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Federico Fellini

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Federico Fellini (* 20. Januar 1920 in Rimini; † 31. Oktober 1993 in Rom) zählte zu den wichtigsten Filmemachern und Regisseuren Italiens.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Frühe Jahre in Rimini

Federico Fellini wurde am 20. Januar 1920 in Rimini geboren. Seine Mutter ist die aus Rom stammende Ida, gebürtige Barbiani; sein Vater Urbano stammt von einem Bauernhof, einem Dorf in der Nähe Riminis.

Federico hat einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester (Maddalena). Der Bruder Ricardo ist später wie Federico im Filmgeschäft tätig - zunächst als Schauspieler, später arbeitet er hauptsächlich als Dokumentarfilmer.

Der Vater Urbano geht der Tätigkeit eines Handelsvertreters für Käse und Schinken nach und ist infolgedessen viel auf Reisen und selten bei der Familie.

1925 wird Federico Fellini eingeschult - im gleichen Jahr beginnt die faschistische Diktatur in Italien offiziell. Seine schulischen Leistungen sind normal, Geniestreiche oder ähnliche Besonderheiten scheinen zu fehlen. Tullio Kezich schreibt in „Fellini - Eine Biographie“: „Er war ein x-beliebiges Kind, das hübsch zeichnen konnte, in einer x-beliebigen Kleinstadt in einem bodenständigen Italien, das zwischen Faschismus und Katholizismus eingezwängt war.“

Für den kleinen Federico prägend waren unter anderem wohl die Ferien auf dem Land bei der Großmutter im Landhaus und/oder die Unterschiede zu der Kleinstadt. Auf dem Land kommt er mit alten bäuerlichen Sitten und Gebräuchen in Kontakt, mit Vagabunden und Zigeunern, die ihn später bei seinem filmischen Schaffen anregen und bewegen werden.

Von 1930 bis 1938 besucht er dann das Gymnasium Giulio-Cesare. In dieser Zeit karikiert er Freunde Lehrer und verschiedene Politiker (in der Regel Bleistift auf Papier), er macht sich einen Namen, so dass er schon bald einige Karikaturen und Comicstrips an kleine Lokalzeitschriften und später an größere Zeitungen amateurhaft verkaufen kann. Das Florentiner Wochenblatt „420“ ermöglicht es ihm schließlich professioneller zu arbeiten. Er erntet die ersten Erfolge als Karikaturist und Schreiber kleinerer Kolumnen.

Ein Jahr nach Federicos mittelmäßiger Reifeprüfung trennt sich die Familie. Die Mutter hat Heimweh und zieht mit Federico und ihrer Tochter nach Rom. Der Vater kann seine berufliche Position in Rimini nicht aufgeben und bleibt mit Riccardo in Rimini.

Anfänge in Rom

In Rom wohnt Federico mit seiner Mutter und der Schwester in einer kleinen Wohnung nah des Zentrums. Federico schreibt sich, obwohl er eigentlich Journalist werden will, der Mutter zu Liebe in Jura ein.

Ein Jahr später bereut die Mutter ihren Umzug und kehrt mit der Tochter zurück nach Rimini. Federico bleibt und der Bruder Riccardo rückt nach.

Auch in Rom schlägt sich Federico anfangs mit Karikaturen, welche er direkt auf den Straßen zeichnet, durch.

Bei der Tageszeitung „Il Piccolo“ und später bei der größeren „Marc‘ Aurelio“ findet er jedoch eine Anstellung und darf sich als junger, talentierter Journalist und Karikaturist behaupten. Er macht Karriere und wird relativ schnell zu Redaktionskonferenzen eingeladen. Wenn Themen politisch werden, schweift Federico eher aus Desinteresse, als aus angeborenem Antifaschismus schnell ab.

Interessant in Bezug auf sein späteres filmisches Schaffen ist die Tatsache, dass er, als er mehr Platz in der Zeitung eingeräumt bekommt, tagebuchartig, mit unerbittlicher Selbstironie seine Jugend in der Provinz und seinen Anfang in Rom schildert. Viele seiner Themen tauchen später in seinen Filmen wieder auf.

Neben seiner Tätigkeit bei der Zeitung arbeitet er, obwohl er nur geringes Interesse am Theater verspürt, an Entwürfen für diverse Musicals und Revuen mit.

Allmählich zieht er sich - trotz des Erfolgs bei den Lesern - von der Arbeit als Zeitungsjournalist zurück und schreibt seltener. Er entdeckt vielmehr das Radio, schreibt als Co-Autor Beiträge, humoristische Kommentare und schließlich auch kurze Hörspiele für den Radiosender „Radiocorriere“. Federico Fellini findet im Radio sein ideales Wirkungsfeld und liefert schließlich wöchentlich kurze Hörspiele ab, die oft traumähnliche Sequenzen, wie später auch seine Filme, beinhalten.

