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Wolfenstein 3D

Wolfenstein 3D
Entwickler: id Software
Verleger: Apogee Games
Publikation: 1992
Plattform(en): PC (DOS)
Genre: Ego-Shooter
Spielmodi: Singleplayer
Thematik: Zweiter Weltkrieg, Nazis
Steuerung: Tastatur
Systemminima: Intel 286 oder vergleichbarer Prozessor, VGA-Grafik
Medien: Steam
Sprache: Englisch
Altersfreigabe: PEGI:
USK:
Keine
Klassifizierung
Information: In Deutschland beschlagnahmt

Wolfenstein 3D, auch „Wolf3D“ genannt, ist ein Computerspiel der Firma id Software.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Geschichte

Wolfenstein 3D gehörte zu den erfolgreichsten Computerspielen der 1990er Jahre. Das Spiel wurde von id Software entwickelt und von Apogee Games am 5. März 1992 veröffentlicht. Wolfenstein 3D ist einer der ersten so genannten Ego-Shooter, bei dem der Spieler eine Handlungsperson durch eine dreidimensionale Spielwelt steuern kann und seine Umgebung aus der Ich-Perspektive wahrnimmt.

Wolfenstein 3D wurde inspiriert durch die 2D-Variante Castle Wolfenstein von Muse Software aus dem Jahre 1981. Dieses frühere Spiel wurde zuerst nur für den Apple II angeboten, später auch für die Plattformen: Atari XL/XE (1982), C64/128 (1983) und DOS (1984) umgesetzt.

Handlung

Die Handlung von Wolfenstein 3D dreht sich um den fiktiven amerikanischen Soldaten polnischer Herkunft William 'B.J.' Blazkowicz. Er muss sich aus seiner Nazi-Gefangenschaft auf der „Ordensburg“ Wolfenstein befreien. Um dieses Ziel zu erreichen, muss sich der Spieler seinen Weg durch verschiedene Ebenen eines Gebäudes freikämpfen.

Als Widersacher treten dem Spieler Wehrmachtssoldaten oder SS-Männer entgegen, in späteren Missionen muss man sich jedoch auch mit Gegnern wie Zombies herumschlagen. Als Endgegner haben beispielsweise Hitler im Mech-Anzug oder ein Raketen schießender General Fettgesicht ihren Auftritt.

Dreidimensionalität

Das Spiel war ein Meilenstein in der Entwicklung von Ego-Shootern, besonders in der technischen Umsetzung. Wolfenstein gab es als Grafikadventure bereits für den Commodore C64, jedoch nicht mit einer 3D-Grafik. 1992 war aufgrund des Preisverfalls für Prozessoren die für Wolfenstein 3D benötigte Rechenleistung bereits verfügbar.

Die Labyrinthe, in denen Wolfenstein 3D spielt, sind eigentlich nicht dreidimensional, sondern werden mittels Raycasting nur so dargestellt. So gibt es beispielsweise keine Höhendimension. Das Spielfeld wird technisch durch ein Raster dargestellt, das aus Wandblöcken, Leerräumen und beispielsweise Türen dargestellt wird. Wände können daher nur geradlinig in Nord-Süd- oder Ost-West-Richtung verlaufen und somit nur rechtwinklig aufeinander stoßen. Die Wände werden durch Texturen bedeckt, was z. B. aus Gründen der Rechenleistung für den Boden und die Decke nicht in Frage kam. Die in Nord- und Südrichtung zeigenden Wände sind anders schattiert als die in Ost- und Westrichtung zeigenden Wände, was dem Räumlichkeitseffekt zugute kommt. Die Gegner und alle anderen Levelverzierungen sind nicht als dreidimensionale Objekte (Polygonen) aufgebaut, sondern aus Rastergrafiken, die der Entfernung entsprechend verkleinert bzw. vergrößert werden.

Aus der einfachen Konzeption ergibt sich eine technische Anspruchslosigkeit. Wolfenstein 3D läuft fast problemlos mit einem 80286-Prozessor.

Sprachausgabe

Wolfenstein 3D genießt im deutschen und englischen Sprachraum aufgrund seiner Sprachausgabe einen gewissen Kultstatus. Die Gegner geben im Verlauf des Spiels kurze deutsche Sätze von sich, die, miserabel digitalisiert und falsch betont, deutsche Muttersprachler zum Schmunzeln anregen. Dies lässt sich damit begründen, dass diese Wörter von den amerikanischen Programmierern selbst aufgenommen wurden.

