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Kraichtal

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 49° 7′ N, 8° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Karlsruhe
Höhe: 177 m ü. NN
Fläche: 80,56 km²
Einwohner: 14.914 (31. Dez. 2006)[1]
Bevölkerungsdichte: 185 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76703 (alt: 7527)
Vorwahlen: 07250, 07251, 07258, 07259
Kfz-Kennzeichen: KA
Gemeindeschlüssel: 08 2 15 097
Stadtgliederung: 9 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Rathausstraße 30
76703 Kraichtal
Webpräsenz:
www.kraichtal.de
Bürgermeister: Ulrich Hintermayer (CDU)

Kraichtal ist eine Stadt im Nordosten des Landkreises Karlsruhe in Baden-Württemberg. Die nächstgrößeren Städte sind im Süden die frühere Amtsstadt Bretten, im Osten die Stadt Eppingen (Landkreis Heilbronn) und im Westen die ehemalige Kreisstadt Bruchsal. Die nächsten Großstädte sind Pforzheim, Karlsruhe und Heilbronn.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Stadt Kraichtal liegt im westlichen Kraichgau, einer Hügellandschaft zwischen Schwarzwald und Odenwald, sowie der Oberrheinischen Tiefebene und dem Neckar (bei Heilbronn). Das Stadtgebiet wird vom Kraichbach, gelegentlich auch „die Kraich“ genannt, durchflossen, der bei Sternenfels im Enzkreis entspringt, nach Eintritt in das Gebiet des Landkreises Karlsruhe zunächst Kürnbach und Flehingen durchfließt, anschließend die Kraichtaler Stadtteile Gochsheim, Münzesheim, Oberöwisheim und Unteröwisheim und dann mehrere Gemeinden des nördlichen Landkreises Karlsruhe und des südlichen Rhein-Neckar-Kreises und schließlich bei Ketsch in den Rhein mündet.

Nachbargemeinden

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Kraichtal, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt: Eppingen (Landkreis Heilbronn) sowie Zaisenhausen, Oberderdingen, Bretten, Bruchsal, Ubstadt-Weiher und Östringen (alle Landkreis Karlsruhe).

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet Kraichtals besteht aus neun Stadtteilen: Bahnbrücken, Gochsheim, Landshausen, Menzingen, Münzesheim, Neuenbürg, Oberacker, Oberöwisheim und Unteröwisheim. Zu einigen Stadtteilen gehören auch räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, so etwa die Waldmühle im Stadtteil Menzingen oder die Weierbachsiedlung zwischen Menzingen und Münzesheim.

Geschichte

Die Stadt Kraichtal entstand am 1. September 1971 durch Vereinigung der Städte Gochsheim (Baden) und Unteröwisheim sowie der Gemeinden Bahnbrücken, Landshausen, Menzingen (Baden), Münzesheim, Neuenbürg (Baden), Oberacker und Oberöwisheim, die mit Ausnahme von Landshausen damals alle zum Landkreis Bruchsal im Regierungsbezirk Nordbaden gehörten. Landshausen gehörte seinerzeit zum Landkreis Sinsheim und wurde damit zum 1. September 1971 in den Landkreis Bruchsal eingegliedert. Namensgeber der neuen Kommune wurde der Kraichbach, daher wurde anfangs auch der Name Kraichbachtal in Erwägung gezogen.

Durch die Stadtrechte von Gochsheim und Unteröwisheim wurde die Bezeichnung Stadt auf die neue Kommune übertragen, so dass eine Neuverleihung der Bezeichnung Stadt nicht erforderlich war. Der Stadtgründung vorausgegangen war die Vertragsunterzeichnung der neun Bürgermeister der ehemals selbständigen Gemeinden am 14. Juli 1971 in der Turnhalle in Münzesheim.

Die Stadt Kraichtal hatte bei ihrer Gründung ca. 12.600 Einwohner. Sie erhielt die neue Postleitzahl 7527. Mit der Kreisreform zum 1. Januar 1973 kam die Stadt Kraichtal mit dem gesamten Landkreis Bruchsal zum Landkreis Karlsruhe.