Beim Radio lernt Federico die Schauspielerin und Sprecherin Giulietta Masina kennen, die er 1943, als sich die Kriegssituation in Rom verschärft, heiratet.

Der Weg zur Regie

Noch während Federico der Tätigkeit als Journalist und Radiodramaturg nachgeht beginnt er an verschiedenen Filmdrehbüchern mit unterschiedlichen Autoren zu arbeiten um diese mit zu entwickeln. „Er (Fellini) neigt dazu, die eigene Arbeit möglichst gering erscheinen zu lassen oder ihre Bedeutung herunterzuspielen“, so Tullio Kezich in Fellinis Biographie. Wahrscheinlich der Hauptgrund, warum er in dieser Zeit noch in keinem Filmvorspann genannt wird. Außerdem fungiert er noch eher als Gag-Lieferant, er wirft viele Ideen aufs Papier und kümmert sich nicht darum, wo und wann diese im realisierten Film auftauchen.

Von Mal zu Mal lässt er sich als Regieassistent und künstlerischer Mitarbeiter bei verschiedenen Produktionen engagieren und entdeckt sein Interesse am Medium Film - auch weil die Bezahlung deutlich besser als beim Rundfunk und bei der Presse ist. Immer intensiver widmet er sich der Mitarbeit an Drehbüchern. Er lernt schließlich auch den Autor und Regisseur Rossellini kennen mit dem er für „Roma città aperta - Rom, offene Stadt“ 1946 die erste seiner vielen Nominierungen für den Oscar erhält. Er etabliert sich als Drehbuchautor und gibt ein Jahr später seine Tätigkeit als Journalist und Radiodramaturg völlig auf.

1950 ist Federico nun schon zehn Jahre lang nur noch als Drehbuchautor und Regieassistent tätig und hat in dieser Zeit bei 19 Drehbüchern (hauptsächlich für Filme des Neorealismus') mitgeschrieben. Er knüpft Kontakte und feste Freundschaften mit zum Beispiel Pinelli (Autor), Laurentiis (Produzent), Coletti (Regisseur), Lattuada (Regisseur) und anderen bedeutenden Schauspielern und Regisseuren welche ihn später bei seinen eigenen Filmen helfen und unterstützen werden.

In dieser Zeit wächst auch zunehmend die Rolle des Autors bei den Produzenten und den Zuschauern. Gute Autoren, zu denen auch ganz klar Fellini zählt, werden umworben, gut bezahlt und erlangen einen Gewissen Bekanntheitsgrad.

Inmitten dieser Entwicklung findet Fellinis Debüt als Regisseur statt - „Luci del varietà - Lichter des Varieté“(1950).

Fellinis unermüdliches Schaffen

Die 1950er Jahre

Bei seinem Debüt „Lichter des Varieté“ wird der 30-jährige Fellini von keinem geringeren als Alberto Lattuada, der neben Fellini mit inszeniert, unterstützt. Lattuada ist sieben Jahre älter und bereits erfolgreicher Regisseur. Er dient sozusagen als Garant für die Produktion. Was letzten Endes dem Film „Lichter des Varieté“ zwar Erfolg verspricht, jedoch nicht hilft, diesen zu ernten.

Der Film handelt von einer jungen Sängerin, die sich einer jungen Showgruppe anschließt, um aus ihrem Heimatdorf herauszukommen. Bei den Zuschauern und den Kritikern fällt der Film eher lau aus. Er wird oft mit „Vita da cani - Hundeleben“ von Mario Monicelli verglichen. „Vita da cani“ kommt etwa ein halbes Jahr zuvor in die Kinos und behandelt ein Thema mit ähnlichem Vorstadtcharakter - jedoch sensibler und präziser, wie die Kritiker schreiben. Lattuada und Fellini wird eine falsche Besetzung und zu wenig Gespür für die Figuren vorgeworfen.

Nach dem Misserfolg reagieren die beiden Freunde verschieden: Lattuada übt ein Jahr später mit „Anna“ eine Art Revanche (so als wollte er zeigen, dass auch er einen Bestseller schaffen konnte, wenn er nur wollte): der Film spielt eine Milliarde Lire ein und stellt den bis dahin größten internationalen Erfolg des italienischen Kinos dar. Fellini kehrt nicht zurück, um wieder in die Rolle des erfolgreichen Drehbuchautoren zu schlüpfen, er will seinen eingeschlagenen Weg fortsetzen und fängt schon bald mit den Vorbereitungen für seinen nächsten Film an.

