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Aue (Sachsen)

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 50° 35′ N, 12° 42′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Regierungsbezirk: Chemnitz
Landkreis: Aue-Schwarzenberg
Höhe: 320–564 m ü. NN
Fläche: 20,94 km²
Einwohner: 18.065 (30. Juni 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 863 Einwohner je km²
Postleitzahl: 08280
Vorwahl: 03771
Kfz-Kennzeichen: ASZ (alt: AU)
Gemeindeschlüssel: 14 1 91 040
Adresse der Stadtverwaltung: Goethestraße 5
08280 Aue
Webpräsenz:
[7]
Bürgermeister: Heinrich Kohl (CDU)
Lage der Stadt Aue im Landkreis Aue-Schwarzenberg

Aue ist eine Kleinstadt im Erzgebirge an der Mündung des Schwarzwassers in die Zwickauer Mulde. Die Stadt ist Verwaltungssitz des Landkreises Aue-Schwarzenberg und gehört zum Städtebund Silberberg.

Die Stadt war ein Zentrum des Maschinenbaus und der Besteckherstellung in der DDR und bis 1991 Hauptlieferant von Uranerz für die SDAG Wismut. Heute entwickelt sie den Tourismus und ist auch durch den Fußballverein FC Erzgebirge Aue bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Ursprung

Die Stadt Aue liegt in einem Talkessel des Erzgebirges inmitten bewaldeter Berge. Das Gebirge entstand durch das langsame Erkalten ausströmender Vulkanlava vor etwa 320 Millionen Jahren, wodurch auch die Bildung der mineralhaltigen Erzgänge möglich wurde. Die später entstandenen Fließgewässer der Mulde, des Schwarzwassers und zahlreicher Bachläufe höhlten das Granitgestein aus und wuschen so den heutigen Talkessel aus. Während und nach der Eiszeit bildeten sich Moore und entstanden Fichten- und Kiefern-Wälder. In der weiteren erdgeschichtlichen Entwicklung lagerte sich Geröll ab und die Berghänge verwitterten. Es entstand schließlich ein sehr fruchtbarer lehmiger Boden.

Stadtgliederung

Aue gliedert sich in die Stadtteile Alberoda, Auerhammer, Brünlasberg, Eichert, Klösterlein, Neudörfel, Niederpfannenstiel und Zelle (umgangssprachlich "Zeller Berg").

Benachbarte Orte und Gemeinden

An die Stadt Aue grenzen die Gemeinden Bad Schlema, Bernsbach, Bockau, Zschorlau sowie die Städte Lauter/Sa., Lößnitz, Schneeberg und Hartenstein im Landkreis Zwickauer Land.

Klima

Klimadiagramm von Aue

Die durchschnittliche Lufttemperatur in Aue beträgt 8,0 °C, der jährliche Niederschlag 790 Millimeter. [2]

Geschichte

Bereits in der Jungsteinzeit gab es Menschen in den Tälern des Erzgebirges. Eine 1919 im Auer Tal beim Straßenbau gefundene Steinaxt dient neben den Funden einer Spitzhaue und von Keramikscherben als Beleg dafür, dass es sich um durchziehende Jäger oder Volksgruppen handelte. Eine feste Besiedlung erscheint ausgeschlossen. [3]

In den meisten Quellen wird als offizielles „Geburtsdatum“ von Aue der 7. Mai 1173 angegeben, als durch eine kaiserliche Urkunde die Gründung der Augustiner-Chorherren-Propstei Zelle an der Mulde bestätigt wurde. [4]

Die erste Erwähnung des Namens Owa stammt jedoch erst aus dem Jahr 1219, als in einer Urkunde ein Propst von Aue Bertoldus prepositus de Owa genannt wird. Owa, später auch Awe oder Aw geschrieben, bezeichnete die Wiese am Zusammenfluss von Schwarzwasser und Zwickauer Mulde, auf der neben dem Klösterlein Zelle erste Siedler als Bauern sesshaft wurden, die zur Herrschaft Schwarzenberg gehörten. Aus dem Jahre 1286 gibt es eine Urkunde, die das Dorf erstmalig als Awe bezeichnet. Obwohl es somit drei verschiedene Jahreszahlen gibt, haben sich Historiker und die Stadtverwaltungen auf das früheste Datum geeinigt, denn vor dessen Erwähnung in Urkunden gab es das Siedlungsgebiet ja schon einige Zeit.

1479, nach den ersten zufälligen Zinnfunden, begann man nach dem Großen Berggeschrey auf Auer Fluren mit dem Abbau von Zinn- und Silbererzen und deren Weiterverarbeitung, was dem Ort zu einigem wirtschaftlichen Aufschwung verhalf. 1526 wurde der Auer Hammer, später Eisenwerk und Ortsteil von Aue, erstmals urkundlich erwähnt. Im 16. Jahrhundert wurde das kleine Kloster aufgelöst, später die Klostergebäude bis auf die Kirche abgerissen. 1627 erhielt Aue von Kurfürst Johann Georg I. das Marktrecht für einen Jahrmarkt zu Bartholomäus (27. August), am heutigen Altmarkt, 1632 für einen zweiten, den Katharinenmarkt (25. November), am heutigen Neumarkt.

Seit 1635 wird Aue in Urkunden und im Wappen als Stadt bezeichnet (Bergstädtlein Aue), jedoch muss die Verleihung der Stadtrechte bereits vor 1629 erfolgt sein, da der Zeichner Wilhelm Dilich zu dieser Zeit unter allen damaligen Städten im Auftrag des sächsischen Kurfürsten auch Aue im Bild festgehalten hatte. [5] Seit 1711 lieferte man das bereits 1698 erstmals gefundene Kaolin zur Porzellanfertigung nach Meißen und war bis 1854 alleiniger Lieferant.

Im Siebenjährigen Krieg gab es bei Aue ein wichtiges Gefecht zwischen preußischen und österreichischen Truppen, in dessen Folge die Österreicher das Erzgebirge verließen.