Im Januar 1977 wurde das neu erbaute Rathaus der Stadt Kraichtal im Stadtteil Münzesheim bezogen. Zuvor waren die städtischen Ämter in den Rathäusern der früheren Gemeinden untergebracht. Die feierliche Einweihung des Rathauses erfolgt am 18. Mai 1977 mit einem Tag der offenen Tür.

Religionen

Die Bevölkerung Kraichtals ist mehrheitlich evangelisch, da die meisten Stadtteile früher zu Württemberg gehörten und von dort ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Seit 1806 gehören die Orte zum Großherzogtum, später Freistaat Baden und kamen mit diesem 1952 zu Baden-Württemberg. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts gehören die evangelischen Kirchengemeinden zum Kirchenbezirk Bretten der Evangelischen Landeskirche in Baden. Es sind dies die Kirchengemeinden Bahnbrücken, Gochsheim (Baden), Menzingen (Baden), Münzesheim, Oberacker, Oberöwisheim und Unteröwisheim. Daneben gibt es auch Bewohner, die Glieder einer Freikirche sind. Hierzu gehören die Evangelisch-methodistische Kirche (mit Kirchen in Menzingen, Münzesheim und Unteröwisheim) und die Christliche Gemeinschaft Gochsheim, die zum Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV) gehört. Ferner ist auch die Liebenzeller Gemeinschaft in Oberöwisheim und Unteröwisheim ansässig. Auch die Neuapostolische Kirche ist im Stadtteil Unteröwisheim vertreten.

Römisch-katholische Kirchengemeinden gibt es in den ehemals zum Fürstbistum Speyer, seit 1803/06 zum Großherzogtum Baden und somit zur späteren Erzdiözese Freiburg gehörigen Orten Landshausen (später mit Filiale Menzingen), Neuenbürg (Baden) und Oberöwisheim sowie in Münzesheim, wobei die letzt genannte Kirchengemeinde relativ jung ist. Sie alle bilden zusammen mit der Kirchengemeinde Elsenz (Stadt Eppingen) die Seelsorgeeinheit Elsenz-Kraichtal.

Politik

Die Stadt Kraichtal wird wie alle Kommunen in Baden-Württemberg von einem Gemeinderat und einem Bürgermeister verwaltet. Der Gemeinderat wird von der Bevölkerung auf fünf Jahre, der Bürgermeister auf acht Jahre gewählt.

Bürgermeister

Der erste Bürgermeister der jungen Stadt war Berthold Zimmermann. Dieser wurde am 12. Dezember 1971 im 2. Wahlgang gewählt und trat sein neues Amt am 14. Februar 1972 an. Nach 16 Amtsjahren verzichtete Zimmermann auf eine weitere Kandidatur. Daher wurde am 13. Dezember 1987 Horst Kochendörfer als neuer Bürgermeister der Stadt Kraichtal gewählt. Er trat am 13. Februar 1988 sein Amt an und wurde nach 8 Jahren für eine zweite und nach 16 Jahren (2003) für eine dritte Amtsperiode wiedergewählt, die eigentlich erst im Frühjahr 2012 endet. Völlig unerwartet verstarb Bürgermeister Kochendörfer jedoch am 27. November 2004 nach kurzer Krankheit. Eine vorgezogene Neuwahl war deshalb notwendig geworden. Unter insgesamt zehn Bewerbern wurde schließlich am 20. März 2005 beim zweiten Wahlgang der bis dato amtierende Bürgermeister der Gemeinde Illingen (Württemberg) Ulrich Hintermayer zum neuen Bürgermeister gewählt. Bis zu dessen Amtseinführung am 4. Mai 2005 führte Bürgermeister-Stellvertreter, Gemeinderat Bernward Hemberger, die Amtsgeschäfte.

