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MAN gl

Der MAN gl oder auch MAN mil gl ist eine militärische Sonderentwicklung geländegängiger Lastkraftwagen für die Bundeswehr.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Im Jahr 1962 plante die Bundeswehr ihren Fuhrpark aus der Aufbauzeit zu ersetzen. Gefordert waren zwei-, drei- und vierachsige Fahrzeuge in der Nutzlastklasse 4 t bis 10 t mit Schwimmfähigkeit. Aufgrund des hohen Teils an Neuentwicklung sah sich das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) nicht in der Lage, die technische Verantwortung für eine Entscheidung zu übernehmen, und empfahl den teilnehmenden Firmen die Gründung eines Gemeinschaftsbüros (GB) sowie die Einigung auf ein Projekt.

Zwei Jahre später im Jahr 1964 bildete sich das Gemeinschaftsbüro der deutschen Nutzfahrzeugindustrie unter der Führung von MAN. Die Firmen Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD), Büssing, Krupp und Henschel waren ebenfalls am Projekt beteiligt.

Am 12. August 1964 erstellte das BWB die Forderungen für die 2. Generation. Die Spezifikationen für die sogenannte Folgegeneration waren weitgehend handelsübliche Fahrzeuge, uneingeschränkte Geländegängigkeit, schwimmfähig, permanenter Allradantrieb, Niederdruckreifen mit Notlaufeigenschaften, Stahlfahrerhaus, ABC-dicht, Vielstoffmotor und eine minimale Einsatzdauer von 10 Jahren.

Aufgrund zu hoher Beschaffungskosten und des neuen NATO-Standards wurden Schwimm-, ABC- und Vielstofffähigkeit sowie die Niederdruckreifen gestrichen und eine neue Forderung definiert. So wurde die Nutzlast für den Zweiachser auf 5 t gesteigert, die Wattiefe auf 1200 mm gesetzt, die Ladeflächehöhe auf 1650 mm angehoben, Deutz V8-Motoren mit und ohne Turboaufladung sowie Reifen mit einer Größe von 14.00 R 20 festgelegt. Diese so „abgespeckte“ Variante war allerdings noch immer zu teuer, um sie flächendeckend einzuführen. Nach weiteren Prüfungen teilte man das Projekt in handelsübliche Kraftfahrzeuge und militärische Sonderentwicklungen, sowie je nach Geländegängigkeit in 6 Kategorien.

Am 4. Dezember 1975 unterschrieb die Bundeswehr mit MAN den Serienvertrag über die Lieferung von den nun nochmals in 2 Kategorien unterteilten militärischen Sonderentwicklungen. So erfolgte am 29. November 1976 die Auslieferung des ersten Kategorie I MAN, des 10 t mil gl.

Allgemein

Die MAN-Serie, eingeführt unter der Bezeichnung mil gl (für militarisiert geländegängig), befindet sich in allen Teilstreitkräften der Bundeswehr im Einsatz. Die Militarisierung umfasst dabei einen von der normalen Beleuchtung getrennten Tarnlichtkreis (Tarnlichtscheinwerfer vorn, Tarnrück- und Bremsleuchte sowie das Leitkreuz), militärische Anordnung der Instrumentierung mit Tarnmöglichkeit, einen Not-Aus-Schalter zum Abschalten der Stromversorgung, eine Dachluke mit Drehringlafette und Gewehrhalterungen. Die Fahrzeuge zählen zur Kategorie I (KAT I) der militärischen Sonderentwicklungen und sind somit voll geländegängig. Die Fahrzeuge der Nutzlastklasse 5 t, 7 t, 10 t KAT I gehören zur 2. Generation (Folgegeneration) und mit der Kennung KAT I A1 zur erweiterten Folgegeneration, darunter auch die 15 t-Version. Fahrzeuge der KAT I Generation wurden Mitte der 90er Jahre einer Hauptinstandsetzung unterzogen, um ihre Lebensdauer nochmals um 10 Jahre zu verlängern.

Fahrzeuge der Kategorie I A1.1 (KAT I A1.1) wie der 15 t mil gl „MULTI“ gehören zur sogenannten 3. Generation und sind Weiterentwicklungen, gehören aber noch immer zu den militärischen Sonderentwicklungen.

Vielfach sind die Fahrzeuge unter dem Begriff „5-, 7-, 10-, 15-Tonner“ bekannt, dies bezeichnet die militärische Nutzlastklasse (max. Zuladung) und die Umgangssprache in der Bundeswehr für einen LKW.

