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Konsens

Dieser Artikel erläutert die Bedeutung des Begriffs im Sinne von Übereinstimmung; zu anderen Bedeutungen siehe Konsens (Begriffsklärung).

Der Konsens (Betonung auf der zweiten Silbe; lat. consentire = übereinstimmen) bedeutet die Übereinstimmung von Menschen − meist innerhalb einer Gruppe − hinsichtlich einer gewissen Thematik ohne verdeckten oder offenen Widerspruch.

Das Gegenteil von Konsens ist der Dissens.

Inhaltsverzeichnis

Konsens in der politischen Theorie

In der politischen Theorie ist der Konsens zentrales Thema der Identitätstheorie, d. h. einer Vorstellung, die Dissens und Vielfalt in einer Gesellschaft als störend beschreiben. Solche Vorstellungen finden sich u. a. bei Platon, Jean-Jacques Rousseau („volonté générale“), Karl Marx oder Carl Schmitt. Demgegenüber steht die Pluralismustheorie (z. B. Ernst Fraenkel, Hannah Arendt) mit ihren Vorläufern von Aristoteles über John Locke („agree to disagree“) bis hin z. B. zu Immanuel Kant. Mit der Gefahr des Missbrauchs des Konsensverfahrens zur politischen Manipulation hat sich insbesondere Karl Popper („Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“) auseinandergesetzt.

Konsens im Rechtssystem

Der Konsens existiert als Gegenpart zum Dissens im Vertragsrecht. Damit ist die Übereinstimmung der Willenserklärungen beider Vertragspartner über die Punkte des Vertrages gemeint. Es besteht daher keine Problematik bei Entstehung als auch bei der Auslegung, wodurch der Vertrag rechtskräftig zustande gekommen ist. Da beim Konsens keine Probleme vorhanden sind, ist er nicht explizit im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Er wird als Normalzustand im Vertragsrecht angenommen.

Konsens in der technischen Normung

Konsens wird in der Normung definiert als "allgemeine Zustimmung, die durch das Fehlen aufrechterhaltenen Widerspruches gegen wesentliche Inhalte seitens irgendeines wichtigen Anteils der betroffenen Interessen und durch ein Verfahren gekennzeichnet ist, das versucht die Gesichtspunkte aller betroffenen Parteien zu berücksichtigen und alle Gegenargumente auszuräumen." (DIN EN 45020 Normung und damit zusammenhängende Tätigkeiten Allgemeine Begriffe)

Konsens als Ziel von Gruppenentscheidungen

Um einen Konsens zu erreichen, müssen in einer Gruppe alle die Gelegenheit haben, ihren Widerspruch gegen die Entscheidung zu äußern.

Das bedeutet noch nicht gleichzeitig eine erkennbar hohe Zufriedenheit der Beteiligten mit der Entscheidung. Denn Zufriedenheit bzw. Zustimmung sind nicht nur fehlender Widerstand, sondern völlig anders geartete psychische Qualitäten. Selbst in einer Einzelperson können Zustimmung und Ablehnung für eine Entscheidungsalternative gleichzeitig vorhanden sein: die Person kann durchaus ambivalent empfinden. Aus geringem oder nicht vorhandenem Widerstand auf eventuelle Zustimmung – oder umgekehrt – zu schließen, ist nicht möglich.

Dementsprechend wird bei Entscheidungen nach dem Konsensprinzip die Position der einzelnen Gruppenmitglieder zumeist noch genauer erfasst:

Inwieweit die einzelnen Gruppenmitglieder ihre Motive authentisch vertreten, kann von außen nur unzureichend beurteilt werden. Fehlende Aufrichtigkeit ist mit einem rudimentären Konsensbegriff durchaus vereinbar. Soll bei den Gruppenmitgliedern hinsichtlich der in Frage stehenden Thematik Aufrichtigkeit vorausgesetzt werden, dann ist dies eine Übereinstimmung, die zuvor ebenfalls im Konsens gefunden werden kann.

Unterschiede in den Entscheidungsverfahren

Entscheidungsverfahren, bei welchen alle Beteiligten gleich behandelt werden:


Entscheidungsverfahren bei unterschiedlicher Gewichtung der Beteiligten:

Dabei geht es zumeist weniger um Inhalte als um den Erhalt bzw. die Verschiebung der Gewichtungen unter den Beteiligten. Dies spiegelt sich dann auch oft unter den Resultaten:

 Wiktionary: Konsens – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Siehe auch

Literatur