Ankara
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Ankara

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Ankara (Begriffsklärung) aufgeführt.
Ankara
DEC
Ankara
Basisdaten
Staat: Türkei
Provinz (il): Ankara
Koordinaten: 39° 55′ N, 32° 51′ OKoordinaten: 39° 55′ 0″ N, 32° 51′ 0″ O
Höhe: 900 m über dem Meer
Fläche: 2.498 km²
Einwohner: 4.104.387 (1. Januar 2007)
Bevölkerungsdichte: 1.643 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+90) 312
Postleitzahl: 06 000
Kfz-Kennzeichen: 06
Struktur und Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Melih Gökçek (AKP)
Webpräsenz (Stadtverwaltung):
www.ankara.bel.tr
Kaymakam: Kemal Önal
Webpräsenz (Kaymakam):
www.ankara.gov.tr

Ankara (früher Angora, antiker Name Ancyra) ist seit 1923 die Hauptstadt der Türkei und der gleichnamigen Provinz Ankara. Die Stadt hat 4.104.387 Einwohner (2008) und ist damit nach Istanbul die zweitgrößte Stadt des Landes.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Klimadiagramm Ankara

Ankara liegt rund 900 m bis 1050 m über dem Meeresspiegel und hat ein strenges trockenes Kontinentalklima, das durch heiße trockene Sommer und kalte schneereiche Winter geprägt ist, mit starken Unterschieden in den Jahreszeiten. Die Jahresdurchschnittstemperatur ist 11,7 °C. Die Jahressumme der Niederschläge beträgt 316 mm; damit ist Ankara eines der trockensten Gebiete der Türkei.

Geschichte

Ursprünglich eine blühende phrygische Siedlung an der persischen Königsstraße, wurde es Zentrum des keltischen Stammes der Galater, die ca. 230 v. Chr. in Kleinasien siedelten. 189 v. Chr. wurde Ancyra von Cn. Manlius Vulso besetzt, blieb aber unter regionaler Herrschaft. Erst 25 v. Chr. wurde es Hauptstadt der römischen Provinz Galatien. Nachdem es nacheinander von Römern, Persern, Arabern, den Seldschuken und dem Osmanischen Reich erobert wurde, versank es schließlich in relativer Bedeutungslosigkeit.

Am 23. April 1920, also zu Beginn des türkischen Befreiungskampfes gegen die Besatzungstruppen der Briten, Griechen, Franzosen, Italiener und Armenier, wurde hier das neue Parlament eröffnet. Das alte osmanische Parlament stand unter dem Druck der britischen Besatzung, und viele seiner Mitglieder wurden nach seiner Auflösung durch die Briten inhaftiert und nach Malta deportiert.

Als die griechischen Besatzungstruppen 1921 bis nach Polatlı ca. 60 km vor Ankara vordrangen und dadurch der noch im Aufbau befindliche türkische Nationalstaat bedroht war, überlegte das Parlament sogar nach Kayseri, etwa 300 km südöstlich von Ankara, umzuziehen.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Untergang des Osmanischen Reichs wurde Ankara durch ein Gesetz vom 13. Oktober 1923 von den Republikanern und Befreiungskämpfern unter Kemal Atatürk wegen seiner Lage in Zentralanatolien und in bewusster Abgrenzung zur osmanischen Hauptstadt İstanbul zur Hauptstadt der neu gegründeten türkischen Republik bestimmt.

Am 28. März 1930 erhielt die Hauptstadt die offizielle Bezeichnung Ankara. Diese Namensform wurde zwar von der antiken Namensform Ankyra abgeleitet, es handelt sich jedoch um eine Kompromisslösung aus dem griechischen Ankyra und dem türkischen Engürije, der gebräuchlichen türkischen Namensform vor 1930. Die neue Namensform sollte sowohl türkisch als auch europäischer klingen als Engürije.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Ankara ist nicht nur das Verwaltungszentrum der Türkei, sondern neben Istanbul und Izmir auch eines der größten Wirtschaftszentren des Landes. Arbeitsplätze bieten u. a. eine Zementfabrik, eine große MAN Autobusfabrik in der Nähe des Flughafens, ein Traktorenwerk, ein Baumaschinenhersteller (Hidromek), sowie Betriebe der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, während die ehemals so bedeutende Ziegen- und Wollhaarverarbeitung bedeutungslos geworden ist. Die Industriebetriebe konzentrieren sich größtenteils im Westen der Stadt, entlang der Bahnlinie nach Istanbul. Im Osten gibt es noch einige traditionelle Handwerkerbetriebe, doch da immer weniger Interesse besteht, wandern die alten Handwerker oft in die Gecekondus ab.

Die Stromversorgung schwankt sehr zwischen den einzelnen Stadtteilen, doch überall gibt es häufig Stromausfälle. Das Leitungswasser ist ungenießbar und zum großen Teil mit Schwermetallen belastet.