Bei „Die bittere Liebe“, eine Komödie, deren Ursprungsidee (Flitterwochen in Rom) zwar von Michelangelo Antonioni stammt, aber von Tullio Pinelli, Ennio Flaiano und Federico Fellini geschrieben wird, trägt Fellini das erste Mal die alleinige Verantwortung für das Team bzw. die Regie. Während der Dreharbeiten wird der Stoff nochmals von Fellini abgeändert und einer langsamen „Fellinisierung“ (T. Kezich, Fellini - eine Biographie) unterzogen. Als der Film 1952 in den Kinos anläuft, fallen die meisten Kritiken abermals eher negativ aus. Eine einflussreiche Zeitschrift für Filmkultur schrieb: „[...] ein Film, der durch seine grobschlächtige Machart, seine erzählerischen Mängel und die Konventionalität des Aufbaus derart minderwertig ist, dass man mit gutem Grund bezweifeln darf, ob dieser Regieversuch Fellinis nicht als sein letzter anzusehen ist.“ Einer der wenigen Bewunderer nennt den Film allerdings „den ersten anarchistischen Film Italiens“. Fellini selbst erkennt seine Fortschritte und ist sich sicher, „einen wunderschönen Film fünf Jahre zu früh“ realisiert zu haben.

Mit „I Vitelloni - Die Müßiggänger“, ein Film über drei junge Leute, die sich mit Nichtstun in einer kleinen Provinz die Zeit totschlagen, setzt er - der negativen Kritik zum Trotz - sein filmisches Schaffen im Dezember 1952 fort. Als der Film ein halbes Jahr später auf den Filmfestspielen von Venedig läuft, zeichnet sich für den Regisseur Fellini endlich Erfolg ab. Die Kritiker und das Publikum sind sich einig, dass ein neuer Regisseur den Durchbruch geschafft habe. Fellini wird der Silbernen Löwe verliehen und „I Vitelloni“ findet den Weg ins internationale Verleihgeschäft. Der Film wird ein Kassenschlager und hat sechs Jahre später bereits die beachtliche Summe von 600 Millionen Lire eingespielt.

Im selben Jahr erscheint außerdem noch der Episodenfilm (wahrscheinlich der erste überhaupt) „L'Amore in città - Liebe in der Stadt“, bei dem Fellini neben Michelangelo Antonioni, Alberto Lattuada, Carlo Lizzani, Francesco Maselli, Dino Risi und Cesare Zavattini eine Episode schreibt und inszeniert. Der große Erfolg bleibt dem Episodenfilm aus, wobei einige Filmwissenschaftler ihn insgesamt als bemerkenswert bezeichneten.

Fellinis folgender Film „La Strada - Das Lied der Straße“ (1953-54) ist eine Art poetisches Märchen über ein Mädchen, das von ihrer Familie an einen Jahrmarktsartisten verkauft wird. Der Film beschert dem jungen Regisseur zwar eine Reihe von nationalen und internationalen Nominierungen und Auszeichnungen, darunter der Oscar für den besten ausländischen Film, eine Nominierung für den Oscar für das beste Drehbuch und die beste Inszenierung, das Silberne Band des Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani, der Silberne Löwe von Venedig und viele weitere Preise, jedoch spaltet er bei der Premiere bei den Filmfestspielen von Venedig im September 1954 die Welt der italienischen Autorenfilmer in zwei Lager.

Auslöser waren die Gerüchte über den Boykott, der von oben über ViscontisSenso“ verhängt worden war. Wenn es nach dem Willen gewisser Kreise gegangen wäre, hätte er nicht einmal in die Auswahl der Festspiele kommen dürfen. Visconti, der als Führer der marxistischen Opposition und Frontmann der Neorealisten galt, war nämlich der christdemokratischen Regierungsmacht und dem von ihr geprägten Kino ein Dorn im Auge.

Die Visconti Anhänger sahen in der nichtssagenden Begründung für die Verleihung des silbernen Löwen an „La Strada“ den klaren Beweis für den Boykott: „für den interessanten Versuch eines jungen Regisseurs, von dem auch die Idee zu dem Film stammt und der mit diesem Film seine Begabung für eine sensible und unabhängige Sichtweise unter Beweis gestellt hat“. Außerdem wird Fellinis Film von dem verbitterten Visconti als „neoabstrakt“ bezeichnet. Andere linke Kritiker werfen dem Film Religiosität, Mystifizierung, Pathos und Naivität vor.

