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Ginsheim-Gustavsburg

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 49° 59′ N, 8° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Groß-Gerau
Höhe: 85 m ü. NN
Fläche: 13,94 km²
Einwohner: 16.060 (30. Juni 2007)
Bevölkerungsdichte: 1152 Einwohner je km²
Postleitzahl: 65462
Vorwahlen: 06134 (Gustavsburg), 06144 (Ginsheim)
Kfz-Kennzeichen: GG
Gemeindeschlüssel: 06 4 33 005
Adresse der Gemeindeverwaltung: Schulstraße 12
65462 Ginsheim-Gustavsburg
Webpräsenz:
www.ginsheim-gustavsburg.de
Bürgermeister: Richard von Neumann (SPD)

Ginsheim-Gustavsburg ist eine kreisangehörige Gemeinde im Nordwesten des Kreis Groß-Gerau im Bundesland Hessen. Sie hat etwa 16.000 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Ginsheim-Gustavsburg liegt im so genannten Mainspitzdreieck, dem Gebiet südlich der Mainmündung zwischen Main und Rhein, gegenüber der Stadt Mainz. Sie ist über die Autobahnen A 60 und A 671 direkt erreichbar; im Ortsteil Gustavsburg gibt es einen Bahnhof (Name: Mainz-Gustavsburg, aufgrund früherer politischer Zugehörigkeit des Ortes zur Stadt Mainz in Rheinhessen) und einen Rheinhafen.

Nachbargemeinden

Ginsheim-Gustavsburg grenzt im Norden an die kreisfreie Stadt Wiesbaden und die Stadt Hochheim (Main-Taunus-Kreis), im Osten an die Gemeinde Bischofsheim und die Stadt Rüsselsheim, im Süden an die Gemeinde Trebur, sowie im Westen an die Gemeinde Bodenheim (Landkreis Mainz-Bingen) und die kreisfreie Stadt Mainz.

Gemeindegliederung

Ginsheim-Gustavsburg besteht aus den beiden Ortsteilen Ginsheim und Gustavsburg.

Geschichte

Ortsteil Ginsheim

Der Ortsname geht vermutlich auf die fränkische Familie Gimmo zurück und wird als "Ginnensheim" erstmals 1211 im "Oculus Memorie" (Güterverzeichnis des Klosters Eberbach) urkundlich erwähnt. Nachdem 1248 das ehemalige Reichsdorf dem Grafen Dieter von Katzenelnbogen verpfändet worden war, sind als weitere adlige Herrscher jener Zeit Familien wie Falkenstein, Sayen oder Isenburg überliefert. 1600 gelangte das Dorf in den Besitz des Landgrafen Ludwig V. von Hessen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gemeinwesen so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass dort von 1634 bis 1642 kaum ein Mensch mehr wohnte.

Als typische Ginsheimer Berufe der vergangenen Jahrhunderte gelten Bauer, Fischer und Müller. Die Müllerei entwickelte sich zu einem regelrechten Industriezweig. Vor Ginsheim ankerten zeitweilig bis zu 15 Schiffsmühlen. Das letzte Exemplar wurde 1929 außer Betrieb gesetzt, unter Denkmalschutz gestellt, im Mainzer Hafen verankert und dort gegen Ende des 2. Weltkriegs bei einem Bombenangriff zerstört. Dieses und manches andere interessante Kapitel der Ortsgeschichte sind im Heimatmuseum sehr anschaulich dokumentiert.

Am 24. April 1944 wurde Ginsheim um Mitternacht im Zuge der Luftangriffe auf Mainz bei einem britischen Luftangriff schwer getroffen. Dabei brannten 22 Scheunen, 20 Ställe, drei Wohnhäuser und die evangelische Kirche komplett nieder. Gottlob kam dabei niemand um. Schon im Sommer 1944 wurden die zerstörten Scheunen, Ställe und Wohnhäuser wiederaufgebaut, die evangelische Kirche aber konnte erst am 6. Dezember 1953 geweiht werden. Der Zweite Weltkrieg kam Ende März 1945 wieder nach Ginsheim zurück. Der Ort war zwischen amerikanischen und deutschen Truppen heftig umkämpft. Doch am 28. März 1945 kapitulierte der Ort und die Amerikaner konnten in Ginsheim einmarschieren. Nach dem Kriege gehörte der Ort zur amerikanischen Besatzungszone und anschließend zum Land Hessen.