Stadtrat

Die Stadtratswahl am 13. Juni 2004 brachte folgendes Ergebnis:

Wappen

Das Wappen der Stadt Kraichtal zeigt in Gold einen rotbewehrten und rot bezungten schwarzen Doppeladler, belegt mit einem silbernen Brustschild, darin eine neunblättrige, grünbesaumte rote Rose mit grünen Kelchblättern. Die Stadtflagge ist Rot – Weiß. Das Wappen wurde der Stadt am 12. Januar 1973 durch das Innenministerium Baden-Württemberg verliehen.

Der Kraichgau war einst die am meisten von kleineren ritterschaftlichen Adelsherrschaften bestimmte Landschaft. Die Reichsritterschaft des Kraichgaus war seit dem Ende des Mittelalters im Ritterkanton Kraichgau zusammengeschlossen. Dieser Kanton führte den doppelköpfigen Reichsadler mit einem Brustschild, der einen Esel als Zeichen der mittelalterlichen Turniergesellschaft „Mit dem Esel“ enthält. Dieses Wappen diente als Grundlage für das neue Wappen der Stadt Kraichtal. An die Stelle des Esels wurde die ebersteinische Rose gesetzt. Die Grafen von Eberstein, eine der bedeutendsten Familien im mittelbadischen Raum, hatten im hohen Mittelalter Besitz, Rechte oder die Lehnshoheit in sieben der heute zur Stadt Kraichtal gehörenden Orte.

Die Stadtteile Gochsheim und Oberacker führten bereits die Rose in ihren Wappen. Im Hinblick auf die Zahl der Stadtteile wurde die eigentlich fünfblättrige Rose in eine neunblättrige Rose umgewandelt. Die Stadtfarben Rot-Weiß leiten sich aus dem Brustschild ab, Bild (rote Rose) vor Feld (silber = weiß).

Städtepartnerschaften

Die Stadt hat keine offiziellen Städtepartnerschaften. Doch bestehen freundschaftliche Beziehungen zur etwa 4.300 Einwohner zählenden Gemeinde Menzingen im Kanton Zug in der Schweiz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten

Museen

Kirchen

Durch das Vorhandensein von neun Stadtteilen mit langer eigener Geschichte gibt es zahlreiche, teils historische Kirchengebäude in Kraichtal, oft auch mit historischen Pfarrhäusern.

Regelmäßige Veranstaltungen

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Stadtteile Kraichtals waren lange Zeit überwiegend von der Landwirtschaft geprägt. Heute werden die Felder nur noch von sehr wenigen Landwirten bewirtschaftet. Kraichtal ist Wohngemeinde für Pendler in die umliegenden Städte und Gemeinden (Bruchsal, Karlsruhe, Bretten, Oberderdingen und Östringen). Mittelständische Industriebetriebe in Kraichtal sind insbesondere in den Stadtteilen Münzesheim und Menzingen.

Verkehr

Durch die Stadt führen weder Autobahnen noch Bundesstraßen. Das Stadtgebiet wird daher nur durch Landesstraßen und Kreisstraßen erschlossen. Die nächsten Autobahnanschlüsse sind Bruchsal (ca. 17 km) auf die Bundesautobahn A 5 (Karlsruhe-Frankfurt), Sinsheim bzw. Sinsheim-Steinsfurt (ca. 24 km) auf die A 6 (Mannheim-Heilbronn) und Pforzheim-Nord (ca. 30 km) auf die A 8 (Karlsruhe-Stuttgart).

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wird vor allem durch die Kraichtalbahn (von Menzingen nach Bruchsal) bedient, auf der die S32 nach Karlsruhe verkehrt. Mit dieser Linie erreicht man in ca. 30–40 Minuten den Hauptbahnhof in Karlsruhe. Bahnhöfe bzw. Haltestellen im Stadtgebiet sind Menzingen, Bahnbrücken, Gochsheim, Münzesheim-Ost, Münzesheim (Bahnhof), Oberöwisheim, Unteröwisheim (Bahnhof) und Unteröwisheim (Martin-Luther-Straße). In den Stadtteilen Landshausen, Neuenbürg und Oberacker gibt es Zubringer-Buslinien. Um das Konzept des Mischverkehrs bei der Errichtung der ICE-Neubaustrecke Mannheim–Stuttgart zu ermöglichen, wurde u. a. hier der Bahnhof als evtl. Betriebs- und Überholbahnhof eingeplant.