1955 erscheint Fellinis sechster Film „Il Bidone - Fellinis Gauner“. Die Geschichte dreht sich um ein paar Schwindler, die getarnt als geistliche Würdeträger, den einfachen Leuten das Geld aus der Tasche klauen. Bei Drehschluss sind es nur noch 40 Tage bis zur Präsentation in Venedig und da alle fest auf den Goldenen Löwen hoffen, gar damit rechnen, wird der Film im Kampf mit der Zeit von zwei Cuttern gleichzeitig geschnitten. Der Kampf ist umsonst: bei den Festspielen wird der Film nicht einmal von der Jury erwähnt und bei der Vorführung beginnt sich der Saal nach der Hälfte des Films zu leeren. Fellini ist enttäuscht und wird nie mehr einen Film zum Wettbewerb in Venedig schicken (erst 1969 läuft wieder ein Film von ihm auf dem Festival - allerdings außer Konkurrenz).

Aufgrund des Misserfolgs vergehen fast zwei Jahre, bis Federico Fellini seinen nächsten Film, ein Film über die Suche nach Liebe einer Prostituierten, mit dem Titel „Le Notti di Cabiria - Die Nächte der Cabiria“ finanzieren kann. Die Produzenten scheuen sich, da der Stoff mit Sicherheit auf heftige Kritik seitens der Kirche und des Papstes stoßen wird und fordern zum Beispiel, dass er sich im vorhinein mit jeglichem Schnitt durch die Zensur einverstanden erklärt.

Auf der Pilgerschaft von Produzent zu Produzent lernt er den jungen Skandal-Schriftsteller Pier Paolo Pasolini kennen. Die beiden knüpfen Freundschaft und Pasolini beginnt die Dialoge des Drehbuchs in moderne römische Mundart zu übersetzen.

Schließlich hat Fellini von verschiedenen Privatleuten die größte Summe zusammen und findet letztendlich einen Produzenten.

Die Premiere findet 1957 in Cannes statt und der Film „Die Nächte der Cabiria“ behauptet sich gegen die starke Konkurrenz wie „Das siebte Siegel“ von Ingmar Bergman, „Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen“ von Robert Bresson und erhält den Preis für die beste Darstellerin (Ehefrau Guilietta Masina) mit einem offiziellen Hinweis, dass auch Fellini für die Schöpfung dieser Figur von der Jury geehrt wird. Die Goldene Palme geht an einen weniger bedeutenden Titel Lockende Versuchung von William Wyler.

„Le notti di Cabiria“ gewinnt noch unzählige andere Preise und Festivals (u.a. den Oscar). Und auch in Italien wird der Film nun sehr positiv wahrgenommen. Fellini wird nachgesagt, dass er nun bewiesen hätte, dass Kino nur in Freiheit gedeihen könne.

Als 1958 der erkrankte Papst Pius XII. stirbt - er soll derjenige sein, der ein wirkliches Nachtleben in Rom bisher verhinderte, bricht in der Hauptstadt eine Art permanentes Fest, der Größen aus den Klatschspalten aus. Rund um die Nachtschwärmer entsteht ein regelrechter Wettkampf der Paparazzi um die skandalösesten Fotos. Fellini schreibt sofort ein Drehbuch darüber, mit dessen Verfilmung er 1959 beginnt. „La dolce Vita - Das süße Leben“ wird 1960 erst in Rom dann in Mailand aufgeführt. Es hagelt negative Kritik seitens der Katholiken und das geladene Publikum bezeichnet den Film als ekelhaft und „offenkundige Beleidigung der Tugenden und Rechtschaffenheit der römischen Bevölkerung“. Fellini wird als Kommunist, Schuft bezeichnet und bei den Vorführungen heftigst ausgepfiffen. Eine plötzliche Kehrtwende tritt erst ein als die linke Presse überraschenderweise zu Fellinis Verteidigung mobil macht und der Kritik der Kirche und der Rechten Antwort bietet. Fünf Monate später erhält er in Cannes die Goldene Palme und erhält auch in den folgenden zwei Jahren mehrere Nominierungen und Auszeichnungen. Der Film wird gegen die Befürchtung der Produzenten auch ein finanzieller Erfolg und spielt 1965 über 2 Milliarden Lire ein.

Die 1960er Jahre

1960/1961 will Fellini die traditionellen Beziehungen zur Produktion ändern und gründet mit dem Freund und Produzent Rizzoli die Produktionsfirma Federiz. Die beiden wollen mit den Vorbereitungen zu Fellinis nächstem Film beginnen, aber auch andere Filme junger Regisseure, geschätzter Freunde und Künstler produzieren. Die Federiz produziert bis 1966 neun Filme, darunter „Verwirrungen des Sommers“ von Luigi Zampa, „Jungfrau reich garniert“ von Jean Léon, „Augenblick der Wahrheit“ von Francesco Rosi, oder „Die Rote Wüste“ von Michelangelo Antonioni. Die zwei eigenen, folgenden Filme (Boccaccio'70 u. ) macht Fellini zum Ärgernis seines Partners Rizzoli allerdings noch für andere Produktionsfirmen; erst „Giulietta degli spiriti“ wird 1965 von der Federiz produziert.