Nach 1945 wuchs der Ort weit über sich hinaus. In den 50ern entstanden die MAN-Siedlung im Nordosten und eine weitere Siedlung im Westen des Ortes sowie in der Ortsmitte. In den 90ern wurde mit dem Bau eines Neubaugebietes begonnen. Dabei erreichte man auch die bereits 1972 erbaute IGS Mainspitze von Süden und Osten her.

Die idyllische Lage am Altrhein mit den vorgelagerten Inseln Nonnenau (Altrheinfähre "Johanna"), Langenau und Rabenwörth und die malerischen Rheinauen haben Ginsheim zu einem gern besuchten Naherholungsort gemacht. Sehenswert ist die evangelische Kirche, die 1746 als barocker Saalbau mit dreiseitigem Schluss entstand. Das Altrheinfest - am ersten Wochenende im Monat Juni von den Ortsvereinen gestaltet - lockt viele Besucher auch von außerhalb an.

Eines der traurigsten Kapitel der Ginsheimer Geschichte dürfte wohl der Großbrand in der KITA IV in der Immanuel-Kant-Straße am 20. April 1999 gewesen sein. Um 17.27 Uhr wurde die Ginsheimer Feuerwehr alarmiert, sieben Minuten später waren die Feuerwehrleute zur Stelle. Das Feuer war über die Mainspitze hinaus sichtbar. Holz und Papier hatten das von der Putzfrau entdeckte Feuer immer weiter angetrieben. Die große Hitze brachte Fensterscheiben zum Explodieren. Dadurch konnte noch mehr Sauerstoff in das Feuer gelangen. Die Flammen loderten noch stärker und griffen dann auch noch auf die Konstruktion des Flachdachs über. Obwohl schon nach 13 Minuten "Feuer aus" gemeldet werden konnte, gab es immer noch Brandnester. Der Kindergarten brannte vollständig aus, es entstand ein Schaden in Höhe von 1,6 Millionen DM. Von Mai 1999 bis Mai 2001 wurden die Kinder in Containern betreut, am 5. Mai 2001 wurde dann aber ein neuer Kindergarten eröffnet.

Ortsteil Gustavsburg

Der Ortsteil verdankt seinen Namen dem Schwedenkönig Gustav Adolf, der 1632 im Dreißigjährigen Krieg auf der Mainspitze eine Festungsanlage erbauen ließ. Dabei wurde unter anderem der Stein eines römischen Reitergrabes gefunden, dessen Kopie heute die Eingangshalle des Rathauses ziert. 1635 gaben die Schweden die Gustavsburg auf, die nach wechselvollen Kriegsjahren zuletzt in französischen Besitz gelangte. 1673 ließ der Mainzer Kurfürst Johann Philipp von Schönborn die Anlage schleifen. Bis 1740 ist als einzige Ansiedlung in einem Gemarkungsplan eine Ziegelhütte verzeichnet.

Gustavsburgs strategische Bedeutung führte im Zweiten Weltkrieg zu ständigen Luftangriffen britischer und amerikanischer Flugzeugstaffeln (siehe Hauptartikel: Luftangriffe auf Mainz). Ab Herbst 1942 gab es verstärkt Angriffe, ab Spätsommer 1944 gar täglich Luftalarm. Der schwerste Angriff traf Gustavsburg am 27. Februar 1945. Hauptangriffsziel - besonders bei einem Angriff alliierter Jagdbomber am 2. März 1945 - war das MAN-Werk. Ende März 1945 war für Gustavsburg mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen der Krieg vorbei.