Bildung

Ankara ist Sitz mehrerer Universitäten, u. a. der Universität Ankara, der Bilkent-Universität, der Gazi-Universität, der Orta Doğu Teknik Üniversitesi (ODTÜ), der Hacettepe-Universität, der Tobb-Universität für Wirtschaft und Hochtechnologie, der Ufuk-Universität, der Atılım-Universität und der Başkent-Universität.

Siehe auch: Liste der türkischen Universitäten

Verkehr

Die Qualität der Straßen ist sehr unterschiedlich. Während sie im alten Stadtkern Ulus sehr schlecht ist, werden die Straßen um Kızılay, den neuen Stadtkern, langsam erneuert. Die achtspurige Ringautobahn O-20 trägt zur Entlastung des städtischen Verkehrs bei. Wie in anderen Großstädten gibt es zahlreiche Taxen. Der öffentliche Nahverkehr erfolgt weitestgehend mit Bussen. Es gibt mehrere Busbahnhöfe.

Die U-Bahn ist in einen in grün gehalten Part Ankaray (Straßenbahntechnik aus Deutschland) und den in orange-rot gehalten Part Metro (Eisenbahntechnik aus Kanada) unterteilt. An der Erweiterung der Linien wird gearbeitet.

Ankara besitzt mehrere militärische und einen internationalen zivilen Flughafen. Der Esenboğa Airport liegt 28 km nordöstlich der Stadt und ist zwischen 2004 und Ende 2006 wegen der Bedeutung Ankaras als Hauptstadt grundlegend erneuert worden. Gleichzeitig wurde der Flughafen über eine Schnellstraße an die Ringautobahn angeschlossen.

Ankara wurde durch die Anatolische Eisenbahn Ende des 19. Jahrhunderts mit Istanbul und über einen Abzweig mit İzmir verbunden. Später wurden Strecken über Kayseri in den Osten des Landes, zur Bagdadbahn Richtung Adana und über Karabük an die Schwarzmeerküste gebaut. Nach Istanbul wird derzeit eine Hochgeschwindigkeitsstrecke gebaut, die 2008 fertiggestellt werden soll.

Stadtbild

Smog über Ankara im November 2006

Die verwinkelten, engen Gassen der Altstadt winden sich um einen steilen, von der Zitadelle gekrönten Felskegel. Südlich der Altstadt und des alten Stadtzentrums Ulus erstreckt sich die moderne Neustadt mit den neuen Zentren Kızılay und Kavaklıdere, deren Kennzeichen breite Boulevards, zahlreiche Regierungsgebäude und Botschaften sowie moderne Wohnviertel sind. Insbesondere im westlichen Teil der Stadt entstehen Neubausiedlungen, um dem wachsenden Bedarf an Wohnfläche zu entsprechen. Trotz dieser Anstrengungen gibt es noch sehr viele Marginalsiedlungen (gecekondu). In den letzten 15 Jahren wurde die Braunkohle als Heizmittel weitestgehend vom umweltfreundlicheren Erdgas ersetzt. Dennoch nimmt aufgrund des stetigen Bevölkerungswachstums die Luftverschmutzung in Ankara stark zu, die alten Busse, Autos und das Fehlen einer umweltfreundlicheren Alternative tragen wesentlich dazu bei.

Aufgrund der wiederholten Attentatsversuche der PKK und eines Anschlags mit Todesopfern hat Ankara den Ruf als geordnete Beamtenstadt verloren. Auch die immer häufiger werdenden Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Teilen der Unterschicht in Ankara machen Ankara auch für Einheimische immer unberechenbarer.

Kultur

Die Opera Sahnesi (Deutsch: Opernbühne) ist das größte der insgesamt drei Opernhäuser in Ankara. Es gehört zu den Türkischen Staatstheatern (Devlet Tiyatroları).

Sport

Zur Saison 2007/2008 spielen vier einheimische Fußballvereine in der Süper Lig, der höchsten türkischen Spielklasse: Gençlerbirliği SK, MKE Ankaragücü, Ankaraspor und Gençlerbirliği OFTAŞ), wobei letzterer strengenommen die zweite Mannschaft des Gençlerbirliği SK ist und erst nach einer kontroversen Entscheidung des türkischen Fußballverbands in die Eliteliga des Landes aufgenommen wurde. Die beiden erstgenannten Vereine spielen im Leichtathletikstadion Ankara 19 Mayıs, das 21.250 Zuschauern Platz bietet. Sie sind hinter den İstanbuler Vereinen jedoch eher zweitrangig und somit international weitgehend unbekannt. Weitere Sportmöglichkeiten sind zum Beispiel Skifahren auf dem "Elmadağ", dem Hausberg von Ankara, oder Schlittschuhlaufen im Eisstadion.

Städtepartnerschaften

Sehenswürdigkeiten

Als relativ junge Stadt bietet Ankara nur wenige Sehenswürdigkeiten, darunter

Söhne und Töchter der Stadt

Bildergalerie

Einzelnachweise

  1. a b c Turkish & African cultural, social and economical co-opeartion association: AKSiAD, März 2008
  2. Kultur- und Tourismusministerium
 Commons: Ankara – Bilder, Videos und Audiodateien