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Genthin

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 52° 24′ N, 12° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Jerichower Land
Verwaltungsge-
meinschaft:
Genthin
Höhe: 49 m ü. NN
Fläche: 103,73 km²
Einwohner: 14.177 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 137 Einwohner je km²
Postleitzahl: 39307 (alt: 3280)
Vorwahl: 03933
Kfz-Kennzeichen: JL
Gemeindeschlüssel: 15 0 86 040
Stadtgliederung: 8 Ortsteile und ein Wohnplatz
Adresse der Stadtverwaltung: Marktplatz 3
39307 Genthin
Webpräsenz:
www.genthin.de
Bürgermeister: Wolfgang Bernicke (parteilos)
Lage der Stadt Genthin im Landkreis Jerichower Land

Genthin ist eine Stadt im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt, die am Elbe-Havel-Kanal liegt.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Genthin liegt östlich der Elbe, zwischen Berlin und Magdeburg am Elbe-Havel-Kanal.

Ortsteile

Wohnplätze

Klima

Klimadiagramm von Genthin[1]

Die durchschnittlich Lufttemperatur in Genthin beträgt 8,6 °C, der jährliche Niederschlag 524 Millimeter.

Geschichte

Im Jahr 1144 wurde erstmals eine Burg urkundlich erwähnt. Von dieser Burg aus verwaltete die Adelsfamilie Plotho das umliegende Gebiet. 1171 wurde Genthin erstmals urkundlich genannt, war aber in der Folge ein unbedeutender Ort, denn erst für 1459 lässt sich eine Nennung als Oppidum (stadtartige Siedlung) nachweisen. Marktrecht erlangte die Stadt im Jahr 1539.

Die Stadt erhob an ihren vier Toren, dem Brandenburger-, Mühlen-, Parchen- und Bergtor einen Zoll. Nachdem der Administrator des Erzbistums Magdeburg, August von Sachsen-Weißenfels 1680 gestorben war, trat eine Bestimmung des Westfälischen Friedens von 1648 ein und das Gebiet fiel an den Kurfürsten von Brandenburg. Damit gehörte die Stadt zum Herzogtum Magdeburg und lag im damaligen Jerichower Kreis.

In den Jahren 1682 und 1683 wütete eine Pestepidemie in der Stadt, bei der 147 Einwohner starben, 1704 zerstörte ein Feuer große Teile Genthins. Von 1707 bis 1722 wurde die dreischiffige, barocke Pfarrkirche nach Entwürfen des Magdeburgers Georg Preusser gebaut, 1720 öffnete das Postamt mit der Inbetriebnahme der Postverbindung Magdeburg-Genthin. 1727 wurde Genthin mit dem Einzug einer Kompanie der Gelben Reiter unter dem Kommando des Rittmeisters von Schmeling Garnisonsstadt.

In den Jahren von 1743 bis 1745 wurde der Plauer Kanal gebaut. Dieser war der erste Teil des heutigen Elbe-Havel-Kanals und verband zunächst die untere Havel bei Plaue über eine Strecke von 15 km mit der Stremme und Ihle. Beide Flussläufe wurden zusätzlich für die Schifffahrt ausgebaut. Dieses Bauvorhaben brachte für die Stadt einen Entwicklungsschub. Der Kanal verkürzte den Weg von Berlin nach Magdeburg um 150 Kilometer. Zusätzlich zum Bau des Kanals wurden weitere umfangreiche Arbeiten zur Erschließung durchgeführt, wodurch eine Besiedlung des Umfeldes der Stadt vorgenommen werden konnte. Es entstand ein sieben Kilometer langer Kanal, auf dem Torf aus den Torfstichen Genthins zum Plauer Kanal gebracht werden konnte. Dieser Kanal geriet später in Vergessenheit. Reste davon kann man heute im Mühlgraben erkennen.

Bis 1808 unterstand Genthin dem königlichen Amt Altenplathow. Erst nach Reformen in Preußen wurde Genthin als Stadt eigenständig und wählte 1809 erstmals einen Stadtrat. 1816 wurde Genthin Verwaltungssitz des Landkreises Jerichower Land. 1853 erschien erstmals das „Genthiner Wochenblatt“. Im Jahr 1854 wurde die Stadt Berg-Genthin eingemeindet.

Das Zeitalter der Industrialisierung setzte in Genthin mit der Gründung einer Fabrik zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte durch den Magdeburger Kaufmann Pieschel ein. Dieser baute seine Fabrik 1808 auf einem Gelände in Altenplathow und ließ einen 14 Hektar großen Gutspark nach Anregungen von Peter Joseph Lenné anlegen. Er wurde durch König Friedrich Wilhelm III. für seine Verdienste später in den Adelsstand erhoben. Die Infrastruktur wurde durch die Anlage von Verkehrswegen den wirtschaftlichen Erfordernissen angepasst. Es entstanden Chausseen und Landstraßen. 1837-1846 wurde die Eisenbahnstrecke Berlin-Potsdam- Magdeburg gebaut, die später bis Hannover erweitert wurde. 1898 erfolgte die Gründung der „Kleinbahn AG“. Es entstanden zahlreiche Industriebetriebe, wie Ziegeleien, holzverarbeitende Fabriken und Werften, die Schiffbau oder Schiffsreparaturen betrieben. Großbetriebe waren die 1902 in Betrieb genommene Zuckerraffinerie und das Waschmittelwerk des Henkel Konzerns, das auf Initiative des ehemaligen Bürgermeisters Struss von 1921 bis 1923 gebaut wurde. Im Jahr 1920 wurde Altenplathow eingemeindet, 1928 wurde Hagen ein Vorort von Genthin.