Hungersnöte, Naturkatastrophen und die Auswirkungen der Napoleonischen Kriege führten zu einem drastischen Rückgang der Einwohnerzahlen. 1815 werden - statt wie um 1800 circa 1.300 - nur noch 711 Personen angegeben. [6]

Zwischen 1897 und 1937 erfolgten die Eingemeindungen folgender Gutsbezirke bzw. Dörfer nach Aue: Zelle (1897), Niederpfannenstiel (1921), Klösterlein (1922), Alberoda (1929), Auerhammer mit Neudörfel (1930) und Brünlasberg (1937).

Blick auf den Stadtteil Zelle mit Friedenskirche

Bei Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Kaserne der Sicherheitspolizei in der Niederschlemaer Straße 49 zu einer Folterstätte, in der politische Gegner des NS-Regimes und andere unerwünschte Personen von SA-Männern gefoltert wurden, bevor sie durch die NS-Justiz zu teilweise langjährigen Haftstrafen verurteilt oder in Konzentrationslager überstellt wurden.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Aue weitgehend unzerstört, obwohl ein Kampfstab, zusammen mit Befehlshabern der SS und der Wehrmacht, die Stadt noch im April 1945 massiv militärisch verteidigten und alle wichtigen Brücken über die Mulde und das Schwarzwasser sprengen wollte. Nur durch den persönlichen Einsatz des damaligen Bürgermeisters Max Poepel konnte dies verhindert werden. [7]

Die Stadt blieb wie Schwarzenberg (siehe auch: Freie Republik Schwarzenberg) nach dem Kriegsende zwischen dem 8. Mai und 9. Juni 1945 vier Wochen unbesetzt, bevor die Sowjetarmee hier einzog.

Nach der Etablierung des Uranbergbaus in Aue ab 1946 wurden neue Betriebe errichtet, die wie der Betrieb für Bergbauausrüstungen weitere Industrie nach Aue brachten, aber auch mit ihren städtebaulichen und sozialen Engagements für eine wesentliche Verbesserung der Lebensverhältnisse sorgten. Zwischen 1950 und 1972 wurden Wohngebäude für tausende Menschen in den Ortsteilen Zelle und Brünlasberg, auf dem Eichert und im Stadtinneren fertiggestellt. [8]

Bis 1994 war die Stadt Verwaltungssitz des Kreises Aue. Mit der Kreisreform 1994 wurde Aue Verwaltungssitz des neugebildeten Landkreises Aue-Schwarzenberg.

Seit 1996 existiert der „Städtebund Silberberg“, dem neben Aue Schneeberg, Schwarzenberg, Bad Schlema, Lauter und Lößnitz angehören. Im November 2006 bekundeten die Bürgermeister der Orte Aue, Lößnitz, Schneeberg und Bad Schlema per Unterschrift das Vorhaben des Zusammenschlusses zu einer Stadt Silberberg.

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl:

1551 bis 1885

  • 1551 - 45
  • 1748 - 96
  • 1839 - 1.106
  • 1871 - 2.237
  • 1875 - 2.677
  • 1880 - 3.523
  • 1890 - 6.004
  • 1885 - 8.442

1910 bis 1964

  • 1910 - 19.363
  • 1925 - 21.296
  • 1933 - 25.836 *
  • 1939 - 25.445 *
  • 1946 - 26.724
  • 1950 - 40.747 [9]
  • 1960 - 31.182
  • 1964 - 31.701

1971 bis 2000

  • 1971 - 32.000
  • 1981 - 28.914
  • 1984 - 28.523
  • 1990 - 25.765
  • 1995 - 19.251
  • 1998 - 19.933
  • 1999 - 19.707
  • 2000 - 19.422

2001 bis 2006

  • 2001 - 19.124
  • 2002 - 18.961
  • 2003 - 18.759
  • 2004 - 18.611
  • 2005 - 18.327
  • 2006 - 18.209
* Eingemeindungen abgeschlossen; Datenquelle bis 1990: Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen, ab 1998: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Politik

Durch den schnellen industriellen Ausbau der Stadt Aue entstand hier auch ein starkes Proletariat, das in den sozialistischen Ideen eine gesellschaftliche Zukunft sah. Vertreter dieser Ideen wie Wilhelm Liebknecht, Fritz Heckert, Ernst Scheffler und Ernst Schneller erhielten von den Arbeitern der Stadt großen Zulauf bei Veranstaltungen und zahlreiche Stimmen bei den Wahlen. So kam es, dass die SPD im Jahre 1921 vier Sitze im Stadtparlament erhielt. - Am Kapp-Putsch beteiligten sich mehr als 6.000 Arbeiter aus Aue. Als nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine neue Stadtverwaltung entstand, wurden zunächst Sozialdemokraten und Kommunisten in einem antifaschistischen Aufbaustab gemeinsam tätig.

Stadtrat

Die aktuelle Zusammensetzung (Stand 2007) zeigt die folgende Auflistung:

Verkehr

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren Pferdekutschen das einzige Fernverkehrsmittel. Als 1858 die Eisenbahnstrecke Zwickau – Aue – Schwarzenberg in Betrieb genommen wurde, verbesserte sich die Verkehrslage. Mit der Einrichtung der Eisenbahnlinie Chemnitz – Aue – Adorf im Jahr 1875 wurde die Stadt sogar zu einem Verkehrsknoten, der die Ansiedlung von Industriebetrieben wie Metallwarenfabriken, Blechbearbeitungsmaschinenbau, Wäschefabriken usw. förderte. Dadurch erfolgte auch ein reger Zuzug von Arbeitern, Ingenieuren und Kaufleuten. Die Einwohnerzahlen stiegen von 1875 bis 1885 um mehr als das Dreifache an. Ein Ausbau der innerstädtischen und Fernverkehrsstraßen und der Bau neuer Brücken war nun notwendig und begann zum Ende des 19. Jahrhunderts. Der vorläufige Höhepunkt dieser verkehrlichen Entwicklung wurde mit der Fertigstellung der Bahnhofsbrücke (Spannbetonbrücke) 1937 erreicht.