Die guten Vorsätze der Federiz scheitern und Rizzoli und Fellini trennen sich schließlich 1967. Rizzoli wirft Fellini (nicht zu unrecht) vor, dass dieser nur an seine eigenen Filme denken und auch entgegen seinem Vorsatz sich zu sehr in die Produktionen der anderen Regisseure einmischen würde. So zum Beispiel wird auch Pasolinis erster Film, trotz Freundschaft, von Fellini abgelehnt.

In den Jahren der Federiz, genauer gesagt 1961, lernt Fellini den Arzt und Psychologen Ernst Bernhard, der in der Zürcher Schule von C. G. Jung lehrt, kennen. Federico Fellini kommt so mit der Psychoanalyse, bzw. der Analytischen Psychologie und der Traumdeutung in Kontakt. Die häufigen Treffen und Gespräche werden das Fellianische Kino deutlich beeinflussen, das von da an vorwiegend traumhaft werden wird.

1962 erscheint von dem nun zweiundvierzigen Regisseur ein Film gegen die Zensur und die Medienwelt. Als „Boccaccio ‚70“ in Mailand anläuft sind die Kritiken zurückhaltend. Jemand bezeichnet die erste Episode, die den meisten zu schwülstig und langweilig erscheint, jedoch als Super-Satire und eine Rückkehr zu Fellinis Ursprüngen, seiner Vor-Kinozeit. In den USA wird „Boccaccio ‚70“ von der Catholic Legion of Degency geächtet.

Zu der wachsenden negativen Kritik über „Boccaccio ‚70“ kommt auch noch Federiz ins Gerede. Der Neid um den außergewöhnlichen Erfolg von „La dolce vita“ ist noch nicht abgeklungen und über Fellini wird gesagt, er „sei ausgebrannt, die Episode aus „Boccaccio ‚70“ sei nur ein Trick von ihm, um seine kreative Impotenz zu verschleiern. Kurzum er sei am Ende und werde nichts mehr machen. Genau wie seine Firma, die eigentlich die jungen Künstler hätte ermutigen sollen. Vor diesem Hintergrund [...] entsteht „“ (T. Kezich, Fellini - Eine Biographie).

Fellinis „“ enthält in hohem Maß Autobiographisches, der Film ist als Bericht über Fellinis Leben und Probleme bis zu jenem Punkt glaubwürdig, an dem er ins Phantastische übergeht. Der fast surreale Film kann durchaus als eine Art Experiment des Autors am eigenen Leib verstanden werden. „“ vermeidet, dank des köstlichen Humors die Schwere der Tragödie und stellt für viele Fellinis Meisterwerk dar.

Die Dreharbeiten beginnen 1962 und dauern über fünf Monate. ‚63 startet der Film in Italien und wird von der Kritik mit noch mehr Jubel aufgenommen als „La dolce vita“. In der Weltpresse tauchen schnell Wörter wie Magier, Genie, meisterhafter Stil u. ä. auf. Er wird als richtungsweisend für den Experimentalismus verstanden - jenseits von Avantgarde und Konvention. „“ räumt ein vielzahl bedeutender Preise ab: er erhält über 16 Auszeichnungen und weitere Nominierungen. „Giulietta degli spiriti - Julia und die Geister“ ist Fellinis erster Film seit „Die bittere Liebe“ der ohne Umwege über ein Festival in die Kinos kommt. Gründe dafür sind vor allem Fertigungsschwierigkeiten, die ihn nicht rechtzeitig für Venedig, wo er außer Konkurrenz gezeigt werden soll, abschließen können. Weltweit stößt der Film, über eine vereinsamte Frau, die von ihrem Mann betrogen wird, auf eine gewisse Enttäuschung und wird als unverständlich, unkontrolliert und kalt bezeichnet. Selbst Fellini ist mit dem Endprodukt nicht zufrieden, verteidigt aber seine Idee einen Film aus der weib-lichen Perspektive zu drehen so vehement, dass er fast einen ganzen Mitarbeiterstab und viele Freunde verliert.