Aufbau

Alle LKW der Serie sind im Baukastensystem aufgebaut. So bestehen alle Fahrzeuge aus einem verwindungsarmen Kastenrahmen mit hochbeweglichen Achsen, die über Schraubenfedern mit dem Rahmen verbunden sind. Der Motor sitzt im Frontlenkerfahrerhaus, das durch eine Zwischenwand in Fahrer- und Motorraum geteilt wird. Als Besonderheit ist der Motor hinter dem Fahrerraum eingebaut und nicht wie bei anderen Frontlenkern darunter. Dadurch konnte eine Höhe über Führerhaus von knapp 2,9m realisiert werden, was die Verladung auf Standard-Eisenbahnwaggons ermöglicht. Um das Lichtraumprofil der Eisenbahn einzuhalten wurden die oberen Kanten des Fahrerhauses charakteristisch abgeschrägt. Da die Fahrzeuge der ersten Baureihe noch auf den schwimmfähigen Prototypen basieren ist deren Fahrerhaus nicht für Wartungszwecke kippbar. Dies wurde erst mit der zweiten Baureihe Mitte der 80er Jahre eingeführt. Der Motor gibt seine Leistung über Wandler-Schaltkupplung, Schaltgetriebe und das Verteilergetriebe auf die Vorder- und Hinterachse ab. In der ersten Baureihe KAT I bilden diese 3 Komponenten eine Einheit und sind somit ein Sonderbauteil. Für die späteren Baureihen KAT I A1 werden günstigere Großserienteile aus der laufenden LKW Produktion verwendet. Damit ließ sich auch die Anzahl der Gänge von 6 auf 16 erhöhen, was die theoretische Höchstgeschwindigkeit von 90 auf ca. 130 km/h steigert. Bei der üblicherweise gefahrenen Geschwindigkeit von 80 km/h reduziert sich somit die Motordrehzahl erheblich, was den Kraftstoffverbrauch senkt. Die Bordnetzspannung beträgt 24 V und entspricht so dem Standard in der Bundeswehr. Eine Besonderheit ist die Anhängerkupplung. Im Gegensatz zu einem zivilen Fahrzeug verfügt der MAN mil gl wie jeder Bundeswehr-LKW über eine Hakenkupplung oder auch „Nato-Kupplung“ genannt. Diese ermöglicht den Anhängerbetrieb auch in schwerem Gelände, erfordert aber den Einsatz von Anhängern mit passender Zugöse. Da der MAN mil gl schon über die neuere, automatisch schließende, Version der Hakenkupplung verfügt, kann sie bei ziviler Zulassung des Fahrzeugs uneingeschränkt weiterbenutzt werden, sofern die Anhänger mit entsprechender Zugöse ausgerüstet sind.

Zur Selbstverteidigung verfügen die Fahrzeuge über ein auf Drehringlafette montiertes Maschinengewehr MG3.

Im Rahmen der Auslandseinsätze wurde einige Fahrzeuge zusätzlich mit einer modularen Schutzausstattung (MSA) gepanzert, um den Schutz der Besatzung zu erhöhen. Neubauten der Generation 3 verfügen dagegen je nach Modell über eine sogenannte Fahrzeugschutzausstattung (FSA). Im Gegensatz zu MSA erhalten die Fahrzeuge wie beim ATF Dingo bereits während der Fertigung eine Schutzzelle und sind entsprechend darauf abgestimmt.

Varianten (2. Generation)

LKW 5 t mil gl. KAT I und KAT I A1 (4x4)

Angetrieben von einem Deutz V8 Dieselmotor F8L413F mit 256 PS wurden 1976 bis 1985 2 Varianten (Typ 451, 461) eingeführt. Hauptsächlich dienten diese Fahrzeuge als Pritschenlastkraftwagen mit und ohne Plane für Personen- und Materialtransport, als Trägerfahrzeug für die Kabine II, als Träger des Feuerleitsystem (FERA) des leichten Artillerie-Raketen-Systems (LARS) und als Bergefahrzeug mit 1 t Kran der Firma Atlas-Weyhausen für das Kleinfluggerät KZO „Brevel“.

Eine Besonderheit bilden die „Spritbomber“ auf Basis des 5 t mil gl. Durch den Tankaufsatz (TA) mit Pumpe in der Konfiguration 4600 l und 2x 2300 l, überschreiten die Fahrzeuge das zulässige Gesamtgewicht um eine Tonne. Aufgrund von Tests und mit Zustimmung des Reifenherstellers erhöhte man den Reifendruck, um dies zu kompensieren. Alle Fahrzeuge besitzen darüber hinaus eine Ausnahmegenehmigung.

