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Mainz-Finthen

Mainz-Finthen, Panoramablick vom Draisberg, 2007

Finthen
Stadtteil von Mainz

Koordinaten 49° 59′ 10″ N, 8° 10′ 30″ OKoordinaten: 49° 59′ 10″ N, 8° 10′ 30″ O
Höhe 185 m ü. NN
Fläche 11,1 km²
Einwohner 13.815 (31. März 2008)
Bevölkerungsdichte 1245 Einwohner/km²
Eingemeindung 8. Juni 1969
Postleitzahl 55126
Vorwahl 06131
Politik
Ortsvorsteherin Herbert Schäfer (CDU)
Sitzverteilung (Ortsbeirat)
CDU SPD Grüne ödp Republikaner FDP
6 3 1 1 1 1
Verkehrsanbindung
Straßenbahn MVG Mainz Linie 50, 51
Bus MVG Mainz Linie 55, 58, 70, 91


Mainz-Finthen ist der westlichste Stadtteil von Mainz, der Landeshauptstadt des deutschen Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Im Folgenden wird nur noch der ortsübliche Name Finthen verwendet. Seit Finthen 1969 zur Verwaltungsvereinfachung zwangseingemeindet wurde, verändert sich das Ortsbild kontinuierlich vom ländlich geprägten Ort hin zur Wohngemeinde. Die Ausweisung großer Neubaugebiete (Katzenberg - Römerquelle - Königsborn) ließ die Einwohnerzahl von ca. 7.000 im Jahre 1969 auf heute rund 14.000 ansteigen. In der Landwirtschaft überwiegt der Anbau von Sonderkulturen. Insbesondere durch den „Finther Spargel“ ist der Ort über seine Grenzen hinaus bekannt.


Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das heutige Mainz-Finthen wird 1092 erstmals urkundlich als fundene erwähnt. Der Mainzer Erzbischof Ruthard schenkte den Mainzer Domherren verschiedene Besitzungen und Einkünfte, darunter auch Finthen. Der Ort selbst ist wesentlich älter, der archäologische Nachweis beruht jedoch auf Gelegenheits- und Oberflächenfunden, systematische Grabungen fehlen. Dennoch kann folgendes Bild gezeichnet werden.

Bereits in der Jungsteinzeit finden sich ab 4.500 v. Chr. Siedlungsspuren unterschiedlicher Steinzeitkulturen in der Gemarkung, mit Schwerpunkt im oberen Aubachtal. In der Bronzezeit scheint sich der Siedlungsschwerpunkt in das obere Tal des Königsborn zu verlagern, um in der keltischen Eisenzeit den Standort abermals zugunsten des Aubachtals zu wechseln. Mit der beginnenden römischen Okkupation verschwinden die Kelten von der archäologischen Landkarte Finthens. Ob sie in Cäsars Gallischem Krieg vernichtet wurde, oder sich in das rechtsrheinische Germanien absetzten, ist unklar.


Unter Kaiser Augustus wurde die Rheinfront um 13 v.Chr. als römische Reichsgrenze ausgebaut. Die heutige Finther Gemarkung wurde von einer römischen Fernstraße durchzogen, deren Trassenführung von Mainz nach Bingen noch heute im Bereich der Saarstraße / Landstraße 419, bzw. der Kurmainz- und Flugplatzstraße nachvollziehbar ist. Im 1. Jahrhundert wurde im Bereich des Katzenbergs ein Tempel errichtet, der Merkur und Rosmerta geweiht war. Ein römischer Vicus bildete sich nicht aus, die Siedlungsstruktur bestand aus weit auseinander liegenden Einzelgehöften, sogenannten villae rusticae, erneut oder sogar in Kontinuität zur keltischen Siedlung mit Schwerpunkt im oberen Aubachtal. Aber auch im heutigen Ortsgebiet fanden sich Spuren römischer Gehöfte, so beispielsweise in der Bieroth- und der Mühltalstraße. Vom Königsborn aus führte ein Seitenarm der römischen Wasserleitung nach Mogontiacum (Mainz).

Wann und wie die römische Präsenz in Finthen endete und die fränkische Landnahme begann ist archäologisch nicht nachvollziehbar. Es spricht einiges dafür, dass um die Mitte des 5. Jahrhunderts ein kontinuierlicher Übergang stattfand. Die Bevölkerung des römischen Kulturkreises (Romanen) scheint über Generationen hinweg in der zugewanderten, fränkischen Bevölkerung aufgegangen zu sein. Als Beleg kann die Tradierung der römischen Gebietsbezeichnung (fontanetum) und der sich daraus entwickelnde Ortsname fundene gelten. Als zusätzliches Indiz einer kontinuierlichen Besiedlung kann die Tatsache gelten, dass in unmittelbarer Nähe einer römischer villa rustica ein merowingischer Adelshof mit Gräberfeld (Mühltalstraße / Am Keltenlager) entstand, bzw. dass sich der heutige Ortskern im Bereich einer zweiten villa rustica entwickelte. Letztere ist nur indirekt durch den Fund zweier Sarkophage 1969 in der Bierothstraße nachzuweisen. Die frühmittelalterliche Epoche Finthens ist bis auf das Gräberfeld abseits des Ortsmittelpunkts wenig erforscht. Aufgrund der relativ geringen Belegungsstärke und einiger Grabbeigaben wird es einem fränkischen Adelshof zugeordnet. Dieser könnte in Kontinuität zu der römischen villa rustica stehen, deren Gräber in unmittelbarer Nähe in der Mühltalstraße gefunden wurden.