Der Produzent und Studioboss Dino De Laurentiis (z.B.:„Die Bibel“,„Ein Mann sieht Rot“,„Dune“), der Kolossalfilme wie „Die Bibel“ produzierte, machte sich nun Fellinis Isolierung zu nutze und wollte sein mächtiges Schaffen mit einem neuen Fellini schmücken. Fellini unterschreibt also einen Vertrag bei Laurentiis und gilt darauf als der bestbezahlte Regisseur Italiens. Er liefert ihm bestimmte Konzepte und Exposés, doch Laurentiis ist oft nicht einverstanden. Als sie sich später halbwegs einigen können, beginnen so denn auch die Vorbereitungen - die sehr schnell mehrere Hunderte Millionen Lire verschlingen - für den Film „Il viaggio di G. Mastorna“ den Fellini niemals drehen wird (das Drehbuch hat Milo Manara als Comic umgesetzt). Fellini selbst gerät unter dem noch spürbaren Frust von „Julia und die Geister“ und der lautstarken Kritik Laurentiis in eine Schaffenskrise. Es häufen sich Missverständnisse und Fellini entfernt sich von dem mächtigen Produzenten und plant -trotz des unterschrieben Vertrags- einen Film („Satyricon“) mit der Konkurrenz zu machen. Laurentiis verklagt ihn daraufhin und das ganze Spektakel nimmt seinen Lauf. Schließlich wird Fellini von dem Produzenten Grimaldi von Laurentiis losgekauft und beginnt mit den Vorbereitungen für „Satyiricon“. Doch auch dieser Film wird verschoben, er bekommt ein Angebot aus Frankreich einen Episodenfilm mit Louis Malle und Roger Vadim zu machen. „Toby Dammit“ heißt Fellinis Teil von „Histoires extraordinaires - Außergewöhnliche Geschichten“. Premiere ist 1968 in Cannes. Der gesamte Film wird zwar eher lau wahrgenommen, doch Fellinis Episode hervorragender Kritiken bedacht.

Etwa zur gleichen Zeit wie endlich die Dreharbeiten für „Satyricon“ anlaufen, stellt NBC eine Dokumentation über und mit Fellini her. „A Director's Notebook“ läuft 1969 im amerikanischen Fernsehen und Fellini erklärt ein wenig über sein unorthodoxes Arbeiten.

Im gleichen Jahr kommt nun endlich „Fellinis Satyricon“ in die Kinos. Bei den XXX. Filmfestspielen in Venedig halten sich die Kritiker vorerst zurück, loben den Film dann zwar am folgenden Tag, scheuen sich jedoch davor ihn zu interpretieren. Tatsächlich ist „Satyricon“ vielleicht Fellinis subjektivster Film, der eine Auslegung auf psychoanalytischer Grundlage erfordert. Der Regisseur selbst nennt ihn „einen in die Vergangenheit gerichteten Sciencefiction-Film“, der eine Reise in die „Unbekanntnis“ darstelle, wobei er auf diesen ungewöhnlichen Ausdruck besteht.

In Bezug auf den Klassiker im Original von Petronius Arbiter, interpretiert Fellini mit einer Mischung aus Scheu und Respektlosigkeit, und hat das Buch im Original nie gelesen. Nach dem eher archetypischen als archäoligisch orientierten Film, der den Ruf des unangefochtenen Meisters der hohen Kunst des Bildermachens wieder wie nach „“ festigte, versucht Fellini nun vielmehr eine Interpretation der Wirklichkeit, als eine reine Idee einer Geschichte, bzw. einer Person zu erzählen. Es entstehen drei Filme zu diesem Thema: „I Clowns“, „Fellinis Roma“ und „Amarcord“.

Die 1970er Jahre

„I Clowns - Die Clows“ wird für das Fernsehen produziert und läuft 1971 in Italien, Frankreich, Deutschland und den USA. Laut T. Kezich behandelt Fellini im Gegensatz zu vielen anderen das Medium Fernsehen auf eine ihm gerechtere Art und Weise. Er versucht nicht die Erzählform des Kinos zu kopieren und inszeniert den Film eher in einem plaudernden, vertraulichen, eher journalistischen als narrativen Charakter.

In seinem nächsten Film „Fellinis Roma“ portraitiert er gewisserweise die Hauptstadt Italiens auf eine subjektive, autobiografische Weise um 1940. T. Kezich schreibt über den Film: „Ein Aufbau mit aneinandergereihten Episoden verleitet zu einer rhapsodischen Lektüre, zu einer Auswahl nach Lust und vielleicht auch nach Laune“.

„Fellinis Roma“ kommt 1972 in die Kinos. Die Kritiker diskutieren über das Für und Wider der von Fellini sehr geschätzten, zahlreichen „Filme im Film“ und bezeichnen „Roma“ als konfus, bunt und typisch fellianisch. „Roma„s Bewunderer sind hauptsächlich Intellektuelle und Künstler, bei dem gewöhnlichen Kinopublikum hat der Film überhaupt keinen Erfolg.

Im folgenden Jahr zeigt Fellinis „Amarcord“. Ein Panoptikum skurriler Charaktere, ein Kaleidoskop verschiedener Momentaufnahmen eines Italiens zur Zeit des Faschismus, aus der Perspektive eines neugierigen 16-jährigen Jungen. „Amarcord“ ist in Bezug auf Publikum und Festivals wieder erfolgreicher: der Film erhält einen Oscar und 13 weitere Auszeichnungen.