Zahlreiche Kraft-Omnibuslinien, die mit Beginn der Motorisierung entstanden und stetig erweitert wurden (1927 werden zum Beispiel 100 Linien angegeben [10]), verbinden auch heute noch die Stadt Aue mit den Nachbargemeinden und anderen Ortschaften. Dazu hatte man beim Abriss einer Ziegelei im Ortsteil Auerhammer einen Teil der Fläche und ein verbliebenes Gebäude zu einem Omnibus-Depot umgebaut.

Durch den Ort führen die Bundesstraßen 101 und 169, auf denen auch die Silberstraße durch Aue verläuft.

Wappen

Das erste bekannte Wappen von Aue aus dem Jahr 1629 stellt eine einfache Holzbrücke mit Geländer über angedeutetem Wasser dar. [11] Durch den Beschluss Nr. 478 des Auer Stadtrats vom 24. März 2004 wird das seit 1895 gebräuchliche Wappen wiefolgt beschrieben: „In Blau auf gewellter silberner Wasserfläche in Form eines Wellenschildfußes übereinander zwei goldene Holzbrücken mit je zwei roten Fähnchen auf dem Geländer.“ Damit werden die beiden hölzernen Brücken über die Mulde („Sandbrücke“) und das Schwarzwasser („Zellbrücke“) symbolisiert, die ab dem beginnenden 16. Jahrhundert neben Furten die einzigen Verkehrs-Verbindungen über die Flüsse vor allem für den Bergbau und das Hüttenwesen waren, häufig vom Hochwasser weggerissen wurden und wieder aufgebaut werden mussten. Beide Brücken, seit dem 18. Jahrhundert aus Steinen errichtet, wurden mehrfach ausgebessert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf die Namen „König-Georg-Brücke“ (Muldenbrücke) und „König-Albert-Brücke“ (Schwarzwasserbrücke) getauft, die als Bezeichnung jedoch etwa seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr gebräuchlich sind.

Die Pfarrkirche St. Nicolai

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten

Kirchen

Eines der ältesten und wertvollsten Kunstwerke Sachsens ist das farblich ausgelegte sgraffitoähnliche Putzritzgemälde von der äußeren Ostwand dieser Klosterkirche. Die Darstellung zeigt (wahrscheinlich) Kaiser Friedrich I. Barbarossa, Maria mit dem Jesuskind und einen Bischof mit Heiligenschein. Seine Entstehung wird auf das Jahr 1230 datiert[12]. Unbekannte haben das 2,23 m hohe und 2,15 m breite Gemälde in der Zeit der Auflösung des Klosters Zelle überputzt und es dadurch der Nachwelt erhalten. Erst 1881 konnten Restauratoren bei der totalen Putzerneuerung der Kirche das Bild freilegen. 1934 wurde es aus restauratorischen Gründen abgenommen und in Dresden in alter Schönheit wieder hergestellt. Zwischen 1937 und 1941 war es im Städtischen Museum Aue ausgestellt, im Zweiten Weltkrieg wurde es ausgelagert und danach bis zur Auflösung des Museums im Jahre 1967 wieder hier gezeigt. Viele Jahre konnte das denkmalgeschützte Werk in der St.-Annen-Kapelle nahe dem Dom in Freiberg besichtigt werden. Seit einiger Zeit befindet sich das Original jedoch im Kloster Altzella. Eine von Heinz Beck angefertigte Kopie ist im Vorraum der Friedenskirche Aue-Zelle zu besichtigen.
An exponierter Stelle an der Schwarzenberger Straße wurde diese Backstein-Kirche 1891-1893 im neugotischen Stil als dreischiffige Hallenkirche mit einem kreuzförmigen Grundriss nach Plänen des Dresdener Architekten Carl August Schramm für eine Summe von rund 22.000 Mark erbaut. Sie erhielt einen 75 m hohen Glockenturm, der noch heute das höchste Bauwerk der Stadt ist. Die Kirche ist nach dem Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Kaufleute und Fischer, benannt. Die Glocken wurden für Kriegszwecke eingeschmolzen. zwischen 1951 und 1955 wurde das Gotteshaus erstmalig renoviert und man installierte neu gegossene Glocken im Turm. Das Innere beherbergt einen aus Eiche geschnitzten Altar mit drei Porzellanbildern, die der Kirche durch die Meißner Porzellan-Manufaktur als Dank dafür gestiftet wurden, dass das Kaolin seit dem 17. Jahrhundert aus Aue kam. Außerdem beinhaltet die Kirche Chorfenster mit kostbaren Glasmalereien, den alten 12-armigen Leuchter aus der zweiten Dorfkirche sowie eine Orgel, auf welcher auch Konzerte gegeben werden. Das gesamte Kirchengebäude wurde 1995/1996 saniert, das Kreuz und der Wetterhahn auf der Kirchturmspitze wurden erneuert bzw. vergoldet. – Ein Stück den Hang hinauf steht das nach Entwürfen des Leipziger Architekten Paul Lange 1899/1900 gebaute Pfarrhaus der St.-Nicolai-Gemeinde.
An der Schneeberger Straße steht das zwischen 1913 und 1915 errichtete Ensemble eines Kirchengebäudes, eines Pfarrhauses und eines umschließenden Kirchplatzes der katholischen Gemeinde Aue. Bei der Kirchenweihe erhielt das Haus den Namen „der schmerzhaften Mutter Gottes“.
Im Stadtteil Zelle erhebt sich am Hang (auf dem Zeller Berg) die zwischen 1912 und 1914 im Jugendstil nach Plänen der Dresdner Architekten Schilling & Graebner für 270.000 Goldmark gebaute Kirche mit einem 50 m hohen mit Kupferblech bedeckten Glockenturm und einem 6 m hohen Turmkreuz. Im Vorraum befindet sich die Kopie des Putzritzgemäldes. Das Kirchenschiff ist breit und geräumig und durch die Gewölbehalterung über Stahlseile nicht durch Säulen unterteilt. Der Altarraum wird beherrscht von einem großen Kreuz auf einem weißen Marmortisch und geschmückt von acht Ölgemälden mit den Darstellungen von Martin Luther bei der Bibelübersetzung, Melanchton als Kirchenlehrer, Moses mit den Gesetzestafeln, Jesajas mit einer Schriftrolle, Matthäus, Petrus mit dem symbolischen Schlüssel, Johannes mit Stola und Kelch und Paulus. Die Bilder malte Bernhard Müller aus Dresden. Der Taufstein besteht aus grünem Marmor, an der Wand dahinter ist der junge Jesus in einem Tempel dargestellt. – Die Kanzel ist mit Mosaiken aus Halbedelsteinen verziert. Die Leuchter der Kirche wurden von der Firma Wellner hergestellt; eine kleine Orgel aus der Werkstatt des Orgelbaumeisters Jemlich aus Dresden vervollständigt das Innere.
Im Turm befinden sich drei Glocken aus Stahl, die 1913 vom Bochumer Verein gegossen wurden. Sie tragen die Inschriften Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit! (kleine Glocke), Jesus nimmt die Sünder an (mittlere Glocke), Allein Gott in der Höh' sei Ehr (große Glocke); an technischen Angaben können gemacht werden: kleine Glocke: 2,1 Tonnen schwer, auf gis gestimmt; mittlere Glocke: 3,25 Tonnen, auf h gestimmt; große Glocke: 5,1 Tonnen, auf d gestimmt. [13] Im Jahre 2002 wurden der Kirchturm und das Turmkreuz total erneuert. - Von der Friedenskirche erfolgt traditionell das weihnachtliche „Turmblasen“.
Am Fuße des Heidelsberges, in der Jägerstraße, befindet sich der 1908 eingeweihte einfache Bau der evangelischen Freikirche der Adventisten.
An der Thomas-Mann-Straße wurde 1903 die Christuskirche der methodistischen Kirchgemeinde eingeweiht, die sich 1968 zur evangelisch-methodistischen Kirche erweiterte bzw. zusammenschloss.
Sparkassengebäude mit Figurenschmuck, rechts dahinter das neue Rathaus in Aue