Wann der eigentliche Ort Finthen, wie er heute existiert entstand, liegt vorerst im Dunkeln. Es kann nur vermutet werden, das sich parallel zu dem fränkischen Adelshof eine zweite Siedlungsstelle im Bereich um die heutige Kirche St. Martin entwickelte, die zur Keimzelle Finthens wurde. Ob die Wahl der Örtlichkeit in Zusammenhang mit einer villa rustica steht, deren Gräber in der Bierothstraße gefunden wurden, ist archäologisch zwar nicht nachgewiesen, liegt aber nahe. Spätestens in karolingischer Zeit dürfte sich der Ort an der heutigen Stelle etabliert haben. Aufgrund einiger späterer Urkunden und der Erwähnung des Königsborns bzw. der Königsstraße ist anzunehmen, dass es sich bei der Finther Gemarkung um Reichsgut handelte.

Dieses Reichsgut gelangte im Laufe der Jahrhunderte in den Besitz der Mainzer Erzbischöfe. 1092 wurde es schließlich den Domherren geschenkt. In Folge erlangte der Dompropst die Ortsherrschaft, die er formal bis zur Säkularisation 1803 ausübte.

Mit der Ausbildung der Territorialstaaten wurde Finthen ein Bestandteil von Kurmainz. 1797 gelangte Finthen infolge des 1. Koalitionskriegs an Frankreich. Die nunmehr französische Gemeinde lag im Kanton Nieder-Olm, der zusammen mit 37 weiteren Kantonen das Département Donnersberg bildeten.

Nach dem Zusammenbruch der französischen Herrschaft am Rhein 1813/14 und der Neugliederung der deutschen Staaten (Wiener Kongress) wurde Finthen 1816 mit großen Teilen ehemaliger Kurmainzer Gebiete, dem neu gegründeten Großherzogtum Hessen eingegliedert. Die auf diese Weise neu geschaffene Provinz erhielt 1818 offiziell den Namen Rheinhessen. Finthen blieb bis zum Zusammenbruch des dritten Reichs 1945 hessisch.

Nach der Potsdamer Konferenz im August 1945 lag Finthen in der französischen Besatzungszone aus der im August 1946 das Land Rheinland-Pfalz gegründet wurde. 1949 wurde Rheinland-Pfalz Bundesland der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland.

Die selbständige Gemeinde Finthen lag im Landkreis Mainz. 1969 erfolgte in Folge der Durchführung des „4. Landesgesetzes über die Verwaltungsvereinfachung im Land Rheinland-Pfalz“ die Zwangseingemeindung nach Mainz. Aus Finthen bei Mainz wurde der Stadtteil Mainz-Finthen. Finthen wird seit diesem Zeitpunkt von einem Ortsvorsteher verwaltet; die eigentlichen Entscheidungen werden im Stadtrat von Mainz getroffen.

Wappen

Beschreibung

In einem rot-weiß geteilten Schild ein Hufeisen in verwechselnden Farben.

Geschichte und Bedeutung

Erstmals taucht das Wappen in einem Gerichtssiegel von 1756 auf. Die genaue Bedeutung des Wappens ist unbekannt und kann nur interpretiert werden. Das Hufeisen dürfte als landwirtschaftliches Symbol zu sehen sein. Es steht synonym für das Pferd, dem wichtigsten Arbeitstier der Bauern. In anderen Gemeindewappen weist das Hufeisen direkt auf die bestehende Pferdezucht, auf einen Schmied oder aber auf die Eisengwinnung hin. In Finthen kann ein solch konkreter Bezug nicht hergestellt werden. Das heutige Wappen stammt aus dem Jahr 1965 und ging aus einer Wappenreform hervor. Bis 1965 führte die Gemeinde Finthen ein silbernes Hufeisen auf rotem Grund. Die Farben des Wappens scheinen von den Mainzer Farben und den Farben des Domkapitels, nämlich weiß und rot, beeinflusst zu sein und weisen damit auf die enge geschichtliche Verbundenheit hin.

Schulen

Grundschule Mainz-Finthen

Freie Waldorfschule

Sonstige Schulen

Kirchen

Katholisch

Evangelisch

Verkehr

Mainz-Finthen weist seit 1993 einen eigenen, zivilen Flughafen für Kleinflugzeuge auf, der 1937 als Fliegerhorst der Luftwaffe neben dem Layenhof entstanden war. In der Besatzungszeit gelangte der Fliegerhorst zunächst an die Franzosen, dann an die US-Amerikaner, die das Gelände zum Finthen-Airfield ausbauten. Mit dem Abzug der US-Truppen wurde der Flugplatz für die zivile Nutzung frei.

Blick auf einen Teil des Rollfeldes vom Flughafen in Mainz Finthen, 2007

An die A60, ehemals B9 und Stadtautobahn, auch Mainzer Ring genannt, ist Mainz-Finthen mit nur einem eigenen Autobahnanschluss angeschlossen. Bei dem Ausbau des Wohngebiets "Römerquelle" in den 70er Jahren, wurde die Verwirklichung eines zweiten Anschlusses versäumt. Das führt heute zu großen, innerörtlichen Verkehrsproblemen.

Vereine


Feste, Veranstaltungen, Traditionen

Persönlichkeiten

Siehe auch

Einzelnachweise


Literatur

 Commons: Mainz – Bilder, Videos und Audiodateien