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Rudolf Mauersberger

Rudolf Mauersberger (* 29. Januar 1889 in Mauersberg bei Marienberg (Sachsen); † 22. Februar 1971 in Dresden) war ein deutscher Chorleiter und Komponist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Mauersberger war der erste Sohn eines Kantors und Lehrers in Mauersberg (Erzgebirge), seinem Heimatdorf. Er studierte am Konservatorium in Leipzig. Seine Lehrer waren dort Robert Teichmüller (Klavier), Karl Straube (Orgel), Stephan Krehl (Theorie) und Hans Sitt (Orchesterdirigieren). 1914 gewann er den Nikisch-Preis für Komposition. In den Kriegsjahren 1915 bis 1918 war er Soldat. Nach Kriegsende, 1919, ging er für 6 Jahre als Kantor und Organist an die Annenkirche in Aachen. 1925 wurde er Kirchenmusikwart der evangelischen Landeskirche Thüringens und Kantor an Bachs Taufkirche St. Georg in Eisenach, wo er den Bachchor Eisenach sowie einen Knabenchor, den Georgenchor, gründete.

1930 wurde Mauersberger aus etwa 80 Bewerbern nach Dresden zum Kreuzkantor und Leiter des berühmten Dresdner Kreuzchores berufen. In seiner über 40 Jahre dauernden Amtszeit prägte er den Chor wie kein anderer vor ihm und führte ihn auf ein international anerkanntes Niveau. Bereits 1933 trat Mauersberger als Angehöriger des Lehrkörpers des Kreuzgymnasiums in die NSDAP ein. Intensiv bemühte er sich, die Einflüsse der NS-Ideologie vom Kreuzchor fernzuhalten. So konnte die Hitlerjugend beim Chor keinen Fuss fassen. Mauersberger weigerte sich, NS-Gesänge mit dem Chor zur Aufführung zu bringen. Stattdessen wurde der christliche Charakter des Chores nicht nur gewahrt, sondern deutlich ausgebaut - auch in der nachfolgenden DDR-Zeit.

Kruzianer aus dieser Zeit berichten, dass der Chor ein einziges Mal gezwungen war, HJ-Uniformen anzulegen, und zwar bei einer offiziellen Verabschiedung durch die Stadt im Dresdner Hauptbahnhof vor einer Konzertreise in die besetzten Niederlande 1944. Als Mauersberger von dieser Absicht erfuhr, erschien er zur Abfahrt nicht, sondern ließ er sich zum nächsten Bahnhof, Dresden-Neustadt, chauffieren und gab beim Zusteigen die Anweisung, die braunen Hemden sofort wieder gegen Zivilkleidung auszuwechseln.

Mauersberger setzte sich über Aufführungsverbote hinweg und bezog Werke jüdischer und verfemter Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Günter Raphael und Hugo Distler in die Programme des Kreuzchores ein, und zwar noch im Herbst 1938 auf der zweiten USA-Tournee des Kreuzchores.

Die Gegnerschaft zu NS-Kulthandlungen motivierte ihn dazu, die Gottesdienste und Vespern in der Kreuzkirche zunehmend im Sinne der liturgischen Erneuerung mit Hauptchor und Altarchor in liturgischer Kurrendekleidung mit Kerzen umzugestalten, um damit einen kirchlichen Gegenakzent zu setzen.

Von diesen Bemühungen legen die Christvesper aus den 1930er Jahren, die Christmette von 1936 und die Ostermette von 1940 beredtes Zeugnis ab. In ihrer musikalischen Gestalt fast unverändert, sind sie noch heute feste Bestandteile des Weihnachts- und Osterfestes in der Dresdner Kreuzkirche.

Rudolf Mauersberger war der Bruder von Erhard Mauersberger, der von 1961 bis 1972 in Leipzig Thomaskantor war.

Werke

Wie liegt die Stadt so wüst

Rudolf Mauersberger erlebte in seiner mehr als 40jährigen Amtszeit von 1930 bis 1971 Höhen und Tiefen.

Die Dresdner Kreuzkirche und mit ihr auch das gesamte Chorarchiv wurden in der verheerenden Bombennacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 zerstört. Aber nicht nur das: bei jenem Bombenangriff kamen elf seiner jungen Schüler aufgrund der Bombenangriffe ums Leben.

Im Werk "Wie liegt die Stadt so wüst" verarbeitete Mauersberger die belastenden Erlebnisse während des Krieges und, letztendlich, den vernichtenden Angriff auf Dresden und die verhältnismäßig kurze Zeit danach.

Zu Mauersbergers Verdiensten zählt die Neubelebung des Chores kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und so führte er am 4. August 1945 seine Motette "Wie liegt die Stadt so wüst" in der ausgebrannten Kreuzkirche auf.

Weitere

"Wie liegt die Stadt so wüst" ist das erste Stück aus dem "Chorzyklus Dresden", der neben den Chorzyklen "Erzgebirge" und "Weihnachten" das umfangreiche vokalmusikalische Schaffen Mauersbergers dokumentiert. Weitere Werke folgten, so zum Beispiel das "Dresdner Requiem", die "Geistliche Sommermusik", die "Lukas-Passion" und das "Dresdner Te Deum". Außerdem arrangierte Mauersberger geistliche und Volkslieder in anspruchsvollen Chorsätzen.

Diskographie

Mit dem Dresdner Kreuzchor:

Mit dem Kreuzchor und dem Thomanerchor, unter gemeinsamer musikalischer Leitung mit seinem Bruder Erhard Mauersberger:

Siehe auch


Personendaten
Mauersberger, Rudolf
deutscher Chorleiter und Komponist
29. Januar 1889
Mauersberg
22. Februar 1971
Dresden