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Wohlen AG

AG dient als Kürzel für den Schweizer Kanton Aargau und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Wohlen zu vermeiden.
Wohlen
Basisdaten
Kanton: Aargau
Bezirk: Bremgarten
BFS-Nr.: 4082Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Gemeinde
PLZ: 5610
UN/LOCODE: CH WHL
Koordinaten: (663405 / 244781)Koordinaten: 47° 21′ 3″ N, 8° 16′ 40″ O; CH1903: (663405 / 244781)
Höhe: 421 m ü. M.
Fläche: 12.48 km²
Einwohner: 14'161Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Stadt

(31. Dezember 2007)

Website: www.wohlen.ch
Karte

Wohlen (schweizerdeutsch: Wóle) ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Bremgarten des Kantons Aargau in der Schweiz. Sie liegt im Südosten des Kantons und ist das Regionalzentrum des Freiamts. Die Einwohner nennen sich Wohler. Zu Wohlen gehört auch der 1914 eingemeindete Ortsteil Anglikon. Mit über 14'000 Einwohnern ist Wohlen die viertgrösste Gemeinde des Kantons.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Gemeindegebiet wird von Südost nach Nordwest von der Bünz durchflossen. Etwa zwei Drittel der überbauten Fläche befindet sich in der flachen Ebene des Bünztals, ein Drittel am Südwesthang des Wagenrains, einem bewaldeten Hügelzug zwischen Bünz- und Reusstal. Dort befinden sich auch einige markante Findlinge wie der Erdmannlistein oder der Bettlerstein, die während der Würmeiszeit vom Reussgletscher hierher transportiert wurden. Die Hanglage ist stellenweise sehr steil, geht jedoch in eine flache Hochebene über, die sich rund achtzig Meter über dem Talboden befindet. Das eigentliche Dorfzentrum mit der Kirche liegt auf einem flachen Moränenhügel, der in die Ebene hineinragt.

Wohlen und der früher selbständige Ort Anglikon sind mittlerweile lückenlos zusammengewachsen. Die tiefste Stelle des Gemeindegebiets liegt auf 408 Metern bei der Kläranlage nordwestlich von Anglikon. Die höchste Stelle liegt auf 549 Metern im Gebiet «Dreihägen» nördlich von Anglikon. Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 1248 Hektaren, davon sind 349 Hektaren mit Wald bedeckt und 401 Hektaren überbaut.

Nachbargemeinden sind Hägglingen und Niederwil im Norden, Fischbach-Göslikon im Nordwesten, Bremgarten im Osten, Waltenschwil und Büttikon im Süden, Villmergen im Westen sowie Dottikon im Nordwesten.

Geschichte

Funde deuten auf eine Besiedlung während der Hallstattzeit vor 3300 bis 2500 Jahren hin. Überreste eines römischen Gehöfts und Gräber der Alamannen weisen auf eine ständig bewohnte Siedlung hin. Erstmals wurde das Dorf 1178 in einer Urkunde mit der alten Schreibweise Wolon erwähnt. Die Namensgebung Wolon, Walen, Walchen, Welschen etc. ist ein Hinweis darauf, dass die alamannische Siedlung nahe bei einer Siedlung der «Welschen», also der galloromanischen Bevölkerung, entstanden war. Ab 1185 gehörte Wohlen zum habsburgischen Hausbesitz und somit zu den österreichischen Vorlanden. Nachdem die Eidgenossen im Jahr 1415 den Aargau erobert hatten, war Wohlen Teil der Freien Ämter, einer Gemeinen Herrschaft.

1529 schlossen sich die Bewohner Wohlens dem neuen Glauben an und wurden reformiert. Die eidgenössischen Untertanen mussten allerdings 1531 nach dem Zweiten Kappelerkrieg und obrigkeitlichem Entscheid wieder zum katholischen Glauben zurückkehren. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Wohlen wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden; seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand vorab im Raum Wohlen eine Industrie, die Strohgeflechte und Strohhüte herstellte. Wohlen erhielt dadurch den Spitznamen Chly Paris («kleines Paris»). Es entstanden zahlreiche Fabriken, aber die bis zur Einrichtung der Maschinenflechterei zumeist von einer ärmeren Unterschicht von Hand hergestellten kunstvollen Geflechte hatten einen Zustupf zu der sonst eher bäuerlich geprägten Lebensweise gebracht. Neben Stroh verwendete man zeitweise auch Pferdehaar und später Kunststoffe. Mit der Hutmode verschwand um die Mitte des 20. Jahrhunderts auch die Strohindustrie. Eine der Voraussetzungen für die Entstehung der Strohindustrie war ein gut organisiertes Handwerk und die Tatsache, dass Reisläufer die Kunst des Strohflechtens aus dem südlichen Europa mitbrachten. Die von der mäandrierenden Bünz immer wieder übschwemmten Feuchtgebiete bildeten eine weitere Voraussetzung für die Produktion des benötigten Rohmaterials.

