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Nomade

Als Nomaden (v. griech. νομάς - nomás „mit Herden herumziehend“; νομoς) werden Menschen und Gesellschaften bezeichnet, die aus kulturellen, ökonomischen oder weltanschaulichen Gründen ein nicht sesshaftes Lebenskonzept wählen, sich in ihrer Wirtschaftsweise aber deutlich von nichtsesshaften Wildbeuterkulturen unterscheiden, da die Haltung von domestizierten Nutztieren eine wesentliche Stütze der nomadischen Wirtschaftsweise darstellt. Besonders Viehzucht, Jagd und Fischfang – siehe auch Seenomaden – bedingen nomadische Lebensformen, wobei die Viehzucht in Kombination mit der Nichtsesshaftigkeit als eigentliche Definition des Nomadismus anzusehen ist. Umgangssprachlich werden oft nichtsesshafte Wildbeuterkulturen fälschlicherweise als Nomaden bezeichnet, auch wenn in jenen Kulturen Viehhaltung nicht vorhanden ist. Unter diesem Gesichtspunkt kann bei den indigenen Ethnien Amerikas nicht von Nomaden die Rede sein, da die Viehwirtschaft in Amerika bis zur Ankunft der Europäer unbekannt war.

Dieser Artikel gibt eine Übersicht über die geographische Verbreitung des Phänomens. Traditionelle nomadische Lebensformen im einzelnen werden im Artikel Nomadismus behandelt. Neue Formen des Nomadentums in der globalisierten Welt behandelt der nun folgende Artikel.

Inhaltsverzeichnis

Nomadische Gesellschaften

Zu den nomadischen bzw. teilweise nomadisch lebenden Gesellschaften zählen in der Ethnologie folgende:

Afrika

Amerika

Asien

Europa

Australien

Arktis

Historische Nomadenvölker

Renaissance des Nomadismus

Nomadische Lebensweisen werden Anfang des 21. Jahrhunderts im Kontext von Globalisierung und Digitalisierung der Lebens- und Arbeitswelt neu betrachtet. Das Nomadentum avanciert zu einer gleichberechtigten Lebensform neben der Sesshaftigkeit. Dabei wählen vor allem gut ausgebildete „Trendsetter“ diese Arbeits- und Lebensform bewusst, während schlechter ausgebildete Arbeitnehmer in diese Rolle eher hineingedrängt werden. Besonders in westlichen Industrieländern wird von Führungskräften, aber auch von einfachen Arbeitern ein immer höheres Maß an Flexibilität und Mobilität erwartet. Damit sind viele Vorteile (z. B. Freiheit, Lebenssinn, Selbständigkeit) aber auch Nachteile (Entgrenzung, Unsicherheit, Instabilität, Verlust sozialer Bindungen) verbunden. Insgesamt werden seit der Industrialisierung immer mehr und immer öfter Funktionen aus Familie und Privathaushalt herausgelöst, was nicht selten zu Tendenzen zu einem innerstädtischem Nomadentum führt.

Als Beispiel seien einerseits Manager, Popstars oder Politiker genannt, die von einem Termin zum anderen jetten und dabei einen erheblichen Teil ihrer Nächte in Hotels verbringen, andererseits, am anderen Ende der Gesellschaft, Menschen, die aus wirtschaftlicher Not in Obdachlosigkeit geraten, die Sesshaftigkeit ungewollt verlieren. Ebenso sind Erntehelfer und andere Arbeiter aus beruflichen Gründen eher gezwungen den Beschäftigungsstellen hinterher zu reisen und vorübergehend in Unterkünften wie Pensionen bis hin zu Containerdörfern zu leben. Allerdings gibt es auch Menschen, die aus Lebensstilgründen eine nicht-sesshafte Lebensform wählen. Besonders infolge der 68er- und der Hippie-Bewegungen traten und treten solche nonkonformistischen Lebensformen vermehrt auf, wenn auch nur bei einem marginalen Teil der Bevölkerung. Beispiel: Wagenburgen oder, bereits in den 1920iger Jahren, die Bewegung der Berber („Generalstreik ein Leben lang!“).

Eine Sonderform des modernen Freizeit-Nomadentums sind Camping- und Survival-Urlaub.

Eine Reihe gegenwärtiger Lebensformen weisen in nomadische Traditionen zurück, der Anteil der traditionell-nomadischen Lebensweise in den Industrieländern geht jedoch stark zurück. Einerseits sind hier Schausteller- und Zirkus-Familien zu erwähnen, andererseits bestehen noch ethnische Gruppen mit nomadischer Lebensform als Minderheiten in der sesshaften Bevölkerung. Viele dieser traditionellen nomadischen Gesellschaften sind heute in ihrer Existenz (oder zumindest in ihrer Lebensweise) bedroht, da sie ihre Landnutzungsrechte nur schlecht gegen ihre sesshaften Nachbarn durchsetzen können. Mit den Beziehungen zwischen Nomaden und Sesshaften in Geschichte und Gegenwart beschäftigt sich seit 2001 ein eigener Sonderforschungsbereich an den Universitäten Halle und Leipzig.

Das Thema wird u. a. in verschiedenen Büchern (z. B. Englisch: „Jobnomaden“ oder Richter: „Lebenspraktikanten“) aufgegriffen und bei Unternehmensberatungen in das thematische Portfolio aufgenommen.

Literatur

Siehe auch