Ein Teil der LKW Typ 461 wurden mit einer 30 m Seilwinde der Fa. Rotzler ausgestattet und tragen zusätzlich ein kleines »w« im Namen, die Bezeichnung lautet dann 5 t mil glw. Die Zuglast der Seilwinde beträgt 5 t und das Seil kann jeweils nach vorne oder hinten gelegt werden. Die 2073 Fahrzeuge mit Winde gingen fast ausschließlich an das Heer.

In den Jahren 1986 bis 1993 hatte die Luftwaffe erneut Bedarf. Bei den Fahrzeugen der mit der Bezeichnung KAT I A1 eingeführten Folgegeneration des 5 t mil gl wurden die Mängel der ersten Version beseitigt und leichte Veränderungen vorgenommen. So wurde das feste Fahrerhaus modifiziert, um Motorwechsel zu beschleunigen. Aufgrund der Forderung zur Luftverladbarkeit in einer C-130 Hercules oder C-160 Transall erhielt das Fahrerhaus ebenfalls ein abschraubbares Hardtop.

LKW 7 t mil gl. KAT I und KAT I A1 (6x6)

Die LKW mit Nutzlast 7 t bilden das 2. Fahrzeug der MAN Familie der 2. Generation. Angetrieben von einem stärkeren, luftgekühlten 320 PS Deutz Motor mit Abgasturbolader und Ladeluftkühlung entsprechen sie im Aufbau dem 5 Tonner. Der Antrieb der zweiten Hinterachse erfolgt über einen Durchtrieb an der ersten Hinterachse.

Insgesamt fertigte MAN in den Jahren 1977 bis 1985 in der KAT I Version 5 Typen. Die Typen 452, 462 mit Seilwinde und 463 dienten als Pritschenfahrzeug, Geräteträger für die Aufklärungsdrohne CL289, als Geräteträger für das leichte Artillerie Raketen System (LARS) sowie bei den Pioniereinheiten als Zugmittel für den Minenverleger 85 (MiV85) und den dreiachsigen Flachbettanhänger 15 t. In der Version 453 baute MAN einen Dreiseitenkipper mit Seilwinde für die Pioniere und ein Containertransportfahrzeug für die Sanitäter. Der letzte Typ der Folgegeneration war ein Geräteträger für die Faltschwimmbrücken. Ausgerüstet mit einem Flachbett und verlängertem Radstand kann dieser Typ 455 alle Teile der Brücke und das Motorboot 3 tragen. Wie auch der Typ 462 verfügt dieses Fahrzeug über eine 5 t Seilwinde.

Insgesamt fertigte MAN 3500 Fahrzeuge der 7 Tonnen Klasse in der Version KAT I.

Wie auch beim 5-Tonner meldete die Luftwaffe zu Beginn der achtziger erneut Bedarf an. In den Jahren 1986 bis 1993 lieferte MAN Fahrzeuge in der verbesserten KAT I A1 Version für Patriot Flugabwehrraketensystem. Neben der Funktion als Trägerfahrzeug für die Feuerleit- und Kampfführungsanlage wurde auf dem LKW ebenfalls die Stromerzeugungsanlage 2x 150kW und die Antennenmastgruppe verlastet.

LKW 10 t mil gl. KAT I (8x8)

Der vierachsige LKW bildet den Abschluss der KAT I Familie. Ausgerüstet mit einem 320-PS-Deutz-Motor, Abgasturbolader und Ladeluftkühlung wird dieser LKW von den Versorgungseinheiten der Divisionen, Brigaden und Korpsverbänden des Heeres eingesetzt. Durch die verlängerte Ladefläche wird dieses Fahrzeug für den Transport von Mengenverbrauchsgütern wie Munition und Kraftstoff genutzt und dient der Versorgung der Kampfeinheiten. MAN baute in den Jahren 1976 bis 1985 zwei Versionen. Typ 454 verfügte nur über eine 5 t Seilwinde der Firma Rotzler und war auf Umschlaggeräte wie Gabelstapler angewiesen. Dagegen verfügte der Typ 464 über einen 1-t-Ladekran der Firma Atlas-Weyhausen, montiert auf der linken Seite der Ladenflächenmitte. Bedingt durch den Ladekran kann dieser Typ nur 9 Europoolpaletten laden.

Auf Basis des 10 t mil gl und glw wurden die LKW der erweiterten Folgegeneration KAT I A1 sowie die Folgegeneration 3 wie das Wechselladersystem MULTI entwickelt.

