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Wartberg-Kultur

Die Wartberg-Kultur, auch Kragenflaschenkultur, ist eine urgeschichtliche, neolithische Kultur in der Jungsteinzeit. Benannt ist die Wartberg-Kultur nach ihrem Hauptfundort, dem im heutigen Nordhessen beim Niedensteiner Stadtteil Kirchberg gelegenen Wartberg (306 m ü. NN). Der Verbreitungsschwerpunkt der bis heute bekannten Funde der Wartberg-Kultur liegt in Nordhessen und Westthüringen. Ein südliches Ausgreifen des Verbreitungsgebiets bis in die Rhein-Main Region ist möglich, aber bislang nicht sicher belegt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Wartberg-Kultur bezeichnet charakteristische ähnliche jungsteinzeitliche archäologische Funde aus der Zeit von 3500 v. Chr. bis 2800 v. Chr.. Fundorte sind der Wartberg bei Kirchberg, der Hasenberg bei Lohne, sowie der Güntersberg und der Bürgel bei Gudensberg aber auch die Ringwallanlage am Burgberg bei Niedenstein und das Erdwerk von Kassel-Calden (jeweils in Nordhessen). Die bisher bekannten Siedlungen sind durchgehend Höhensiedlungen. Wegen der Galeriegräber nimmt Waltraud Schrickel einen westeuropäischen Einfluss an.

Man fand auf dem Wartberg mit jungsteinzeitlichen Geräten zertrümmerte Knochen, die überwiegend von Rindern, Hirschen, Schweinen, Pferden, Bären, Rehen, Schafen, Ziegen und Bibern stammen. Außerdem fand man zerschlagene menschliche Gebeine. Ursprünglich hatte man eine Opferstätte am Wartberg vermutet, doch handelt es sich aufgrund der zahlreichen Scherben von handgeformten Gefäßen aus groben Ton und den Resten von Wandbewurf sicherlich um Spuren einer jungsteinzeitlichen Höhensiedlung.

Zu den Befunden gehört das Steinkammergrab von Züschen bei Fritzlar, das Steinkammergrab von Lohra und das Erdwerk Calden. Weitere Steinkammergräber (auch: Steinkistengräber) findet man in Hadamar-Niederzeuzheim und in Hachenburg (Westerwald, Rheinland-Pfalz). Letzteres wurde im Nachbarort von Niederzeuzheim, in Oberzeuzheim, abgebaut und im Schlosspark von Hachenburg rekonstruiert. Am Hasenberg bei Lohne wurden Pfeilspitzen und am Güntersberg bei Gudensberg Kragenflaschen der Wartberg-Kultur entdeckt.

Steingeräte

Bei den steinernen Pfeilspitzen wird gegenüber der Spitze nun ein Stiel aus dem Stein herausgearbeitet, die Seiten der Pfeilspitzen bilden neben dem Stiel kleine „Flügel“. Ein beliebtes Rohmaterial für Beile ist Wiedaer Schiefer, neu treten Schiefermesser auf.

Erdwerke

Wie in der vorangehenden Michelsberger Kultur werden unterbrochene Erdwerke genutzt. Als Beispiel kann die Anlage von Kassel-Calden gelten, bei der zwei Gräben und eine Palisade eine Fläche von 14 ha umschließen. C14-Daten belegen den Bau dieses Monuments um 3700 v. Chr. und damit an den Übergang zwischen Michelsberger Kultur und Wartbergkultur. Wem der Bau zuzuschreiben ist, konnte bislang nicht geklärt werden. Sicher ist aber, dass die Nutzung während der Wartbergkultur erfolgte.

Grab- und Bestattungssitten

Die Gräber dieser Kultur sind Galeriegräber, die zu den Megalithgräbern gehören. Es handelt sich um Kollektivgräber, d.h., die Toten einer Gemeinschaft wurden in einem Grab bestattet. So liegen in den Gräbern zwischen 25 und 300 Tote. Die Beigabensitte ist uneinheitlich, die einzelnen Gräber unterscheiden sich in Beigabenreichtum und Beigabenarten. Der enge Zusammenhang zwischen Grab und Siedlungsplatz ist eine Besonderheit. Vielen der nordhessischen Siedlungsplätze konnte ein Grab in Sichtweite zugeordnet werden. So liegt das Steinkammergrab von Züschen in unmittelbarer Nähe der Siedlung auf dem Hasenberg. Auf das Erdwerk in Calden beziehen sich zwei Megalithgräber.

Aufbewahrungsorte der Funde

Literatur

Weblink