Am 22. Dezember 1939 kam es im Bereich des Bahnhofs Genthin zu einer der größten Katastrophen im deutschen Eisenbahnwesen, bei dem 186 Menschen starben und 453 weitere verletzt wurden.

1943 wurde in Genthin ein Außenlager des KZ Ravensbrück errichtet. Diese weiblichen Häftlinge sowie Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter (insgesamt 1.000) wurden zur Arbeit in der Munitionsfabrik Silva-Metallwerke GmbH eingesetzt und mussten Flak-Munition herstellen. 68 Frauen, die gegen ihre miserablen Arbeitsbedingungen revoltiert haben sollen, wurden von der SS erschossen. Weitere 1.000 nach Deutschland Verschleppte einschließlich zahlreicher polnischer Kinder mussten in einer Zweigstelle der Henkel-Werke unter besonders gesundheitsschädigenden Bedingungen schuften. Im April 1945 wurde im Wald von Genthin auch ein SS-Arbeits- und Erziehungslager errichtet. In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 kam es in der Umgebung der Stadt zu vereinzelten Kampfhandlungen. Die Elbe war dabei das Ziel der deutschen, von Berlin kommenden Armee. Durch das Queren des Flusses wollte man die Gefangennahme durch die US-Armee erreichen. Nach dem Krieg wuchs die Einwohnerzahl der Stadt durch den Zuzug vieler Vertriebener.

Politik

Wappen

Blasonierung: „In Rot eine goldgekrönte Frauengestalt in goldenem Gewand mit einem Kind auf dem rechten Arm.“

Die älteste bisher bekannte Darstellung des Wappens befindet sich im Siegel an einem Schriftstück des Jahres 1690 und zeigt ohne Heiligenschein die Jungfrau Maria mit Kind in einem tunikaähnlichen Gewand. Das Wappen ist mittelalterlich-religiösen Ursprungs. Vermutlich wurden die ältesten Siegel und damit die Wappensymbole vom Erzbischof in Magdeburg festgelegt, denn alle vormals zum Erzbistum Magdeburg gehörenden Städte zeigen Heilige im Wappen. Das Wappen wurde in seiner jetzigen Form am 29. Juli 1971 von der Stadtverordnetenversammlung bestätigt.

Flagge

Die Flagge der Stadt zeigt die Farben Rot und Gold(Gelb) und das Wappen der Stadt Genthin.

Städtepartnerschaften

Datteln in Nordrhein-Westfalen und Kropp in Schleswig-Holstein sind die Partnerstädte der Stadt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Der 1934/35 erbaut, 48 m hohe, achteckig Wasserturm Genthin ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Etwas südlich des Wasserturms befindet sich die 1902/03 erbaute katholische Sankt-Marien-Kirche.

Direkt am Hauptbahnhof von Genthin befindet sich ein Denkmal für eine der größten Katastrophen der deutschen Eisenbahngeschichte

Die Kirche in Altenplathow wurde 1903/04 an Stelle einer romanischen Kirche erbaut, mit Jugendstil-Ornamentik ausgemalt. Im Inneren der Kirche befindet sich die Grabplatte des Hermann von Plote, eines Vorfahren der Elisabeth von Plotho. Die 1170 gesetzte Grabplatte wurde beim Abbruch der alten Kirche gefunden. Daher ist die Kirche heute eine Sehenswürdigkeit an der Straße der Romanik.

In Parchen befindet sich mit der Dorfkirche Parchen eine Ende der 1820er Jahre aus Feldsteinen gebaute evangelische Kirche. Sie steht auf den Grundmauern einer ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert stammenden und abgebrannten Kirche. Darüber hinaus ist in Parchen mit dem Schloss Parchen das 1830/31 zum Schloss umgebaute Gutshaus des Dorfes sehenswert.

Gedenkorte an die Zeit des Nationalsozialismus

Sport

Musik

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

In Genthin kreuzen sich die Bundesstraßen B 1 und B 107. Die Stadt liegt an der Bahnlinie von Berlin-Potsdam-Magdeburg. Am Genthiner Hauptbahnhof begann die Bahnstrecke von Genthin nach Jerichow, welche Bestandteil des Netzes der Kleinbahn-AG in Genthin war. Am Abzweig Zuckerfabrik zweigte von dieser Strecke die Bahnstrecke nach Milow ab. Durch die Stadt verläuft der Elbe-Havel-Kanal.

Ansässige Unternehmen

Ein Genthiner Traditionsbetrieb ist das zum Henkel-Konzern gehörende Waschmittelwerk („Spee“), das in den frühen 50er-Jahren unter dem Namen VEB Persil-Werk firmierte. Daneben gibt es in der Stadt neben Handwerksfirmen der verschiedensten Branchen kleine und mittlere Firmen im Maschinen- und Vorrichtungsbau, der Gebäudekommunikation, Nachrichtentechnik, Hausklimatechnik und für die Fertigung von Fenstern. Auch eine Niederlassung einer nordrhein-westfälischen Abrechnungsfirma befindet sich in Genthin, im früheren Verwaltungsgebäude der Zuckerfabrik, die inzwischen, nach der Übernahme in 1990 durch die Südzucker AG, 1992 geschlossen wurde.

Medien

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

Quellen

  1. Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961-1990