Am 23. Juni 1874 erhielt Wohlen einen Anschluss ans Eisenbahnnetz durch den ersten Abschnitt der Aargauischen Südbahn von Rupperswil aus; die Verlängerung nach Muri nahm am 1. Juni 1875 den Betrieb auf. Am 1. September 1876 folgte eine Verbindung nach Bremgarten. 1881 wurde die Südbahn von Muri nach Rotkreuz verlängert; Wohlen hatte dadurch ein Jahr später Anschluss an die Gotthardbahn. Heute führt der grösste Teil des Güterverkehrs auf der Nord-Süd-Achse (Basel-Milano) durch Wohlen. Am 18. Dezember 1916 wurde die Wohlen-Meisterschwanden-Bahn eröffnet, die allerdings am 31. Mai 1997 auf Busbetrieb umgestellt wurde.

Die kleine Gemeinde Anglikon hatte sich am Bau eines eigenen Schulhauses finanziell übernommen, woraufhin der Grosse Rat des Kantons 1912 Anglikon per Dekret Wohlen zuschlug. Der Beschluss wurde 1914 rechtskräftig, nachdem Wohlen sich erfolglos dagegen gewehrt hatte.

Zwischen 1920 bis 1930 wurde die Bünz begradigt und in einen Kanal gelegt, wodurch die einst häufigen Überschwemmungen verhindert wurden; gleichzeitig verschwanden die früher ausgedehnten Feuchtgebiete. Die damit verbundene landschaftliche Verarmung wird durch den Versuch einer Renaturierung des Bünzkanals etwas gemildert.

1925 erhielt die reformierte Minderheit eine eigene Kirche. Ab 1955 stellte die Ferrowohlen AG durch Einschmelzen alten Materials Stahl her, musste aber 1994 den Betrieb einstellen. Die zwei riesigen, leerstehenden Fabrikhallen sollen einer neuen Nutzung zugeführt werden. Das ambitionierte Städtebauprojekt «Ferropolis» scheiterte im Mai 2007.[1] Im selben Jahr wurde die neu erbaute Moschee im Industriegebiet Rigacker eröffnet.[2]

Sehenswürdigkeiten

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Unter rotem Schildhaupt in Weiss schwarze Spitze.» Das Wappen entspricht demjenigen des Ministerialengeschlechts der Herren von Wohlen und wird seit 1811 auf dem Gemeindesiegel geführt. Das Schildhaupt soll zwei Siebtel der Schildhöhe nicht übersteigen; die Regelung zeichnerischer Details ist aber in der Heraldik eher unüblich.[3]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung:[4]

Jahr 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner 3695 5862 6670 8636 12'024 11'704 12'498 13'329

Am 31. Dezember 2007 lebten 14'161 Menschen in Wohlen, der Ausländeranteil betrug 32,1 %.[5] Bei der Volkszählung 2000 waren 56,5 % römisch-katholisch, 19,7 % reformiert, 3,6 % christlich-orthodox und 8,1 % moslemisch; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 79,8 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 8,1 % Italienisch, 3,1 % Albanisch, 2,3 % Serbokroatisch, 1,4% Türkisch, 0,8 % Portugiesisch, 0,7 % Spanisch, 0,5 % Französisch.[6]

Politik und Recht

Die gegenwärtige Gemeindeordnung datiert von 1992.

Legislative

Anstelle einer Gemeindeversammlung vertritt der von den Wohler Stimmberechtigten gewählte Einwohnerrat die Anliegen der Bevölkerung. Er besteht aus 40 Mitgliedern. Ihm obliegt das Genehmigen des Steuerfusses, des Voranschlages, der Jahresrechnung, des Geschäftsberichts und der Kredite. Er kann Reglemente erlassen. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Einwohnerrat existiert seit 1965 und wird im Proporzwahlverfahren gewählt.

