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Weben

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Dieser Artikel behandelt ein Verfahren zur Textilherstellung. Für weitere Bedeutungen siehe Weben (Begriffsklärung).

Die Weberei ist eine der ältesten Techniken der Herstellung von textilen Flächengebilden, bei dem mindestens zwei Fadensysteme, die Kette (Kettfaden) und der Schuss (Schussfaden) rechtwinklig verkreuzt werden, wobei die vorgespannten Kettfäden den Träger bilden, in den sukzessiv die Schussfäden von einer Webkante zur anderen durch die gesamte Webbreite eingezogen werden. Das Erzeugnis wird in der Fachsprache als Gewebe bezeichnet, ein Begriff, der sowohl Tuche (umgangssprachlich: "Stoff") als auch andere Produkte umfasst wie beispielsweise gewebte Teppiche oder Tapeten.

Die Technik des Webens differenziert sich von jener des Flechtens insofern, als die Fäden sich bei letzterer nicht rechtwinklig sondern diagonal kreuzen. Verwandt aber nicht identisch mit der Weberei ist auch die Bildwirkerei, bei der die Schussfäden jedoch nicht durch die gesamte Webbreite eingearbeitet, sondern nur bis zum Rand einer vorgegebenen Farbfläche hin- und zurückgewirkt werden.

Die für die Gewebeherstellung erforderliche Vorrichtung ist der Webstuhl. Der ursprüngliche Handwebstuhl wurde im Laufe der Jahrtausende verbessert, ab dem 18. Jahrhundert zunehmend automatisiert und schließlich im Zuge der Industrierevolution durch die Webmaschine ersetzt. Der überaus größte Teil der weltweiten Produktion wird heute maschinell gefertigt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Weberei gehört neben der Wirkerei und der Töpferei zu den ältesten Handwerken der Menschheit. In den Grabkammern des ägyptischen Altertums sind Gewebereste von Gewändern nachgewiesen worden.

Gewichtswebstühle waren spätestens seit dem Neolithikum bekannt. Bei diesen wurden die Kettfäden mit einem Gewicht an einem horizontalen Balken befestigt und hängen gelassen. Einige Forscher nehmen an, dass bereits im Jungpaläolithikum gewebt wurde, wie Tonabdrücke aus dem mährischen Pavlov belegen sollen. Aus den Feuchtbodensiedlungen der Schweiz ist eine Reihe neolitischer Textilien überliefert, die entweder aus Flachs oder aus Wolle bestehen. Daneben wurde auch Rindenbast (von Linde, Ulme und Eiche) verwendet. Gewichtswebstühle wurden bis ins Mittelalter verwendet. Das Webmaterial der Bronzezeit ist vor allem durch die Funde aus dänischen Baumsärgen bekannt. In Egtved findet sich unter anderem der erste Minirock der Geschichte.

Gewobene Textilien und Teppiche verhalfen den handelstreibenden Assyrern, Babyloniern und später den Phöniziern zu ihrem Reichtum. Sie konnten ihren technologischen Vorsprung in der Textilindustrie in Kleinasien, Persien und Arabien bis ins 13. Jahrhundert hinein behaupten.

Auch die Griechen kannten das Weben. Bei Homer scheinen Weben, Spinnen und die Herstellung von Kleidungsstücken die Hauptbeschäftigung der Frauen zu sein. Nach anderen Überlieferungen konkurrierte im künstlerischen Bereich die Bildweberei ernsthaft mit der Malerei. Vasenbilder der schwarzfigurigen Zeit belegen auch hier den Gebrauch des Gewichtswebstuhls.

Aus der römischen Kaiserzeit sind Gewebe aus anderen Materialien als Wolle bekannt: ägyptisches und spanisches Leinen und chinesische Seide.

Die Germanen woben sowohl Wolle als auch Leinen. Sie woben komplizierte Muster, wie zum Beispiel der berühmte Thorsberg-Mantel belegt.

Im frühen Mittelalter und in der romanischen Kunstperiode beherrschte die orientalische Webkunst den Weltmarkt. Sassanidische, sarazenische und byzantinische Seiden- und Wollengewebe waren mit reichen Ornamenten verziert und gearbeitet. Aus ihnen wurden Prunkgewänder für Kaiser, Fürsten, Ritter und den Klerus hergestellt. Ebenfalls über Byzanz kam die Seide nach Europa.

Auch in Europa begann die Weberei als Industriezweig aufzublühen. In Augsburg gab es Mitte des 15. Jahrhunderts eine Weberzunft mit über 700 Mitgliedern. Vielerorts, so etwa im Mühlviertel, wurden in den Gemeinden mit einem hohen Anteil von Webern, oftmals die Hälfte der Bevölkerung, eigene Webermärkte abgehalten.

