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Antwerpen

Dieser Artikel befasst sich mit der belgischen Stadt Antwerpen; zu der gleichnamigen Provinz siehe Provinz Antwerpen.
Wappen Karte

Wappen von Antwerpen

Provinz Antwerpen in Belgien


Lage der Stadt Antwerpen

Basisdaten
Staat: Belgien
Region: Flandern
Provinz: Antwerpen
Arrondissement: Antwerpen
Fläche: 204,51 km²
Einwohner: 461.496
Bevölkerungsdichte: 2.257 Einwohner/km²
Website: http://www.antwerpen.be/
Bürgermeister: Patrick Janssens (sp.a)
Arbeitslosigkeit: 16,72%
Durchschnittseinkommen: 12.474 Euro/Einwohner

Antwerpen (veraltet deutsch: Antorf, franz.: Anvers) ist eine Hafenstadt in Belgien und Hauptstadt der Provinz Antwerpen. Der flämische Ort ist die größte Stadtgemeinde des Landes mit 461.496 Einwohnern (1. Januar 2006) und besitzt ein Bevölkerungswachstum von 0,3%. Die Gemeinde Antwerpen besteht aus den Distrikten Antwerpen, Berchem, Berendrecht-Zandvliet-Lillo, Borgerhout, Deurne, Ekeren, Hoboken, Merksem, und Wilrijk. Auch die Stadt Mortsel wird zur Agglomeration Antwerpen gerechnet.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Antwerpen liegt am Fluss Schelde, 88 km vor ihrer Mündung in die Nordsee und nahe der Grenze zu den Niederlanden. In südlicher Richtung von Antwerpen kommt man zur belgischen Hauptstadt Brüssel.

Geschichte

Auf dem Boden der Stadt Antwerpen lässt sich bereits ein gallo-römischer vicus nachweisen. Das belegen Funde von Ton- und Glasscherben aus dem 2. und 3. Jahrhundert n.Chr., die 1952–1961 bei Grabungen nahe der Schelde ans Licht kamen.

Im 7. Jahrhundert begann die Christianisierung. Urkundlich erwähnt wurde die Stadt erstmals 726. Im Jahr 836 wurde die Stadt von den Normannen verwüstet. Ende des 11. Jahrhunderts kam Antwerpen zum Herzogtum Brabant im Ostfrankenreich bzw. im Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation). Der Ort erhielt 1291 die Stadtrechte. Eine erste Blütezeit erlebte die flämisch-niederdeutsche Stadt im 14. Jahrhundert. Sie war dank des Hafens und des Tuchhandels ein führender Handelsplatz und ein Finanzzentrum Europas. 1315 wurde sie Hansestadt. Antwerpen fiel 1430 an Burgund, 1477 an Habsburg. In Antwerpen wurde „Niederdeutsch” gesprochen.

1556 setzte sich nach heftigen Kämpfen die Reformation wie in den gesamten spanischen Niederlanden durch. Im 16. Jahrhundert war die Stadt reichste Handelsstadt Europas. Durch die darauffolgenden Konflikte zwischen den Habsburgern und den vom Reich losgelösten Niederlanden folgte der Niedergang. 1585 eroberte der spanische Statthalter Alessandro Farnese Antwerpen. Alle protestantischen Einwohner mussten die Stadt verlassen. Ein weiterer Grund war eine Bestimmung des Westfälischen Friedens von 1648, dass die Schelde nicht mehr als Schifffahrtsweg genutzt werden durfte, was für den Handel der Stadt schwerwiegende Beeinträchtigungen brachte.

Seit 1863 erlebte Antwerpen – jetzt zum neuen Staat Belgien gehörend – einen erneuten Aufschwung als belgischer Hafen, das Schifffahrtsverbot fiel endgültig. Es wird militärisch zur Festung Antwerpen mit einem kompletten Gürtel von Forts ausgebaut, die als Reduit (Rückzugsbollwerk, innere Festung) dienen sollte. Davon existieren heute noch einige Bauwerke.

In Antwerpen fanden 1903 die ersten Gymnastik-Weltmeisterschaften statt. 1920 war Antwerpen Austragungsort der Olympischen Sommerspiele.

