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Marktmacht

Unter Marktmacht versteht man die Fähigkeit eines einzelnen Marktakteurs bzw. einer kleineren Gruppe von Marktakteuren (in der Regel Anbieter, potenziell auch Nachfrager), den Marktpreis über das Preisniveau bei perfektem Wettbewerb zu heben. In engem Zusammenhang steht der Begriff Wettbewerbsbeschränkung. Nach John Kenneth Galbraith steht der Marktmacht oft eine Gegenmacht gegenüber.

Inhaltsverzeichnis

Einflussgrößen und Entstehung

Die Marktmacht eines Anbieters ist umso größer, je

Die Vollständigkeit und kausale Abhängigkeit dieser Einflussgrößen ist jedoch strittig.[1]

Folglich kann Marktmacht entstehen durch:

Messung

Die oben genannten Einflussgrößen wirken sich auf die Preiselastizität der Nachfrage aus. Je niedriger die Preiselastizität ist, desto größer ist die Marktmacht des Anbieters. Deshalb eignet sich zur Feststellung der Höhe der Marktmacht die Messung der Preiselastizität bzw. des Monopolgrades (Lerner-Index), der die negativ reziproke Preiselastizität darstellt.[2]

Arten

Strategien zur Ausnutzung von Marktmacht

Ausbeutungsstrategie

Bei dieser Strategie werden Konditionen am Markt durchgesetzt, welche ohne Marktmacht nicht durchsetzbar wären. Dies kann sowohl gegenüber Lieferanten als auch gegenüber Nachfragern erfolgen. Die Marktmacht von Anbietern gegenüber Nachfragern zeigt sich an monopolistischem Verhalten, also dem Setzen von höheren Preisen zu niedrigeren Mengen (Verkäufermarkt). Von Nachfragern gegenüber Anbietern wird die Marktmacht genutzt, um die Einkaufskonditionen zu beeinflussen (Käufermarkt). Neben der Preisgestaltung zugunsten des Nachfragers kann dies auch durch Verlagerung von Risiken auf die Anbieter geschehen.

Verdrängungsstrategie

Bei dieser Strategie wird versucht, meist durch Kampfpreise, den Mitbewerber aus dem Markt zu drängen. Dies wird auch ruinöser Wettbewerb genannt.[4]

Diskriminierungsstrategie

Hierbei werden (meist) die Abnehmer durch den Verkäufer ungleich behandelt. Dies kann z. B. durch das Setzen unterschiedlicher Preise für Nachfrager erfolgen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das Produkt nur an bestimmte Händler zu vertreiben.

Bindungsstrategie

Diese Strategie bindet einen Abnehmer an bestimmte Verhaltensweisen. Dies kann sowohl die Preisbindung als auch die Ausschließlichkeitsbindung sein. Letzteres bedeutet, dass es Händlern verboten ist, Konkurrenzprodukte zu vertreiben.

Wohlfahrtswirkungen

Marktmacht hat in den meisten Fällen eine negative Wirkung auf die Wohlfahrt in einer Ökonomie. Es können vier Formen der Ineffizienz entstehen:

Allokative Ineffizienz

Da bei vorhandener Marktmacht der Preis häufig über den Grenzkosten liegt, kommt es zwar zu einer Erhöhung der Produzentenrente, allerdings auch zu einer Verringerung der Konsumentenrente, welche relativ stärker ausfällt. Folglich kommt es zu einer allokativen Ineffizienz.

Produktive Ineffizienz

Unternehmen mit Marktmacht haben häufig höhere Kosten zu tragen als Unternehmen im Wettbewerb. Ein Grund dafür kann der mangelnde Wettbewerbsdruck und die dadurch hervorgerufene produktive Ineffizienz sein.

Dynamische Ineffizienz

Beim Vorhandensein von Marktmacht ist es möglich, dass ein Unternehmen einen geringeren Anreiz hat, in Forschung und Entwicklung zu investieren.

Qualitative Ineffizienz

Obwohl die Produktion hochwertiger Güter eine höhere Wohlfahrt hervorbringt, werden nur Produkte geringerer Qualität produziert, da der Produzent hierbei eine höhere Rente generieren kann.

Quellen

  1. Nicolini, Untersuchungen zur Erfassung unternehmerischer Marktmacht, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1978
  2. Heribert Meffert: Marketing, Wiesbaden, 2000, S. 489f.
  3. Heribert Meffert: Marketing, Wiesbaden, 2000, S. 251.
  4. Heribert Meffert: Marketing, Wiesbaden, 2000, S. 261f.

Literatur