Bei den letzten beiden Wahlen erzielten die Parteien folgende Sitzzahlen:

Partei 2001 2005
CVP 7 10
SVP 9 10
FDP 7 6
SP 4 5
Freis Wohle 4 4
EVP 1 2
Grüne / Eusi Lüüt 4 2
Dorfteil Anglikon 1 1
Junge CVP 3 -

Auch auf Gemeindeebene finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden sowie das Initiativrecht zu.

Exekutive

Ausführende Behörde ist der Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse des Einwohnerrates und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Als Vorsteher der Exekutive übt der Gemeindeammann seine Tätigkeiten im Vollamt aus, die übrigen Gemeinderäte im Nebenamt (seit 1989).

Die sieben Gemeinderäte der Amtsperiode 2006-2009 sind:

Judikative

Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter. Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bremgarten zuständig.

Wirtschaft

In Wohlen gibt es rund 6000 Arbeitsplätze, davon 2 % in der Landwirtschaft, 35 % in der Industrie und 63 % im Dienstleistungssektor.[7] Neben wenigen Grossbetrieben gibt es mehr als 700 kleine und mittelgrosse Unternehmen. Besonders bedeutend ist die Herstellung von Kunststoffen. Der Tourismus hat für Wohlen praktisch keine Bedeutung.

Zu den bedeutendsten Firmen gehören Winkler Veranstaltungstechnik, Sulzer Metco und die Verpackungsfirma Cellpack. Lange war auch die Ferrowohlen AG ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Dieses Eisenwalzwerk existierte von 1955 bis 1994 in Wohlen. Die riesigen Hallen stehen heute leer.

Verkehr

Wohlen liegt an der SBB-Bahnlinie Lenzburg - Rotkreuz und ist der westliche Endpunkt der Bremgarten-Dietikon-Bahn. Wohlen verfügt auch über einen eigenen Busbetrieb, den Ortsbus, und ist der Ausgangspunkt der Postautolinien nach Hägglingen, Mellingen, Muri und Uezwil sowie die durch die BDWM Transport betriebene Buslinie nach Meisterschwanden.

Bildung

In Wohlen gibt es das gesamte Bildungsangebot des Kantons. Mehrere Kindergärten, sowie vier Primarschulen (Junkholz, Halde, Bünzmatt, Anglikon), zwei Realschulen (Junkholz, Bünzmatt), zwei Sekundarschulen (Junkholz, Bünzmatt), eine Bezirksschule (Halde), die Kantonsschule, eine Berufsschule und eine Heilpädagogische Schule (HPS) ermöglichen es allen Wohler Kindern, ihre gesamte Schulzeit im Heimatdorf absolvieren zu können.

Kultur

Das Strohmuseum zeigt die frühere Bedeutung der Strohindustrie im Freiamt. Ein langjähriger Brauch ist der «Chlausauszug» anfangs Dezember, der von der Jungwacht Wohlen und der katholischen Kirche organisiert wird.

Der Circus Monti ist ein Zirkus im Besitz der Familie Muntwyler, der in Wohlen sein Winterquartier hat. Unter dem jetzigen Namen hatte der Zirkus 1985 seine erste Première. Der Zirkus gewann zweimal den Prix Walo. Im Kleintheater Sternensaal sowie im Forum der Kantonsschule finden kulturelle Veranstaltungen statt.

Rock-Festival Sound-Arena, das in unregelmässigen Abständen stattfindet.

Sport

2004 wurde die grösste Sportanlage des Kantons eröffnet, bestehend aus dem Stadion Niedermatten mit zwei Trainingsplätzen, 400m Leichtathletikstadion mit einer 60m Innenbahn, Streetballplatz, Landhockeyplatz, Finnenbahn und neun Tennisplätzen. Der Fussballclub FC Wohlen spielt in der Challenge League, der zweithöchsten Liga der Schweiz. Daneben gibt es noch eine Sportanlage mit Rennbahn und Tartan-Platz, ein Tenniscenter, ein Freibad, eine Eisbahn und einen Vitaparcours.

Persönlichkeiten

Einzelnachweise

  1. Ferropolis bleibt aufs Eis gelegt - azonline.ch, 8. Mai 2007
  2. Wohlen: «Moschee soll für alle offen sein»
  3. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004. ISBN 3-906738-07-8
  4. Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden im Bezirk Bremgarten - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  5. Bevölkerungsstatistik 2. Halbjahr 2007 - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  6. Gemeindeporträt - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  7. Betriebszählung 2005 - Statistisches Amt des Kantons Aargau