Während des Zweiten Weltkriegs war Belgien wie im ersten Weltkrieg Durchzugsgebiet zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich. Die Stadt wurde daher im Mai 1940 zuerst von der Deutschen Wehrmacht besetzt und im September 1944 von vorrückenden englischen Truppen befreit. Antwerpen war mit seinen intakt gebliebenen Hafenanlagen die Haupt-Nachschubbasis für die alliierten Streitkräfte und wurde deswegen neben London zu einem weiteren Hauptziel von V1-Flugbomben und V2-Raketen (7. Oktober 1944 bis 30. März 1945) sowie das Ziel der Ardennenoffensive (Dezember 1944 bis Februar 1945). Der Hafen wurde wegen der Zielungenauigkeit von V1 und V2 jedoch kaum bis gar nicht zerstört. Um so mehr hatte die Zivilbevölkerung Tote (je nach Quelle 3700 bis 7000) und Verletzte zu beklagen (ca. 6000). Die V-Waffen und die Ardennenoffensive verzögerten den Vormarsch der Alliierten. Als ergänzender Ausweichhafen wurde Gent ausgewählt. Der Terror, die Zerstörungen und die Massaker durch die V-Waffen (u.a. Einschläge von V2-Raketen auf belebte Kreuzungen, in der Innenstadt oder im Kino Rex) blieben der Bevölkerung in bleibender Erinnerung. Die alliierten Medien durften bis April 1945 nichts darüber berichten, während die NS-Propaganda jede abgeschossene V-Waffe gegen London und Antwerpen als Argument für einen Endsieg propagierte. Trotz der Kriegszerstörungen blieb das historische Stadtbild weitgehend erhalten.

Besonders die beträchtliche jüdische Bevölkerungsgruppe der Stadt war vom Hitlerischen Rassenwahn im Zweiten Weltkrieg betroffen. Heute ist die Stadt wieder ein großes Zentrum des orthodoxen Judentums in Europa.

1993 war Antwerpen Kulturhauptstadt Europas.

Name

Der Name Andauerpa verweist auf die aufgeworfenen Ufer an der Bucht (Scheldebucht).

Der Name stammt wahrscheinlich von "an de warp", deutsch für "an der Warft". Die ersten Siedler haben auf Warften gelebt (Begriff heute noch bei den Halligen bekannt), später hat man mangels Platz auf höher gelegenen Flächen "an der Warft" gesiedelt. Die "Handwerfer-Legende" ist nachträglich in die Welt gesetzt worden.

Dass der Name Antwerpen sinngemäß "Hand werfen" bedeutet und auf die Brabo-Legende zurück geht (siehe: Brabobrunnen), ist eine später im 15. Jahrhundert erfundene Geschichte. Eine lokale Spezialität, kleine Schokoladenhände namens Antwerpse Handjes, erinnert an diese Legende.

Das durch den heiligen Amandus genannte Caloes soll ein früherer Name von Antwerpen gewesen sein. Später wurde der südlich von Caloes gelegene Stadtteil, bei welchem sich die durch Norbert von Xanten in 1124 gestiftete Sankt-Michielsabtei befindet, unter dem Namen Kiel bekannt.

Der Name Antorf war ein (z.B. durch Albrecht Dürer) verwendetes, aber nun veraltetes Exonym.

Sehenswürdigkeiten

Kultur

Kunst und Lebenskunst

Die Stadt hat viele bekannte Künstler hervorgebracht, darunter die Maler Rubens, van Dyck, Jacob Jordaens, Jan Brueghel den Älteren und seinen Sohn Jan Brueghel den Jüngeren sowie den sehr bedeutenden Buchdrucker und Verleger Christoph Plantin (16. Jahrhundert), dessen Haus jetzt in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde und das Plantin-Moretus-Museum beinhaltet. In Antwerpen befinden sich zahlreiche kulturelle Einrichtungen, etwa die Oper oder das Rubensmuseum. Antwerpen ist für seine Lebenskunst bekannt. Durch seine historische Hafenlage entwickelte sich eine außerordentliche metropolische Vielseitigkeit der Gastronomie mit internationalen Einflüssen.