Altmarkt

Erster Siedlungskern des Ortes, um den sich das Rathaus, die Pfarrkirche, eine Schule und einige niedrige Wohngebäude gruppierten, war der heutige Altmarkt. Mit dem Straßenausbau kamen immer stattlichere und höhere Gebäude hinzu, der Marktplatz blieb jedoch weitgehend frei und wurde auch als Handelsplatz rege genutzt. Im 20. Jahrhundert wurde dieser zentrale Platz mehrfach umgebaut: 1969, anlässlich des Pfingsttreffens der FDJ, gestalteten Landschaftsplaner eine Anlage mit Wasserspielen, Blumenbeeten, Büschen und Bänken und ein steinernes Verkehrshäuschen wurde aufgestellt. 1973 wurde die elektrisch betriebene Pyramide auf dem Platz fest installiert und in Betrieb genommen. Die letzte große Veränderung des Altmarktes erfolgte in den Jahren 2004 bis 2005, in dessen Folge das ehemalige Verkehrshäuschen abgerissen und die umliegenden Häuser saniert wurden.

Rathaus

Das erste, 1592 zunächst als Wirtshaus gebaute und nach der Verleihung der Stadtrechte ab 1642 als Rathaus genutzte, Gebäude stand auf der Ostseite des Altmarktes. Zwei historische Ansichten vermitteln uns einen entsprechenden Eindruck: ein Bild befindet sich im Foyer des heutigen Rathauses, die andere Darstellung ist an einem Hausgiebel am Rande des Marktes sichtbar; beide verwenden die selbe überlieferte Zeichnung. Das alte Rathaus wurde 1907 abgetragen.

Das neue Rathaus (anfangs Stadthaus genannt) wurde 1889/1890 nach Plänen des Stadtbaumeisters Max Püschmann gebaut. Ursprünglich vorhandene Zwiebeltürmchen über den Erkern mussten wegen Baufälligkeit abgetragen werden. 1911 wurde das Stadthaus baulich erweitert. Hier tagte die Stadtverwaltung und es gab eine Stadtbank (Sparkassenabteilung). Ab 1924 war auch ein kleines Heimatmuseum darin untergebracht.

Gerichtsgebäude und eh. Finanzamt

Bereits 1901 hatte das Königliche Amtsgericht seine Tätigkeit in der Stadt aufgenommen. Ein ansehnliches Gebäude hinter dem alten Friedhof neben dem Pfarrhaus war dafür von 1899 bis 1901 mit angeschlossenem Gefängnis errichtet worden. Heute befindet sich das Amtsgericht Aue darin. Der Gebäudekomplex steht unter Denkmalschutz und wurde zwischen 2005 und 2007 für 1,75 Millionen Euro saniert. In einem ebenfalls um die Wende zum 20. Jahrhundert bezogenen Haus in der Nähe befand sich das Finanzamt, in das nun das Auer Grundbuchamt als Teil des Amtsgerichts eingezogen ist.

Gebäude des Landratsamtes

In der Wettinerstraße (zwischen 1950 und 1991 Ernst-Thälmann-Straße) befindet sich ein an den Jugendstil angelehnter Bau aus dem Jahre 1924, der für die Verwaltung der Firma Wellner errichtet worden war; das Haus war mit einem Übergang in der zweiten Etage mit dem Produktionsgebäude verbunden (Bild siehe unter Besteck- und Tafelgeschirrherstellung). Zu DDR-Zeiten zog die Verwaltung des Kreises Aue in das von granitenen Löwen bewachte Haus. Heute ist das Landratsamt für den Landkreis Aue-Schwarzenberg darin untergebracht.

eh. Verwaltungsgebäude von Wellner, heute Landratsamt

Sparkassengebäude

In der Nähe des Rathauses in der Goethestraße steht ein mit rotem Porphyrschmuck versehenes Gebäude, das durch den Architekten Behr entworfen und am 7. März 1938 als „Stadtbank Aue“ eröffnet wurde. Die Figuren an der Ecke stellen einen Kaufmann und einen Handwerker dar. Ein Stadtwappen über einem Schalterfenster schmückt die Fassade. Seitdem dient das Haus ununterbrochen der Stadtsparkasse, die mehrfach ihren Namen wechselte. 1992 wurden die Geschäftsräume modernisiert.

