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Ergativsprache

Sprachtypologie

Morphologische Typologie

Morphosyntaktische Ausrichtung

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Ergativsprachen sind dadurch charakterisiert, wie in ihnen die Argumente des Verbs (Subjekt und Objekt) gekennzeichnet werden. Sie unterscheiden sich darin von Akkusativsprachen.

Inhaltsverzeichnis

Morphologische Ergativität

Ergative Sprachen verwenden für das Subjekt eines intransitiven Verbs und das Patiens eines transitiven Verbs denselben grammatikalischen Fall, der Absolutiv genannt wird und insofern dem Nominativ in Akkusativsprachen entspricht, als er meistens unmarkiert bleibt. Für das Agens von transitiven Verben wird ein anderer Fall verwendet, nämlich der Ergativ.

Ein Beispiel für Ergativität im Baskischen:

Ume-a erori da.
Kind-def.abs.sg fallen-prf.3sg
Das Kind ist hingefallen.
Emakume-ak gizon-a ikusi du.
Frau-def.erg.sg Mann-def.abs.sg sehen-prf.3sg
Die Frau hat den Mann gesehen.

Schema

  Agens Patiens
transitiv Ergativ Absolutiv
intransitiv Absolutiv --

Ergativische Konstruktion und Nominativ-Akkusativ-Konstruktion im Vergleich:

Transitiv
Subjekt (Agens)
Transitiv
Objekt (Patiens)
Intransitiv
Subjekt
Ergativ-Absolutiv-Schema Ergativ Absolutiv Absolutiv
Nominativ-Akkusativ-Schema Nominativ Akkusativ Nominativ

Bekannte Ergativsprachen sind Baskisch, Sumerisch, Burushaski, Dyirbal (eine australische Sprache), Zazaisch und Tibetisch.

Einige indoarische Sprachen wie Paschtu (in Afghanistan), Hindi, Kurmandschi haben in den Zeiten der Präsensgruppe Akkusativkonstruktion, in denen der Perfektgruppe dagegen Ergativkonstruktion.

Syntaktische Ergativität

Einige Sprachen, die über morphologische Ergativität verfügen, weisen zusätzlich syntaktische Ergativität auf.

In Ergativsprachen ohne syntaktische Ergativität ist – genau wie in Akkusativsprachen – das Subjekt stets das Agens transitiver Verben und das einzige Argument intransitiver Verben. In Sprachen mit syntaktischer Ergativität hingegen ist das Subjekt das Argument, das im Absolutiv steht, also das Patiens transitiver und das einzige Argument intransitiver Verben. Meistens jedoch tritt syntaktische Ergativität nur in einigen Konstruktionen auf, in den übrigen verhält sich die Sprache akkusativisch.

Sichtbar wird syntaktische Ergativität zum Beispiel bei der Topikverknüpfung:

Ergative Sprachen folgern auf ein fehlendes Argument im Absolutiv. Im Deutschen interpretieren wir den Satz „Der Schüler sah die Lehrerin und ging weg“ als „Der Schüler sah die Lehrerin und der Schüler ging weg“. Hingegen würde in ergativen Sprachen das absolutive Argument des ersten Satzteils als Subjekt des zweiten, intransitiven Verbs angenommen. „Der Schüler (ERG) sah die Lehrerin (ABS) und ging weg“ wird interpretiert als „Der Schüler (ERG) sah die Lehrerin (ABS) und die Lehrerin (ABS) ging weg“. Ein Satz dieser Art kann bei Muttersprachlern einer bestimmten Sprache als Test dienen, um herauszufinden, ob die betreffende Sprache syntaktisch eine Ergativ- oder eine Akkusativsprache ist.

Sprachen mit syntaktischer Ergativität sind beispielsweise Archi, Baskisch, Warlpiri und Tschuktschisch (optional).

Ergative Sprachen verfügen im Allgemeinen über keine Passivformen. Sie haben aber ein Antipassiv, wobei das direkte Objekt gelöscht wird und das Subjekt vom Ergativ in den Absolutiv wechselt, das heißt das Verb wird intransitiv.

Gespaltene Ergativität

Gespaltene Ergativität bzw. Split-Ergativität tritt in Sprachen auf, die sowohl Akkusativ- als auch Ergativmuster verwenden.

Dies kann entweder von der Verbform abhängen wie beispielsweise im Georgischen – hier verlangen bestimmte Tempora Ergativ-, andere Akkusativmarkierung –, oder es richtet sich nach den Argumenten des Verbs wie im Dyirbal, wo Pronomen ein Akkusativ- und Nomen ein Ergativmuster zeigen. Auch das Sumerische ist ein Beispiel für gespaltene Ergativität.

Einige indoarische Sprachen wie Paschtu (in Afghanistan), Hindi, Kurmandschi haben in den Zeiten der Präsensgruppe Akkusativkonstruktion, in denen der Perfektgruppe dagegen Ergativkonstruktion. Dies geht darauf zurück, dass das Partizip Perfekt bei transitiven Verben passivische Bedeutung hat, bei intransitiven natürlich aktivische. Das kennen wir vom Deutschen: "gesehen" wird passivisch verstanden, im Gegensatz zu "gegangen". So bildet man das Perfekt im Hindi wie im Deutschen als "ich bin gegangen". Würde man sagen "ich bin gesehen", so würde das in beiden Sprachen passivisch verstanden. Daher sagt man im Deutschen "ich habe gesehen", im Hindi (das kein Verb "haben" kennt) "durch mich ist gesehen".

Literatur

Andere Systeme

Akkusativsprachen, Aktivsprachen