Besonders im Viertel Zuid findet man Kultur auf engstem Raum konzentriert. Dieses Ambiente hat dafür gesorgt, dass sich hier inzwischen eine reiche, talentierte Modekultur entwickelt hat, deren Mittelpunkt die Modeabteilung der Königlichen Akademie der Schönen Künste, um die sich neben vielen Schriftstellern und Künstlern auch viele gemütliche Bars angesiedelt haben, bildet. Das Paradepferd der Art Nouveau ist zweifellos das Viertel Zurenborg.

Religion

In Antwerpen befindet sich eine der größten jüdischen Gemeinden Europas, daher prägen Orthodoxe Juden in einigen Vierteln das Stadtbild. Die Stadt ist außerdem katholischer Bischofssitz.

Wirtschaft, Bildung und Verkehr

Diamanten

Traditionell gilt die Stadt als wichtigster Diamantenhandelsplatz der Welt. Neben vier Diamantenbörsen (die älteste und größte ist die Beurs voor Diamanthandel) haben sich etwa 1.600 Diamantenfirmen und ein Diamantenmuseum angesiedelt.

Waren es vor kurzem noch über 80 Prozent, so werden heute noch rund 60 Prozent aller Rohdiamanten in Antwerpen gehandelt, ein halbes Jahrtausend lang traditionell vor allem von jüdischen Händlern. In den letzten Jahren hat sich eine gewaltige Veränderung des Diamantenhandels ergeben. Jainistische Inder beherrschen 55 Prozent des weltweiten Diamantengeschäfts. Sie handeln zunehmend auch an anderen Orten, zum Beispiel in Dubai, wo der Handel steuerfrei ist. Dies fordern die Händler mittlerweile auch in Antwerpen, und die belgische Regierung plant eine Steueramnestie, mit der sie die für das Land so wichtigen Händler – Handel und Industrie des Diamantensektors beschäftigen immerhin 27.000 Menschen in der Stadt – davon abbringen will, die Stadt als Handelsplatz ganz zu verlassen.

Wissenschaft

In Antwerpen befindet sich die aus drei kleineren Universitäten hervorgegangene Universität Antwerpen und mehrerer wissenschaftliche Institute (z. B. Institut für Tropenmedizin).

Verkehr

Antwerpen besitzt eine Straßenbahn (siehe auch die Premetro Antwerpen). Außerdem führt eine Autobahnstrecke von Antwerpen über Eindhoven und Venlo bis zur Hafenstadt Duisburg. Der Hauptbahnhof von Antwerpen, ursprünglich ein Kopfbahnhof, wird langandauernden Umbauarbeiten unterworfen; dennoch bleibt das alte Hauptgebäude aus dem 19. Jahrhundert erhalten und wird in die Anbauten integriert. Täglich wird der Bahnhof von ca. 540 Zügen frequentiert.

Den Eisenbahngüterverkehr des Hafens mit dem weit über Belgien hinausreichenden Hinterland vermittelt der Rangierbahnhof Antwerpen-Noord, einer der größten in Europa. Ferner befinden sich in Antwerpen verschiedene Industriezweige, u. a. Fahrzeugbau und Erdölindustrie. Der Kennedy-Autobahntunnel verbindet die beiden Scheldeufer miteinander.

Hafen

Hauptartikel: Hafen von Antwerpen

Der Hafen der Stadt ist einer der größten der Welt und der zweitgrößte Europas nach Rotterdam. Über den Albert-Kanal besteht eine Verbindung zum Binnenhafen von Lüttich.

Politik

Antwerpen ist eine Hochburg des Vlaams Belang (hdt.: Flanderns Belange), die jedoch noch immer nur in der Opposition sind.

Städtepartnerschaften

Zusätzlich bestehen nicht besiegelte Partnerschaften mit:

Söhne und Töchter der Stadt

 Commons: Antwerpen – Bilder, Videos und Audiodateien

Siehe auch

 Wiktionary: Antwerpen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Koordinaten: 51° 13′ N, 4° 24′ O