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Rennsteig

Der Rennsteig ist ein historischer Grenzweg auf dem Kamm des Thüringer Waldes, Thüringer Schiefergebirges und Frankenwaldes. Im Mittelalter markierte er die Grenze des Herzogtums Franken zum thüringisch-sächsischen Herrschaftsbereich. Auch heute noch grenzt er deutlich die fränkischen Gebiete Südthüringens vom überwiegend sächsisch geprägten Thüringen ab.

Als Sprachgrenze trennt der Rennsteig die ostfränkischen Dialekte Hennebergisch, Itzgründisch und Oberfränkisch von den thüringischen Dialekten Zentralthüringisch, Ilmthüringisch und Südostthüringisch, die im Gebirge, auf der Nordseite und östlich des Thüringer Waldes gesprochen werden.

Des Weiteren bildet der Rennsteig die Wasserscheide zwischen den Flusssystemen Werra/Weser, Saale/Elbe und Main/Rhein. Am Dreistromstein bei Siegmundsburg treffen die Einzugsgebiete aller drei Ströme aufeinander.

Der Rennsteig ist heute einer der schönsten Fernwanderwege Deutschlands. Er wurde von August Trinius für die Wanderbewegung entdeckt und vor allem durch die Publikationen des 1896 gegründeten Rennsteigvereins weit über die Grenzen Thüringens und Frankens bekannt.

Der Rennsteig-Radwanderweg wurde am 19. Juni 2000 eröffnet. Er ist überwiegend mit einer wassergebundenen Decke versehen, teilweise wird er auch auf ruhigen Landstraßenabschnitten geführt. Hier und da weicht er vom historischen Rennsteig ab, so dass starke Steigungen vermieden wurden. Dadurch ist er ca. 30 km länger als der Wanderweg.

Inhaltsverzeichnis

Verlauf

Der Rennsteig verläuft auf dem Kamm des Thüringer Mittelgebirges von Nordwest nach Südost in ca. 500–970 Meter Höhe. Er beginnt im Eisenacher Stadtteil Hörschel an der Werra und endet nach ca. 170 km in Blankenstein an der Saale. Im Jahr 2003 wurde der Rennsteig durch das Thüringer Landesamt für Vermessung und Geoinformation neu vermessen; dabei wurde eine Gesamtlänge von 169,3 km ermittelt. Die Markierung ist durchweg sehr gut, meist ein weißes R. Die Übernachtungsmöglichkeiten entlang des Rennsteiges sind recht gut. Für Leute mit wenig Geld empfiehlt sich auch das Übernachten direkt in der Natur, was am Rennsteig sehr gut auch ohne Zelt möglich ist. Entlang des Rennsteiges gibt es circa alle 5 bis 10 Kilometer kleine, offene Unterstandshütten.

Im Winter bei hohem Schnee sollte man Langlaufski oder Schneeschuhe benutzen. Allerdings ist die Schneehöhe in den letzten Jahren rückläufig, und der Rennsteig wird zunehmend in Teilbereichen als Winterwanderweg entdeckt und gepflegt.

Zitat (aus Am Anfang von Joseph Victor von Scheffel, 1863):
„Ein deutscher Bergpfad ist's! Die Städte flieht er und birgt im Dickicht seinen scheuen Lauf.“
Zitat (aus Doktor Faustus von Thomas Mann, 1947):
„Zur Juni-Zeit etwa, wenn aus den Schluchten der bewaldeten Höhen, die das Thüringer Becken durchziehen, die schweren Düfte des Jasmins, des Faulbaums quollen, waren es köstliche Wandertage, hier durch das von Industrie fast freie, mild-begünstigte, fruchtbare Land mit seinen freundlichen Haufendörfern aus Fachwerkbauten; und kam man dann aus der Gegend des Ackerbaus in die der vorwiegenden Viehzucht und verfolgte den sagenumwobenen Höhenpfad des mit Fichten und Buchen bestandenen Kammgebirges, den ›Rennsteig‹, der mit seinen Tiefblicken ins Werratal sich vom Frankenwald gegen Eisenach, die Hörselstadt, erstreckt, so wurde es immer schöner, bedeutender, romantischer ...“

Der Bachlauf der Spitter überquert im Bereich des Naturschutzgebietes Ebertswiese, in ca. 700 Meter Höhe, als einziges fließendes Gewässer im mittleren Teil des Rennsteigs den Verlauf des Höhenweges, um dann den nahe gelegenen Spitterfall zu speisen. Ein zweiter, den Rennsteig querender Bachlauf befindet sich mit dem Dober im südöstlichen, schon zum Frankenwald gerechneten Teil direkt an der thüringisch-bayerischen Grenze westlich von Brennersgrün, einem Ortsteil der Stadt Lehesten.

Quer zum Rennsteig verlaufen drei Tunnel: Zum einen der nach ihm benannte Rennsteigtunnel, mit seinen 7916 bzw. 7878 Metern (zwei Röhren) der längste Straßentunnel Deutschlands. Dabei handelt es sich um den im Jahr 2003 eröffneten Autobahntunnel der A71. Der zweite ist der 3039 Meter lange Brandleitetunnel, welcher 1884 eröffnet wurde und die Bahnstrecke Erfurt-Schweinfurt unter dem Thüringer Wald hindurchführt. Beide Tunnel kreuzen sich mit einem vertikalen Abstand von nur sieben Metern. Der dritte ist der 549 Meter lange Förthaer Tunnel der Werrabahn.

Ersterwähnung und Namensdeutung

Seine erste Erwähnung fand der Rennsteig im Jahre 1330 als Rynnestig. Etymologen sind sich über die Bedeutung des Namens nicht schlüssig. Er lässt sich auf die Jägersprache Rain im Sinne von Grenze zurückführen. Im Althochdeutschen ist der renniweg im Gegensatz zu befahrbaren Heerstraßen ein schmaler Lauf- oder Reitweg.

In der Bergfreiheit für Goldlauter von 1546 ist dann vom Rensteig die Rede.

Weitere Rennsteige

Neben dem heute bekannten Rennsteig gab es im gesamtdeutschen Raum etwa 250 weitere Rennsteige und Rennwege. Diese waren teilweise älter und teilweise jünger als der des Thüringer Waldes. Die Deutung als reiner Grenzweg lässt sich damit teilweise widerlegen.

Landkreise am Rennsteig

Orte am Rennsteig

Von Nordwest nach Südost

Siehe auch

Literatur