Kaufhäuser

Historische Gaststätten und Herbergen

Postgebäude

Der Postplatz in Aue mit dem Postgebäude

Im 17. Jahrhundert fuhren die ersten sächsischen Postkutschen von Leipzig in das Erzgebirge, die Stadt Aue wurde von Schneeberg aus durch einen Postboten bedient. Ab dem 1. Oktober 1860 gab es auf Antrag mehrerer Auer Kaufleute eine eigene „Postexpedition“ (kleines Postamt) im Privathaus des J. C. G. Walther in Aue, der somit der erste Auer Postverwalter wurde. Wegen der raschen Zunahme von Postsendungen und der Inbetriebnahme der „Obererzgebirgischen Staatseisenbahn“ wurde ab 1858 direkt im Bahnhofsgebäude eine zweite offizielle Postanstalt eingerichtet. Da im Jahre 1868 das Postwesen Sachsens an den neu gebildeten Norddeutschen Bund überging, und 1871 das Deutsche Reich gegründet wurde, wurde die Postexpedition Aue zu einem kaiserlichen Postamt erhoben (1876 – Postamt II. Klasse; 1891 Postamt I. Klasse). Nach kurzen örtlichen Zwischenlösungen kam es schließlich zwischen 1912 und 1913 zum Bau eines zweigeschossigen eigenen Postamtsgebäudes für die 62 Postbeamten auf dem damaligen Ernst-Geßner-Platz (heute Postplatz), das nun immer noch als Postamt dient.

Parkanlagen und Plätze

Gedenkstätten

Brücken

1716 wurden die ersten steinernen Brücken über die Gewässer in Aue gebaut, die im Laufe der Zeit mehrfach erweitert bzw. umgebaut werden mussten. Eisenbahnbrücken und weitere Straßenbrücken kamen hinzu.

Bemerkenswert ist die nach Plänen des Stadtbaurates Hasse entworfene und am 5. Juni 1937 dem Verkehr übergebene 360 m (gemessen an der längsten Fahrbahn) lange Spannbetonbrücke über die Mulde und die Gleisanlagen beim Bahnhof, die als die erste mehrfeldrige freitragende Betonbrücke in Deutschland gilt und deren Bauweise bereits 1934 patentiert wurde. - Folgende technische Daten können angegeben werden: Hauptspannweite 69 m, durchschnittliche Gesamtlänge 303 m, 10 Felder, Brückenfläche 3.580 m². [15] Als Baukosten wurden 700.000 RM notiert. Für den Bau der Brücke verarbeitete man u.a. 650 Tonnen Stahl und 1.200 Tonnen Zement. Die Brückenpfeiler trugen zunächst den Reichsadler mit Hakenkreuz als Schmuck, der 1945 abgeschlagen wurde. 1977 wurden beleuchtete auf einer Ecke stehende Milchglaswürfel angebracht. - Diese mächtige Brücke musste in den Jahren 1994/1995 total saniert werden und die Pfeiler sind nun schmucklos. Die Bahnhofsbrücke steht unter Denkmalschutz. - Insgesamt besitzt die Stadt inzwischen mehr als zehn nennenswerte Brücken.

Schulen

Dem schnellen Wachstum der Einwohnerzahlen und der Industrie (und damit der Zunahme von Kindern) wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts das Schulsystem angepasst, vor allem machten sich zahlreiche Schulneubauten notwendig: 1822 wurde zunächst ein kleines zweistöckiges Schulgebäude am Neumarkt errichtet (1995 beim Bau der Nicolaipassage abgerissen), 1877 erfolgte der Neubau einer Realschule, der heutigen Albert-Schweitzer-Schule an der Schwarzenberger Straße und 1901/1902 die als Gymnasium gebaute I. Bürgerschule (seit 1927 Pestalozzischule), ebenfalls an der Schwarzenberger Straße (heute Berufliches Schulzentrum für Wirtschaft und Sozialwesen Schwarzenberg, Außenstelle Aue). Außerdem baute man 1896 ein neues dreigeschossiges Grundschulgebäude (seit 1928 Dürerschule) am Postplatz. Bereits 1877 entstand eine Fachschule für Blechbearbeitung und Installation (bis 1947 in Aue, dann Verlagerung nach Chemnitz), später wurden ein Gymnasium (Clemens-Winkler-Gymnasium) und eine Gewerbeschule zur Ausbildung von Lederarbeitern, Bau- und Fabrikklempnern, Bauhandwerkern, Gürtlern, Graveuren, Schmieden gebaut. - Zwischen 1960 und 1980 entstanden in den Neubaugebieten auf dem Zeller Berg, dem Eichert, dem Auerhammer und dem Brünlasberg weitere Grund- und Oberschulen und ein Sporthallenkomplex mit Schwimmbad. – Insgesamt existieren auch zur heutigen Zeit noch mehr als ein Dutzend verschiedener Schulen in Aue.

Wohnbebauung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden für die vielen neuen Bewohner der Stadt zahlreiche preisgünstige Wohnungen in der Nähe der Fabriken errichtet. Diese Mietshäuser hatten häufig keinen Anschluss an die Kanalisation, dafür eigene Fallklosetts und auch noch kein elektrisches Licht (Aue nahm erst 1901 das erste Elektrizitätswerk in Betrieb), sondern Gasanschlüsse für die Beleuchtung.

