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Retention (Philosophie)

Der von Edmund Husserl geprägte Begriff der Retention bezeichnet die Fähigkeit des Bewusstseins, neben den ihm zufließenden aktuellen Wahrnehmungen auch Wahrnehmungen des unmittelbar vorangegangenen Augenblicks festzuhalten. Husserl nennt diese Funktion auch „primäre Erinnerung“.

Husserl beschreibt diese Funktion des Bewusstseins am Beispiel des Musikhörens: Ohne die vorhergegangenen Noten ist es nicht möglich, ein Motiv oder Thema in der Musik zu erkennen. Durch die Retention werden die vorhergegangenen Höreindrücke im Bewusstsein gehalten und mit den augenblicklichen Eindrücken verbunden. Phänomenologisch ist somit die Retention nicht ein Erinnern, welches ja einen Sachverhalt aus der Vergangenheit vor-stellt und somit schon in einer gewissen Abständigkeit betrachtet, sondern eine Art der erinnerenden Vergegenständlichung, Aktualiserung eines Aspektes, der zwar vergangenen ist, aber in die Gegenwart hineinreicht.

Husserl sieht in diesem Aspekt eine notwendige Unterscheidung zum eigentlichen Erinnern. Eine weitere Art der Erinnerung ist beispielsweise das Deja Vu.

Siehe auch

Literatur

Edmund Husserl; Texte zur Phänomenologie des inneren Zeitbewusstseins. ISBN 3787305971

Protention and Retention