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Planhauptstadt

Als Planhauptstadt bezeichnet man eine Planstadt, die als Hauptstadt geplant und gebaut wurde.

Inhaltsverzeichnis

Gründe für eine Planhauptstadt

Es gibt vielseitige Gründe für die Schaffung einer Planhauptstadt, beispielsweise zur besseren Verteilung der Bevölkerung. Die Stadt wird dann im zentralen Landesteil gebaut. Bei anderen Ländern gab es Streitigkeiten zweier oder mehrerer Städte, welche Stadt Hauptstadt werden soll. Oder es gab andere machtpolitische oder geschichtliche Gründe, eine "künstliche" Hauptstadt zu schaffen. Hier wäre das Beispiel der uneigentlichen Planhauptstadt Bonn anzuführen, die es zwar vorher schon gab, vorher aber politisch nur marginale Bedeutung hatte. Die Planhauptstädte befinden sich dann meist auf neutralem Boden (beispielsweise District of Columbia oder Capital Territory).

Ergebnisse

Versuche, die Bevölkerungsverteilung durch Planhauptstädte zu regeln, schlugen meist fehl. Bei den meisten Ländern gab es nur geringe Veränderungen.

Nur wenige Planhauptstädte wurden, wie eigentlich geplant, zur größten Stadt des Landes.

Echte Planhauptstädte

Die folgenden Städte sind als Hauptstädte per Dekret geplant und neu gebaut worden.

Abuja

Die alte Hauptstadt von Nigeria war Lagos. Die Planung der Stadt begann 1976 unter Leitung des Japaners Kenzo Tange. Die neue Hauptstadt sollte nicht an der Küste, sondern zum Zweck einer besseren Bevölkerungsverteilung im Zentrum des Landes liegen. Es gab finanzielle Probleme und so wurde Abuja erst 1991 Hauptstadt von Nigeria. Die Stadt liegt im Federal Capital Territory.

Belmopan

Die an der Küste gelegene Stadt Belize City war bis 1970 Hauptstadt von Belize, bis der Regierungssitz in die neugebaute Hauptstadt Belmopan im Landesinneren verlegt wurde. Ausschlaggebend dafür war der Hurrikan Hattie, der 1961 Belize City zerstörte.

Brasília

Brasília sollte die Bevölkerung besser verteilen und wurde somit im zentralen Gebiet des Landes angelegt. 1956 begann der Bau mit dem Architekten Lúcio Costa, der mit Oscar Niemeyer zusammen arbeitete. Brasília wurde in Form eines Flugzeuges 1960 fertiggestellt und löste Rio de Janeiro als Hauptstadt ab. Sie liegt im Distrito Federal. Der Name sollte an den Staatsnamen erinnern.

Canberra

In Australien war die erste Hauptstadt Melbourne, doch um keine Streitigkeiten mit anderen Städten (beispielsweise Sydney) zu schaffen, ließ man eine Planhauptstadt erbauen. Die Stadt Canberra wurde nach Plänen des US-amerikanischen Architekten Walter Burley Griffin im Jahr 1913 in Dreiecksform fertiggestellt. Sie liegt im Australian Capital Territory (weit vom Meer entfernt). Der Name kommt aus einer Aborigine-Sprache und bedeutet "Treffplatz".

Islamabad

Die Hauptstadt von Pakistan sollte weiter im Innern des Landes liegen. In den 1960er begann der Bau von Islamabad unter dem griechischen Architekten Constantinos A. Doxiadis. 1967 wurde die Stadt schließlich Hauptstadt und löste Karatschi (bis 1959 Hauptstadt) und Rawalpindi (bis 1967 Übergangshauptstadt) ab. Islamabad liegt im 1970 errichteten Hauptstadtterritorium Islamabad (Islamabad Capital Territory).

Neu-Delhi

Neu-Delhi ist die Hauptstadt von Indien. Die Briten planten einen zentral gelegenen Verwaltungssitz, der keine Streitigkeiten auslösen sollte. 1911 löste daher Delhi Kalkutta (heute Kolkata) als Interimshauptstadt Britisch-Indiens ab. Die im britischen Stil gehaltene Planstadt Neu-Delhi wurde 1929 fertiggestellt und 1931 als neue Hauptstadt Britisch-Indiens eingeweiht. Erbauer war der britische Architekt Edwin Lutyens. Neu-Delhi liegt im Unionsterritorium Delhi und stellt eine eigenständige, von Delhi getrennt verwaltete Gemeinde dar.

Washington D. C.

Die ursprünglichen Hauptstädte der USA waren New York und Philadelphia. In den 1790er begann der US-Präsident George Washington (Namensgeber) ein Gebiet zu wählen, welches sowohl Teile von Maryland als auch von Virginia umschloss. Der Erbauer war Pierre Charles L'Enfant und seit 1800 ist Washington D. C. im District of Columbia die US-Hauptstadt.