Beispiele hierfür:

Ein weiterer Ausruf war „Frieren“, mit Bezug auf das englische „Freeze“ für „Halt“.

Beschlagnahmung

Die PC-Version Wolfenstein 3D wurde durch das Amtsgericht in München am 25. Januar 1994, also zwei Jahre nach Erscheinungsdatum, bundesweit beschlagnahmt (Az. 2 Gs 167/94). Der Privatbesitz ist zwar erlaubt, Vertrieb und Verbreitung in Deutschland sind aber in jedem Fall verboten.

Die Beschlagnahmung wurde damit begründet, das Spiel verstoße gegen § 86a des Strafgesetzbuches (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen). Im Spiel tauchen Nazi-Symbole wie Hakenkreuzfahnen und Führerbilder auf. Als Titelmelodie ertönt das nationalsozialistische Horst-Wessel-Lied.

Mit Bekanntmachung im Bundesanzeiger Nr. 20 vom 29. Januar 1994 wurde es von der damaligen BPjS indiziert, was jedoch keine über die Beschlagnahmung hinausgehenden rechtlichen Auswirkungen hatte.

Die Jaguar-Version wurde am 7. Dezember 1994 vom Amtsgericht Berlin Tiergarten eingezogen (Az. 351 Gs 5509/94).

Wegen der Verbote wurde das Spiel seinerzeit nicht in Spieletests beim Namen genannt. Da es aber ständig als Maßstab für andere, frühe Ego-Shooter herangezogen wurde, wurde es meistens mit „Böser Wolf 3D“, „Wolkenheim 4D“ oder „Hundefelsen 4E“ umschrieben.

Wegen der Vorgängerspiele gab es teilweise Strafverfahren wegen der Verwendung von NS-Kennzeichen. Diese endeten teilweise mit einer Einstellung gegen Zahlung einer Geldauflage gemäß § 153a StPO, teilweise mit einem Freispruch, da es ein „antifaschistisches Computerspiel“ sei.

Das im selben Jahr wie Wolfenstein 3D veröffentlichte Prequel Spear of Destiny folgte erst 1999 auf den Index und ist nicht beschlagnahmt, obwohl in der Gestaltung keinerlei Unterschiede auszumachen sind.

Weitere Wolfenstein-Titel

Bereits in den 1980ern gab es Wolfenstein:

Nach Wolfenstein 3D entwickelte id Software Doom. Im Gegensatz zu Wolfenstein 3D und Spear of Destiny benötigte Doom einen 80386-Prozessor.

2007 erschien der Film Der Goldene Nazivampir von Absam 2 – Das Geheimnis von Schloß Kottlitz, der mit Genehmigung von id Software Elemente aus Wolfenstein 3D verwendet.

Außer der Reihe wurde im Rahmen des 5K Contest ein Spiel mit der Semantik von Wolfenstein 3D in Javascript geschrieben (Wolfenstein 5K), mit dem Hauptziel, den Code unterhalb von fünf Kilobyte zu halten.

Mods

Auch für diesen Ego-Shooter Wolfenstein 3D gab es bereits einige Mods, die weit verbreitet waren. Das am meisten verbreitete war das Weihnachts-Wolfenstein. Hier wurden die Widersacher, die Wehrmachtssoldaten oder SS-Männer durch Weihnachtsmänner und durch Schneemänner, die mit Schneebällen bewaffnet waren, ersetzt. Neben den Widersachern wurde die Umgebung ebenfalls angepasst, so hingen nun keine Fahnen und keine Bilder mehr von Adolf Hitler, sondern Weihnachtsbilder an den Wänden und Weihnachtsbäume standen in den Gängen und Räumen der Level.

Darüber hinaus gab es eine Modifikation in der die Zeichentrickfiguren Beavis und Butt-Head des Musiksenders MTV als Gegner fungierten. Auch gab es einen „Red-Alert“-Mod, in dem Hitler durch Stalin und die Wehrmacht durch die Rote Armee ersetzt wurden.

Dazu gab es noch einen Mod der die Charaktere von Mortal Kombat und dessen Drachen Symbol statt den Kreuzfahnen an der Wand mit einbrachte.

1994 erschien der christliche Ego-Shooter Super Noah’s Ark 3D von Wisdom Tree als eigenständiges Spiel für das SNES und 1995 für den PC. Die Spielumgebung basiert vollständig auf der von id Software lizenzierten Wolfenstein-3D-Engine. Es wurden vor allem Texturen und Geräusche ausgetauscht, das Leveldesign wurde fast unverändert vom Vorbild übernommen.