Bildung

In Münzesheim gibt es mit der Markgrafen-Schule eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Außerdem besteht dort auch eine Förderschule. Mit der Eisenhut-Schule hat auch Unteröwisheim eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Reine Grundschulen gibt es in Gochsheim (Graf-Eberstein-Schule), Landshausen, Menzingen und Oberöwisheim (Burggarten-Schule)

Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Stadt Kraichtal ist eine öffentlich-rechtliche Feuerwehr. In ihr sind die Abteilungen der neun Stadtteile zusammengefasst. Die Feuerwehr ist integriert in den Kreisfeuerwehrverband Landkreis Karlsruhe, ein Zusammenschluss aller Werk-, Betriebs- und Freiwilliger Feuerwehren im Landkreis.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Abteilung Menzingen. Zusammen mit Fachpersonal der Abteilung Münzesheim ist die Abteilung Bestandteil im Gefahrgutzug Karlsruhe Land-Nord, der sich des weiteren aus dem ABC-Zug Bretten, der Feuerwehr Karlsdorf-Neuthard, der Landesfeuerwehrschule Bruchsal und dem Kreisbrandmeister zusammensetzt.

Aus diesem Grund sind, neben der schon sehr umfangreichen Ausstattung auf dem in Menzingen stationierten Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF 20/16, Chemikalienschutzanzüge (CSA), Messgeräte und umfangreiches Nachschlagewerk (Hommel), speziell für den Gefahrguteinsatz untergebracht.

Die neun Stadtteilwehren sind entsprechend der Ausrückebereiche in Zug West, Mitte und Ost aufgeteilt. Zug West setzt sich aus den Wehren Unteröwisheim, Oberöwisheim und Neuenbürg zusammen. Mitte aus Münzesheim, Gochsheim und Oberacker. Menzingen, Bahnbrücken und Landshausen bildet den Zug Ost.

Im Alarmcode Rettungssatz sind die Abteilungen Menzingen und Unteröwisheim zusammengefasst und kommen bei Verkehrsunfällen und Einsätzen technischer Hilfeleistung im gesamten Stadtgebiet zum Einsatz. Im Ausrückebereich von Zug Mitte sind unter anderem Industriebetriebe angesiedelt. Mit der umfangreichen Ausstattung und Vorhaltung von Sonderlöschmitteln (Pulver, CO2 und Schaum) auf diversen Anhängern ist hier der Schwerpunkt Brandbekämpfung fokussiert.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Am 26. August 1978 wurde die bereits 1971 von der damaligen Stadt Gochsheim verliehene Ehrenbürgerwürde an den Heimat- und Familienforscher Rudolf Herzer auf die Stadt Kraichtal übertragen. Herzer war damit der erste Ehrenbürger Kraichtals. Anlässlich seines 100. Geburtstages und 15. Todestages wurde im Dezember 2005 der Platz vor den beiden Museen im Stadtteil Gochsheim nach Rudolf Herzer benannt. Herzer war seit 1983 auch Träger des Bundesverdienstkreuzes und der städtischen Verdienstmedaille. Er gab unter anderem 1968 das „Ortssippenbuch Gochsheim“ heraus und war auch Mitverfasser des „Ortsippenbuchs Oberacker“.

Söhne und Töchter der Stadt

Unteröwisheim:

Gochsheim:

Münzesheim:

Oberacker:

Literatur zu Kraichtal

  1. Einwohnerzahlen
  2. Günther Mahal: Fragen an einen lustigen Namens-Träger. Der Maulbronner Abt Johann Entenfuß, ein „Collega“ des historischen [Johann Georg] Faust? In: Suevica 9 (2001/2002). Stuttgart 2004 [2005], S. 33–42.
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