LKW 15 t mil gl KAT I A1 (8x8)

Anfang der Achtziger lieferte MAN verbesserte Fahrzeuge der KAT I A1 Version als Trägerfahrzeug der 15 t-Klasse an die Luftwaffe. Umgebaut auf eine größere Spurweite von 2900 mm dienen diese Fahrzeuge mit der Bezeichnung 15 t mil gl BR A1 als Geräteträger und Startsystem für die Waffensysteme Roland und Patriot. Als Lenkflugkörpertransporter wird ein herkömmliches Fahrgestell mit Pritschenaufbau verwendet, das um einen Anbaudrehkran 2,5t der Firma Atlas erweitert wurde.

Angetrieben wird der vierachsige LKW von einem Deutz 8 Zylinder Dieselmotor mit 360 PS. Diese werden durch einen Abgasturbolader und Ladeluftkühler erreicht. Wie auch die 5, 7 und 10 t Klasse verfügt er zum Teil über eine Seilwinde der Firma Rotzler.

Mit der Einführung des Artillerieortungsradar COBRA am 19. Januar 2006 verwendet auch dieses System freigewordene Fahrgestelle der KAT I A1 Generation.

3. Generation

Die Fahrzeuge der Generation 3 sind Weiterentwicklungen der MAN gl Familie und gehören zum Konzept Transport- und Sonderkraftfahrzeuge der Bundeswehr. Sie gehören zur Kategorie I und erfüllen die neu definierte Mobiliätsstufe A. Diese fordert uneingeschränkte Geländegangigkeit auf schweren und feuchten Böden, die Möglichkeit, den Kampffahrzeugen zu folgen, sowie eine Wattiefe von 1.20 m. Zivil tragen sie die Bezeichnung SX (hochgeländegängig, schraubengefedert) und HX (bedingt geländegängig, blattgefedert).

Wie auch bei den Fahrzeugen der Generation 2, sind diese im Baukastensystem aufgebaut. Um Kosten zu sparen, wurden alte Teile der Vorgänger weiter verwendet und verbessert, aber auch Neuentwicklungen verbaut. Modifikationen wurden am Fahrerhaus vorgenommen, aber auch die Bremsanlage wurde durch das Hinzufügen eines Retarders verbessert.

Die Beschaffung der Fahrzeuge bei der Bundeswehr erfolgt auftragsbezogen und nicht wie geplant im Austausch „alt gegen neu“.

Varianten

Beschafft wurde die Generation 3 bei der Bundeswehr in den Nutzlastklassen 7 und 15 t. Angetrieben werden beide Fahrzeuge von einem 400 PS 6 Zylinder MAN D 2866 LF in den Schadstoffklassen Euro 1 und 2. Der 7 Tonner dient dabei als Trägerfahrzeug der Richtfunkanlagen AUTOFUE des FM Nachrichtendienstes der Luftwaffe, Trägerfahrzeug der Richtfunkanlagen des Flugabwehrsystems HAWK sowie als luftverladbare Variante des Waffensystem Roland.

Die Fahrzeuge der 15 t Klasse werden als Berge- und Abschleppfahrzeug (BKF 30.40), Wechselladersystem MULTI, sowie als Verleger und Transporter der Faltfestbrücke eingesetzt. Ein ebenfalls auf diesem Fahrgestell geplantes Brunnenbohrgerät für die Pioniere der Bundeswehr wurde nicht eingeführt. Der Prototyp ging an die Niederlande.

Nutzer

Neben der Bundeswehr und dem deutschen Technischen Hilfswerk (THW) nutzen noch andere Streitkräfte, Organisationen und Staaten in verschiedenen Varianten den MAN gl. So befindet sich bei den britischen Streitkräften unter der Baureihe HX und SX, Varianten in der Nutzlastklassen 5 bis 15 Tonnen im Einsatz. Weitere Nutzer der Familie sind Luxemburg, Griechenland und unter der Bezeichnung ÖAF ("S-LKW"), das Bundesheer von Österreich.

Ebenfalls entwickelte MAN für die amerikanischen Streitkräfte Zugmaschinen auf Basis des MAN gl für ihre Auflieger der Mittelstreckenrakete Pershing. Als Basis diente das KAT I-Konzept der Bundeswehr, jedoch wurde dies von den USA als unzureichend zurückgewiesen. Daraufhin modifizierte MAN die Fahrzeuge und verbaute einen wassergekühlten V10-Motor, größere 16.00"-Reifen und einen Motortunnel inklusive Kühlergrill. Diese so geänderten Fahrzeuge erhielten von MAN die Bezeichnung KAT 2, unabhängig zu der Kategorieeinordnung der Bundeswehr.

Literatur