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Dortmund-Ems-Kanal

Der Dortmund-Ems-Kanal (Abkürzung DEK) ist ein 265 km langer Kanal zwischen dem Dortmunder Stadthafen und der Ems bei Meppen.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Geschichte

Der künstlich gebaute Teil des Kanals endet nach 138 km bei der Schleuse Gleesen südlich von Lingen. Von dort führt der Schiffahrtsweg über die kanalisierte Ems und einige kurze Kanalabschnitte. Ab der Schleuse Herbrum ist die Ems ein Tidengewässer und ab Papenburg eine Seeschifffahrtsstraße. In Papenburg endet auch die offizielle Kilometrierung des DEK bei Kilometer 225,82. An der Schleuse Oldersum zweigt der Emsseitenkanal ab, der auf einer Strecke von 9 km parallel zur Ems nach Emden führt. Dieser Abschnitt wurde gebaut, weil die zur Zeit des Baus üblichen kleinen Schiffstypen und Schleppzüge bei stürmischen Wetterlagen dem Wellengang auf dem Dollart, insbesondere beim Ein- und Auslaufen in den Hafen Emden, nicht gewachsen waren. Von diesem Abschnitt des Dortmund-Ems-Kanals führt auch eine Verbindung zum Ems-Jade-Kanal, der von Emden bis nach Wilhelmshaven führt.

Der Kanal wurde nach siebenjähriger Bauzeit am 11. August 1899 eröffnet. Gründe für den Bau waren die Entlastung der Eisenbahn, die alleine nicht mehr in der Lage war, die Produktion des Ruhrgebiets zu transportieren, sowie die Förderung der Ruhrkohle, die seit den 1880ern Konkurrenz durch englische Importkohle erfuhr. Gleichzeitig benötigte man im Ruhrgebiet aber auch ausländische Erze. Insbesondere die Stahlindustrie des östlichen Ruhrgebiets konnte gegenüber den am Rhein gelegenen Hüttenwerken ihren Standortnachteil verringern.

Das bekannteste Bauwerk des Dortmund-Ems-Kanales ist das Alte Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop, das es den Schiffen ermöglichte, einen Höhenunterschied von 14 m zu überwinden. Es war bis 1962 in Betrieb und wurde dann durch ein neues Hebewerk und eine neue Schleuse (1989) ersetzt. Heute ist es ein Standort des Westfälischen Industriemuseums.

Einige Kilometer weiter nördlich erreicht der Kanal die Stadt Datteln, die gleichzeitig an vier Wasserstraßen liegt:

Dabei treffen sich in einer europaweit einzigartigen Konstellation alle vier Kanäle am Stadthafen Datteln. Dieses Kanalkreuz bildet neben der Rheinschifffahrt das Herz der westdeutschen Binnenschifffahrt.

Im Zuge des Kanalverlaufs werden auf Brücken die Flüsse Lippe, Stever und Ems überquert. Die Brücken stellen sich im Verlauf der Alten Fahrt als mächtige Gewölbebauwerke mit jeweils drei Bögen dar und führen den Kanal beispielsweise an der Lippe in 15 Metern Höhe über den Fluss.

Eine weitere nicht ganz so augenscheinliche technische Besonderheit stellt die ehemalige Überquerung der Alten Fahrt über die Kreisstraße COE 29 (ehemalige B 235) innerhalb von Olfen dar. Das Bauwerk ist als Gewölbebrücke ausgeführt, wobei die Achse des Gewölbes die Achse des Kanals in einem Winkel von nur 60 Grad schneidet. Die daraus resultierenden statischen Probleme konnten erstmals an dieser Stelle gemeistert werden.

Bereits 1829 entstand der Ems-Hase-Kanal von Lingen nach Meppen. Als der Dortmund-Ems-Kanal angelegt wurde, wurde er ausgebaut und in ihn einbezogen.

In Jahre 1906 begann der Bau des Mittellandkanals, der in Hörstel-Bergeshövede (Nasses Dreieck) vom Dortmund-Ems-Kanal abzweigt.

Von Gleesen bei Emsbüren im Emsland aus war vor dem Zweiten Weltkrieg ein neues Kanalbett bis nach Papenburg geplant. Dieses Vorhaben ist teilvollendet wegen des Krieges aufgegeben worden. Sollte in Zukunft diese neue Fahrt benötigt werden, ist der Ausbau problemlos möglich, da sich 80 Prozent der Trasse in Besitz des Bundes befinden (siehe auch Seitenkanal Gleesen-Papenburg).

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Rinne des Kanals verbreitert werden. Weil sich diese Aufgabe bei den auf den Dämmen liegenden Abschnitten nicht so ohne weiteres umsetzen ließ, beschloss man den Bau der Neuen Fahrt zwischen Olfen und Münster. Zu diesem Zweck wurde der Kanal parallel zum bestehenden komplett neu gebaut, die bereits bestehenden Flussüberquerungen wurden ebenfalls neu erstellt. Nach Abschluss der Arbeiten wurde die Alte Fahrt für den Schiffsverkehr gesperrt und teilweise abgetragen, ein weiterer Teil dient nunmehr als Biotop.

Aktuelle Verbreiterung des Kanalbettes

Seit 1968 ist der DEK für das Europaschiff freigegeben[1][2].

Derzeit laufen an der Neuen Fahrt, bei Olfen, erneut Arbeiten zur Verbreiterung des Kanalbettes. Diese werden am vorhandenen Kanal im laufenden Betrieb und ohne Sperrung des betroffenen Abschnittes durchgeführt. Dabei ist es am 11.Oktober 2005 an der Überführung des DEK bei Kilometer 23 über die Lippe (bei Olfen) zu einem Leck gekommen. Dadurch ist der Kanal auf 8 km Länge zwischen den Sicherheitstoren Schlieker und Datteln leergelaufen. Frachtschiffe aus dem Mittellandkanal und aus der Weser mussten wochenlang für den Weg ins Ruhrgebiet einen über 300 km langen Umweg über Papenburg und die Niederlande nehmen. Am 15. Oktober 2005 lief kurz vor Papenburg das Motorschiff „Ilona M“ bei DEK-Kilometer 219 auf Grund. Damit war auch die nördliche Umgehung für Tage gesperrt, der Schiffsverkehr kam vollständig zum Erliegen. Erst am 15. Dezember 2005 wurde der DEK wieder für den Schiffsverkehr in beide Richtungen freigegeben.

Interessanter Nebeneffekt: In den stehengebliebenen Wasserpfützen konnte eine Groppe beobachtet werden − ein für diese Region eher untypischer Fisch, aber ein Indikator für die erstklassige Wasserqualität des Kanals.

Am 10. März 2006 wurde erneut ein Leck an der DEK-Baustelle über der Lippe festgestellt. Wieder wurden die beiden Sperrtore geschlossen und das Wasser abgelassen.

Orte entlang des Kanals

DortmundWaltropDattelnOlfenLüdinghausenSendenMünsterGrevenIbbenbürenHörstelRheineHesselteLingenGeesteMeppenHarenLathenFresenburgDörpenRhedePapenburgWeenerLeerOldersumEmden.

Verwaltung des Kanals

Verwaltet wird die Wasserstraße von den Wasser- und Schiffahrtsämtern Duisburg-Meiderich (Dortmund bis Datteln), Rheine (Datteln bis Gleesen), Meppen (Gleesen bis Papenburg) und Emden (Papenburg bis Emden).

Literatur

Quellen und Anmerkungen

  1. Stadt Meppen – Wirtschaft
  2. Dortmund-Ems-Kanal – [WSV]