Besonders erwähnenswert ist die Wohnbebauung am Wettinerplatz, die ein erstes geschlossenes städtebauliches Ensemble bildet. Außerdem kaufte die Stadt aus dem Lauterer Staatsforstrevier 1920 den „Eichert“, auf welchem im Laufe von acht Jahren viele Ein- und Zweifamilienhäuser errichtet wurden, die etwa 1.800 Personen bewohnten. Weitere zahlreiche Wohnhäuser entstanden hinter dem Schlachthof, am Niederschlemaer Weg, in den eingemeindeten Dörfern und an vielen weiteren Stadtrandgebieten [16] und nach 1945, wie unter Geschichte zu lesen. Einige gut gepflegte Villen gehören zu den schöneren Wohnhäusern der Stadt, wie z. B. die Gaedtvilla.

medizinische Einrichtungen

Sanitätsrat Pilling baute 1893 für bessere Gesellschaftsschichten ein Sanatorium an der Schneeberger Straße, das seit 1945 als Kinderkrankenhaus genutzt wird. - Die medizinische Situation für die Einwohner am Beginn des 20. Jahrhunderts war katastrophal, die Stadtverwaltung hatte immer wieder Fremdgebäude umgewidmet und zur Unterbringung von Kranken und Verwundeten bestimmt. 1927 wurde auf Beschluss des Stadtrates mit der Projektierung eines eigenen Krankenhauses begonnen. Nach Entwürfen des Stadtbaurates Hasse, der auch die Bauausführung leitete, entstand auf dem Zeller Berg bis 1931 ein großes Krankenhaus, das bereits 1934 und 1937 erstmalig baulich erweitert werden musste. Das Krankenhaus erhielt 1954 einen großen Erweiterungsbau, die Klinik für Innere Medizin, und den Namen Ernst-Scheffler-Krankenhaus nach seinem bedeutendsten Förderer in diesen Jahren. Fachärzte aus der Urologischen Klinik dieses Krankenhaus waren es, die um 1960 in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften der DDR und Medizintechnikern der Universität Rostock die erste DDR-eigene künstliche Niere „Aue I“ entwickelten und zum Einsatz brachten. [17] 1991 zunächst unter der Bezeichnung Klinikum Aue weiterbetrieben, ging das Krankenhaus 1998 in den Besitz der Helios-Kliniken über. Es fungiert nun als Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Dresden, beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter und behandelt im Jahresdurchschnitt 55.000 Patienten. Durch weitere Neubauten von Spezialeinrichtungen und laufenden Modernisierungen ist die medizinische Betreuung des gesamten Landkreises nun langfristig gesichert. [18]

Eine 1952 fertiggestellte Poliklinik verbesserte schon kurz nach dem Kriegsende die Betreuung von Kranken; aus dieser Einrichtung ist das heutige Ärztehaus hervorgegangen.

Entwicklung der Industrie

Einen kleinen Eindruck vom explosionsartigen Wachstum der Industrie in Aue gibt die folgende Aufstellung: [19]

Jahr Anzahl Betriebe Anzahl Beschäftigte
1890 38 1.706
1895 43 2.691
1900 62 4.361
1905 130 5.237
1910 206 6.300
1920 232 8.871
1925 406 12.519

Im Jahre 1907 fand auf dem Ernst-Geßner-Platz eine Industrie- und Gewerbeausstellung statt, die die gesamte Leistungsfähigkeit der Region zeigte und sogar vom sächsischen König besucht wurde. - In einer stadtamtlichen Statistik des Jahres 2006 werden für Aue 230 Gewerbebetriebe und 45 Produktionsbetriebe genannt.

Bergbau und Metallverarbeitung

Der wirtschaftliche Neuanfang in Aue nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war äußerst schwierig, weil wichtige Produktionsanlagen als Reparationszahlungen von der Sowjetunion demontiert wurden, die Facharbeiter und Ingenieure allerorten fehlten, durch die Enteignungen von Großbetrieben kaum eine geordnete Produktion erfolgen konnte und Grundmaterialien Mangelware waren. Erst langsam konnten alte Betriebe an ihre Traditionen anknüpfen. Neue Fabriken, Produktionshallen oder Verwaltungsgebäude wurden allmählich errichtet, die mit modernen Erzeugnissen für die Wiederbelebung Aues als Industriestandort sorgten. Hier seien besonders die Betriebe Halbzeugwerke Auerhammer, ABS (ehemals Wellner), Auer Werkzeugbau, Blechbearbeitungsmaschinenwerk (Blema Aue) hervorgehoben, die den Großteil der Beschäftigten in Aue stellten. - Durch den Uranbergbau ab 1946 kam der Erzbergbau auf Silber und Zinn vollständig zum erliegen.

Mühlen

Als Antriebe für Maschinen wurde bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts vielfach die Wasserkraft genutzt, so gab es im Zentrum von Aue fünf Mühlen, im ehemaligen Dorf Zelle weitere zwei, in Niederpfannenstiel eine Mühle; weitere Mühlen trieben Hammerwerke an. - Im heutigen Stadtbild finden sich keine Mühlen mehr, aber die Mühlstraße und die Mühlengasse erinnern noch an sie.

Webereien, Textilmaschinenbau, Klöppelhandwerk

Mehrere auch heute in der Stadt noch gut erkennbare Industriebauten entstanden vor allem entlang der Flussläufe im Zusammenhang mit der Entwicklung der Textiltechnik: die Textilmaschinenfabrik Ernst Geßner, die hier Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Produktion aufnahm und mit modernen Technologien bald europaweit führend wurde; die Baumwollspinnerei Gebrüder Lauckner, die mechanische Weberei Auerhammer, die Baumwollweberei Curt Bauer u.a. – Auch bei den Webereien ging es nach dem Zweiten Weltkrieg langsam wirtschaftlich wieder „bergauf“, wofür die Textilmaschinenfabrik Geßner (wurde zu VEB Textima (Textilmaschinenbau)) und der renommierte Produktionsbetrieb von Bett- und Tafelwäsche Curt Bauer, der als KG weiter bestehen und die Produktion erweitern konnte, als Beispiele dienen mögen. – Der Betriebsteil Aue von Textima wurde nach 1990 durch die Firma Herbert Kannegiesser GmbH aus Vlotho (Westfalen) übernommen und der Produktionsstandort in das Gewerbegebiet Gerichtsberg (Joseph-Haydn-Strasse in Schlema) verlegt; in die denkmalgeschützten früheren Produktionshallen zog nach umfangreichen Rekonstruktionen ein Einkaufszentrum ein.