Schon 1971 hat Fellini einen neuen Vertrag mit dem mächtigen Laurentiis, der inzwischen auch in Amerika produziert, unterschrieben. Der Streit zwischen den Beiden scheint vergessen zu sein und Laurentiis vertraut der Unterschrift abermals. Da er aber noch einen Titel will, wirft Fellini den Namen „Casanova“ auf das Papier - obwohl er Giacomo Casanovas Erinnerungen niemals gelesen hat.

Doch auch dieser Vertrag zwischen den beiden soll nicht bestehen. Laurentiis erwartet etwas Freches, Pikantes und dem Geschmack seiner amerikanischen Partner Entsprechendes. Den Protagonisten Casanova will er mit einem Star wie Marlon Brando, Al Pacino, oder Robert Redford besetzen. Fellini hingegen erscheint dies alles viel zu uneuropäisch. Der Vertrag platzt und obwohl die Idee zu Casanova eher spontan entstanden ist sucht und findet er einen neuen Produzenten - Cineriz die vergleichsweise kleine Produktionsfirma Rizzolis Sohns. Da Fellini aufgrund des sich schleppenden Castings aber den Drehbeginn mehrere Male verschiebt, geht auch diese Kooperation zu Bruch. Schließlich telefoniert er mit Los Angeles und findet in Alberto Grimaldi (produzierte z.B.„1900“ u. „Gangs of New York“) seinen Produzenten. Von dem ewigen Hin und Her und der ganzen Warterei entnervt, hat Fellini nun aber die Lust an dem Film verloren und spricht dies auch bei jeder Gelegenheit aus. Er ärgert sich über die historische Epoche, „18. Jahrhundert, Scheissjahrhundert! Daraus kann ich nur ein elektrifiziertes Wachsfigurenmuseum machen“ und nennt die Erzählungen Casanovas „das Tagebuch eines Trottels“. Über Casanova selbst fallen Beschreibungen wie gefühllose Figur, Gauner, Faschist und in einem TV-Interview kommt er schließlich zu dem Schluss „Ich hasse Casanova“. Obwohl dies sicherlich nicht die beste Voraussetzung für einen Film zu sein scheint, beginnen dann doch noch im Frühjahr ‚75 die angesetzten 21 Drehwochen.

Die angestaute Frustration über den Stoff klingt jedoch auch nicht während des Drehs ab: Fellini behandelt seinen Hauptdarsteller Donald Sutherland, als ob der selbst der unsympathische Casanova wäre.

Mitte Dezember 1975 hat der Film bereits sämtliche Kosten (5 Milliarden Lire) und Termine überschritten. Da noch 40% zu drehen sind, verteilt Grimaldi der gesamten Truppe Kündigungsbriefe und beschließt den Laden zu schließen. Nach endlosen Debatten der Anwälte wird der Dreh dann doch noch Mitte Januar fortgesetzt und im Mai 1976 beendet.

Obwohl der verschwenderisch ausgegeben Milliarden befinden wir uns jenseits einer „industriellen Kunst“ und nähern uns einem „Privatismus“ und einer Frechheit eines Andy Warhols.

Il Casanova di Federico Fellini - Fellinis Casanova“ kommt im Dezember ‚76 in die Kinos, doch die Besucherzahlen stehen in keinem Verhältnis zu den Erwartungen. Die meisten Kritiker sind irritiert und eher skeptisch über den optischen Überschwang und den eher kumulativen als narrativen Charakter. Fellini selbst sagt über den Film in einem Interview: „Was hab ich mit diesem Film machen wollen? Ein gutes Stück weiter zum letzten Grund des Kinos gelangen, zu dem, was meiner Meinung nach der totale Film ist. Also dahin, dass es einem gelingt, aus einem Film ein Gemälde zu machen.[...]Das Ideale wäre ein Bild aus einem einzigen Bild zu machen, das ewig feststeht und voller Bewegung ist. [...]“(zitiert nach Casanova, Diogenes 1977).

Nach dem schier ewigen Dreh von „Casanova“ will Fellini nun etwas Kleines, Billiges drehen. Eine Thema das ihn stark beeinflusst findet er in der aktuellen politischen Lage Italiens. Als der Christdemokrat und Regierungschef Aldo Moro mit der kommunistischen Partei (PCI) einen Solidaritätspakt abschließen wollte, um das Problem der Wirtschaftskrise zu lösen, wird er von dem Kommando der Roten Brigaden entführt und erst nach 55 Tagen tot in einem Kofferraum eines Renaults nah des Sitzes der kommunistischen Partei gefunden.