Mit der Eröffnung einer Eisenbahnlinie entstand 1858 der Hafenbahnhof Gustavsburg. Ein Jahr später begann die Nürnberger Firma Klett & Co. (später: Maschinenfabrik Augsburg - Nürnberg - MAN) mit dem Bau einer Rheinbrücke. Dazu wurde in Gustavsburg ein Montageplatz eingerichtet, um den sich Arbeiter und ihre Familien ansiedelten. Rasch entwickelte sich daraus ein industriell geprägter Ort. Am 20. September 1983 kommt es auf das Rechenzentrum der MAN zu einem Sprengstoffanschlag der Revolutionären Zellen. Der Sachschaden beträgt dabei mehrere Millionen DM.

Sehenswert sind die beiden Kirchen, die Mainschleuse und die denkmalgeschützte Cramer-Klett-Arbeitersiedlung. Dort wird vor ihrer romantischen Kulisse alljährlich ein Weihnachtsmarkt veranstaltet. Größtes Fest im Vereinsgeschehen ist das Burgfest (Pfingsten).

Entstehung der Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg

1806 unterstellte Napoleon Kastel, Kostheim, die Maaraue und die davor liegenden Rheininseln der französischen Herrschaft; das linke Rheinufer war schon 1801 zu Frankreich gekommen. An der Kostheimer Gemarkung südlich des Mains hatten die Franzosen jedoch kein Interesse, und so kam das Gebiet des heutigen Gustavsburg zu dem Großherzog von Hessen-Darmstadt, der es wiederum der Gemarkung Ginsheim zuteilte. Am 30. Dezember 1808 bestätigte der damalige Ginsheimer Schultheiß die Neuerwerbung. In den folgenden Jahren verkauften die Kostheimer Bürger, die noch Landbesitz südlich des Mains hatten, ihre Äcker an Ginsheimer Landwirte. Somit ist das Jahr 1808 die eigentliche Geburtsstunde von Ginsheim-Gustavsburg.

Am 28. September 1929 stimmten die Gemeinderäte der Doppelgemeinde Ginsheim-Gustavsburg für die Eingemeindung zur Stadt Mainz. Im November 1929 genehmigte der Hessische Landtag die Lostrennung der Ginsheimer Gemarkung und der Ginsheimer Rheinauen vom Kreis Groß-Gerau und der Provinz Starkenburg unter Zuteilung zum Kreis Mainz und der Provinz Rheinhessen. Am 1. Januar 1930 erfolgte dann die offizielle Eingemeindung unter Oberbürgermeister Karl Külb.

So blieb es bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945. Der Rhein wurde in diesem Jahr zur Zonengrenze zwischen der amerikanischen und der französischen Zone, und Ginsheim-Gustavsburg kam als eigenständige Gemeinde zusammen mit der Gemeinde Bischofsheim wieder zum Landkreis Groß-Gerau.

Politik

Gemeindevertretung

Die Kommunalwahl am 26. März 2006 lieferte folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 22,6 8 30,9 11
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 53,2 20 54,7 20
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 8,6 3 10,4 4
FDP Freie Demokratische Partei 3,2 1 4,0 2
FW GiGu Freie Wähler Ginsheim - Gustavsburg 12,4 5
gesamt 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 48,2 54,0

Partnerschaften

Ginsheim-Gustavsburg ist seit 1989 verschwistert mit der französischen Stadt Bouguenais und der senegalesischen Landgemeinde Ballou.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten im Ortsteil Ginsheim: Altrhein und Rheinauen, Yachthafen, evangelische Barockkirche, Heimatmuseum, historischer Industriekran

Sehenswürdigkeiten im Ortsteil Gustavsburg: Mainschleuse, Mainspitze, denkmalgeschützte Arbeitersiedlung am Cramer-Klett-Platz, ebenso wie der neu errichtetete Park für die ehemalige Sternenfestung nahe dem Sportplatz.

 Commons: Ginsheim-Gustavsburg – Bilder, Videos und Audiodateien