°-10° W

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