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Reformierte Kirche

Dieser Artikel beschreibt die Reformierte Kirche als Konfession, für konkrete Kirchengebäude unter diesem Namen siehe Reformierte Kirche (Kirchengebäude).

Die Evangelisch-Reformierte Kirche ist im Rahmen der reformatorischen Konfessionsfamilie theologisch von den evangelisch-lutherischen Kirchen und den evangelisch-unierten Kirchen zu trennen. Diese drei Konfessionstypen in landeskirchlicher Organisation sind konstituierende Mitglieder der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Reformierte sind eine evangelische christliche Konfession, die vor allem auf das Wirken von Ulrich Zwingli in Zürich und Johannes Calvin in Genf (Calvinismus) im Zuge der Reformation zurück geht.

Inhaltsverzeichnis

1522: Fastenbrechen als „Urdatum“

„Urdatum“ ist das Wurstessen beim Zürcher Bürger Christoph Froschauer, einem Druckereibesitzer, an Invokavit 1522 (9. März), also dem ersten Sonntag der vorösterlichen Fastenzeit. Zwingli soll an dem Wurstessen zwar nicht teilgenommen haben, aber anwesend gewesen sein. Als Priester verteidigte er den Fastenbruch: Das Fastengebot sei ein menschliches Gesetz und deshalb nicht unbedingt gültig. Nur göttlichen Gesetzen müsse der Mensch unbedingten Gehorsam leisten. Die göttlichen Gesetze aber findet Zwingli in der Bibel. [1]

Die Invokavit-Woche 1522 stellt zugleich auch für die lutherische Reformation ein wichtiges Datum dar. Luther hielt in dieser Woche seine berühmt gewordenen „Invokavitpredigten“, in denen er sich mit Bildersturm und radikalen Wendungen der Reformation in Wittenberg auseinandersetzte.

1529: Marburger Religionsgespräche

Ein Zusammenschluss mit dem lutherischen Zweig der Reformation gelang nicht, vor allem weil in der Abendmahlsfrage keine Einigung erzielt werden konnte (Marburger Religionsgespräch 1529 zwischen Luther und Zwingli). Luther hielt an der wirklichen Gegenwart (Realpräsenz) von Leib und Blut Christi in den Gestalten des Mahls fest.

1563: Heidelberger Katechismus

Das wichtigste reformierte Dokument des 16. Jahrhunderts in Deutschland stellt der Heidelberger Katechismus dar. Zugleich dokumentiert dieser Katechismus die innerreformierte Spaltung: Während sich im Gefolge von Zwinglis Theologie in Zürich, Bern, Basel und anderen Orten eine sehr enge Verzahnung von politischer und geistlicher Führung herausbildete, arbeitete Calvin in seiner Institutio eine biblisch begründete Kirchenordnung heraus, die die Ämter von Presbyter und Pfarrer als Gemeindeleitung sowie daneben die Ämter des Diakons und des Lehrers kennt; zudem wird die Kirchenzucht betont, die den Presbytern obliegt. [2]

Ausbreitung

Während sich in den deutschen und niederländischen Gebieten die Genfer Richtung durchsetzte, war Bullinger mit seinen Bemühungen in England mehr Erfolg beschieden. – Das Waadtland nahm eine Zwischenstellung ein. Die Reformation in diesem Berner Untertanengebiet wurde von Bern und Zürich her angestoßen; später geriet es aber – als vor allem französischsprachiges Territorium – unter starken Genfer Einfluss. So behielt es zwar im Wesentlichen die zwinglische Theologie bei, führte aber unter Genfer Druck das calvinische Kirchenmodell ein.

Reformierte Kirchen und Gemeinden sind heute außer in der Schweiz (siehe Schweizer Reformierte Kirchen) vor allem in den Niederlanden, in Schottland und in Ungarn/Siebenbürgen (unter Ungarn) verbreitet, in Deutschland auf dem Hunsrück, in Wittgenstein, in Lippe (siehe Lippische Landeskirche), am Niederrhein, im Bergischen Land wie z.B. in Wuppertal, im Siegerland, in Nordwestdeutschland (vor allem Grafschaft Bentheim und Ostfriesland) und Bremen, im Ravensberger Land, an der Plesse, und in Bayern (siehe Evangelisch-reformierte Kirche – Synode evangelisch-reformierter Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland). Französische Glaubensflüchtlinge, die Hugenotten, gründeten in Berlin und Brandenburg französisch-reformierte Gemeinden. Die kleine reformierte Kirche Österreichs ist die Evangelische Kirche H.B. in Österreich. Ihr äußeres Charakteristikum ist in vielen Fällen die Sparsamkeit der Kirchenausstattung, liturgisch fällt die Vorrangstellung des Wortes auf; so kannte der Gottesdienst in Zürich zur Zeit Zwinglis keine Gesänge, Calvin führte den Psalmengesang ein, was zum weit verbreiteten „Genfer Psalter“, einer Sammlung von Nachdichtungen der biblischen Psalmen, führte.

In Sachsen wurde 1601 der ehemalige Kanzler Nikolaus Krell als des Kryptokalvinismus Beschuldigter auf Betreiben der sächsischen Kurfürstin-Witwe Sophie von Sachsen hingerichtet. Sein Ziel war eine europäische Union aller Protestanten und die Beendigung des Bruderkrieges zwischen den beiden Kirchen der Reformation, der „lutherischen“ und der „reformierten“ Kirche.

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es in Preußen – dessen Herrscherhaus, die Hohenzollern, reformierten und dessen Bevölkerungsmehrheit lutherischen Glaubens war – und anderen Teilen der Welt zahlreiche Kirchenunionen unter Beteiligung reformierter Kirchen und Gemeinden. In der Leuenberger Konkordie von 1973 wird erklärt, dass und inwiefern der innerprotestantische Dissens in der Abendmahlslehre nicht mehr kirchentrennend sei.

Zu den reformierten Kirchen gehören auch Presbyterianer und Kongregationalisten.

Besonders bedeutende reformierte Theologen des 16. Jahrhunderts waren:

Zürcher Richtung:

Genfer Richtung:

Schottland:

Literatur

Verweise

  1. zum Ganzen vgl. Matthias Reuter: Wurstessen – das Fastenbrechen 1522;
  2. Die Fragen 82-85 des Heidelberger Katechismus haben bedeutende Folgen bei Paul Schneider.

Siehe auch

Internationale Seiten

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