Das Klöppelhandwerk, das sich im 16. Jahrhundert im Erzgebirge als Hausmanufaktur und in Heimatstuben entwickelte, fand im Laufe der Jahrhunderte immer mehr interessierte Abnehmer in ganz Europa und wird in heutiger Zeit als Volkskunst in kleinen Manufakturen oder Klöppelstuben weiter betrieben. Einige Schulen im Erzgebirge vermitteln dieses Handwerk auch als Unterrichtsfach, so z. B. die Schule für geistig Behinderte auf dem Brünlasberg. [20]

Produktionsgebäude von Wellner, Übergang zum eh. Verwaltungsgebäude saniert und 2004 noch vorhanden

Besteck- und Tafelgeschirrherstellung

In Aue entwickelten sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts drei Betriebe, die Essbestecke und Tafelgeschirr, vor allem aus dem neuen Material Argentan, produzierten. Der bedeutendste Lieferant für deutsche und ausländische Einrichtungen wurde die Sächsische Metallwarenfabrik August Wellner Söhne AG. Der Fabrikant August Wellner ließ zunächst anstelle der ersten Zinn-Schmelzhüttenfabrik seines Vaters (Christian Wellner) vierstöckige Produktionshallen (1884 eröffnet) und schließlich ein Verwaltungsgebäude von dem Leipziger Architekten Johannes Koppe planen und bis 1924 als geschlossenes Gebäudeensemble aus gelben Backsteinen fertig stellen. Die Bauten belegen ein circa 10 ha großes Areal und werden von der Maria-Müller-Straße, Industriestraße, Auerhammerstraße und Zinnstraße begrenzt. - Nach den Enteignungen in den ersten Jahren der DDR wurden unter dem Namen Auer Besteck- und Silberwarenwerke (ABS) weiterhin Tafelbestecke und metallene Tafelerzeugnisse produziert und auch erfolgreich exportiert. – Das frühere Wellnersche Verwaltungsgebäude wird heute als Landratsamt genutzt. Nach 1990 erhielten die Firmenerben das Gelände zurück, ließen einige baufällige Gebäudeteile entfernen, die Besteckherstellung am Standort Aue wurde jedoch aufgegeben. Weil die Besitzer keine Käufer für den riesigen Komplex finden und auch kein weiteres Geld hineinstecken wollen, musste der Verbindungsgang zwischen dem heutigen Landratsamt und den Produktionshallen 2006 nach Sturmschäden abgetragen werden. - Eine kleine Produktionsstätte unter dem Namen Wellner/ABS GmbH befindet sich heute in Schneeberg.

Bergmannsleuchter aus Privatbesitz; Volkskunst von ca. 1950

Holzindustrie

Außer der Herstellung von Bergbauhölzern wurde Aue, wie andere Erzgebirgsorte auch, durch traditionsreiche Schnitzarbeiten bekannt. Hier müssen besonders der Schwibbogen, der Leuchter-Engel, der Leuchter-Bergmann und die zahlreichen Weihnachtspyramiden erwähnt werden, die allesamt inzwischen in der ganzen Welt als Symbol für das „Weihnachtsland Erzgebirge“ stehen.

Uranbergbau

Bereits Marie Curie, die aus der Pechblende bekanntlich das Radium isolierte, ließ sich aus dem Erzgebirge das entsprechende Ausgangsmaterial liefern. Es war also bekannt, dass bestimmte in diesem deutschen Mittelgebirge vorhandene Erze radioaktives Material enthalten. Als die Sowjetunion, nach dem Abwurf der ersten Atombomben durch die Amerikaner 1945, ebenfalls solche Bomben entwickelte, wurde das von ihr besetzte deutsche Gebiet zu einem wichtigen Lieferanten von spaltbarem Material. Durch die Gründung einer Aktiengesellschaft und die Anwerbung von Freiwilligen aus ganz Deutschland begann in der Umgebung von Aue der Abbau uranhaltiger Erze in großem Stil, die spätere SDAG Wismut entstand und beherrschte viele Jahrzehnte das Leben und die Entwicklung der Stadt und der Nachbarorte. - siehe auch: SDAG Wismut -

Kultur im Ort

Stadtmuseum

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts trugen Heimatinteressierte erste Schaustücke zusammen, die zunächst in einem Raum des neuen Stadthauses gezeigt wurden. Als dieser nicht mehr ausreichte, wurde ein ehemaliges Wohnhaus an der Schneeberger Straße nahe der Bahnhofsbrücke als städtisches Museum ausgebaut. 1973 wurde es wegen Baufälligkeit geschlossen. Aus dem im 17. Jahrhundert gebauten Rachhalsschen Kellerhaus, auch Huthaus genannt, das den Zugang zu einem Schacht zum Abbau zinnhaltigen Erzes ermöglichte, entstand 1973 unter der Verantwortung des Architekten Wolfgang Unger und des Stadtrates Johannes Heinichen mit einem Kostenaufwand von 700.000 Mark das Stadtmuseum, das zunächst als Traditionsstätte Erzbergbau bzw. Museum für Bergbautechnik und Bergbaugeschichte um Besucher warb. Seit 1991 firmiert es offiziell als Stadtmuseum, die Exponate des früheren Heimatmuseums konnten übernommen werden.

Kulturhaus

Im Kreiskulturhaus Ernst Thälmann, das 1958 im Zusammenhang mit dem Uranbergbau entstand, etablierte sich 1962 ein Volkskunstensemble, das durch die Pflege und Darbietung erzgebirgischer Lieder und Musik bald weit über Aue hinaus bekannt wurde. Nach der politischen Wende gelang es engagierten Musikern, das Gesangs-, Tanz- und Orchesterensemble unter dem Namen Erzgebirgsensemble Aue GmbH zu erhalten und die Tradition weiterzuführen. Das Kulturhaus Aue besitzt Konzert- und Theatersäle und beherbergt eine Musikschule, das Erzgebirgische Sinfonieorchester, den Blema-Chor, das Tanzorchester Aue [21]; es steht unter Denkmalschutz. Dieses Kulturhaus und das Schloss Schwarzenberg wurden im Jahr 2000 zum Kulturzentrum des Landkreises Aue-Schwarzenberg zusammengefasst.