Werkzeuge

Jahrtausendelang wurden weltweit Varianten des einfachen Webstuhls mit vertikaler Kette (Hochwebstuhl) verwendet. Erst durch die Erfindung des Webstuhls mit horizontaler Kette (Flachwebstuhl) im hohen Mittelalter fand eine Veränderung der Produktionstechnik statt. Einer der Vorläufer des mechanischen Webstuhls war die um 1600 entwickelte, in der Bandweberei gebräuchliche sogenannte Bandmühle. Durch sie war es möglich, zwanzig oder mehr Bänder gleichzeitig auf einem Webstuhl zu weben.

Erst im 18. Jahrhundert wurde der Webstuhl wesentlich weiterentwickelt. So wurde zu dieser Zeit von John Kay der so genannte Schnellschütze zur automatischen Bewegung des Schützen erfunden. Der erste mechanische Webstuhl wurde 1784 vom Geistlichen Edmond Cartwright erbaut. Eine weitere revolutionäre Neuerung wurde durch den Lyoner Seidenweber J.M. Jacquard eingeführt. Bei seinem 1805 erbauten Webstuhl können die Kettfäden mit Hilfe von Lochkarten gezielt einzeln gehoben und gesenkt werden, wodurch es möglich wurde, großflächig gemusterte Stoffe zu weben. Hierdurch wurde eine unbegrenzte Musterungsvielfalt gegenüber der begrenzten Bindungsmuster in der Schaftweberei möglich.

Die mechanischen Webstühle wurden über Transmissionen durch Dampfmaschinen und mitunter auch durch Wasserräder angetrieben. Der erste elektrische Antrieb für einen mechanischen Webstuhl wurde 1879 von W. von Siemens auf der Berliner Gewerbeausstellung vorgestellt.

Technik

Das erste vertikale Fadensystem wird als Kette (Kettfaden) bezeichnet, das zweite hindurchgeführte, horizontale bezeichnet man als Schuss (Schussfaden). An der Maschine (Webstuhl) muss nun eine Vorrichtung vorhanden sein, die es ermöglicht, dass abwechselnd ein Teil der Kettenfäden angehoben wird, während der andere Teil gesenkt wird, so dass ein sogenanntes Fach entsteht, durch welches der Schütze mit dem aufgespultem Schuss hindurch geführt werden kann. Die Fachbildung erfolgt beim Handwebstuhl durch Tritte, mit denen mindestens zwei Schäfte bewegt werden, oder einem Tritt, der die auf dem Webstuhl aufgebaute Schaft- bzw. Jacquard-Vorrichtung betätigt. Der Schütze wird dabei per Hand oder der Schnellschütze durch eine Schlagvorrichtung durch das Fach von einem Schützenkasten zum anderen geworfen bzw. geschlagen. Die Schützenkästen finden sich hierbei rechts und links von der Lade, die vor- und rückwärts bewegt werden kann, so dass das Webblatt (der Weberkamm, Webkamm oder Riet) den gerade durchgeschossenen Faden fest an das bisher fertig gestellte Gewebe anschlagen kann.

Mechanische Maschinen arbeiten nach dem gleichen Prinzip, wobei die Arbeitsabläufe mechanisiert sind. Die Steuerung der Kettfadenhebung kann hierbei durch Exzenter, Stifte, Lochkarten, elektronische Steuerung etc. erfolgen, der Schütze wird durch eine Schützenschlagvorrichtung durchs Fach getrieben, bei modernen Maschinen durch Greifer, Druckluft etc.

Museen, Bildung und Kultur

In Haslach an der Mühl im Mühlviertel gibt es ein Webereimuseum, eine Textilfachschule sowie den Kulturverein Textile Kultur Haslach, der neben einem Textilsymposium, Webkursen alljährlich einen Webermarkt veranstaltet.

Eine Vielzahl von Webstühlen zeigt das Textilmuseum Bocholt.

Eine interessante Ausstellung zur Weberei befindet sich im Heimatmuseum Greiz (Textilschauwerkstatt).

Ebenfalls zu nennen ist das Maschenmuseum in Albstadt-Tailfingen.

Eine umfangreiche Ausstellung zur Geschichte der Weberei mit zum Teil noch funktionierenden Geräten vom mittelalterlichen Webstuhl bis zur Großmaschine des 20. Jahrhunderts ist im Textilmuseum Tuch + Technik in Neumünster gezeigt.

Siehe auch

 Commons: Weben – Bilder, Videos und Audiodateien

Quellen