Beförderte Städte

Diese Städte existierten bereits als unbedeutende Städte, bevor sie aufgrund eines Dekretes Hauptstadt wurden.

Astana

Astana (kasachisch Астана; wörtlich übersetzt „Hauptstadt“) ist seit 1997 die Hauptstadt Kasachstans. Bis 1997 war die Stadt im Herzen Kasachstans nicht sehr bedeutend, bis sie vom kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew zur Hauptstadt erklärt wurde. Wirtschaftliches und kulturelles Herz ist aber weiterhin die alte Hauptstadt Almaty (früher: Alma-Ata).

Melekeok

Melekeok ist eine Stadt auf Babelthuap, der größten Insel Palaus mit etwa 1600 Einwohner in einem Umkreis von 7 km vom Stadtkern. Sie löste am 7. Oktober 2006 den provisorischen Regierungssitz Koror ab.

Yamoussoukro

Yamoussoukro (dt. auch Jamussukro) ist seit März 1983 die Hauptstadt der Elfenbeinküste. Yamoussoukro liegt im Zentrum des Landes, etwa 230 Kilometer nördlich der früheren Hauptstadt Abidjan, und ist die Geburtsstadt von Félix Houphouët-Boigny, dem ersten Präsidenten der Elfenbeinküste. Er ließ dort nach dem Vorbild des Petersdoms die größte katholische Kirche der Welt, die Basilika Notre-Dame de la Paix, sowie eine Reihe weiterer Prunkbauten erbauen.

Planungen zu Planhauptstädten

Ägypten

Auch in Ägypten wird derzeit angeblich überlegt, die Hauptstadt von Kairo in eine neue Stadt in der ägyptischen Wüste zu verlegen. Der Hauptgrund ist, dass die Stadt der immensen Bevölkerungszahl (über 10 Millionen Einwohner) nicht mehr gewachsen ist, und das dadurch entstandene Chaos einer Hauptstadt nicht würdig sei.

Südkorea

Am 11. August 2004 gab der Präsident Südkoreas, Roh Moo-hyun, bekannt, dass die Hauptstadt des Landes in die Provinz Chungcheongnam-do verlegt werden soll. Das geplante Gebiet bei Gongju liegt ca. 160 Kilometer südlich der aktuellen Hauptstadt Seoul. Als Gründe wurden die Überbevölkerung von Seoul und die dortige Konzentration der Wirtschaftskraft genannt. Rund 20 Millionen der 48 Millionen Südkoreaner leben in Seoul und seinen Satellitenstädten. Aber auch die Nähe zur Grenze zu Nordkorea, Seoul liegt in der Reichweite der nordkoreanischen Artillerie, wurde als Grund genannt. Am 21. Oktober wurde das Gesetz zum Umzug jedoch vom Verfassungsgericht als verfassungswidrig erklärt. Die Verlegung der Hauptstadt sei eine wichtige nationale Entscheidung, die nicht ohne eine Befragung der Bevölkerung beschlossen werden könne.

Präsident Roh plant nun nur noch eine Verlegung des Regierungssitzes. Bis 2012 sollen zwölf Ministerien und 30 Organisationen des Staates umziehen, das Blaue Haus (Sitz des Präsidenten), das Parlament, das Verfassungsgericht, sowie die Ministerien für Wiedervereinigung, Verteidigung, Gleichberechtigung, Justiz und das Außenministerium sollen in Seoul bleiben, welches auch weiterhin Hauptstadt des Landes sein wird. Auch diese Pläne sind verfassungsrechtlich umstritten.

Historische Planhauptstädte

Karlsruhe

Karlsruhe wurde 1715 als Hauptstadt von Baden-Durlach gegründet, als Markgraf Karl-Wilhelm, sich entschloss, die mittelalterliche Enge seiner damaligen Residenz Durlach gegen den Bau einer neuen, in Anlage und Geist offenen Stadt einzutauschen. Die Stadtanlage ist sternen- bzw. fächerförmig, die Straßen laufen auf das im Stadtzentrum gelegene Schloss zu.

Sankt Petersburg

Sankt Petersburg war von 1712 bis 1918 Hauptstadt Russlands. Die Stadt, die allein auf eine Idee Peters des Großen zurückgeht, sollte Russland über die Ostsee nach Europa öffnen und auch symbolisch die Macht der Moskau dominierenden Bojaren und der russisch-orthodoxen Kirche brechen. Heute ist zwar Moskau wieder Hauptstadt Russlands, Sankt Petersburg aber immerhin die zweitgrößte Stadt des Landes und viertgrößte Europas.

Welthauptstadt Germania

Die Nationalsozialisten versuchten, aus Berlin eine Welthauptstadt zu machen, die Welthauptstadt Germania. 1936 hatte Albert Speer die Idee der Stadt Germania. Mit der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg scheiterte das Germania-Projekt. Näheres siehe Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt.

Siehe auch