Sport

Bekannt ist der heutige FC Erzgebirge Aue, ein traditionsreicher Fußballclub, der bereits seit 1950 als Wismut Aue besteht und mehrfach DDR-Meister wurde. Diesem Sportclub wurde bereits 1950 ein eigenes Stadion errichtet, das den Namen Otto Grotewohl erhielt und bis 1991 trug. - Diese Betriebssportgemeinschaft hatte auch erfolgreiche Sektionen im Handball, im Volleyball, im Ringen, im Kegeln, Gymnastik und Turnen sowie im Bogenschießen.

Die Handballer, als EHV Aue in der Saison 2007/2008 in der 2. Bundesliga Süd aktiv, tragen ihre Heimspiele in der Erzgebirgshalle Lößnitz aus.

Seit dem Jahr 2006 organisiert die Kreissparkasse Aue-Schwarzenberg einen Firmenlauf Erzgebirge – ein Staffellauf auf einem innerstädtischen Rundkurs mit je vier Teilnehmern aus den verschiedenen Betrieben. [22]

Die Sporthalle auf dem Zeller Berg 1959/1960 gebaut und die benachbarte, 1976 eingeweihte Volksschwimmhalle dienten und dienen den Sportinteressierten der Vereine, den Schulen und der Bevölkerung.

Feste

Bereits kurz nach der Anlage des Stadtparks organisierte der Verschönerungsverein regelmäßige Parkfeste, die mit Unterbrechungen während des Ersten Weltkrieges noch bis 1939 stattfanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Tradition der Parkfeste ab 1953 wieder aufgenommen und bis 1962 fortgeführt. Durch neue Festivitäten wie Festspielwochen im Rahmen von Arbeiterfestspielen oder dem 1970 ins Leben gerufenen „Fest des Liedes und des Tanzes“ im und um das Kulturhaus wurden die Parkfeste eingestellt.

Im Jahre 1976 fand auf dem Altmarkt erstmalig ein Weihnachtsmarkt mit kleinen Handwerkerhäuschen, Imbissen und dem Verkauf von traditionellen Volkskunstartikeln unter dem Namen Arzgebirgsmarkt statt und wurde in den nächsten Jahren erfolgreich wiederholt.

Seit 1990 wird altes bergmännisches Brauchtum wieder belebt, so gibt es zusammen mit den Nachbargemeinden „Bergparaden“, heimatliche Weihnachtsmärkte, die in Aue „Raachermannelmarkt“ (Räuchermännchenmarkt), in Schneeberg „Lichterfest“, in Schwarzenberg „Adventmarkt“ heißen und zahlreiche Touristen anziehen.

Und zwei ganz besondere Feste waren die Geburtstagsfeste der Stadt Aue aus Anlass des 750- und des 800-jährigen Bestehens, letzteres wurde mit einer ganzen Festwoche vom 23. Juni bis zum 1. Juli 1973 begangen. [23]

Im Jahre 2005 wurde im Juli das erste Auer Stadtfest veranstaltet und wird wegen der guten Resonanz weitergeführt.

Sonstiges

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist Aue ein stetig wachsendes touristisches Ziel oder Ausgangspunkt für die Erschließung des Erzgebirges mit der sogenannten Silberstraße.

Städtepartnerschaften

Partnerschaften bestanden zu DDR-Zeiten mit der italienischen Stadt Genua, mit welcher 1963 ein gemeinsames Freundschaftskomitee gegründet und Delegationen ausgetauscht wurden und mit der bulgarischen Stadt Panagjurischte im Bezirk Pasardshik (seit 1983), auf deren Namen die Umbenennung der Bockauer Straße erfolgte, was erst 1990 wieder rückgängig gemacht wurde. [24]

Seit 1990 gibt es Städtepartnerschaften mit der Stadt Solingen (26. April 1990) und mit der tschechischen Stadt Kadan (30. November 2003).

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

wann verliehen

Söhne und Töchter der Stadt

Weitere Personen, die mit Aue in Verbindung stehen

Literatur

Einzelnachweise

  1. Einwohnerzahlen
  2. [1] Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961-1990
  3. Aue, Mosaiksteine der Geschichte, Seiten 7/8
  4. Aue, Mosaiksteine der Geschichte, Seiten 10/11
  5. Aue, Mosaiksteine der Geschichte, Seiten 23/25
  6. TOURIST Reisehandbuch Erzgebirge Vogtland, VEB Tourist Verlag Berlin – Leipzig, 4. Auflage 1981, Seite 179
  7. Aue, Mosaiksteine der Geschichte, Seiten 170/171
  8. Aue – 40 Jahre DDR-Alltag, Seiten 14/16
  9. Aue – 40 Jahre DDR-Alltag, Seite 9
  10. Aue im Spiegel historischer Bilder; Industrie- und Stadtentwicklung im 19. Jahrhundert, Seite 45
  11. Aue im Erzgebirge, Seite 6
  12. Aue, Mosaiksteine der Geschichte, Seiten 16-18
  13. [2] Homepage der ev.-luth. Kirchgemeinde Aue-Zelle
  14. Aue – 40 Jahre DDR-Alltag, Seiten 23 und 29
  15. Webseite über Aue (Sachsen) bei Structurae
  16. Aue, Mosaiksteine der Geschichte, Seiten 29/30
  17. [3] Kulturportal Mecklenburg-Vorpommern
  18. [4] Homepage der Helios-Kliniken
  19. Aue, Mosaiksteine der Geschichte, Seite 78
  20. [5] Homepage der Brünlasberg-Schule
  21. Aue im Erzgebirge, Seite 24
  22. [6] Homepage der Auer Sparkasse zum Firmenlauf
  23. Aue – 40 Jahre DDR-Alltag, Seiten 95/96
  24. Aue – 40 Jahre DDR-Alltag, Seiten 34/35
  25. Information des Leiters des Stadtmuseums, Ralf Petermann, vom Dez. 2007
  26. Aue im Spiegel historischer Bilder; Industrie- und Stadtentwicklung im 19. Jahrhundert, Seite 72
 Commons: Aue – Bilder, Videos und Audiodateien