Fellinis „Prova d'orchestra - Orchesterprobe“ ist wahrscheinlich der politischste Film seiner Karriere. Für Fellini ist das Orchester eine Metapher für die Welt und die Menschheit schlechthin.

Die Dreharbeiten beginnen im Mai 1978 und dauern gerade mal vier Wochen. Das Einspielergebnis bleibt unerheblich, doch alle Kritiken fallen gut aus.

Fellini selbst bezeichnet seinen nächsten Film „La cittá delle donne - Fellinis Stadt der Frauen“ als eine Kleinigkeit, als einen Scherz. Der Film ist ein bebilderter Traum eines Mannes der sich auf der Suche nach der idealen Frau verirrt. Der Film läuft in Fellinis sechzigsten Lebensjahr an und wird von den Kritikern mit Respekt aufgenommen.

Die 1980er Jahre

1981 reist Fellini auf Grund der Einladung Laurentiis und anderer amerikanischer Produzenten, die zum x-ten Mal die Verfilmung von DantesInferno“ vorgeschlagen haben, nach Amerika um sich dort umzuschauen, ob er nicht doch mal in den USA drehen wolle. Die Angst der italienischen Filmwelt (Man spricht von der „Flucht der Talente“), die dabei aufkommt, ist allerdings unnötig, denn Fellini reist schon wieder, mit dem Vorwand des verschlechterten Gesundheitszustandes seiner Mutter, nach einer Woche ab.

Zurück in Italien bereitet er nun sein neues Projekt „E la nave va - Fellinis Schiff der Träume“ vor. Der Film ist eine assoziative Anspielung auf den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und/oder wie Fellini sagt: „...ein Versuch, eine Gruppe von Personen für eine Reise ins Leere, das heißt auf See, einzusperren. Aber es könnte auch...“.

„E la nave va“ wird der Welt 1983 in Venedig vorgestellt. Man reagiert sehr positiv auf den Film und was Fellini besonders schmeichelt, ist, dass Ingmar Bergman, der auch von Fellini sehr bewundert wird, den Film im Keller des Palazzos ganz alleine anschaut.

Schon während den Dreharbeiten von „E la nave va“ wächst die Medienpräsenz der Figur Fellini so stark, dass es „fast schon lästig fällt“(T.Kezich, Fellini - Eine Biographie). Eine Reihe von Sondersendungen und -berichten, „Specials“ über die Dreharbeiten und Fotoserien erscheinen in Zeitungen und im Fernesehen. Die Diskrepanz zwischen dem Autor Fellini und der Figur Fellini, die als Garantie für Popularität und Absatzsteigerungen gilt, ist so groß, dass mit großer Wahrscheinlichkeit mit diesem Hintergrund das Drehbuch für „Ginger und Fred“ entstanden ist.

1984 reist Fellini aber nach Los Angeles und Mexiko um Recherchen über einen lateinamerikanischen Gelehrten und dessen Bücher zu machen. Zurück von der Reise schreibt er dann das Exposé „Die Reise nach Tulun“ - eine abenteuerliche, geheimnisvolle Geschichte, die sich auch auf der anderen Seite des Ozeans abspielt.

Im Oktober 1984 ist der Drehbeginn von „Ginger und Fred“. Der Film ist eine Abrechnung mit der seelenlosen Fernsehwelt und unterstreicht Fellinis Äußerungen und gerichtliche Klagen gegen die bodenlose Ausuferung des Privatfernsehens Ende der siebziger Jahre in Italien.

Während der Fertigstellung wird er wegen eines Unwohlseins in eine Klinik eingeliefert und die erste Vorführung muss verschoben werden. Der Kinostart findet im Januar 1986 in Frankreich statt.

Als Federico 1985 während der Fertigstellung aus dem Krankenhaus kommt, erhält er in Venedig den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk. Doch dies soll noch nicht zu Ende sein, denn mit „Intervista“ setzt er 1987 sein filmisches Schaffen fort. Ein Selbstportrait, in dem er sich selbst spielt und über sein Leben und Arbeiten im und mit dem Medium Film erzählt.

Die 1990er Jahre

Fellinis letzter und fünfundzwanzigster Film, den er im Alter von 70 Jahren inszeniert, hat den Titel „La Voce de la Luna - Die Stimme des Mondes“ und handelt von dem Mondsüchtigen Salvini, der Nachts umher streicht um geheimnisvollen Stimmen zu lauschen.

1993 erhielt Federico Fellini den Ehrenoscar und starb ein halbes Jahr später an einem Herzleiden.

Filme

Auszeichnungen

Literatur/Quellen

Personendaten
Fellini, Federico
italienischer Filmemacher und Regisseur
20. Januar 1920
Rimini
31. Oktober 1993
Rom