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Euphemismus

Der Euphemismus (deutsch auch: Hehlwort, Hüllwort, Beschönigung, Verbrämung) (latinisierte Form des griechischen ευφημισμός, von altgriechisch euphemi „schönreden, beschönigen“) bezeichnet Wörter oder Formulierungen, die einen Sachverhalt beschönigend, verhüllend oder verschleiernd darstellen. Euphemistische Begriffe können wegen ihres verharmlosenden Charakters auch einen sarkastischen Unterton haben.

Das Gegenteil dieses Stilmittels ist die negativ konnotierte Bezeichnung (Pejoration) eines Ausdrucks, der Dysphemismus.

Inhaltsverzeichnis

Beispiele für Euphemismen

Euphemismus-Tretmühle und Wortuntergang

Die linguistische Theorie der Euphemismus-Tretmühle besagt, dass jeder Euphemismus, obwohl er sich im Gebrauch durchgesetzt hat, um einem Sachverhalt eine positiv anklingende Bedeutung zu geben, irgendwann die negativen Konnotationen seines Vorgängerausdrucks annimmt. Ein Euphemismus wird dann häufig als Ironie oder Zynismus aufgefasst und wird in der Folge oft durch einen neuen Euphemismus abgelöst (Wortuntergang).

Heute nutzt niemand mehr „erkennen“ für „begatten“, „Privet“ für „Toilette“, „verewigt“ für „gestorben“ und „Valant“ für den Teufel. Ein Teil der Wörter ist allerdings noch bekannt, zum Beispiel „Valant“ in der Form „Voland“ als Name des Teufels in Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow. Die Redewendungen „im Krieg bleiben“ oder „fallen“ für „als Soldat im Krieg getötet werden“ werden hingegen nach wie vor verwendet, ebenso „Behinderter“ statt früher „Krüppel“ und „Invalider“. Der Plural „Behinderte“ wird zunehmend durch „Menschen mit Behinderungen“ ersetzt.

Doppelsprech

Synonyme für Euphemismus sind das englische Kunstwort „Doublespeak“ und seine deutsche Entsprechung „Doppelsprech“. Als Urheber des Begriffs „Doublespeak“ wird zuweilen irrtümlich George Orwell mit seinem Roman 1984 vermutet. Richtig ist hingegen, dass Orwell die Begriffe „Newspeak“ (deutsch „Neusprech“), „Oldspeak“ (deutsch „Altsprech“) und „Doublethink“ (deutsch „Doppeldenk“) schuf und bereits 1948 im Roman verwendete.

Der Begriff „Doublespeak“ kommt in Orwells Roman nicht vor und trat erst Anfang der 1950er Jahre auf. Es liegt daher nahe, dass diese Wortbildung von Orwells Wortschöpfungen inspiriert war.

Literatur

Siehe auch

 Wiktionary: Euphemismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik